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Karlsruhe Messe Karlsruhe liefert "Topergebnis" bei Bilanz, aber benötigt trotzdem Millionen-Zuschuss von der Stadt - wieso?

16 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Messe Karlsruhe am Standort Rheinstetten in Betrieb ging. Noch etwas länger, seit 2001, besteht die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK). Die ist die Mieterin der Messehallen in Rheinstetten, ebenso der Gebäude am Festplatz. Mit der Jahresbilanz ist man bei den Verantwortlichen zufrieden, spricht vom zweitbesten Umsatz und einem Topergebnis. Dennoch muss die KMK regelmäßig mit Millionen aus dem städtischen Haushalt bezuschusst werden. ka-news hat sich erklären lassen, wieso das so ist.

Auf den ersten Blick ist die Jahresbilanz 2018 der KMK positiv: Der Umsatzerlös liegt bei 32,9 Millionen Euro und ist, laut Erster Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, eine "Punktlandung".

Auch Messe-Chefin Britta Wirtz freut sich über das Ergebnis: "Das ist der zweitbeste Umsatz, den wir eingefahren haben und angesichts der erschwerten Bedingungen mit der geschlossenen Stadthalle ein absolutes Topergebnis", so die Geschäftsführerin der KMK gegenüber ka-news.

Die Stadthalle aus der Luft
Seit Sommer 2017 steht die Stadthalle der KMK wegen Sanierungsarbeiten nicht mehr zur Verfügung. Das macht sich in der Bilanz bemerkbar. (Archivbild) | Bild: Peter Eich

Doch etwas trübt die Zahlen: Das Betriebsergebnis der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK) hat sich erneut verschlechtert. Lag das 2017 noch bei 11,2 Millionen Euro, so waren es für das abgelaufene Jahr 12 Millionen. Das sind Gelder, die die Stadt Karlsruhe der KMK zuschießen muss. Ein Defizit also, das aus den Strukturen der städtischen Gesellschaften resultiert.

Miete fließt an die Stadt und an NMK

"Wir haben eine Konstruktion, in der der sogenannte 'Betonrucksack' der KMK aufgelastet wurde", beschreibt Luczak-Schwarz die Situation. Heißt konkret: Alle Lasten wurden der KMK aufgebürdet. Diese beinhalten Mietzahlungen an die Stadt und die Neue Messe Karlsruhe GmbH (NMK), die Finanzierung von Sanierungen oder Investitions-Rückstellungen. 

Bilanz KMK 2019
Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz im Gespräch mit ka-news-Redakteurin Anya Barros. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

"Es ist der politische Wille, dass wir sämtliche Gebäudekosten selbst tragen", erklärt Britta Wirtz weiter. Im Wesentlichen betrifft das vor allem die Messe in Rheinstetten. Allein die kostet die KMK pro Jahr etwa zehn Millionen Euro. "Die Kosten, den Betonrucksack um das wieder aufzugreifen, den tragen wir gerne, aber den verrechnen wir dann mit der Stadt!" Müsste dann aber nicht alles Null auf Null aufgehen? 

Gewolltes Defizit

"Wenn wir uns vorstellen, dass die Stadt uns betriebsbereite Gebäude zur Verfügung stellt, in denen wir dann nur das operative Geschäft durchführen müssen, dann wäre es eine Nullrechnung", so Britta Wirtz weiter. "Da es aber eben jener politische Wille ist, dass wir über unsere Verträge alle Kosten erstmal selbst stemmen müssen, erhalten wir mit diesem Ergebnis letztendlich eine Rückvergütung in Form eines Defizitausgleichs!" 

Bilanz KMK 2019
Messe Karlsruhe-Geschäftsführerin Britta Wirtz im Interview mit ka-news-Redakteurin Anya Barros. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Laut Gabriele Luczak-Schwarz dürfe man aber nicht nur das Defizit von zwölf Millionen Euro betrachten. "Im Vergleich zu anderen Messen stehen wir mit diesem Ergebnis gut da", versucht sie zu beruhigen. "Wir müssen immer bedenken, was die Messe an sogenannter Umwegrentabilität für Karlsruhe bedeutet: Arbeitsplätze, Hotellerie - Mittelflüsse, die über die Steuerseite wieder in die städtischen Kassen gespült werden. Da profitiert nicht nur Karlsruhe, sondern auch Rheinstetten und die gesamte Region!", so Luczak-Schwarz im Gespräch mit ka-news weiter. "Ja, die KMK und die Messe kosten Geld, bringt aber in der Gesamtrechnung einen Mehrwert für die Region - insofern ist es richtig, dass wir das Geld einstellen!" 

