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Karlsruhe Problemviertel Südstadt: Wie Makler Sven Weida gegen den Leerstand vorgehen will

Staubige Schaufenster, trostlose Straßen und verschmierte Wände - viele Immobilien in der Karlsruher Südstadt stehen seit langer Zeit leer. Eine Immobilienfirma aus der Fächerstadt will das nicht länger hinnehmen. ka-news hat sich mit Initiator und Makler Sven Weida getroffen.

Das Problem des Leerstands in der Südstadt ist in Karlsruhe kein unbekanntes: Bereits zwei Mal wandte sich die Karlsruher Gemeinderatsfraktion Für Karlsruhe deshalb schon an die Stadt - bisher ohne Erfolg. Für die Stadtverwaltung sei es oft schwierig tätig zu werden, da die Immobilien meist in privater Hand sind. Doch genau diese Missstände blieben auch Immobilienmakler Sven Weida nicht verborgen. Ihm gehört die Karlsruher Firma W4 Immobilien, die sich nun aktiv gegen den Leerstand der Ladengeschäfte wehren will. 

Leerstand Südstadt
Ein verwahrlostes Geschäft an der Ecke Werderstraße/ Wilhelmstraße. | Bild: Melissa Betsch

"Die Politik ist nicht für alles zuständig"

Dabei greift er auf seine Erfahrung als Makler zurück. Doch genau diese sollen für die Gewerbetreibenden in der Südstadt kostenlos sein. Grundsätzlich muss eigentlich der Auftraggeber die Kosten für die Beauftragung übernehmen.

Doch indem er eine kostenlose Vermarktung für jeden Gewerbevermieter in der Südstadt anbietet, erhofft sich Weida, die Attraktivität des Stadtteils für Mieter wieder steigern zu können. Um das zu schaffen, geht der Makler derzeit zusammen mit Praktikantin Annabelle Schaaf in der Südstadt von Haus zu Haus und verteilt Infoschreiben.

Das Ziel: Die Bewohner für die Problematik sensibilisieren. "Manchmal müssen wir als Bürger einfach anfangen. Die Politik ist nicht für alles zuständig", erklärt Weida seinen Beweggrund gegenüber ka-news.

Einen Ansatz, den die Stadtverwaltung wohl ähnlich sieht: "Die Möglichkeiten, auf private Hauseigentümer Einfluss zu nehmen, sind gescheitert. Ebenso der Versuch, alle Beteiligten - Eigentümer, 'Haus&Grund', Justiz - an einen Tisch zu bekommen sei vor ein paar Jahren nicht erfolgreich gewesen", so die Stadt in ihrer Antwort an die Für Karlsruhe-Gemeinderäte in diesem Sommer.

Leerstand Südstadt
Immobilienmakler Sven Weida und Praktikantin Annabelle Schaaf kämpfen gegen den Leerstand der Karlsruher Südstadt. | Bild: Melissa Betsch

Interessenunterschiede und Investitionsscheu

Die Frage nach dem Grund für den Leerstand der Südstadt ist auch für den Makler nicht leicht zu beantworten. Seiner Aussage zufolge könnten hier verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. "Ich glaube, es liegt unter anderem an Interessenunterschieden zwischen Vermieter und Mietern", erklärt Weida. Er will hier Kompromisse erreichen.

Leerstand Südstadt
Das "Luis Leu" in der Luisenstraße steht scheinbar leer, wird aber immer wieder einmal als Ausstellungsraum genutzt. | Bild: Melissa Betsch

Auch vermutet er eine Investitionsscheu der Vermieter hinter der Problematik: Was ist, wenn das Objekt saniert wird und sich anschließend kein Mieter findet? Dennoch zeigt sich Weida zuversichtlich: "Ich bin der Meinung, dass wir hier in der Südstadt, gerade im Gewerbebereich, gute Mieter finden, weil es ein kreatives Viertel ist." 

10.000 Infobriefe sollen verteilt werden

Rund 2.500 der Infobriefe hat der Immobilienmakler nach eigenen Angaben bereits in Umlauf gebracht - 10.000 sollen insgesamt verteilt werden. Auf diese Weise will er die Bewohner er Südstadt dazu aufrufen, den Leerstand zu lokalisieren. Auch in den sozialen Netzwerken hofft er auf Unterstützung und will, dass Bürger mit dem Hashtag "#KAstehtleer" aufzeigen, wo es überall leere Räumlichkeiten gibt. Diese Arbeit nimmt Weida, der seit 15 Jahren in Karlsruhe wohnt, nach eigenen Angaben gerne in Kauf, denn "die Südstadt ist Teil meiner Stadt, Teil meines Zuhauses", sagt er.

Leerstand Südstadt
Auch am Werderplatz steht ein Ladengeschäft leer. | Bild: Melissa Betsch

Und die Aktion trägt Früchte: Drei bis vier Kontakte sind Weida nach seiner Aussage bislang beim Verteilen der Briefe zu seinem Angebot entstanden. Eine konkrete Vermittlung einer Immobilie war allerdings noch nicht darunter. Doch er sei mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Auch vonseiten des Bürgervereins habe er Feedback erhalten. "Es ist toll, dass so viel Resonanz da ist!", freut sich der Makler gegenüber ka-news.

