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Karlsruhe Neuer Paketdienst in Karlsruhe unterwegs: Was hinter Amazon Logistics steckt

Mit einem Klick bestellt und morgen oder sogar noch am gleichen Tag geliefert. Damit wirbt der Online-Versandriese Amazon. Ganz offline wird er aber jetzt auch in Karlsruhe tätig: Er liefert die Pakete mittlerweile einfach selbst aus. Was das dem Kunden bringen soll, erklärt ein Sprecher im Gespräch mit ka-news.

Vor einiger Zeit war der Ablauf noch relativ klar: Der Kunde bestellt die Ware, Amazon packt das Paket und gibt es einem Zustell-Dienst. DHL, Hermes, DPD, oder vergleichbare Dienstleister fahren mit ihren Lieferfahrzeugen dann zum Kunden und übergeben das Paket. Doch seit diesem Jahr ist noch ein weiterer Zusteller auf den Straßen der Fächerstadt unterwegs.

Wie ein ka-news-Leser im Gespräch mit der Redaktion berichtet, ist nun immer wieder bei der Bestellung nur der Versand über "Amazon Logistics" möglich. Wie Thorsten Schwindhammer von der Presseabteilung des Versand-Riesen gegenüber ka-news bestätigt, trägt Amazon seine Pakete mittlerweile selbst aus. Doch was steckt hinter diesem neuen Geschäftszweig?

Amazon liefert von Mannheim aus nach Karlsruhe

Mit diesem Schritt wolle man dem Kundenbedürfnis nach Lieferungen am nächsten oder sogar am gleichen Tag nachkommen. Das heißt aber nicht, dass man andere Zustell-Dienste ausschließen wolle, man sehe das eigene Angebot vielmehr als Ergänzung an.

Bild von einem Amazon Verteilzentrum in Olchingen
Bild von einem Amazon Verteilzentrum in Olchingen | Bild: Marcus Schlaf

Für diese Ergänzung hat Amazon in Mannheim eigens ein 12.000 Quadratmeter großes Verteilzentrum errichtet, das seit Mitte Januar 2018 in Betrieb ist. "Anders als in den elf deutschen Logistikzentren haben wir in einem Verteilzentrum kein Lager. Wir sortieren Pakete aus den Logistikzentren für die Auslieferung an den Kunden", erklärt Schwindhammer. "Von Mannheim aus beliefert Amazon Logistics über Lieferpartner mehrere Postleitzahlenbereiche unserer Kunden im Raum Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen." In Karlsruhe liefert der eigene Dienst bis an die Stadtgrenze aus.

Kunden wollen Waren immer schneller haben

Amazon hat mit dem eigens gegründeten Unternehmen "Amazon Transport Deutschland GmbH" bereits Ende 2015 ein solches Verteilzentrum in Olchingen in Bayern eröffnet - damals noch als Pilotprojekt. Mittlerweile gibt es solche Zentren auch in Berlin, Bochum, München, Raunheim, Düsseldorf, Köln und seit diesem Jahr eben auch in Mannheim. Dort verlassen an sechs Tagen in der Woche rund 210 Fahrzeuge pro Tag den Hof.

Amazon Pforzheim
Pakete aus dem Logistikzentrum, wie hier in Pforzheim, werden in eigenen Amazon Verteilzentren an die Zustelldienste übergeben - auch an "Amazon Logistics" | Bild: Jonathan Hiller

"Für Amazon-Kunden gibt zwei Vorteile durch die Zustellung durch Amazon Logistics. Zum einen kann der Kunde später bestellen, um die Lieferung noch am selben oder nächsten Tag zu erhalten ("mittags bestellt, abends geliefert"), zum anderen sollen mehr Bestellungen bereits beim ersten Versuch zugestellt werden", wirbt Schwindhammer für den Service. "Amazon arbeitet mit lernenden Zustellrouten, die sich beispielsweise bei erfolgreichen Zustellungen die Uhrzeiten merken, und mit Fahrern, die immer in denselben Gebieten ausliefern."

Amazon liefert nicht direkt selbst aus

Zustell-Fahrzeuge mit Amazon-Logo wird man jedoch nicht auf den Straßen sehen: Die Zustellung selbst wird an "regionale und lokale Logistikunternehmen" ausgelagert. "Wir haben diese Partner sorgfältig ausgewählt und wollen längerfristig mit ihnen zusammenarbeiten", versichert Schwindhammer von der Pressestelle bei Amazon.

