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Karlsruhe Sanierung der Stadthalle wird noch teurer und noch später fertig: "Bei Neuausschreibung würden wir vier Jahre verlieren, das ist keine Option"

Ende 2021 sollte die Stadthalle Karlsruhe fertig modernisiert sein - dieser geplante Termin kann (wieder) nicht gehalten werden. Das geben Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz und Baubürgermeister Daniel Fluhrer am Dienstag bei einem Pressetermin bekannt. Ein neues Datum sowie eine aktuelle Kostenschätzung gibt es derzeit noch nicht. Es ist bereits die zweite Terminverschiebung.

Der prognostizierte Fertigstellungstermin Ende 2021, der auf einer bis Juni 2019 abgeschlossenen Planung basierte, könne nicht mehr eingehalten werden, heißt es von Luczak-Schwarz. "Es hat sich leider gezeigt, dass die Verzögerungen nicht kompensiert werden können", sagt Karlsruhes Erste Bürgermeisterin im Pressegespräch am Dienstag.

Daniel Fluhrer und Gabriele Luczak-Schwarz beim Pressegespräch am Dienstag.
Daniel Fluhrer und Gabriele Luczak-Schwarz beim Pressegespräch am Dienstag. | Bild: ka-news.de

Luczak-Schwarz spricht von einer "schwierigen Phase im Bau", Baubürgermeister Daniel Fluhrer ergänzt man ist "noch nicht über den Berg". Bauliche Herausforderungen, die derzeit die Modernisierung erschweren, seien unter anderem die Überlastung im Tragwerk und Betonschäden im Kubus.

Erschwernis bei Stadthallen-Bauarbeiten: Die Überlastung des Tragwerks.
Erschwernis bei Stadthallen-Bauarbeiten: Die Überlastung des Tragwerks. | Bild: Stadt Karlsruhe
Schwierigkeit bei Stadthallen-Modernisierung: Die Betonschäden am Kubus.
Schwierigkeit bei Stadthallen-Modernisierung: Die Betonschäden am Kubus. | Bild: Stadt Karlsruhe/SSP AG

Konkrete Zahlen zu den Mehrkosten, welche die Bauverzögerungen unweigerlich erzeugen müssen, gibt es noch nicht: Eine Prognose sei erst möglich, wenn eine Gesamtplanung vorliege und mit den ungestörten Arbeiten begonnen werden können, so die städtischen Verantwortlichen. Aktuell sei keine seriöse Aussage  bezüglich Mehrkosten und Zeitverzögerung möglich, so Fluhrer. "Es wäre unverantwortlich, jetzt einen Zeit- und Kostenplan in den Raum zu werfen", so Luczak-Schwarz.

Baustelle seit 2017, Fertigstellung sollte ursprünglich Ende 2019 sein

Seit 2017 wird die Veranstaltungshalle am Kongresszentrum modernisiert. Die Bauarbeiten umfassen fünf Veranstaltungssäle, fünf Konferenz-, 17 Seminarräume und drei Foyers. Es sei eine anspruchsvolle Projektorganisation mit besonders vielen Akteuren, so Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft.

Die Installationsdichte sei mehrlagig und müsse auf engstem Raum erfolgen, man habe daher das Team verstärkt, weitere externe Fachplaner beauftragt und frühzeitig TÜV-Sachverständige eingebunden, so das Amt. 

Entwurf zur Modernisierung der Stadthalle
So soll das neue Stadthallen-Foyer aussehen, wenn es fertig ist. (Entwurf aus 2016) | Bild: Stadt Karlsruhe

Ursprünglich waren 58 Millionen Euro angesetzt, Ende 2019 sollte sie fertig modernisiert sein. Erste Verzögerungen wurden im Januar 2018 bekannt, im April folgte eine erste Anpassung im Zeit- und Kostenplan - neuer Fertigstellungstermin wurde auf Ende 2021 angesetzt. Dazwischen: Streit mit dem Ingenieurbüro über vorgelegte Pläne. Anfang 2019 lag das Bauprojekt nach Informationen der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) bei knapp 80 Millionen Euro. 

+++ Aktualisierung 14 Uhr +++

Wie Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz und Baubürgermeister Daniel Fluhrer auf Nachfrage von ka-news.de mitteilen, ist der aktuell gesetzte Kostenrahmen von 78 Millionen Euro nicht mehr zu halten. "Allein aufgrund der umfassenden Umplanungen und der technischen Probleme die wir hatten", sagt Luczak-Schwarz im Gespräch mit ka-news.de im Anschluss nach dem Pressetermin. Beziffern will sie die Mehrkosten allerdings noch nicht und betont erneut, dass es unverantwortlich wäre, einen Zahl zu nennen. 

