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Karlsruhe Verhindert der Karlsruher Gemeinderat die Staatstheater-Sanierung? Am Dienstag fällt die Entscheidung

Es ist fast wie bei "täglich grüßt das Murmeltier": Nachdem das Projekt "Sanierung und Modernisierung des Badischen Staatstheaters" in der vergangenen Gemeinderatssitzung von der Liste verschwand, soll nun am Dienstag endlich über das Thema abgestimmt werden. Der Kern dabei: Das Projekt soll nicht nur teurer werden, sondern auch in der Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nehmen - dazu will die Verwaltung die Zustimmung der Stadträte. Das Problem: Je länger sich das Projekt hinzieht, desto teurer kann das Vorhaben werden - angesichts der aktuellen Haushaltslage eine besonders knifflige Angelegenheit.

Das Badische Staatstheater gehört zu den finanziellen Sorgenkindern der Fächerstadt. Was einst bei 125 Millionen Euro Sanierungskosten begann, hatte sich zwischenzeitlich auf 325 Millionen, inzwischen aber auf rund 580 Millionen hochgesteigert. Vor diesem Hintergrund soll der Gemeinderat nun erneut seine Zustimmung zur Fortsetzung des Projektes geben. Welche Punkte umfasst die Beschlussvorlage dabei genau?

Bebauungsplan "Baumeister-, Finter-, Ettlinger, Kriegs- und Meidingerstraße“

Zum einen Bedarf es der Zustimmung zu dem Bebauungsplan, der bereits im vergangenen Monat eigentlich zur Abstimmung gebracht werden sollte. Dieser beinhaltet neben zwölf Jahren Bauzeit auch, dass die Baufläche fast sämtliches Grünarsenal verlieren wird, um Platz für den Bau selbst zu schaffen.

Dateiname : Staatstheater Entwurf
Dateigröße : 959.76 KBytes.
Datum : 17.05.2021 14:11
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Des Weiteren wird darin geschildert, wie der Bau möglichst klimaneutral gestaltet werden kann - etwa durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage und die Begrünung des Theaterdachs. Auch der Abbau von Parkplätzen wird darin thematisiert.

580 Millionen statt ursprünglich 125 Millionen

Als nächstes gilt es, hinter den Beschluss der Stadtverwaltung einen Haken zu setzen - oder eben nicht. Denn zusammengefasst würden die Fraktionsmitglieder einem Beschluss zustimmen, der sich inzwischen auf rund 580 Millionen Euro aufsummieren würde. 

Von diesen 580 Millionen Euro würde das Land Baden-Württemberg ungefähr die Hälfte übernehmen. Die Idee eines Neubaus soll inzwischen aber vom Tisch sein. Der Grund: Eine Sanierung sei unterm Strich wirtschaftlicher.

Warum diese letztendlich nicht mehr mit den zuvor veranschlagten 325 Millionen Euro möglich sei, erklärt die Stadtverwaltung unter anderem mit einer verlängerten Bauzeit, anfallenden Baunebenkosten, dem eben erwähnten Risikoaufschlag Baupreissteigerungen und der Interimslösung.

Letztere sei mit enormen Aufwand verbunden, da alle Theaterbereiche während der Bauzeit gleichzeitig ausgelagert werden müssten. Darüber hinaus müssen sämtliche Sparten dem Theater erhalten bleiben, da ansonsten die Bezuschussung seitens des Landes wegfalle. 

"Nur" 20 Millionen pro Jahr Mehrkosten

Aus diesem Grund setzt die Stadtverwaltung in der neuen Beschlussvorlage fest, dass der "Aufwand für Interimsunterbringungen möglichst gering gehalten" und die "Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit und des künstlerischen Anspruchs des Staatstheaters" im Blick behalten werden solle.

Des Weiteren solle eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land den jährlichen Geldfluss von Karlsruhe regeln. Demnach dürfte ein Betrag von 20 Millionen Euro pro Jahr für das Badische Staatstheater nicht überschritten werden. Laut den Gemeinderats-Unterlagen der Stadt Karlsruhe seien bislang rund 37 Millionen Euro für Planungsarbeiten und Vorwegmaßnahmen ausgegeben worden.

Um weiteren "bösen Überraschungen" entgegenzuwirken, schlägt die Verwaltung außerdem vor, den Gemeinderat halbjährlich über den aktuellen Projektstand zu informieren.