Wie wird diese Entwicklung in der Transport-Branche aufgenommen? Auf diese Frage findet beispielsweise die Pressestelle der DHL keine konkrete Antwort. Hugo Gimber antwortet auf die Frage nach der Zusammenarbeit mit dem Versandhändler: "Mit Amazon verbindet uns seit vielen Jahren eine enge und vertrauensvolle geschäftliche Partnerschaft." Auch in Karlsruhe würde man daher weiterhin mit dem Onlinehändler zusammenarbeiten.

Bild: Florian Kaute

DHL am Erfolg von Amazon beteiligt

Weiter berichtet Gimber: "Als leistungsfähiger Anbieter haben wir Amazon in den letzten Jahren beim Wachstum im deutschen Markt massiv unterstützt, nicht zuletzt durch unseren massiven Infrastrukturausbau in Sortierung und Auslieferung." Wie viele Pakete DHL von Amazon in Karlsruhe ausliefert, will er nicht sagen. Man wolle keine Details zu den Kundenbeziehungen kommunizieren.

Bei Amazon zeigt man sich derweil überzeugt vom eingeschlagenen Weg: "Wir wollen für unsere Kunden stets besser werden, etwa in puncto Sendungsverfolgung und schnellerer Anlieferung. Die Verteilzentren sind ein wichtiger Schritt auf der letzten Meile", so Thorsten Schwindhammer.

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Kommentare (72)
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  •   peddersenn
    (980 Beiträge)

    15.05.2018 10:48 Uhr
    Wird mir immer ein Rätsel bleiben.....
    Es gibt wenig Dinge, die ich BRAUCHE*. Und es gibt noch weniger Dinge darunter, die ich innerhalb eines Tages brauche.

    Selbst wenn man mal die Amazon-Problematik (Steuer, Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Monopolgefahr, Händlerbehandlung) aussen vor lässt - ich mag NIRGENDS von Leuten bedient werden, die trotz Arbeit aufstocken müssen, die schlecht bezahlt und immer in Eile und der Kante leben. Das will ich für MICH nicht - und das will ich dann auch nicht bei anderen, die Arbeit für MICH machen.

    *Jeder Sperrmüll führt einem vor Augen, daß wir viel zuviel Zeux haben...
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  •   Benji
    (11 Beiträge)

    15.05.2018 10:34 Uhr
    Für Nachbarn annehmen nein danke
    Morgens bestellen und abends liefern - egal, welcher Preis dahinter steht, bin ich der einzige, der das etwas seltsam findet? Ein schönes Angebot, das allerdings nur unter massiv schlechten Lieferbedingungen zu erreichen ist. Die Paketlieferanten bekommen wenig Lohn und haben massiven Zeitdruck. Ein lebenswerter Job sieht meiner Meinung nach anders aus. Überdies habe ich ein extremes Problem damit, jedes kleine Mini-Paket meiner Nachbarn annehmen zu müssen, weil es so bequem geworden ist, einfach alles im Internet zu bestellen. Ich selbst habe auch eine Paketbox (ist das einfachste der Welt, sich sowas hinzustellen) und belästige meine Nachbarn nicht abends noch spät "Sie haben ein Paket für mich??"...Auch die Kooperation mit den Karlsruher Unternehmen empfinde ich nicht als Wohltat, sondern als obligatorische Pflicht. Schädigt die Struktur und die Unternehmen hier haben eigentlich keine andere Wahl.
    Amazon übernimmt Welt.
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  •   betablocker
    (3279 Beiträge)

    15.05.2018 11:25 Uhr
    Hat
    schon. zwinkern
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  •   Chartist
    (307 Beiträge)

    15.05.2018 08:32 Uhr
    man, Silbereinhorn
    merkst du das immer noch nicht? War das deine erste (und letzte?) Bekanntschaft mit einer SPAM Mail? Aber es gibt wohl noch Einfaltspinsel die noch an die Echtheit glauben. Und dann gibt es noch Idioten die zahlen
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  •   Hartz4Bomber
    (224 Beiträge)

    14.05.2018 12:30 Uhr
    Als Hartzer bin
    ich oft zu Hause, das Geklingel dieser Paketfuzzis ging mir dermaßen auf den Senkel, nehme jetzt nix mehr an, außer für meinen Lieblingsnachbarn. Problem ist nur dass alle paar Wochen die Fahrer wechseln, die muss man dann wieder erziehen, Verständigungsprobleme tun ihr übriges dazu. grinsen
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  •   Der_dunkle_Turm
    (362 Beiträge)

    14.05.2018 00:09 Uhr
    Wie in der DDR
    Gerade neulich wollte ich mir einen Vakuumierer zulegen. Ich habe etwas recherchiert und danach geprüft, ob und wo es dieses Gerät in Karlsruhe gibt.

