76  

Karlsruhe Problemviertel Südstadt: Wie Makler Sven Weida gegen den Leerstand vorgehen will

Staubige Schaufenster, trostlose Straßen und verschmierte Wände - viele Immobilien in der Karlsruher Südstadt stehen seit langer Zeit leer. Eine Immobilienfirma aus der Fächerstadt will das nicht länger hinnehmen. ka-news hat sich mit Initiator und Makler Sven Weida getroffen.

Das Problem des Leerstands in der Südstadt ist in Karlsruhe kein unbekanntes: Bereits zwei Mal wandte sich die Karlsruher Gemeinderatsfraktion Für Karlsruhe deshalb schon an die Stadt - bisher ohne Erfolg. Für die Stadtverwaltung sei es oft schwierig tätig zu werden, da die Immobilien meist in privater Hand sind. Doch genau diese Missstände blieben auch Immobilienmakler Sven Weida nicht verborgen. Ihm gehört die Karlsruher Firma W4 Immobilien, die sich nun aktiv gegen den Leerstand der Ladengeschäfte wehren will. 

Leerstand Südstadt
Ein verwahrlostes Geschäft an der Ecke Werderstraße/ Wilhelmstraße. | Bild: Melissa Betsch

"Die Politik ist nicht für alles zuständig"

Dabei greift er auf seine Erfahrung als Makler zurück. Doch genau diese sollen für die Gewerbetreibenden in der Südstadt kostenlos sein. Grundsätzlich muss eigentlich der Auftraggeber die Kosten für die Beauftragung übernehmen.

Doch indem er eine kostenlose Vermarktung für jeden Gewerbevermieter in der Südstadt anbietet, erhofft sich Weida, die Attraktivität des Stadtteils für Mieter wieder steigern zu können. Um das zu schaffen, geht der Makler derzeit zusammen mit Praktikantin Annabelle Schaaf in der Südstadt von Haus zu Haus und verteilt Infoschreiben.

Das Ziel: Die Bewohner für die Problematik sensibilisieren. "Manchmal müssen wir als Bürger einfach anfangen. Die Politik ist nicht für alles zuständig", erklärt Weida seinen Beweggrund gegenüber ka-news.

Einen Ansatz, den die Stadtverwaltung wohl ähnlich sieht: "Die Möglichkeiten, auf private Hauseigentümer Einfluss zu nehmen, sind gescheitert. Ebenso der Versuch, alle Beteiligten - Eigentümer, 'Haus&Grund', Justiz - an einen Tisch zu bekommen sei vor ein paar Jahren nicht erfolgreich gewesen", so die Stadt in ihrer Antwort an die Für Karlsruhe-Gemeinderäte in diesem Sommer.

Leerstand Südstadt
Immobilienmakler Sven Weida und Praktikantin Annabelle Schaaf kämpfen gegen den Leerstand der Karlsruher Südstadt. | Bild: Melissa Betsch

Interessenunterschiede und Investitionsscheu

Die Frage nach dem Grund für den Leerstand der Südstadt ist auch für den Makler nicht leicht zu beantworten. Seiner Aussage zufolge könnten hier verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. "Ich glaube, es liegt unter anderem an Interessenunterschieden zwischen Vermieter und Mietern", erklärt Weida. Er will hier Kompromisse erreichen.

Leerstand Südstadt
Das "Luis Leu" in der Luisenstraße steht scheinbar leer, wird aber immer wieder einmal als Ausstellungsraum genutzt. | Bild: Melissa Betsch

Auch vermutet er eine Investitionsscheu der Vermieter hinter der Problematik: Was ist, wenn das Objekt saniert wird und sich anschließend kein Mieter findet? Dennoch zeigt sich Weida zuversichtlich: "Ich bin der Meinung, dass wir hier in der Südstadt, gerade im Gewerbebereich, gute Mieter finden, weil es ein kreatives Viertel ist." 

10.000 Infobriefe sollen verteilt werden

Rund 2.500 der Infobriefe hat der Immobilienmakler nach eigenen Angaben bereits in Umlauf gebracht - 10.000 sollen insgesamt verteilt werden. Auf diese Weise will er die Bewohner er Südstadt dazu aufrufen, den Leerstand zu lokalisieren. Auch in den sozialen Netzwerken hofft er auf Unterstützung und will, dass Bürger mit dem Hashtag "#KAstehtleer" aufzeigen, wo es überall leere Räumlichkeiten gibt. Diese Arbeit nimmt Weida, der seit 15 Jahren in Karlsruhe wohnt, nach eigenen Angaben gerne in Kauf, denn "die Südstadt ist Teil meiner Stadt, Teil meines Zuhauses", sagt er.

Leerstand Südstadt
Auch am Werderplatz steht ein Ladengeschäft leer. | Bild: Melissa Betsch

Und die Aktion trägt Früchte: Drei bis vier Kontakte sind Weida nach seiner Aussage bislang beim Verteilen der Briefe zu seinem Angebot entstanden. Eine konkrete Vermittlung einer Immobilie war allerdings noch nicht darunter. Doch er sei mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Auch vonseiten des Bürgervereins habe er Feedback erhalten. "Es ist toll, dass so viel Resonanz da ist!", freut sich der Makler gegenüber ka-news.

Mehr zum Thema

Graffiti, verschmierte Wände und eingeworfene Fenster: Kommt mit dem Leerstand die Verwahrlosung?

