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Karlsruhe Kommt er oder kommt er nicht, der Brexit - für Karlsruher Unternehmen könnte es kritisch werden: "Es ist eine Phase zwischen Hoffen und Bangen"

Es fing alles Ende Juni 2016 an, als etwa 46 Millionen Briten aufgerufen waren, sich für oder gegen ein Verbleib in der EU auszusprechen. Das Ergebnis war denkbar knapp: 51,9 Prozent votierten für den Ausstieg aus der Europäischen Union. Der "Brexit" war beschlossen - und Ende März ist es wohl so weit: Das Vereinigte Königreich verlässt die EU. Mit unabsehbaren Folgen, auch für die Wirtschaft in Karlsruhe.

Es sind bange Tage, denn schon seit Wochen sind die Gespräche zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (UK) festgefahren. Ein kleiner Durchbruch konnte am Montag, 11. März, erzielt werden, da Premierministerin Theresa May bei der EU ein paar kleine Zugeständnisse aushandeln konnte. Doch mit der Abstimmung am Dienstag fand sich keine Mehrheit im Parlament für den Deal mit der Europäischen Union. Heißt: Wie es mit den Briten weitergeht, steht immer noch in den Sternen. 

Unterhaus
Jeremy Corbyn gestikuliert im britischen Unterhaus. Premierministerin May war den Gegnern eines No-Deal-Brexits zuvor weit entgegengekommen. | Bild: Mark Duffy/UK Parliament/AP

Experten fürchten, dass es am 29. März zu einem "No-Deal"-Austritt kommt. Das könnte enorme wirtschaftlich Folgen haben, sowohl für Großbritannien als auch für die EU - die Region um Karlsruhe eingeschlossen, wenn Zölle erhoben und Zollkontrollen nötig werden. Das kostet Zeit und Arbeitskräfte, weiß Wolfgang Grenke, Präsident der IHK Karlsruhe.

Mehr Anfragen bei der IHK

"Es ist eine Phase zwischen Hoffen und Bangen derzeit", erklärt Grenke. "Wir könnten mit einer Norwegen-Lösung gut leben. Das heißt, dass UK Mitglied im Zollbereich bleibt und viele Bedingungen einhalten muss - aber zeitgleich wird das Mitspracherecht sehr stark eingeschränkt", so Grenke im Gespräch mit ka-news. 

IHK Präsident Wolfgang Grenke
Präsident der IHK Karlsruhe, Wolfgang Grenke. | Bild: ka-news

Bei der IHK Karlsruhe häufen sich derzeit die Anfragen in Sachen Brexit und wirtschaftliche Zukunft. "Das Problem ist bisher, dass viele Unternehmen gut ausgelastet sind und sich erst spät um das Thema gekümmert haben", so der Kammer-Präsident. Nur rund die Hälfte der Unternehmen, auch in und um Karlsruhe, fühlt sich auf den sogenannten harten Brexit vorbereitet. Dabei leisten Grenke und seine Kollegen viel Aufklärungsarbeit und unterstützen die Unternehmen mit Checklisten und Beratungsangeboten. 

Existenzängste bei den Unternehmen? Noch nicht

Dennoch plagen die Unternehmen Sorgen und Ängste. "Die, die starke grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen haben, fürchten um einen nicht unerheblichen Einbruch ihrer Geschäfte", sagt Grenke. Die Zahlen belegen, dass das UK ein wichtiger Handelspartner vom Ländle ist. So wurden laut Statistischem Landesamt 2017 Güter für rund 11,1 Milliarden Euro auf die Insel exportiert, 2018 waren es nur 9,8 Milliarden.

Hamburger Hafen
Container liegen zur Abfertigung an einem Terminal im Hamburger Hafen. | Bild: Axel Heimken

Waren aus Großbritannien wurden im Wert von 4,2 Milliarden Euro (2017) nach Baden-Württemberg eingeführt. Daher ist der drohende Brexit und das derzeitige Chaos kein Grund zur Schadenfreude aus Sicht von Europaminister Guido Wolf. "Der Export ging landesweit um 9 Prozent zurück und ein harter Brexit wäre schmerzhaft - für die Menschen und die Wirtschaft", so der Minister in einer Pressemeldung. 

