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Karlsruhe Modernisierung der Stadthalle: Wird das Projekt doch günstiger?

Karlsruhe soll eine neue, moderne Stadthalle bekommen. Am Freitag wurde ein Schritt in diese Richtung getan: Der Bauausschuss beriet über die Vergaben für die geplante Modernisierung. Auffallend dabei: Die Angebote der Firmen, die einen Zuschlag bekommen haben, liegen deutlich unter den kalkulierten Kostenberechnungen.

Ab Juli wird die Stadthalle modernisiert, denn nach über 30 Jahren Betrieb ist sie technisch und optisch in die Jahre gekommen und wird den Nutzeranforderungen nicht mehr gerecht. Neben den veralteten Oberflächen bestehen große Mängel im Bereich der Haustechnik. 

Zudem wurden bei einer Brandverhütungsschau erhebliche Mängel im baulichen Brandschutz festgestellt, die im Zuge der Modernisierung behoben werden müssen. Bereits im November 2016 hat der Gemeinderat in seiner Haushaltssitzung dem 58 Millionen Euro teuren Bauvorhaben seine Zustimmung gegeben. Doch wird die Modernisierung tatsächlich diese Summen verschlingen? 

Bauausschuss vergibt Zuschläge 

Beim Bauausschuss, der am vergangenen Freitag tagte, erhielten einige Angebote den Zuschlag, die deutlich unter den kalkulierten Kosten liegen. Minderbeiträge von zirka 854.000  Euro sind beispielsweise bei der Baustelleneinrichtung zu vermerken.

Auch bei der Vergabe von Aufzugsanlagen, von Erd-, Verbau-, Mauer-, Beton-, Naturwerkstein-, Abdichtungs-, Trockenbau-, Putz-/ Struck-, Fliesen-/ Platten- und Abbrucharbeiten sowie Gerüstarbeiten und Abbau-/ und Rückbauarbeiten sind jeweils Abweichungen im fünfstelligen Bereich zu verbuchen.

Insgesamt wurden diese Arbeiten mit rund 5,06 Millionen Euro kalkuliert. Durch die günstigen Angebote der Firmen sind das nun 2,056 Millionen Euro weniger. Alle Angebote, die einen Zuschlag erhielten, sind außerdem auch die wirtschaftlichsten. Geht die Stadt bei der Modernisierung der Stadthalle auf Sparkurs oder spielen andere Faktoren hierbei vielleicht eine Rolle?

"Die Modernisierung läuft auf mutigen Planungen" 

Erste Modernisierungspläne für die Stadthalle wurden schon 2006 gemacht und hätten eigentlich 2015 abgeschlossen sein sollten. Dennoch erklärt Anne Sick, Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe: "Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir erst in drei Jahren mit dem Bau begonnen - und nicht schon im Juli 2017. Jetzt gehen wir nämlich mit weißen Flecken in den Bau." Spricht Sick von "weißen Flecken", so sind damit bislang nicht kalkulierte Faktoren gemeint. "Die hohe Kalkulation ist eine Vorsichtsmaßnahme", so Sick.

Auch Bürgermeister Michael Obert stimmt zu: "Die Modernisierung der Stadthalle läuft auf mutigen Planungen. Es ist davon auszugehen, dass der Preis der Firmen noch teurer werden wird." Zum Vergleich nennt Obert den Fund von Asbest-Rückständen während des Tullabad-Umbaus, die ebenfalls den Kostenplan überschreiten ließen.

Sick ergänzt: "Natürlich haben wir Pläne für das Gebäude, aber wir konnten im Vorfeld nicht das komplette Gebäude auskleiden. Darum wissen wir nicht, was sich eventuell unter den Wänden befindet. Es kann immer sein, dass nicht korrekt nach den Plänen gebaut wurde, darin besteht aber auch das 'Abenteuer Bauen'."

Großes Interesse von Firmen aus der Region 

Doch sind die Kalkulationen aufgrund von weißen Flecken zu hoch angesetzt oder hat es einen anderen Grund für die unverhältnismäßig niedrigen Angebote der Firmen? Die Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft erklärt diesen Punkt mit einen Zusammenhang der niedrigen Angebote und dem Image der Stadthalle: "Es haben sich verhältnismäßig viele Firmen aus der Region beworben. Eventuell gilt die Stadthalle als eine Art Prestige-Projekt für die Firmen, was die relativ niedrigen Angebotspreise erklären könnte."

