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Karlsruhe Schutz von Wohnraum vor Airbnb und Co.: Stadt schränkt Ferienwohnungen auch künftig nicht weiter ein

Ferienwohnungen werden immer beliebter. Doch die Hotel-Alternative sorgt in vielen Städten für Unmut, begünstigt sie doch den vorherrschenden Wohnraummangel noch weiter. Auch die "Linke"-Fraktion des Karlsruher Gemeinderats schlägt Alarm - und fordert die Stadt auf, den gewerblichen Ferienwohnungs-Anbietern einen Riegel vorzuschieben.

Zu wenig Wohnraum und fehlende Bauflächen - dass Karlsruhe ein Wohnungsproblem hat, ist ein offenes Geheimnis. Erschwerend kommt hinzu: Ferienwohnungen verknappen den dringend benötigten Wohnraum weiter.

"Der Wohnungsmangel ist unumstritten!"

Das zumindest kritisieren die Stadträte der "Linken", Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos, in einer Anfrage an den Karlsruher Gemeinderat: "Der Wohnungsmangel ist unumstritten!" Sie fordern die Stadt daher auf, dem Vorbild von Freiburg, Konstanz, Stuttgart, Tübingen und Heidelberg zu folgen und auch in Karlsruhe ein sogenanntes Zweckentfremdungsverbot durchzusetzen.

Doch warum sind Ferienwohnungen ein großes Problem für die Städte? Online-Mietportale wie Airbnb, Wimdu und Co. sollten ursprünglich Plattformen allein für private Vermieter sein. Doch die Angebote an Ferienwohnungen professionalisieren sich zunehmend - das treibt zum einen die Mietpreise in die Höhe, zum anderen wird der Wohnraummangel noch weiter begünstigt. Das Zweckentfremdungsverbot soll das verhindern.

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Portale wie Airbnb bieten zunehmend gewerblichen Vermietern eine Plattform - zum Leidwesen für Wohnungssuchende. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com@TeroVesalainen

Rechtfertigung mithilfe veralteter Daten 

Hat auch Karlsruhe unter den gewerblichen Vermietungen von Ferienwohnungen zu leiden? "In Anbetracht der Wohnungsmarktsituation ist es in Karlsruhe um jede Wohnung schade, die nicht dem Zweck Wohnen dient", macht die Stadt in ihrer Stellungnahme auf die Anfrage der Stadträte deutlich. Ein Zweckentfremdungsverbot will sie dennoch nicht einführen. Der Grund: Die Anzahl der Ferienwohnungen in Karlsruhe sei nicht bedeutend genug.

Insgesamt 168 der Ferien-Domizile wurden nach Angaben der Stadt im Jahr 2011 gezählt. Mit 25 Wohnungen hatte Durlach die größte Auswahl zu bieten, der zweitbeliebteste Stadtteil war die Weststadt mit 16 Unterkünften. Dahinter reihen sich die Innenstadt-Ost sowie Neureut mit jeweils 11 und die Südweststadt mit 10 Wohnungen. "Die Anzahl der Ferienwohnungen macht lediglich 0,1 Prozent aller Wohnungen in Karlsruhe aus", rechtfertigt die Stadt ihre Entscheidung.

Die Anzahl an Ferienwohnungen in Karlsruhe steigt stetig. (Symbolbild) | Bild: Corina Bohner

Aber: Die Daten der Erhebung stammen aus dem Jahr 2011 - und damit lange vor dem großen Boom von Online-Portalen wie Airbnb. Laut diesem liegt die Anzahl der tatsächlichen Ferienwohnungen in der Fächerstadt aktuell bereits über 300 - Tendenz steigend. Diese Tatsache konnte auch die Stadt nicht leugnen. In einer Pressemeldung gab sie zu: "Die Zahl der Buchungen über die Portale nimmt stetig zu." Bis 2030 sollen nochmals 473 bis 683 Unterkünfte dazukommen. 

Zweckentfremdungsverbot lässt weiter auf sich warten

Warum bleibt das Zweckentfremdungsverbot also weiter aus? In ihrer Stellungnahme gibt die Stadt zu, dem Gesetz eine "schwer messbare präventive Signalwirkung" nicht absprechen zu können. Die messbare Erfolgsquote allerdings bewege sich in einem überschaubaren Rahmen. Zudem sei die Umsetzung mit einem sehr hohen Verwaltungsaufwand verbunden.