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  •   DonHasi
    (1000 Beiträge)

    27.08.2018 16:12 Uhr
    Ladengeschäft mieten/vermieten
    Hallo und guten Morgen,
    vielen Dank für Ihr nettes Angebot.
    Habe mich zu dem Thema schon eine Weile nicht mehr geäussert, da ich nicht direkt betroffen bin.
    Mein Wunsch ein leerstehendes Geschäft zu mieten bezog sich nicht auf die "Südstadt", sondern auf einen anderen Stadteil mit Straba-Haltestelle und Verkehrsanbindung "direkt vor der Haustür"
    Suchkritieren: ca 50 qm Fläche, straßenseitig frontal zugänglich mit Eingangstür, gern auch über Eck, (keine ehemalige Trinkhalle, Kiosk o.ä) Strom und fliessend Wasser sollte bereits vorhanden sein.
    Ich bedanke mich nochmals für Ihre Bemühungen und wünsche Ihnen ganz viel Erfolg.
    Hier noch meine E-Mail Adresse:
    slowy777@gmail.com
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  •   karlsunruhe
    (77 Beiträge)

    09.08.2018 10:34 Uhr
    Ach, wie interessant
    Keine Mieter und Investoren? Kann das vielleicht daran liegen, dass die Klientel am Werderplatz und umliegenden Straßen jeden vertreibt und entmutigt? So lange es den Anwohnern betrifft, scheint es ja egal zu sein, jetzt, aber, wo die Wirtschaft darunter leidet, wird jemand wach...
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  •   kommentar4711
    (2300 Beiträge)

    09.08.2018 09:49 Uhr
    Schade
    Ich finde es wirklich schade, dass die Stimmung hier so negativ ist zu dem Thema. Ich bin auch kein Freund von Maklern, aber hier ergreift jemand mal die Initiative um in der Stadt etwas zu verbessern. Ich bin darüber froh und finde man sollte ihm eine Chance geben und es nicht gleich schlecht reden. Was wäre denn die Alternative? Die Immobilien die leer stehen weiter vor sich hin rotten zu lassen?
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  •   W4Immobilien
    (2 Beiträge)

    09.08.2018 10:29 Uhr
    Initiative um in der Stadt etwas zu verbessern
    Hallo kommentar4711 , danke für dein Kommentar. Genau diesen Ansatz verfolgen wir. Wir möchten Anfangen. Danke!
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  •   ka-lex
    (1644 Beiträge)

    09.08.2018 10:01 Uhr
    Die Alternative wäre z.B. eine Leerstandsabgabe.
    Es darf sich wirtschaftlich nicht lohnen leer stehen zu lassen!
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  •   kommentar4711
    (2300 Beiträge)

    09.08.2018 15:04 Uhr
    Antwort auf "Die Alternative wäre z.B. eine Leerstandsabgabe."
    Ich sehe nicht, was eine Leerstandsabgabe an der Gesamtsituation ändern soll. Solange am Werderplatz eine offene Drogenszene besteht und dagegen nicht etwas ernsthaftes unternommen wird dürften die meisten Besitzer trotzdem nicht bereit sein, zu investieren. In einer Stadt wie KA, in der der Miet- und Kaufpreise in den letzten Jahren durch die Decke gegangen sind hat es doch Gründe, wenn Immobilien ungenutzt vor sich hin rotten. An jeder interessanten Stelle würden die Investoren Schlange stehen um das Gebäude zu kaufen und entweder zu sanieren oder einen Neubau hin zu setzen. Wenn diese hier seit Jahren nicht erfolgt gibt es Gründe dafür, und diese lassen sich nicht über eine Leerstandsabgabe aus der Welt schaffen.
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  •   Mondgesicht
    (2128 Beiträge)

    09.08.2018 11:13 Uhr
    Lohnen
    kann sich das nicht, aber man findet für diese Umgebung nun mal keinen gewerblichen Mieter, der sich das antut. Da hilft auch der Ruf nach staatlichem Zwang nicht.
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  •   357.Magnum
    (80 Beiträge)

    09.08.2018 09:28 Uhr
    Immobilien-Makler
    allein bei diesem Wort und den schlechten Erfahrungen mit diesen Typen wird mir schon speiübel
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  •   Chartist
    (311 Beiträge)

    09.08.2018 09:28 Uhr
    Sven Weida, wie süß
    10000 briefe und einige Hundert für die Werbung hier.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    09.08.2018 08:59 Uhr
    Glaube
    ich kann es nicht glauben, dass der Herr Immobilienmakler aus lauter Altruismus handelt. Da die Südstadt so heruntergekommen ist ist ein Fehler der Stadtplaner sprich den politischen Verantwortlichen im Rathaus. Je länger mit einer Sanierung und der Beseitigung der "dunklen Ecken"
    des ganzen Stadtteils gewartet wird, desto teurer wird das für die Stadt und damit dem Steuerzahler.
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