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Karlsruhe Oft unbeachtet, aber mit einer großen Bedeutung: Der Karlsruher Rheinhafen ist die "Lebensader" der Wirtschaft

Der Karlsruher Rheinhafen wurde im Jahr 1901 zur Schifffahrt freigegeben und bindet die Fächerstadt seit diesem Zeitpunkt an die internationale Rheinschifffahrt an. Heute werden vor allem Mineralölprodukte und feste Brennstoffe mit einem Anteil von über 83 Prozent am gesamten Güteraufkommen verschifft. Zugleich ist der Rheinhafen aber auch Standort einer Vielzahl von innovativen und international ausgerichteten Gewerbe- und Industriebetrieben.

Der Rheinhafen Karlsruhe gehört zum Geschäftsbereich Rheinhäfen der Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH (KVVH GmbH), einer Gesellschaft der Stadt Karlsruhe. Ausgelegt war der Hafen ursprünglich auf ein Umschlagsaufkommen von 300.000 Tonnen jährlich. Bereits im Jahr 1911 wurde aber die Millionengrenze überschritten. Das geht aus den Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs "Rheinhafen Karlsruhe 1901 bis 2001" hervor. Über die Jahre hinweg wurde der Hafen um das Nord- und Südbecken sowie den Ölhafen erweitert.

"Heute rangieren die Rheinhäfen Karlsruhe mit einem Umschlagsaufkommen von jährlich rund 7 Millionen Tonnen auf dem siebten Platz unter den Top 10 der deutschen Binnenhäfen. Damit übernehmen sie für die Stadt und Region Karlsruhe die Funktion einer logistischen Drehscheibe und bieten über 5.700 Menschen einen Arbeitsplatz", so Patricia Erb-Korn, Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs Rheinhäfen.

Blick auf den Rheinhafen vom Wasser aus
Der Rheinhafen Karlsruhe ist Standort von vielen Gewerbe- und Industriebetrieben. | Bild: Vanessa Richter

Stabile Entwicklung

Die Entwicklung des Rheinhafens liegt laut den Betriebskennzahlen der Rheinhäfen Karlsruhe in den vergangenen fünf Jahren stabil bei rund 7 Millionen Tonnen jährlich. Im Hafen werden unter anderem Öl, Edelstahl, Baustoffe, Schrott, Getreide und Futtermittel sowie Container umgeschlagen.

"Die transportierte Umschlagmenge hängt natürlich auch vom Wasserstand des Rheins ab. So führte im Jahr 2016 eine relativ lange Niedrigwasserperiode dazu, dass das wasserseitige Aufkommen auf 6,7 Millionen Tonnen zurückging. Im Jahr 2017 konnten wir das Aufkommen wieder um rund 0,6 Millionen Tonnen auf insgesamt 7,3 Millionen Tonnen steigern", sagt Patricia Erb-Korn.

Nach wie vor sind die Hauptumschlagsgüter Mineralölprodukte mit 63,3 Prozent im Jahr 2017. "Mit dem Ölhafen und der dort ansässigen MiRO verfügen wir über einen ausgezeichneten Partner. Durch die Schließung von Raffinerien, zum Beispiel in der Schweiz, wird dem Standort Karlsruhe eine strategische Funktion für die Versorgung von Mineralölprodukten zugesprochen. Obwohl die Elektromobilität derzeit in aller Munde ist, wird man auch in Zukunft nicht auf Mineralölprodukte verzichten können. Wir sind in diesem Marktsegment mit der MiRO sehr gut aufgestellt", so Patricia Erb-Korn.

Schrott im Rheinhafen
Am Rheinhafen haben sich vor allem Industriebetriebe niedergelassen. | Bild: Vanessa Richter

Der Rhein als wichtiger Wirtschaftsfaktor

Ralf Schairer ist Technischer Geschäftsführer der MiRO Mineraloelraffinerie Oberrhein. Der direkte Anschluss an den Transportweg Rhein bedeutet für ihn einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Raffinerie-Standorten: "Ungefähr ein Viertel der bei uns hergestellten Mineralölprodukte werden per Schiff auf dem Rhein zum Kunden transportiert. Außerdem ist der Rhein wichtig, um übergroße Anlagenteile anzuliefern, so wie im letzten Jahr unsere beiden neuen riesigen Coke Drums", sagt er. Bei den Coke Drums handelt es sich um 400 Tonnen schwere Behälter, die im Oktober 2017 über den Rhein in Karlsruhe ankamen.