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Vorerst läuft die Vermietung von Ferienwohnungen in Karlsruhe ohne Einschränkungen weiter. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com@mastersenaiper

Das Verbot gewerblich vermieteter Ferienwohnungen wird in der Fächerstadt also erst einmal weiter auf sich warten lassen. Die Stadtverwaltung räumt allerdings ein, die Situation hinsichtlich der Ferienwohnungen weiter beobachten zu wollen, "um bei einer wesentlichen Veränderung tätig werden zu können."

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  •   stoersender
    (1390 Beiträge)

    13.10.2018 12:07 Uhr
    Zuzug von Fachkräften
    Diese ganzen Ärzte und Ingenieure müssen ja auch irgendwo wohnen grinsen
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    13.10.2018 12:06 Uhr
    Letztens eine Anzeige
    gelesen: "4 Zimmer, 100 qm, Vermietung nur an Einzelperson. traurig
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  •   stoersender
    (1390 Beiträge)

    13.10.2018 12:09 Uhr
    Nur an Einzelpersonen
    Ein bissle übertrieben, aber wundert mich auch nicht ganz bei den heutigen Erfahrungen mit Großfamilien...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    13.10.2018 20:40 Uhr
    Die Wirklichkeit: Die Medaille hat 2 Seiten.
    Also ich habe zuletzt sehr schlechte Erfahrungen mit zwei Vermietern gemacht (heruntergekommene Immobilien; Null Investitionen; illegale Abzocke bei den Mietern -Nebenkosten- wie von Gerichten bestätigt). Das ist das Leben: man macht gute und schlechte Erfahrungen, als Vermieter als Mieter und auch sonst. Durch eigene positive Herangehensweise und Vertrauen kann man oft (nicht immer) eher bessere als schlechtere Erfahrungen machen. Ist aber ein Wesenszug, der Angstschürern eher abgeht, was dann Negativerfahrungen zu Folge hat. Hier im Forum scheinen sich viele solche Zeitgenossen zu tummeln.
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    13.10.2018 09:51 Uhr
    Die Familienobdachlosenheime
    findest du in der Gartenstraße, Sophienstraße, und eines in Knielingen. Hinzu kommen die Unterkünfte für Alleinstehende in der Werderstraße, Rüppurrer Straße, Rheinstraße und in der Scheffelstraße. Und wenn die voll sind, werden die Menschen in Pensionen untergebracht, ohne Kochgelegenheiten oder Waschmaschine.

    Die Wohnungsnot ist real, auch wenn du nichts davon mitbekommst.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    13.10.2018 15:22 Uhr
    Und dort
    wohnen dann die 'Familien Ritter', das sind die die du auch auf einem normalen Mietmarkt niemals unterbringen könntest. Die gibts in jeder Stadt, bei jeder Konjunktur.
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    13.10.2018 16:13 Uhr
    Die Zahlen sind
    steigend, im besten Deutschland aller Zeiten.

    https://www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/wohnungssicherung/bericht/HF_sections/content/1499178186326/ZZm5MSDznqpVCK/Gesamtkonzept%20Wohnungslosenhilfe%20%C2%B497_10.%20SachstandsberichtStand06.06.2017.pdf
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    13.10.2018 18:06 Uhr
    Ist ja logisch,
    je besser es 'uns' geht umso härter trifft es die die hinten runterfallen. Wenn der Durchschnitt mehr Geld hat haben die die ganz wenig haben noch weniger.
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    13.10.2018 20:23 Uhr
    Mir ging es lediglich
    darum, diese falsche Aussage zu widerlegen.

    Zitat von betablocker. Es hat doch jeder eine Wohnung.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    14.10.2018 00:26 Uhr
    Ok,
    das war natürlich übertrieben. Um die Sache aufs Kernproblem zurückzuführen: Es gibt schon genug Wohnungen, nur kommen eben bestimmte Leute an bestimmte Wohnungen nicht dran. Aus verschiedensten Gründen. Manche sind zu teuer, manche werden wie schon angesprochen nicht bedarfsgerecht vermietet, manche werden bewusst leerstehen gelassen. Bei uns im 12-Parteienhaus steht eine 4-Zimmer Wohnung mit familiengerechtem Schnitt für zwei Kinder seit dreieinhalb Jahren leer. Warum? Der Eigentümer liegt mit den restlichen Eigentümern seit jeher im Streit (du willst nicht wissen was das die Gemeinschaft jedes Jahr kostet), wir untersagen ihm Alleingänge und solange der nicht machen kann was er will macht er eben nichts. Das Geld braucht er nicht. Wir als Gemeinschaft warten auf die biologische Lösung.
    Im Nebenhaus steht eine 2-Zimmer Singlewohnung seit einem Jahr leer, die Gründe kenne ich nicht.
    Und so gibts sicher noch einige mehr.
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