Starten wird das Bauprojekt im Juli 2017. Während der Baumaßnahmen wird die Stadthalle geschlossen sein. Das genaue Datum der Wiedereröffnung ist derzeit noch nicht bekannt, wird aber vermutlich im November 2019 sein.

ka-news Hintergrund

Die Stadthalle ist neben der Gartenhalle, der Schwarzwaldhalle und des Konzerthauses Teil des Karlsruher Kongresszentrums. Sie bietet in fünf Veranstaltungssälen Platz für maximal 4.000 Personen. Hinzu kommen fünf Konferenzräume für bis zu 530 Personen.

Mehr zum Thema:

Stadthalle wird modern: So soll sie 2019 aussehen!

 

 

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  •   Kultiplex
    (117 Beiträge)

    09.05.2017 09:01 Uhr
    Die Stadthalle
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   ruejo
    (127 Beiträge)

    08.05.2017 22:12 Uhr
    Aha, wir lernen!
    Kostenreduktion bei der Sanierung der Stadthalle durch Imagegewinn der Unternehmen.
    Immense Kostensteigerung bei der U-Strab, da kein Imagegewinn für die Unternehmen.
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  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    08.05.2017 21:23 Uhr
    Das soll
    wohl ein Witz sein, oder?
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  •   ka-lex
    (1678 Beiträge)

    08.05.2017 20:14 Uhr
    Auf jeden Fall stinkt hier was.
    Und zwar gewaltig!
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  •   80er
    (5760 Beiträge)

    08.05.2017 19:26 Uhr
    Also wenn die...
    ...Angebote niedriger sind als die ursprüngliche Kalkulation, dann kann etwas nicht stimmen. Es ist doch wohl so, dass man aus Prestige-Gründen diesen Auftrag möchte. Dann kommen die Nachträge....dann wird es wohl mehr Kosten als die ursprüngliche Kalkulation. Darüber hinaus passt der Beitrag von "mixe" hier nicht. Wenn das Projekt mehr kostet als die abgegeben Angebote, aber noch im Rahmen der ursprünglichen Kalkulation, dann ist das Projekt eben nicht kostenintensiver geworden. Öffentliche Projekte, die mehr Kosten als die ursprüngliche (öffentliche) Kalkulation werden nur deswegen teuer, weil die Politiker mit dem niedrigen Preis in die Öffentlichkeit gehen um es politisch durchzubekommen. Die Kostenrechner, die Wochen und Monate vorher das Projekt durchrechnen kommen schon nahe genug auf die Endsumme. Aber: sie dürfen diese nicht nennen.
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  •   mixe
    (1202 Beiträge)

    09.05.2017 06:29 Uhr
    welche angebote , die sie kennen, lagen denn noch
    in dem von ihnen zu akzeptierenden rahmen? auch ohne der, stuttgart21 und das unsägliche millionengrab in hamburg ist es für den bürger leicht zu sehen wie die politiker das geld der steuerzahler bewusst und vorsätzlich verschwenden. oder wollen sie behaupten, dass dies nur extrem viele einzelfälle sind?
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  •   mixe
    (1202 Beiträge)

    08.05.2017 18:11 Uhr
    es wäre das erste projekt
    das in öffentlicher verantwortung steht und die kosten einhält. Ich glaube es nicht. politiker und verantwortungsvoller und kostenbewusster umgang mit steuergeld passt nun mal nicht zusammen. politiker verschwenden bewusst und vorsätzlich das geld der steuerzahler. wenn das nicht stimmt dann müssten sie ja unfähig sein. was ist nun wahr? vorsätzliche verschwendung oder unfähigkeit?
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  •   mein-senf
    (998 Beiträge)

    09.05.2017 15:36 Uhr
    mein Reden
    auffallend billig , und das glauben diese Clowns auch noch.
    Es wird sein, wie immer, das Ganze kostet min. das Doppelte .

    Ganz normale Kalkualtion im öffentlichen Bereich möglichst billig anbieten, dass man erst mal den Auftrag in der Tasche hat, parallel dazu ein paar für das Projekt verantwortliche Clowns plus Politiker bei der Stadt Kommune o.Ä. mit "netten großzügigen Geschenken " bedenken , dann während der Bauphase schamlos nachbessern bis es passt , wenn einer zickt, den dann an die "netten Geschenke" erinnern, bzw. den " Bonus " erhöhen ,dann läuft das immer wie geschmiert.
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