Das badische Staatstheater im Umbau.
Das badische Staatstheater im Umbau. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

FW/Für Karlsruhe fordern Kostendeckel für Staatstheater-Sanierung

Diese mangelnde Sicherheit ist es auch, die die Fraktion der Freien Wähler/ Für Karlsruhe veranlasst hat, einen Änderungsantrag für die Beschlussvorlage einzureichen. "Was uns natürlich stört, ist, die Kostenentwicklung. Denn wir glauben nicht, dass die Kosten bei den 580 Millionen Euro bleiben werden", erklärt der Fraktionsvorsitzende Jürgen Wenzel gegenüber ka-news.de. "Die 700 Millionen, die wir mal vorgelegt haben, sind nicht mehr weit weg."

Jürgen Wenzel
Jürgen Wenzel | Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Das Problem sei ihm zufolge nicht nur, dass das Vorhaben immer teurer werde, je länger es dauert, sondern auch die Rohstoffe selbst. Beides zusammen treibe letztendlich die Preise in die Höhe. "Weil man uns schon drei Mal irgendwelche Zahlen erzählt hat, wollen wir jetzt endlich eine Sicherheit mit drin haben", so Wenzel weiter. Das heißt: Insgesamt 311 Millionen Euro sollen von der Stadt für die Baukosten getragen werden, hinzu kommen 65 Millionen Euro für die Außenanlagen. Mehr dürfe die Stadt nicht mehr in die Hand nehmen.

In diesem Zusammenhang kann er auch die Entscheidung der Grünen, sich erst einmal nicht klar zu dem weiteren Vorhaben positionieren möchten, nicht nachvollziehen. "Als größte politische Gruppierung im Gemeinderat hat man eine ganz besondere Verantwortung. Ich finde das nicht gut."

Finanzielle Schenkungen von Projektliebhabern

Des Weiteren schlägt die Fraktion in ihrem Antrag vor, dass Schenkungen und Werbungen für das Projekt angenommen werden sollen. Hier bringt die Fraktion den Theaterbau aus Heidelberg mit ins Spiel, der somit rund 39 Millionen Euro zusätzlich sammeln konnte. Eine Idee auch für Karlsruhe?

Junges Staatstheater "Schwalbenkönig"
(Archivbild) Eine Aufführung im Badischen Staatstheater | Bild: bernadette

Nach Ansicht Wenzels auf jeden Fall. Denn hier könnten Projektliebhaber einspringen, um die Kosten - durch Spenden und Schenkungen - etwas abzufedern. Damit könnten, seiner Ansicht nach, jene Steuerzahler entlastet werden, die selten oder nie das Badische Staatstheater besucht haben. 

"Ich glaube, bei so einem Projekt, das viele Liebhaber hat, sollten diese sich auch einbringen, anstatt über analoge Zeitungen Werbung dafür zu machen, die auch nicht wenig kostet", so die Meinung des Stadtrats. "Wenn Heidelberg es fast auf 40 Millionen Euro geschafft hat, dann dürfen 80 Millionen Euro für Karlsruhe kein Problem sein."

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  •   BMWFahrer
    (762 Beiträge)

    21.06.2021 07:12 Uhr
    Bei der Sanierung bitte auch Hitzebeständigkeit achten
    Nicht, dass bei Temperaturen über 30C das Bitumen aus den Fugen des Staatstheaters läuft
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  •   silberahorn
    (10962 Beiträge)

    21.06.2021 04:53 Uhr
    Die Bürgerforen zum Thema
    haben mich, zu meiner eigenen Überraschung, davon abgebracht das Sanierungsprojekt anzuzweifeln.
    Ich gehe bislang meist nur in Opern, das lag aber auch an mangelnder Gelegenheit abends unterwegs zu sein. Ich liebe gute und ausgebildete Gesangsstimmen. Drei Stunden habe ich allerdings kein Sitzfleisch. Weil Herr Maul die "Alten" ansprach, die er nur noch dort gesehen hatte, ich wäre auch froh manch einen nicht zu sehen, wobei ich nichts gegen das Alter hätte.
    Mit Attraktivität für junge Leute wurde ein wichtiger Punkt angesprochen. Es braucht neue Themen und Umsetzungen auch in der Oper. Und wenn das nun in Dresden beginnt, dann könnte es ein Werbefaktor werden, wenn Karlsruhe auch auf dem Gebiet bekannt wird. Nicht etwa nur in Karlsruher Staatsoper statt Staatstheater umbenennen, weil die Semperoper in Dresden immerhin Oper schon im Namen hat, aber man hat sicher auf dem Gebiet eine gute Chance so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen. Kooperationen, neue Kompositionen.
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  •   Reger
    (681 Beiträge)