"Konstrukt ist zu hinterfragen"

Für das Jahr 2019 ist ebenfalls ein Defizit in Höhe von fast elf Millionen Euro geplant. Dieser Fehlbetrag soll sich aber in den kommenden Jahren bis 2023 auf etwa 9,8 Millionen Euro reduzieren. "Diese Kombination, dass alle Lasten auf die Mieterin, also die KMK, delegiert worden sind, ist sicherlich kritisch zu hinterfragen und das wird uns auch in Zukunft beschäftigen", sagt Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz gegenüber ka-news. "Doch in der jetzigen Konstruktion wird es schwer werden, dass sie sich selbst tragen kann!" 

Bilanz KMK 2019
Seit 2009 ist Britta Wirtz Geschäftsführerin der KMK. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Denn dann müssten hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse Korrekturen vorgenommen werden, nämlich zwischen der Besitzgesellschaft NMK und der KMK. "Aber ein Defizit hinsichtlich der Infrastrukturkosten wird es auch in Zukunft geben, egal bei welcher Gesellschaft es angesiedelt ist!"

Gehen in den Messehallen die Lichter aus?

Ähnlich sieht es auch die Geschäftsführerin der KMK, Britta Wirtz: "Sicher ist hier mittelfristig die Zeit gekommen, wo man sich das Thema anschauen sollte. Doch dafür brauchen wir den Auftrag der städtischen Gremien - und dann werden wir diese erforderlichen Gespräche auch führen!" 

Im Beteiligungsbericht des Stadt Karlsruhe für das Geschäftsjahr 2017 heißt es über die Zukunft der Gesellschaft: "Der Fortbestand hängt mittel- und langfristig davon ab, dass die Gesellschafterin Stadt Karlsruhe in ausreichendem Umfang Kapital und Liquidität zur Verfügung stellt." Heißt also: Sollte die Verwaltung der KMK den Geldhahn abdrehen, gehen in den Messe- und Veranstaltungshallen wohl die Lichter aus. 

ka-news Hintergrund
Die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH wurde 1950 gegründet und veranstaltet an verschiedenen Standorten in Karlsruhe Messen und Kongresse, aber auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte zählen zum Portfolio.

Die KMK ist Vertragsnehmerin verschiedener städtischer Gesellschaften. So pachtet die KMK die Hallen am Festplatz von der Stadt (Kosten hierfür etwa 1,2 Millionen Euro pro Jahr) oder zahlt Miete an die Neue Messe Karlsruhe GmbH (NMK) für die Hallen der Messe (etwa 10 Millionen Euro pro Jahr). Dieser Mietvertrag ist auf 29 Jahre ausgelegt. 

Für das Jahr 2018 verzeichnet die KMK einen Umsatzerlös von 32,9 Millionen Euro, davon entfallen 23,8 Millionen auf den Geschäftsbereich Messe und 8,5 Millionen Euro auf den Bereich Kongress. Über 747.000 Besucher konnte die KMK zu den über 280 Veranstaltungen im vergangenen Jahr anlocken. 

Ab Juni 2019 wird aus der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH die Messe Karlsruhe, auch wenn sie juristisch weiterhin unter dem Namen KMK firmieren wird. "Der Begriff KMK war den Kunden zu abstrakt", so Britta Wirtz. Zum Redesign gehören ein neues Logo, eine neuer Webauftritt und eine Werbekampagne. Etwa 60.000 Euro wird die Umstellung kosten. 
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Kommentare (42)
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  •   KA300
    (85 Beiträge)

    14.06.2019 09:26 Uhr
    Top-Ergebnis?
    ist mir ein Rätsel, wie man mit diesen nichtssagenden Topflappenmessen ein "Top-Ergebnis" erreichen kann
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  •   todi01
    (1090 Beiträge)

    31.05.2019 16:20 Uhr
    Der "Betonrucksack"
    bedeutet doch lediglich, dass die Messe die von ihr exklusiv belegten und vermarkteten Gebäude nicht kostenfrei nutzen kann. Wo ist das denn bitteschön eine Benachteiligung?

    Jetzt werden dem schlechten Geld Jahr für Jahr noch viele Millionen gutes Geld hinterhergeworfen, nur weil man sich nicht eingestehen kann, dass das Konzept Präsenzmesse in der heutigen Zeit so antiquiert und hoffnungslos ist wie das Parteiprogramm von CDU und SPD. Vielleicht wissen die weiter erstarkten Grünen im Gemeinderat ja, wie man die Millionen besser für die Karlsruher Bürger verwenden kann, als durch fortgesetzte Alimentierung der KMK.
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  •   ALFPFIN
    (6633 Beiträge)