    Da wurde es schwierig. Die Elektronikdiscounter, die ich abgeklappert habe, hatten nur ein bereits beschädigtes Ausstellungsstück, aufgerissene Verpackungen oder andere Modelle, die nicht den Anforderungen entsprachen. Das hat einen ganzen Nachmittag mit etlichen abgeradelten Kilometern gedauert. Was soll man da machen?

    Bestellen und in drei Tagen an der Packstation abholen oder eben nicht kaufen.
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  •   silberahorn
    (9644 Beiträge)

    14.05.2018 10:29 Uhr
    Bei Elektrogeräten
    und wie du es nanntes Elekronikdiscounter (das große Geschäft in der Innenstadt?) kannst du auf deren Internetseite bestellen und es im Geschäft abholen. Ich habe das schon oft so gemacht, schon weil sie im Laden selbst weniger Auswahl in den Regalen haben.
    In anderen großen Geschäften (z.B. Baumarkt) gibt es die Möglichkeit sich Ware im Laden anzuschauen, dann im Internet bei eben diesem Geschäft das Gut zu bestellen und sich die Ware dann kostenfrei per DHL zuschicken zu lassen. Das schadet diesem Geschäft gar nicht, weil es sich dabei um Ware ihres Angebots handelt.
    Bei Amazon muss man dann also noch lange nichts bestellen. Mit Amazon habe ich nur die Erfahrung, dass ich nach einer Urlaubsreise eine angeblich nicht bezahlte Rechnung in meinem E-Mailaccount vorfand . Ich bin aber gar kein Kunde bei denen und war es noch nie. Das war für mich unnötige Arbeit, weil ich dann erst deren Ansprechpartner suchen musste, schon damit Einspruchsfristen nicht verfallen.
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    (3279 Beiträge)

    14.05.2018 00:32 Uhr
    Das Problem
    liegt eben auch an einem irrsinnigen Überangebot von Waren. Ein kleiner oder mittlerer Händler kann sich wenig gefragte Ware nicht ins Lager legen, aus Platzgründen, wegen der Kapitalbindung und weil die Ware schon wieder veraltet ist bis mal zufällig einer danach fragt. Und grössere Händler sind auf schnellen Umschlag grenzoptimiert, die machen auch ohne Nischenprodukte ihren Schnitt.
    Dazu kommt dann noch eine grenzwertige Feilscherei bei kleinen Händlern.

    Letzte Woche beim Schrauben Jäger: Der Kunde vor mir wollte einen längeren Gewindebolzen M10 und eine Mutter dazu. Kostet 7,13 Euro. Fragt der ob das der Listenpreis sei, was der Verkäufer bejahte. Dann sagt der doch glatt: Wer zahlt denn heutzutage noch den Listenpreis? und fängt an rumzudiskutieren.
    Rabatt gibts ab 10 Stück und fertig. Er hats dann genommen und so getan als sei er der Chef und alle anderen blöd. Ich war dann dran und hab gefragt: Was war das denn für ein Vogel, kommt der öfter?
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    (3279 Beiträge)

    14.05.2018 00:34 Uhr
    Nein,
    und das bleibt hoffentlich auch so, sprach der Verkäufer, was brauchsch? grinsen
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  •   Der_dunkle_Turm
    (362 Beiträge)

    13.05.2018 23:49 Uhr
    So ganz verstehe ich die Aufregung nicht.
    Das Warenangebot in Karlsruhe ist nun mal sehr beschränkt. Wenn man einen Artikel eben nicht im Laden findet, kann man entweder den Einkauf sein lassen oder bestellen. Das muss nicht zwangsläufig bei Amazon sein.

    Und werter Herr Hobhouse, Sie mögen Recht haben mit Ihrer Kritik an Amazon. Allerdings ist das Angebot und der Service umfassend. Aus dem Bauchgefühl raus stimme ich Ihnen in diesem Punkt voll und ganz zu: Miese Arbeitsbedingungen, wenig Gehalt und keine Steuern zahlen - der Prototyp des bösen Kapitalisten.

    Nennen Sie eine brauchbare Alternative.
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