Mineralölprodukte und feste Brennstoffe machen zwar den Großteil des Güteraufkommens aus, doch ist der Rheinhafen ebenfalls im Bereich der Getreideerfassung immens wichtig. So ist auch das Karlsruher Hafensilo, eine Niederlassung der ZG Raiffeisen, im Rheinhafen angesiedelt. Dieses erfasst vor allem Mais, Weizen und Raps. "In den vergangenen Jahren haben wir Millionenbeträge in unseren Standort am Rheinhafen investiert und unsere Kapazitäten für die Erfassung, Lagerung und Trocknung stark erweitert", sagt Franz Utz, Geschäftsbereichsleiter Vermarktung bei der ZG Raiffeisen.

Er bezeichnet die Wasserstraße Rhein als "Lebensader" für die Vermarktungsaktivitäten und damit auch für die Landwirte in der Region: "Die Zahl der getreideverarbeitenden Betriebe, also unsere Kunden im In- und Ausland, wird immer geringer – bei steigender Betriebsgröße. Große Mengen Ware müssen zum Teil weite Wege zurücklegen. Ohne die Wasserstraßen wäre es gar nicht möglich, diese logistischen Anforderungen zu erfüllen. Der Transport über die Straßen wäre viel zu teuer und würde dort zum Kollaps führen. Wir vermarkten zwischen 50 und 60 Prozent des gesamten Getreides über Wasserwege", berichtet er.

Containerschifffahrt auf dem Vormarsch

Um die verschiedenen Güter über den Rhein zu transportieren, spielt natürlich auch die Containerschifffahrt eine wichtige Rolle – und dies mit steigender Tendenz. Zu einem der marktführenden Container-Hinterlandlogistik-Netzwerke in Europa zählt die Contargo GmbH & Co. KG mit Terminals an verschiedenen Standorten, zum Beispiel in Wörth und auch im Rheinhafen Karlsruhe. "Sowohl in Karlsruhe als auch in Wörth wird der Containerumschlag durch den trimodalen Logistikdienstleister Contargo in seiner Eigenschaft als Full Service Provider organisiert und abgewickelt. Beide Standorte ergänzen sich und werden entsprechend genutzt, zum Beispiel für das Handling von Leercontainern, der Zwischenlagerung sowie der Containerreparatur", sagt Patricia Erb-Korn.

Verladekran im Rheinhafen Karlsruhe
Der Containerverkehr gilt auch im Bereich der Binnenschifffahrt als Zukunftsmarkt. | Bild: Vanessa Richter

Attraktiver Standort für Unternehmen

Zahlreiche Unternehmen haben den Karlsruher Rheinhafen als Standort gewählt. Er verfügt nicht nur über den direkten Zugang zur Wasserstraße, sondern auch über eine umfangreiche Ausstattung an Hafeninfrastruktur wie Verladebrücken, elektrische Krananlagen, einen Containerkran sowie eine Ro/Ro-Verladeanlage. Beim Ro/Ro Verfahren (Roll on/Roll off) wird die Ladung direkt von Land aus auf das Schiff gefahren.

Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Verkehrsanbindung – sowohl über Straße, Schiene als auch Wasserstraße. Über die B10 sind die Autobahnen A5 und A8 unkompliziert erreichbar. Der Güterbahnhof Karlsruhe West bietet zusätzlich den direkten Anschluss an das öffentliche Schienennetz. "Der Rhein verbindet die Region Karlsruhe mit der Schweiz und mit den Westhäfen. Zudem ist der Rheinhafen der südlichste Verkehrshafen am nicht kanalisierten Rhein, das heißt, er ist ohne Schleusung erreichbar. Die Verkehre erfolgen schwerpunktmäßig von und zu den Westhäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen", so Patricia Erb-Korn.

