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Karlsruhe Corona-Krise trifft Karlsruher "Basislager" hart: "Was an Hilfen kommt reicht für keine Monatsmiete"

Noch hat der Lockdown den Karlsruher Einzelhandel fest im Griff. Nach den letzten Bund-Länder-Verhandlungen gibt es zwar einen Lichtblick: Am 7. März sollen die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Doch der Einzelhandel ist von den vergangenen Monaten bereits schwer gebeutelt. Deswegen hofft Martin Kerner, Geschäftsführer des "Basislager" in Karlsruhe bald wieder Kunden in seinem Ladengeschäft empfangen zu können: "Es geht ums blanke Überleben."

Die Corona-Krise setzt dem Einzelhandel weiterhin schwer zu. Seit Monaten sind die Geschäfte im ganzen Land geschlossen. Am 8. März sollen die Läden nun endlich wieder öffnen dürfen. Dafür muss allerdings die Inzidenz im Umkreis stimmen. Für viele Einzelhändler ist die Zukunft also weiterhin ungewiss. 

Nicht nur der Einzelhandel ist betroffen

Die Unternehmerin Petra Lorenz und die Managerin des Einkaufszentrums Ettlinger Tor, Anne Klausmann, hatten im Gespräch mit ka-news.de bereits von den Sorgen und Nöten des Einzelhandels berichtet.  Und auch Martin Kerner, Geschäftsführer des "Basislager" in Karlsruhe sieht die aktuelle Lage sehr kritisch.

Auch hier fehlen die Kunden: Basislager Karlsruhe.
Auch hier fehlen die Kunden: Basislager Karlsruhe. | Bild: Basislager

Das Reisen ist in Zeiten von Corona schon lange nicht mehr möglich. Für ein Geschäft wie das "Basislager", das seine Waren hauptsächlich an Reisende verkauft, ist dies eine schwierige Situation. Es mache das Planen schwer, sagt Kerner im Gespräch mit ka-news.de. Fernreisen und das Wintergeschäft fielen derzeit komplett aus. Zwar gingen Menschen derzeit vermehrt wandern oder spazieren - die hier verkauften Waren könnten die Ausfälle jedoch nicht kompensieren.

Und nicht nur für den Einzelhandel stellt dies eine enorme Herausforderungen dar. Kerner erklärt, dass altbewährte Produktionsketten zum Teil nicht mehr funktionierten. Da die Einzelhändler ihr Sortiment nur schwer planen können, wissen auch die Hersteller nicht, was auf sie zukommt. Erste Marken liefern bereits nichts mehr aus. "Es wird langfristig ein Ladensterben und auch ein Firmensterben geben", prophezeit Kerner. 

"Wir sind über jeden dankbar und froh, der uns auf dem Sender hat"

Als Fachgeschäft hat das "Basislager" ein sehr spezielles Sortiment. Der Geschäftsführer erklärt, dass nicht immer viele Kunden in das Geschäft kämen - wer kommt, der kauft dann jedoch auch etwas. Allerdings, so Kerner, lebe der Einzelhandel von einer Frequenz an Kunden. 

Hier sieht Kerner auch die Städte in der Pflicht: "Die Städte sind gefordert dafür zu sorgen, dass die Innenstädte attraktiv bleiben." Nicht nur für Ladenbesitzer ist dies wichtig. Es gäbe auch Menschen, die einfach gern einkaufen gingen. Diese wollten sich dann auch in Geschäften beraten lassen.

Bild: Felix Zeiffer/Basislager
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Wie lange dies allerdings noch möglich sein wird, ist fraglich. Denn die versprochenen Leistungen des Bundes helfen, laut Kerner, nur wenig. "Es funktioniert im Grunde genommen überhaupt nicht", berichtet der Einzelhändler verbittert. Lange Zeit habe die Plattform zur Beantragung von Hilfsmitteln überhaupt nicht existiert. Und nun wo sie existiert, sei es zu kompliziert und zu wenig unbürokratisch um schnell Hilfe zu erhalten. Zwar freue Kerner sich über das Geld, doch die Summen könnten seine Verluste auch nicht ausgleichen. 

Online-Shops sind keine Alternative

Vielen Einzelhändlern wird deshalb in dieser Zeit zum Öffnen eines Online-Shops geraten, um Einnahmen zu bekommen. Kerner kann dies nicht verstehen. Es sei nicht so einfach Waren online zu verkaufen, wie dies häufig suggeriert würde. Dahinter steckten viel Arbeit und viel Geld. 

