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Stuttgart/Karlsruhe LBBW verkauft ihre 21.000 Wohnungen an Augsburger Patrizia

Herbe Niederlage für das sogenannte Baden-Württemberg-Konsortium: Die Bietergemeinschaft rund um die Stadt Stuttgart hat im Milliardenpoker um die 21.000 Wohnungen der LBBW das Nachsehen. Konkurrenz aus Bayern holt den Sieg. In Karlsruhe besitzt die Landesbank 900 Wohnungen.

LBBW verkauft ihre Wohnungen
Größter Immobiliendeal: Patrizia bekommt den Zuschlag. Foto: Franziska Kraufmann |

Die Bietergemeinschaft rund um die Stadt Stuttgart hat den Milliardenpoker um die etwa 21 000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verloren. Den Zuschlag in Deutschlands größtem Immobiliendeal seit rund dreieinhalb Jahren erhielt das Augsburger Unternehmen Patrizia, wie die LBBW und die Patrizia Immobilien AG am späten Montagabend mitteilten.

Die Verlierer zeigten sich in einer Stellungnahme enttäuscht und sprachen von einer Fehlentscheidung, die womöglich am Ende die Mieter treffe. Das Riesengeschäft ist 1,435 Milliarden Euro schwer. Am Ende war laut LBBW der bessere Preis der Augsburger das Zünglein an der Waage. Betroffen von dem Eigentümerwechsel sind rund 60 000 Mieter. Die Stadt Karlsruhe hatte sich über die Volkswohnung am Bieterverfahren beteiligt, war jedoch bereits im Herbst ausgeschieden.

Vorstand und Aufsichtsrat der LBBW erteilten einem Konsortium den Zuschlag, das von der Patrizia geführt wird. Die LBBW berichtete über den siegreichen Bieterkreis, er bestehe «zu 95 Prozent aus namhaften Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen mit langfristigem Anlagehorizont». Die Patrizia sprach von «verschiedenen langfristig orientierten nationalen und internationalen Investoren».

Die Gegenseite, das sogenannte Baden-Württemberg-Konsortium, hatte in einem monatelangen Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Patrizia um die überwiegend in Baden-Württemberg gelegenen Immobilien gerungen. Die zwei Kontrahenten waren zum Schluss die letzten beiden Bieter.

Die LBBW musste sich von dem milliardenschweren Bestand im Zuge einer von der EU verordneten Schrumpfkur trennen. Das Kredithaus sprach von «inhaltlich gleichwertigen Angeboten», weswegen am Ende «die Entscheidung auf Grund des höheren Kaufpreises» gefallen sei.

Das Kreditinstitut musste den wertvollen Bestand zum Kauf anbieten, weil die EU-Kommission das zur Vorgabe gemacht hatte. Im Gegenzug durfte die während der Finanzkrise gehörig in Schieflage geratene LBBW milliardenschwere Hilfen aus Steuergeld annehmen.

Die Wettbewerbshüter müssen dem Milliardendeal noch zustimmen. Laut LBBW hat sich die Patrizia dem Schutz der Mieter verpflichtet. So sei es Teil des Geschäfts, dass «die freien Mieten in den nächsten fünf Jahren lediglich um durchschnittlich 3 Prozent jährlich zuzüglich der Inflationsrate angehoben werden dürfen».

Außerdem seien Luxussanierungen «während der nächsten fünf Jahre nur mit Zustimmung der Mieter möglich». Eigenbedarfskündigungen seien für mindestens zehn Jahre ausgeschlossen. Die LBBW schreibt, diese Zugeständnisse gingen «deutlich über den gesetzlichen Mieterschutz hinaus».

Das unterlegene Baden-Württemberg-Konsortium erklärte: «Es ist ein großer Fehler, dass bei dieser großen Transaktion die sozialen, ökologischen und städtebaulichen Aspekte nicht die Beachtung gefunden haben, die wir uns als Konsortium gewünscht haben.» Es müsse nun dafür gesorgt werden, dass sich «die Veräußerung nicht nachteilig für die vielen Mieter in Stuttgart und im gesamten Land auswirkt».

Der Mieterbund Baden-Württemberg hatte wiederholt vor der Patrizia gewarnt. Die Mieterlobby fürchtet, die neuen Besitzer aus Augsburg könnten an der Kostenschraube drehen, um das milliardenschwere Paket auf Rendite zu trimmen und womöglich für einen Weiterverkauf an einen fremden Investor zu optimieren. Die Landesbank erklärte, dass der erfolgreiche Bieter der Stadt Stuttgart eine Beteiligung von bis zu zehn Prozent am Konsortium in Aussicht gestellt habe. Unabhängig davon soll ein Vertreter der Stadt in den Aufsichtsrat dürfen.

Immobilienexperten werten den Deal als größte Transaktion auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt seit Sommer 2008. Damals hatte der nordrhein-westfälische LEG-Konzern 93 000 Wohnungen an einen Fonds der US-Investmentbank Goldman Sachs veräußert. Das Geschäft war 3,4 Milliarden Euro schwer. Ein größerer Verkauf von Gewerbeimmobilien ging hierzulande zuletzt ebenfalls 2008 über die Bühne, als Arcandor sich für gut 2,2 Milliarden Euro von einem Paket trennte.