Karlsruher Rheinhafen aus der Vogelperspektive
Der Rheinhafen hat eine Gesamtfläche von ca. 300 ha, davon sind ca. 185 ha Ansiedlungsflächen. | Bild: Fabry

Am Rheinhafen entstehen keine Wohnungen

Ein besonderer Vorteil sei laut Patricia Erb-Korn auch, dass der Rheinhafen als Gewerbe- und Industriestandort gesichert und "Wohnen am Wasser" kein Thema sei. Beispiele dafür, Hafenareale für eine Wohnbebauung umzuwidmen, gibt es unter anderem in der Hamburger Speicherstadt. "Wir haben im Jahr 2012 unsere langfristige Hafenentwicklungskonzeption verabschiedet.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Analyse durch das Steinbeis-Innovationszentrum Logistik und Nachhaltigkeit aus Sinsheim haben wir damals das Thema 'Wohnen am Wasser' aufgegriffen. Unter anderem wurden die Hafenanlieger befragt. Das Antwortverhalten war eindeutig: Der Rheinhafen ist eines der wenigen Gebiete in Karlsruhe, das durch Gewerbe und Industrie geprägt ist und den Unternehmen Zugang zur umweltfreundlichen Wasserstraße bietet. Eine Zersiedelung des Hafengeländes hätte beispielsweise dazu geführt, dass Unternehmen abgewandert wären. Genau dies wollten wir vermeiden."

Rheinhafen aus der Vogelperspektive
Die Rheinhäfen Karlsruhe werden ein reines Industriegebiet bleiben. | Bild: ps

Nicht nur Wirtschaft, sondern auch Ausflugsziel

Mit dem Rheinhafen Karlsruhe verfügen Stadt und Region nicht nur über eine wichtige logistische Schnittstelle, sondern er bietet auch vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. An schönen Tagen tummeln sich Spaziergänger und Radfahrer entlang des Rheins, zahlreiche Cafés und Restaurants laden zum Entspannen und Genießen ein. Auch das Fahrgastschiff MS Karlsruhe wird gerne für Ausflüge genutzt, zum Beispiel für 4-Häfen-Rundfahrten oder Fahrten nach Germersheim, Speyer oder Straßburg.

Radwege am Rhein
Die Wege entlang des Rheins sind bei Radfahrern und Spaziergängern beliebt. | Bild: Vanessa Richter

Zukunftsaussichten

Auch der Rheinhafen muss sich laut Patricia Erb-Korn den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellen und diese proaktiv angehen. "Ein Stichwort ist in diesem Zusammenhang die Digitalisierung. Zusammen mit den RheinPorts Basel – Weil – Mulhouse und dem Hafen Strasbourg sowie den anderen Häfen am Oberrhein arbeiten wir an der Umsetzung des digitalen Verkehrsmanagementsystems 'RPIS', das zu einer Optimierung der Schiffsumläufe am Oberrhein beiträgt. Dieses Vorhaben wird von der Europäischen Kommission gefördert und kommt seit Anfang 2018 beispielsweise in der Containerschifffahrt am Oberrhein zum Einsatz", so Patricia Erb Korn.

Damit verfolge man auch das Ziel, wo es möglich ist, Containerverkehre von der Straße auf die Wasserstraße zu verlagern. Dies sei aber ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vollzogen werden kann.

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Kommentare (19)
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  •   Weichei
    (120 Beiträge)

    05.10.2018 18:13 Uhr
    Der Rheinhafen
    Dort war ich vor 60 Jahren Mitglied beim Ruderverein Alemannia der sich am Ende des Nordbeckens befindet.
    Sentimentale Erinnerung.
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  •   80er
    (5609 Beiträge)

    05.10.2018 17:03 Uhr
    Eine Bebauung am Rhein....
    ….hätte schon was. Allerdings nicht so wie seinerzeit die geplante Rheinstadt. Das wäre nur eine Waldstadt am Rhein oder ein zweites Oberreut geworden. Da stelle ich mir dann schon schickes vor wie die Hafenstadt in Hamburg oder den Rheinauhafen in Köln.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1002 Beiträge)

    05.10.2018 18:51 Uhr
    Da kannst Du Dich
    vor Schnaken und extremer Schwüle im Sommer nicht retten.