Und auch die Auffindbarkeit eines Online-Shops sei, so Kerner, ein Problem. "Wer außer unseren Stammkunden soll uns finden?", fragt er. Denn sucht man nach einem bestimmten Produkt, zeigen Suchmaschinen immer zuerst die großen Anbieter an. Einzelhändler und kleine Geschäfte kämen dann auf Seite zwei oder drei. So lange würden die Kunden aber gar nicht erst suchen. "Online-Shops sind keine Garantie für gute Geschäfte", stellt er klar. 

"Es muss klar sein, wie Öffnungsszenarien aussehen können"

Mit Hoffnung und Sorge blickt Kerner deshalb auf den kommenden Bund-Länder-Beratungen. Bisher ist die Lage nach Meinung des Einzelhändlers für ihn selbst und andere noch zu unsicher. "Es muss klar sein, wie Öffnungsszenarien aussehen können", fordert Kerner deshalb. 

Bild: Felix Zeiffer/Basislager

Denn das "Basislager" wieder öffnen zu dürfen sei zwar wichtig, Geschäfte sollten dann aber nicht nach kurzer Zeit wieder schließen müssen. Ein Szenario, in dem die Geschäfte ab dem 8. März zwar für einige Wochen öffnen dürften, dann ihre Türen aber wieder schließen müssten, wäre laut Kerner eine Katastrophe. 

Seit einem Jahr wüssten Einzelhändler nun schon nicht, wie es weiterginge, klagt er. Und auch wenn Kerner seine Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Lockdowns setzt, steht fest: "Die Nerven sind blank". So verfolgt Kerner aufmerksam die weiteren Entwicklungen und hofft, bald wieder Kunden im "Basislager" begrüßen zu können.

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  •   Apu
    (181 Beiträge)

    21.02.2021 12:07 Uhr
    3ter lockdown??
    Lauterbach betreibt wieder panikmache. Ich wäre für einen 3ten lockdown für 2 wochen wenn genug impfstoff da ist um in dieser zeit menschen im Akkord zu impfen. Impfzentren sind jetzt schon bereit, impfdosen ebenfalls aber die zentren sind leer weil keiner der älteren oder risiko patienten kommt. Hab gelesen das man am tag 3800 personen impfen kann und 200 kommen. Noch fragen?? Die öffnungen haben beim 1sten mal schon super funktioniert, weshalb wird immernoch am lockdown festgehalten. Jeder kennt die regeln u jeder ist wohl bereit diese einzuhalten. Aber ich hab so langsam kein bock mehr. Nur zur arbeit, spazieren und zuhause, da kann ich langsam in die klappse. Und für was??? Wenn ich dann hören muss das ein hartz4 Empfänger 150 euro bekommt, das ist frech und unverschämt
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  •   skycraper50
    (6 Beiträge)

    22.02.2021 10:22 Uhr
    Lockdown
    Das Basislager eine der besten Adressen für Outdoor Artikel im Südwesten, mit kompetenten Mitarbeitern und Service, wird womöglich Opfer einer verfehlten Politik. Jahrzehnte lang wurde das Gesundheitssystem kaputt gespart, dazu eine katastrophale Personalpolitik in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die momentan beschlossen Maßnahmen sind nicht mehr zielführend, zumal sie keine parlamentarische Mehrheit bzw Abstimmung haben. Mutige Unternehmer und deren Mitarbeiter bezahlen die Zeche, während Amazon täglich Rekordgewinne einfährt. Wo bleibt die vielgepriesene gesellschaftliche Solidarität? Sind wir alle einer Gehirnwäsche unterzogen worden oder nur noch Egoistisch? Verbraucher haben Macht. Erst wenn die Innenstädte leer und öde sind und Betriebe wie das Basislager nicht mehr existieren wachen vielleicht einzelne auf. Das macht Wütend. Aber langsam kommt auch die Angst.
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  •   Kartoffelsalat
    (563 Beiträge)

    21.02.2021 23:24 Uhr
    Ich arbeite weiter, Erholung fehlt, aber muss halt.
    Zitat von Apu Die öffnungen haben beim 1sten mal schon super funktioniert, weshalb wird immernoch am lockdown festgehalten.

    Beim 1. Lockdown hat das funktioniert, weil die Reproduktionszahl R unter 1 war. Jetzt ist R der Mutante über 1. Die Fallzahlen bei der Mutante steigen! Exponentiell.
    Außerdem war es am Ende des 1. Lockdowns Ende Mai, jetzt ist es Ende Feb. Der saisonale Effekt ist nicht zu unterschätzen.

    Zitat von Apu Jeder kennt die regeln u jeder ist wohl bereit diese einzuhalten. Aber ich hab so langsam kein bock mehr. Nur zur arbeit, spazieren und zuhause, da kann ich langsam in die klappse.

    Wir sind alle ungeduldig. Aber wenn wir jetzt unvernünftig sind, wird es sehr bald einen 3. Lockdown geben.