Keine gute Laune: Gabriele Luczak-Schwarz bei einem Pressetermin zur Sanierung der Stadthalle. | Bild: ka-news.de

Auch Baubürgermeister Daniel Fluhrer bekräftigt das: "Solange wir keine neustrukturierte Gesamtplanung haben, können wir die Kosten nicht verifizieren", sagt er gegenüber ka-news.de. "Aber 78 Millionen ist das Limit, das für uns noch zählt aber durch die Notsituation in der wir sind und das Einführen neuer Partner sind wir über diesen Preisrahmen logischerweise hinaus - denn die zusätzlichen Leistungen kosten zusätzlich Geld!" Konkret sind damit gemeint: personelle Verstärkungen der Fachfirmen und Planungsbüros. 

Neuausschreibung der Arbeiten keine Option

Eine Neuausschreibung des Projekts oder eine "Trennung" von einem der Ingenieurbüros kommt allerdings nicht in Frage. "Wenn wir uns von dem Partner trennen, der ein Gewerk hat, das etwa 30 Millionen Euro kostet, trennt man sich auch von dem Schaden der Mehrkosten", so Fluhrer gegenüber ka-news.de weiter. Wer die Mehrkosten dann tragen würde, wäre dann die Frage. 

Die Sanierung der Stadthalle bereitet Baubürgermeister Daniel Fluhrer offenbar Kopfzerbrechen. | Bild: ka-news.de

Zum anderen würde bei einer Trennung vom Auftragnehmer noch mehr Zeit ins Land gehen. "Die Ausschreibungen und Vergabe würde von vorne beginnen und auch das neue Büro fängt von vorne an, denn die können nicht die Planungen übernehmen, der Grund ist die Haftung", erklärt der Baubürgermeister. "Das heißt also, dass wir locker drei bis vier Jahre verlieren. Deswegen ist das für uns kein Szenario!"

Bild: ka-news.de

Nun will die Bauherrin, die Stadt Karlsruhe, die Planungen so schnell wie möglich aber so gut ausgearbeitet zum Abschluss bringen. Erst wenn die Planungen fertig sind und vom TÜV abgenommen, dann können die eigentlichen Bauarbeiten in der Stadthalle beginnen. Wann das der Fall sein wird, kann auch heute nicht abgeschätzt werden. "Es braucht einfach seine Zeit", so Fluhrer und Luczak-Schwarz unisono. 


ka-news Hintergrund

1985 in Betrieb genommen, ist die Stadthalle neben der Gartenhalle, der Schwarzwaldhalle und des Konzerhauses Teil des Karlsruher Kongresszentrums. Sie bietet in fünf Veranstaltungssälen Platz für maximal 4.000 Personen. Hinzu kommen fünf Konferenzräume für bis zu 530 Personen. 

 

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  •   Ullermann
    (149 Beiträge)

    20.08.2019 13:55 Uhr
    Eher Pfusch in der Planung
    Ein überlastetes Tragwerk kommt nicht des Nachts heimlich angeschlichen. Schäden am Kubus sind nicht zu vermeiden, hätte man aber in einer vorhergehenden Prüfung erkennen müssen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1273 Beiträge)

    20.08.2019 13:57 Uhr
    Das meinte ich damit !
    Danke für die Berichtigung.
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  •   ramius
    (215 Beiträge)

    20.08.2019 12:36 Uhr
    Steuergelder
    Spitzenmäßiger Umgang mit Steuergeldern. Da hätte man die Stadthalle besser gleich abgerissen und neu gebaut.
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  •   dipfele
    (5858 Beiträge)

    20.08.2019 15:10 Uhr
    Einen ähnlichen Fall.....
    .. gibt's in Durlach. da soll die Schlossschule , ein Betonklotz aus den 1960er Jahren, mitten in der historischen Altstadt gelegen, saniert werden. Für bislang 24 Mio und für ca. 350 Schüler Mitte Juli konnte man in den BNN lesen, dass in Ettlingen eine neue Schule für ca, 22 Mio und für 900 Schüler gebaut wurde. Neu bauen dürfte wirtschaftlicher sein, als sanieren im Bestand, vor allem wenn es sich wie in Durlach um einen potthässlichen Bau handelt.
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