    Und ob das im Tiefgestade wirklich hochwassersicher wäre, ist fraglich. Da würde ich keinen müden Euro investieren.
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  •   mueck
    (10037 Beiträge)

    05.10.2018 19:45 Uhr
    ?
    Angst vor Hochwasser?
    Dann wären die Weserterrassen nix für Dich als Wohnlage denn da biste mittendrin statt nur am Rande dabei ...
    Die unterste Etage dort empfiehlt sich als Geldanlage für Klimawandelskeptiker ...
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1002 Beiträge)

    05.10.2018 21:34 Uhr
    Angst?
    Erfahrung!

    Wenn es an der Weser so besser ist ..
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  •   Freigeist1
    (664 Beiträge)

    05.10.2018 14:28 Uhr
    Es scheint, als seien die "tollen" Umweltschutzideen
    leider reine Sprechblasen, um die Leute zu veräppeln, wenn konkret da nix kommt: Maßnahmen, Zahlen, Pläne, Prognosen, bitte!
    Z.B. Abschaltungszeitplan für die Kohlekraftwerke, Minimierungsziele für Emissionen am Rheinhafen, Zielvorgaben zum vorgesehen Rückgang des Lkw-Verkehrs dank Schiffsverkehr, etc.
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  •   chris
    (574 Beiträge)

    05.10.2018 11:58 Uhr
    Gebiete kann man trocken legen.
    Mit der heutigen Technik kann man Gebiete trocken legen. In Dubais bauen die ganze Städte im Meer bzw der Lagune. Technisch alles möglich. Ich kann den Gestank nachvollziehen, stimmt in der Tat. Mehrfach erlebt als ich dort abends fuhr. Ich finde es eben schade, dass wir keinen Fluß in der Stadt haben, wie bspw Köln oder andere Rheinstädte. Der Rhein fließt so nur schnell an Karlsruhe vorbei. Vor Jahren gab es mal die Idee, zumindest den Messplatz an den Rhein zu verlegen, um dort etwas mehr Leben hin zu bekommen. Daraus wurde nichts.
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  •   NeoTiger
    (624 Beiträge)

    05.10.2018 15:43 Uhr
    Karlsruhe ist halt keine mittelalterliche Handelsstadt
    Historisch haben sich Städte nur an Flüssen gebildet, wenn diese Handelszentren für die Flusschiffahrt waren. Ansonsten ist ein Fluss im Stadtzentrum erstmal nur unbequem wegen der baulichen Notwendigkeit von Brücken, dem Gestank und der ständigen Hochwassergefahr.

    Der früher eher wilde Rhein hatte ursprünglich im breiten Rheingraben kein festes Flussbett sondern meandrierte oder floss durch zahlreiche Verzweigungen. Daher haben sich die Menschen eher am Rand des Grabens an den aus dem Mittelgebirge fließenden Nebenflüssen angesiedelt . Erst nach der Begradigung durch Tulla erhielt der Rhein seine heutige fest eingebettete Form - die aber im Grunde nichts anderes als eine funktionale Schnellstraße für Binnenschiffe ist. Auch ist seine aufgrund seiner Begradigung und Gefälles des Rheingrabens seine Strömungsgeschwindigkeit recht hoch - viel zu hoch für einen romantischen Innenstadt-Fluss, wenn du mich fragst.
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    (3670 Beiträge)

    05.10.2018 18:13 Uhr
    Man beachte
    wo die Rheinstadt geplant war, die sollte ja nicht auf dem Rheinufer entstehen sondern zurückgesetzt. Der Innenstadtfluss (wenn man es so nennen will) wäre dann die Alb zwischen Rheinstadt und Knielingen gewesen.
    Was die Sache natürlich problematisch gemacht hätte ist die Abtrennung vom geschlossenen Stadtgebiet und die Hochhäuser. Damals natürlich modern, aber schon im Zweit- und spätestens Drittbezug problematisch. Beispiele dafür gibt es allein in Deutschland ja genug. Es wäre nicht ganz billig gewesen das wieder hochzubringen, aber immerhin wäre wie bereits gesagt der Baugrund erschlossen gewesen.
    Jetzt ist es Naturschutzgebiet und bleibt es auch.
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    05.10.2018 12:36 Uhr
    Scheinbar gab
    es da mal konkrete Pläne.

    Rheinstadt
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