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (76)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    09.08.2018 13:06 Uhr
    so siehts
    nämlich aus
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5554 Beiträge)

    09.08.2018 11:49 Uhr
    Nicht nur das.....
    ….. sondern derzeit gibt es keine Möglichkeit für Kleinhändler, bzw. Spezialitätenläden. Die Supermärkte verkaufen ja vom Schuhbändel bis zum Kaviar alles, was man so täglich braucht. In früheren Zeiten verkaufte der Milchladen Milch, Butter und Käse, der Lebensmittelhändler Gemüse, Obst, Mehl, Reis, Kaffee, Sprudel, etwas Dosengemüse oder Fischkonserven. Lediglich Bäcker verkaufen noch Brot und Weggen, Metzger (falls es die noch gibt) Fleisch, Wurst und etwas Käse. Im 2000 qm Supermarkt gibt's das alles auf einer Verkaufsfläche. So wie die Bildbeispiele es zeigen, waren das alles mal fussläufig erreichbare Nahversorgungs- Kleinhändler, für die es kein Auskommen mehr gibt. Dafür wird jetzt mit dem SUV zum abseits gelegenen Supermarkt gefahren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9810 Beiträge)

    09.08.2018 15:30 Uhr
    So ist das
    Das dürfte der Hauptgrund sein, warum die Läden leer stehen und sie keiner haben will.
    Dass die Eigentümer die auch nicht renovieren/sanieren wollen oder können, oder gar nicht vermieten wollen, kommt erschwerend hinzu.
    Das Klientel vom Werderplatz mag zwar eine Rolle spielen, aber die sind garantiert am allerwenigsten Schuld am Ganzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    09.08.2018 13:07 Uhr
    auch das
    stimmt
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Karlsruhesohn
    (77 Beiträge)

    09.08.2018 10:53 Uhr
    Finds net schlimm
    Also wenn jemand mir dort eine Wohnung oder ein laden schenken will sag ich Net Nein Grad pn und dann kann mir des gern jemand überschreiben aber ansonsten seh ich kein Problem
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DonHasi
    (999 Beiträge)

    09.08.2018 10:42 Uhr
    Eigentümerstruktur
    Vielleicht sollte man erst mal für jedes leerstehende Gebäude die Bausubstanz und den Sanierungaufwand prüfen. Dann die Eigentumsverhältnisse genau nachverfolgen. Sollte sich dahinter dann eine Erbengemeinschaft verbergen, kannst du das Ding gleich beerdigen.
    Denn i.d.R wollen die Herren Imobilienbesitzer, das du ihren Besitz auf eigene Kosten sanierst, 3 Monatsmieten Maklergebühr und 3 Monatsmieten als Sicherheit hinterlegst. Du bist dann zwar arm wie eine Kirchenmaus, gehören tut dir aber trotzdem nix.
    Deshalb Eigentum verpflichtet -> 10 Jahre nichts gemacht -> Zwangsenteignung -> Versiegeln -> Zutrittsverbot
    -> "aus die Maus"
    Im übrigen hatte ich mich vor kurzem um ein leerstehendes Ladengeschäft bemüht.
    Der Besitzer macht´s wie oben beschrieben und lacht sich "noch" eins.
    Konsequenzen für die "Nichtinstandhaltung" genau null.
    Herzlich willkommen in "Absurdistan"
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    09.08.2018 11:15 Uhr
    Der Staat
    kann etwas enteignen wenn es irgendwo seiner Meinung nach höher angesiedelten Interessen (Autobahn, Bahntrasse, Braunkohleloch) im Wege steht. Hierfür muss dann eine angemessene Entschädigung bezahlt werden. Ein Beispiel wäre jetzt wenn man beschliessen würde einen ganzen Strassenzug in der Südstadt abzureissen. Alle Eigentümer stimmen zu, nur du nicht. Dann folgt ein etwa fünf- bis zehnjähriger Rechtsstreit an dessen Ende du enteignet wirst und obdachlos bist, da die Verfahrenskosten ein Vielfaches der Entschädigung betragen, die du bei sofortiger Zustimmung bekommen hättest.
    Das Leerstehenlassen einzelner Häuser ist kein unmittelbarer Schaden, hier überwiegt das Recht am Eigentum bei weitem das öffentliche Interesse. Wenn dem nicht so wäre hätten wir innerhalb kürzester Zeit reine Willkür, dann könnte der Staat nach Belieben enteignen. Ohne Entschädigung, wie sich das in einer Diktatur gehört.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DonHasi
    (999 Beiträge)

    09.08.2018 15:00 Uhr
    Exkurs
    Danke für deine Aufklärung in Sachen Eigentumsrecht und Staatsrecht. Aber ist es nicht so, daß der Schaden für die Allgemeinheit um ein vielfaches höher wird, als wenn man gleich enteignet und der Eigentümer eine angemessene Entschädigung erhält (immerhin kriegt er die ja schon für´s "Nichtstun")
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    09.08.2018 23:39 Uhr
    Ja sicher
    steigt der Schaden mit jedem Tag, keine Frage. Aber das sind natürlich Dinge die in der Zukunft liegen und nur schwer oder gar nicht bemessen werden können.
    Man kann Gesetze ändern, anpassen, aber das ist eben schwierig. Das ist wieder so ein typisches 'Wo fängt man an, wo hört man auf?'-Problem.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   W4Immobilien
    (2 Beiträge)

    09.08.2018 10:55 Uhr
    #KAstehtleer
    Danke für Ihr Kommentar, gerne können wir Sie benachrichtigen, wenn ein Ladengeschäft in der Südstadt vermietet werden soll. Bitte senden Sie uns auf s.weida@w4-immobilien.de kurz Ihre Suchkriterien!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 (8 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.