    Zitat von Apu Wenn ich dann hören muss das ein hartz4 Empfänger 150 euro bekommt, das ist frech und unverschämt

    Das denke ich auch 😄 aber anders als Sie: bei den stark gestiegenen Preisen für (vor allem gesunde) Lebensmittel ist das viel zu wenig. + Masken usw.
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  •   Kojak
    (620 Beiträge)

    22.02.2021 09:23 Uhr
    3. Lockdown
    Ja nun, der zweite wird doch gar nicht beendet. Was also sollen diese ständigen Drohungen mit einem dritten?

    Wenn man die zurückgehenden Zahlen der letzten Woche genutzt hätte, um den Einzelhandel zu öffnen, dann wäre er jetzt offen - mit guten Hygienekonzepten. Selbst wenn die Zahlen tatsächlich noch einmal hochgehen und man nochmals schließen müsste... dann hätten die Händler wenigstens drei, vier, fünf Wochen gehabt, um ihre Ware zu verkaufen. Aber so? So haben gar nichts.

    Das Argument, wir müssten monatelang im 2. Lockdown bleiben, um einen 3. Lockdown zu vermeiden, ist absolut hirnrissig.
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  •   Kartoffelsalat
    (563 Beiträge)

    22.02.2021 23:24 Uhr
    3
    Was bringen 4 offene Wochen, wenn man danach wieder zumachen muss und 10 Wochen braucht, um wieder runterzukommen?
    In diesem Szenatio wäre es sinnvoller jetzt noch 5 Wochen geschlossen zu lassen. Dann ist es Anfang April. Saisonaler Effekt plus mehr Impfungen bis dahin → dann kann man öffnen: sicherer und nachhaltiger. Und in Summe wäre die Zeit, in der geöffnet war, länger.
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  •   Leonid
    (87 Beiträge)

    21.02.2021 11:38 Uhr
    Frau Merkel, Herr Kretschmann
    Öffnen sie die Mauer, die Sie um den Einzelhandel errichtet haben. Die Händler sind jetzt schon pleite. Und der Staat auch bald. Dann gibts nämlich auch kein Gesundheits System und gar nix mehr im Land.
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  •   quicksilver
    (103 Beiträge)

    21.02.2021 12:56 Uhr
    sorry
    aber was posauen sie denn für einen blödsinn raus???
    ist es vielleicht nicht gerade die Kundschaft (vielleicht auch die des basislagers) die für die hohen fallzahlen verantwortlich ist??? wir werden es nie herausfinden... glaube nicht dass die Kanzerlin oder der MP die Superspreader des Landes sind...
    eine Möglichkeit ist es u.a. den Bankberater aufzusuchen und nach einem Kredit zu fragen,... ggf. muss auch das private Heim als Sicherheit eingesetzt werden um wieder flüssig zu werden... denn das wurde in der Vergangenheit aus den Gewinnen eben dieses Unternehmens finanziert...
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  •   Leonid
    (87 Beiträge)

    21.02.2021 19:23 Uhr
    Ja klar
    Gibst du noch dein ganzes Erspartes rein und im Sommer mußt du trotzdem zumachen wegen ewigem Lockdown. Dann kannst du den Rest vom Leben mit Harz4 verkümmern. Ganz toll. So kann nur jemand reden der ein sicheren Job hat beim Staat.
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  •   quicksilver
    (103 Beiträge)

    22.02.2021 08:41 Uhr
    nein
    es geht hier um ein unternehmerisches Risiko. Punkt. Dieses ist jeder eingegangen der sich für die Selbständigkeit entschieden hat. Wer den Leasing Porsche vor der Tür stehe hat, abends in sein schickes Einfamilienhaus in bester Lage fährt... der hat all diese Vorzüge gerne genossen.. jetzt muss halt all dies wieder investiert werden.. und nicht immer der Steuerzahler..
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  •   Sagsoifach
    (28 Beiträge)

    23.02.2021 16:47 Uhr
    Kein Porsche, kein Eigenheim...
    Aus sicherer Quelle weiß ich, dass im Basislager KEINER, auch nicht die Inhaber ein nennenswertes Vermögen erwirtschaftet haben. Keiner hat da großartig Rücklagen, die einfach mal aufgebraucht werden können. Das Eigenheim (nur in durchschnittlicher Lage) taugt auch nicht als Sicherheit, weil es bei weitem noch nicht abgezahlt ist.
    Das was ein solches Geschäft abwirft, reicht in guten Zeiten für eine bürgerliche Existenz - Familie ernähren und Altersvorsorge ansparen. In weniger guten Zeiten ist es eine Nullnummer, in schlechten Zeiten na ja.
    Stimmt, das ist eine unternehmerische Entscheidung.
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