    31.05.2019 15:53 Uhr
    Das Problem ist doch auch,
    dass wir in BW insgesamt 9 Messestandorte haben, sozusagen alle "paar" Kilometer ein Messestandort.
    (Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Offenburg, Friedrichshafen, Sinsheim, Villingen-Schwenningen,
    Freiburg)
    Gerade die Verbrauchermessen, Mannheimer Maimarkt, Oberrheinmesse Offenburg, die Messen in Stuttgart binden doch sehr viel Kundschaft. Und dann gibt es drüben in der Pfalz ja auch noch entsprechende Veranstaltungen. Das gleiche gilt für die Fachmessen. Das ist alles so dicht beieinander, dass die Aussteller/Veranstalter sicher nicht zu jeder Messe fahren. Und was sonst noch nach Karlsruhe an Land gezogen wird, ist ja überschaubar.
    Auch wenn man die Messe KA noch ein paar Mal umtauft, um die Finanzlage wieder etwas "umzubauen", es bleibt ein defizitäres Unternehmen.
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  •   teflon
    (2652 Beiträge)

    01.06.2019 10:49 Uhr
    Richtig - und seit STG im Betrieb
    ist, haben alle mit deren aggressiver Preisgestaltung ein noch grösseres Problem. Karlsruhes Infrastruktur ist für sowas einfach lausig schlecht und somit bleiben nur die uninteressanten Restposten, die ein billiges Plätzchen für ein paar Besucher suchen. Dazu wirtschaftet die KMK viel zu schlecht und teuer - das wird aber in der umgebauten Bilanzierung, die uns eine Mergen eingebrockt hat, so richtig verschleiert.Aber was solls- warten wir auf die nächsten "Topergebnisse" vom KVV, dem Staatstheater und vom Baden-Airport - alles hochdefizitäre Heilsbringer. Und bald kommt noch ein sauteures Stadion dazu, wo ein fast-insolventer Einzelmieter in absehbarer Zeit die weisse Flagge hissen wird. Ich bin gespannt, was mit den veränderten Machtverhältnissen im Rathaus noch passieren wird - so einfach wird dieser schwache OB und seine Abnickertruppe nicht mehr durchkommen. Obs dann aber besser wird, darf bezweifelt werden .
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  •   Nacional
    (527 Beiträge)

    31.05.2019 09:31 Uhr
    eine Hand wäscht die andere
    und ganz oben haben sie fast alle ein CDU-Parteibüchlein in der Tasche
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  •   Nico1966
    (242 Beiträge)

    31.05.2019 10:32 Uhr
    CDU
    Aha!Die links-Grüne Fraktion meldet sich zu Wort.Sie haben ja nun die Möglichkeit per Gemeinderat alles zum Besseren zu wenden.Wird sich ,außer den Parteibüchern eh nicht viel ändern.Schließen wir doch einfach alle Einrichtungen (Messe,usw.)die durch den Steuerzahler direkt oder indirekt finanziert werden!Aber Achtung!Das könnte auch solche Einrichtungen betreffen,denen Sie ideologisch nahe stehen!
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  •   Freigeist1
    (705 Beiträge)

    31.05.2019 15:34 Uhr
    Einfach mal die profitierenden Hotels, Catering- und Taxiunternehmen
    bei der Übernahme des Defizits mit ins Boot holen. Das wäre verständlich und würde die Akzeptanz bei den Bürgern erhöhen.
    Für das Ausleben von Komplexen gegenüber den Grünen ist das Thema eher ungeeignet; Wahl ist Wahl, auch wenn Dir es noch so schwerfällt der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, sorry. Was sollen eigentlich "Links-Grüne" sein, standen die neben Rechts- und den Mitte-Grünen auf dem Zettel? Das Wahlergebnis legt doch die Vermutung nahe, die Grünen seien heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Oder von welchen Zeiten hast Du es...?
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  •   Nico1966
    (242 Beiträge)

    31.05.2019 20:13 Uhr
    Wirklichkeit
    Nun,links-grün:Die Ideen einer MLPD im Kopf,dann grün wählen.So interpretiere ich die Kommentare einiger Foristen hier.Im Stile:Das hat die CDU, das hat die SPD vergeigt.Jetzt kann sich der neue Gemeinderat ja beweisen!Aber er wird das genau so handhaben. Das Problem ist :Kein Messe-Standort trägt sich selbst.Was soll übrigens eine Kostenbeteiligung eines Taxi-Unternehmens das aus Supplern (Subunternehmern) besteht bringen?50€ die Fahrt vom Hotel zur Messe?Die Übernachtung 250€,ein Mittagessen auf der Messe 50€?Fazit: Die Messe,der Zoo,ZKM,das Klinikum,soziale Einrichtungen,alle Gesellschaften der Stadt kosten Geld.Die wenigsten können eine positive Bilanz vorweisen.
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  •   barheine
    (88 Beiträge)

    31.05.2019 08:30 Uhr
    53.000 Besucher weniger...
    ...als 2017. Das sollte man auch nicht verschweigen.
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  •   Nico1966
    (242 Beiträge)

    31.05.2019 09:10 Uhr
    53.000 Besucher weniger
    Klar,da manche Messen im 2Jahres-Takt stattfinden.Rehab 2017/2019,Recycling 2017/2019,Nufam 2017/2019.
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