Brexit
Der britische EU-Austritt wäre am 29. März, fast drei Jahre nach dem Referendum. | Bild: Kirsty O'connor/PA Wire

Von Existenzängsten der IHK-Mitglieder möchte Wolfgang Grenke nicht sprechen. "Da ist mir bisher noch nichts bekannt!" Ob die Unternehmen eventuelle Einbußen nach dem Brexit auffangen können? "Es gibt keine Prognosen, keine Statistiken. Deswegen empfehlen wir unseren Mitgliedern, sich mit ihren Kunden, Abnehmern oder Lieferanten in Verbindung zu setzen und darüber zu sprechen, was wirklich passieren kann", so der IHK-Präsident gegenüber ka-news weiter. "Aufregung hilft aktuell kaum weiter, die Welt ist aufregend genug", sagt er. "Deswegen ist es besser, das zu machen, was möglich ist." Heißt wohl: Abwarten und Tee trinken! 

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Kommentare (17)
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  •   Pilsi57
    (283 Beiträge)

    17.03.2019 17:53 Uhr
    Das Problem heißt eigentlich Irland / Nordirland.
    Es besteht die berechtigte Befürchtung, dass der Nordirlandkonflikt wieder auflebt, wenn diese Grenze zur EU Außengrenze wird. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen war die Teilung der Insel eigentlich nicht mehr so sehr spürbar, damit aber schon.
    Man fragt sich auch, was für einen Wahnsinn Theresa May geritten hat ohne Not Neuwahlen durchzuführen, und ihre Mehrheit im Parlament so zu verlieren.
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  •   Freigeist1
    (686 Beiträge)

    17.03.2019 21:19 Uhr
    Ja, schon, andererseits. Die Grenze D zur Schweiz
    ist auch EU-Außengrenze. Da ist es extrem ruhig. Könnte auch sein, dass der Öffentlichkeit ein "Schreckgespenst" vorgemacht werden soll...? Beim blutigen Nordirlandkonflikt ging es seinerzeit ja weniger um Zölle und Grenzwartezeiten, oder?
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  •   patrickkk
    (1207 Beiträge)

    17.03.2019 01:01 Uhr
    ...
    Dass wir nicht mit handeln steht überhaupt nicht zur Diskussion. Nur ob wir mit ihnen handeln als wären sie Mitglied einer Organisation die sie gerade mit großem tam tam verlassen. So wie mit irgendwelchen fremden anderen dritt Staaten kann auch im schlimmsten Fall weiter mit ihnen gehandelt werden.

    Wussten sie natürlich nicht, aber wer ein Nichtnutz ist können sie sicher beurteilen.
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  •   patrickkk
    (1207 Beiträge)

    17.03.2019 01:02 Uhr
    ...
    Antwort für Irgendwasmitmedien.
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  •   Irgendwas_mit_Medien
    (648 Beiträge)

    17.03.2019 00:46 Uhr
    Der Brexit wär überhaupt kein Thema bei allseits gutem Willen
    Wir handeln mit der halben Welt (ausser Orient - lassen wir Waffen mal aussen vor -, und dann weiter Richtung Südostasien inclusive China, Indien und sowas.)
    Brauch ich auch nicht. Aber warum die Engländer ausschliessen, die so sind wie wir?

    STRAFEN will man sie - damit es keiner nachmacht. Denn sonst könnte Tausende Nichtsnutze hochdotierte Jobs und Privilegien verlieren. Und in deren Gefolge weitere, zB. willfährige Schreiberlinge. Und so weiter und so fort..
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  •   barheine
    (13 Beiträge)

    16.03.2019 09:54 Uhr
    Brexit fällt aus
    Ich schließe angesichts der verfahrenen Lage mittlerweile nicht mehr aus, dass die Briten ihren EU-Austritt einseitig abblasen. Das Recht dazu hätten sie.
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  •   schlaule2
    (27 Beiträge)

    15.03.2019 08:12 Uhr
    Hoffentlich gehen einige Firmen pleite
    dann gibt es bald wieder billigen Wohnraum
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  •   Avatar
    (32 Beiträge)

    17.03.2019 11:28 Uhr
    Ach
    Sie wünschen sich also dass Firmen pleite gehen, damit Wohnraum frei wird? Wird Ihre Wohnung dann auch frei Schlaule?
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  •   Mili
    (1171 Beiträge)

    14.03.2019 09:10 Uhr
    Ooorder !
    Oooooordeeer !
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  •   andip
    (9495 Beiträge)

    14.03.2019 08:31 Uhr
    Nun ja
    "Experten fürchten, dass es am 29. März zu einem "No-Deal"-Austritt kommt. "
    Das es nicht zu einem No-Deal kommen soll, wurde gestern Abend vom Unterhaus beschlossen.
    Was aber stattdessen kommen soll, weiss man da auch nicht und ob man das jemals wissen wird, steht in den Sternen.
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