In dem Baden-Württemberg-Konsortium hatten sich fünf Mitglieder zusammengeschlossen: Die GWG Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG aus Stuttgart hält den Löwenanteil mit 59,9 Prozent - sie wiederum ist eine Tochtergesellschaft der R+V Versicherungsgruppe. Auf die Landeshauptstadt Stuttgart entfallen 25,1 Prozent. Die Bietigheimer Wohnbau GmbH, die Stuttgarter Flüwo Bauen Wohnen eG und die GSW Sigmaringen mbH (Immobilienunternehmen des Sozialverbands VdK) halten jeweils fünf Prozent Anteil.

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  •   Daxlander
    (742 Beiträge)

    14.02.2012 12:30 Uhr
    nachgerechnet
    Bei einer jährlichen Preiserhöhung von 4,5 % ( incl. 1,5 % Inflationsrate )
    bezahlt man 2017 bereits 8,10 € Kaltmiete pro qm wenn man eine derzeitige günstige Kaltmiete von 6,50 € zugrunde legt. Dazu kommt, dass für Mieter mit niedrigem Einkommen die persönliche Inflationsrate weitaus höher als mit 1,5 % anzusiedeln ist( Miete, Energie, Mobilität, Medizinische Versorgung etc. )
    Leider steigen Renten und Löhne bei weitem nicht so stark wie dieser Löwenanteil monatlicher Fixkosten. Aber die Leute die solche Entscheidungen treffen wohnen auch nicht zur Miete und haben auch insgesamt kein Interesse an der Lebenssituation von Millionen
    von Menschen mit geringem Einkommen.
    Warum sollten sie auch. Die Preise für Nutten, Koks und Sklaven sinken seit Jahren und gehören schließlich zu ihrer persönlichen Inflationsrate.
    Eigentlich ist das für die SPD beschämend, aber dazu muß man erst einmal Scham empfinden können.
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  • unbekannt
    (2476 Beiträge)

    14.02.2012 11:50 Uhr
    seit uns die GRÜNEN regieren geht's bergab!
    !
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  • unbekannt
    (2030 Beiträge)

    14.02.2012 11:31 Uhr
    Ich seh das auch so....
    Wohnungen werden verkauft, die Mieter bekommen Mieterhöhungen...jene die schon 20 und mehr Jahre drin wohnen werden rausgemobbt um die Mieten zu erhöhen, da man ja wenn man länger in der Wohnung wohnt meist niedrigerere Mieten bezahklt als Neuzugezogene.
    Kann man sich die Mieten nicht mehr leisten, liest man 'Zuwanderung muss vereinfacht werden und die Zahl der Zuwanderer erhöht, die können sich dann die Mieten leisten, auf Steuerzahlers Kosten.
    Das ist Realität und kein Fremdenhass.
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  •   ALFPFIN
    (6816 Beiträge)

    14.02.2012 09:53 Uhr
    Das wird auf alle Fälle die Mieter treffen,
    Reparaturen und Sanierungen werden nicht mehr durchgeführt, es wird versucht die Wohnungen an die Mieter zu verkaufen, die die nicht kaufen, werden auf die übliche Weise drangsaliert, etc.

    Siehe Genossenschaftsverkauf in Dresden, jetzt ist alles noch mehr heruntergekommen, die Stadt Dresden versucht einen Teil der Wohnungen zurückzukaufen, vermutlich mit erheblichen Kosten.

    Der erste Investor dort hat die Wohnungen längst schon wieder meist bietend verscherbelt.

    Das die LBBW, als Landesunternehmen mit Billigung der Politiker, die auch im Aufsichtsrat sitzen, an so einen windigen Investor verkauft, ist ein Skandal.
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  •   Hoellenreiter
    (517 Beiträge)

    14.02.2012 10:26 Uhr
    Genau
    So sehe ich das auch !! Ist wohl wirklich sch...egal wer regiert !!
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  •   Hoellenreiter
    (517 Beiträge)

    14.02.2012 08:28 Uhr
    Aufsichtsrat ??
    Wenn ich sehe wer da alles im AR sitzt könnte ich lachen, gell Herr Nils Schmid MdL und Stv. Ministerpräsident oder Herr Claus Schmiedel MdL und
    Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg !!!
    Von Ihnen wäre da vor einiger Zeit noch ein Aufschrei durchs Land gegangen !
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  •   zozimura
    (1980 Beiträge)

    14.02.2012 08:20 Uhr
    Grüne sind Schuld!
    Wenn die damals nicht den Mappus weggeputscht hätten, hätte sich die LBBW sowas nie im Leben erlaubt!
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  •   alpinium
    (5597 Beiträge)

    14.02.2012 09:46 Uhr
    Wieso sind Grüne Schuld?
    Dass die Immobilien verkauft werden müssen kommt aufgrund eines EU-Diktats zustande. Und hallo, das ist leider Marktwirtschaft, derjenige der das bessere Angebot macht bekommt den Zuschlag, auch das wird im übrigen durch deutsche wie auch EU-Gesetze geregelt. Auch Mappus hätte daran nichts ändern können und bestimmt auch nicht wollen. Der war ja schliesslich auch bei der EnBw aufs große Geschäftle aus.
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    14.02.2012 13:36 Uhr
    Hast Du noch nicht kapiert - es läuft so
    wenn Scheisse passiert - warens die Grünen
    wenn die Schwarzen Scheisse bauen- wars das kleinere Übel oder die Grünen sind trotzdem schuld.
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  •   Hoellenreiter
    (517 Beiträge)

    14.02.2012 08:11 Uhr
    Money makes the world go round ....
    Wie immer nur Bla bla bla !!! Die Mieter werden die Zeche bezahlen und das Konsortium feiert jedes Jahr im Dezember 2 x Weihnachten !! Weiter so ihr Spekulanten ! Die Menschen werden es euch bald danken !
    Man man man
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