    20.06.2021 22:11 Uhr
    Über die Verhältnisse
    Karlsruhe lebt über seine Verhältnisse. Warum? Wen will man mit diesen Projekten beeindrucken?
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  •   ALFPFIN
    (7775 Beiträge)

    20.06.2021 20:31 Uhr
    Natürlich wird
    das Staatstheater weiterhin teuer saniert, und zwar mit steigender Tendenz.
    Oder hat man schon einmal erlebt, dass ein Sanierungsplan abgebrochen und nach anderen Lösungen gesucht wurde.
    Wahrscheinlich hat man den preiswertesten Anbietern die Aufträge erteilt, auch wie immer, und jetzt haut das hinten und vorne nicht hin. Gibt man natürlich nicht zu.
    Es können sich natürlich auch die Sanierungskosten erhöhen, durch nachträgliche Feststellungen, auch da muss man halt den Mumm haben, nein zu sagen.
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  •   silberahorn
    (10962 Beiträge)

    21.06.2021 04:23 Uhr
    Abbrechen
    ist ein gutes Stichwort.
    Bei der Bürgeraufklärung am vorigen Freitag habe ich dann erst durch die Erklärungen verstanden, warum es nach vorn und nicht zurück gehen sollte. Und zwar obwohl die Haushaltslage sowohl für Land als auch für Kommunen schlechter wurde. Jetzt an dieser Stelle ist es für mich zu lang und zu kompliziert alles richtig zu wiederholen. Es würde sich lohnen aus der ersten Bürgerversammlung und aus den jetzigen Erklärungen eine Zusamenfassung dazu zu machen.

    Sehr gut ist mir auch in Erinnerung, dass Staatssekretärin Petra Olschowski beim ersten Termin erwähnt hat, wie gering der Prozentsatz für Kultur insgesamt (also nicht nur Bauten) gegenüber anderen Ausgaben ist. (2 Prozent? - genau weiß ich es heute nicht mehr und will nicht falsch zitieren)

    Geld sammeln ist eine gute Idee, zumal die Anzeige in den BNN teuer war und man beim nächsten Mal auch eine Kontonummer angeben könnte. Crowdfunding nennt man das.
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  •   Beiertheimer
    (1343 Beiträge)

    21.06.2021 08:00 Uhr
    Geld sammeln wir automatisch durchgeführt.
    Mein Dauerauftrag für die Grundsteuer wir automatisch durch den Gemeinderat erhöht. Ich brauch nicht mal was zu tun. Vielen Dank.
    Das ich mich an den Gesamtkosten eines Gemeindehaushaltes beteiligen muß ist mir klar und verständlich. Wo ich meine Probleme habe ist das ich mich jedesmal verarscht vorkomme wenn wieder eine Meldung kommt das die Kosten aus dem Ruder laufen. Wir haben z.B. fürs Usträble abgestimmt zum Preis von 380 Mille und wo sind wir jetzt?
    Die Stadthalle ist das nächste Disaster und unsere von der Politik so hoch gelobte Messe ist auch ein Drauflegergeschäft.
    Und genau das gleiche befürchte ich auch beim Staatstheater. Wenn bei der Sanierung die erste Tür aufgemacht wird kommt gleich die Meldung:"das wird teurer". Warten wir es ab ab und hoffen das die Milliarde nicht schon vor 2030 geknackt wird.
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  •   silberahorn
    (10962 Beiträge)

    21.06.2021 09:31 Uhr
    Der Hebesatz
    ist in meinen Augen tatsächlich ein Punkt, der mitbesprochen werden muss. Da kommt garantiert die nächste Erhöhung. Wobei ich da einmal echte und gute Vergleiche mit anderen Städten haben möchte. Das Abwandern von Firmen hat nicht nur mit fehlenden Flächen zu tun.
    Bei der IHK hat man sich pro Sanierung ausgesprochen, weil Firmen dadurch ihr Personal zufriedenstellen können. Dann dürfen sie auch nicht abwandern, wenn der Hebesatz wieder höher wird. Die letzte Erhöhung war moderat.
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  •   Kommentar
    (965 Beiträge)

    20.06.2021 21:36 Uhr
    Ein Park
    an der Stelle wäre wirklich schön. Vielleicht gibt es dafür auch Zuschüsse vom Land.
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