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Karlsruhe Klein, aber fein: Immer mehr Haus- und Craftbrauereien finden Platz am Karlsruher Biermarkt

Zum Anstoßen muss es nicht immer ein Markenbier sein: In Karlsruhe wächst zuletzt die Auswahl an kleineren Hausbrauereien, die im Vergleich auch etwas abenteuerlustiger sind, was die Geschmacksrichtung angeht. ka-news wirft einen Blick auf die aktuellen Namen im Rennen um die Gunst der Karlsruher Bier-Trinker.

Krombacher, Bitburger, Jever, Warsteiner oder Becks: Wenn ein Bier ein "Fernsehbier" ist, kann man durchaus von einem zweischneidigen Schwert sprechen: Diese Biere sind jedermann bekannt. Das Problem ist aber, dass sie sich oftmals alle im Geschmack sehr ähnlich sind - immerhin wollen sie eine enorm breite Masse an Nutzern ansprechen. Immer wieder heißt es, dass der Unterschied der Marken in Blindverkostungen kaum zu unterscheiden ist.

Sommerwetter sei Dank: Brauereien und Bierlager setzten rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab.
Sommerwetter sei Dank: Brauereien und Bierlager setzten rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab. | Bild: Jan Woitas

Vielleicht mit ein Grund, warum die kleinsten Brauereien derzeit einen regelrechten Aufschwung erleben. Die Nachfrage nach besonderen Bieren steigt und das merkt man auch in Karlsruhe. Trotzdem ist die Zahl der Brauereien in der Fächerstadt, wie überall in Deutschland, gesunken. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren beispielsweise über 20 Bierbrauer in Karlsruhe tätig - dann nahm die Zahl immer weiter ab.

Zahl der Karlsruher Brauereien stieg zuletzt

Allein in den 2010er Jahren kamen hier wieder drei Brauereien dazu, was derzeit für eine Zahl von acht Brauereien in Karlsruhe sorgt. Zwei davon gelten als große Brauereien, die restlichen sechs sind sogenannte Hausbrauereien. Das dort hergestellte Bier ist vorwiegend für die angeschlossene Gaststätte bestimmt. Anders als in Großbrauereien findet keine industrielle Produktion statt.

Eine der im Ursprung ältesten Geschichten als Hausbrauerei hat wohl der Kühle Krug. Das Gasthaus an der Bannwaldallee kann auf eine Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückblicken - mit vielen Höhen und Tiefen. Die Gaststätte, so wie sie heute aussieht, wurde 1973 gebaut, nachdem an der gleichen Stelle zuvor das Vorgänger-Gasthaus abgebrochen wurde. Nach einer Insolvenz im Jahr 2002 läuft der Betrieb nun wieder: Im Angebot ist ein unfiltriertes, naturtrübes Bier, welches es mittlerweile auch in einigen Karlsruher Supermärkten zu kaufen gibt.

Neben den Klassikern ergänzt Saisonales das Angebot

Mittlerweile auch eine über 30-jährige Geschichte hat das Vogelbräu mit Lokalen in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen. Auch dort wird das ausgeschenkte Bier vor Ort produziert. Neben einem unfiltrierten Pils ergänzen saisonale Spezialbiere die Karte.

Der Biergarten im Vogelbräu
Der Biergarten im Vogelbräu | Bild: (mda)

Zuletzt machte das Badische Brauhaus eher aufgrund von Streitigkeiten mit den Brandschutzbedingungen Schlagzeilen - doch das ist nun offiziell vom Tisch. Auf den Tisch kommt dafür ganzjährig "Badisch Hell" und "Badisch Dunkel", sowie saisonale Spezialbiere.

Bild: cob

Auf eine jüngere Geschichte blickt das Brauhaus 2.0 zurück. Das Hausbrauhaus eröffnete 2013 seine Pfoten im ehemaligen Lindenbräu Knielingen, das sich nur zwei Jahre an diesem Standort halten konnte. Im Brauhaus 2.0 ist die Auswahl an ganzjährigen Bieren größer: Es gibt die Sorten Pils, Weizen und Bockbier, ergänzt durch saisonale Spezialbiere.

Kleine Biermengen, dafür größere Auswahl

Noch jünger ist die Neureuter Braumanufaktur. Hier wird seit 2015 gebraut und seit Ende 2017 im eigenen Gasthaus ausgeschenkt. Das besondere: Es gibt regelmäßig etwa 10 Craft-Biere aus der eigenen Herstellung. Vom Klassiker, dem "Neereder Pils", reicht die Auswahl bis hin zum badischen Ale, Kirsch Stout oder Chocolate Stout.

Gerade erst in den Startlöchern steht die Nanobrauerei "Hopf nei". Gerade entsteht der erste Sud, der bald fertig sein dürfte. Felix Steinhardt braut seine zwei Biersorten im Haus seiner Eltern. Sein Ziel: In Durlach eine "einzigartige Brauerei" aufzubauen, bei der Kunden Craft-Bier direkt im Fass kaufen können.

Als Bierliebhaber hat Felix ganz als Autodidakt sein Know-How erworben.
Als Bierliebhaber hat Felix ganz als Autodidakt sein Know-How erworben. | Bild: Anne Picot

Karlsruher Bierszene selbst erkunden

Auch wenn sie nicht selbst brauen, gibt es in Karlsruhe eine ganze Reihe von Gaststätten, die viele verschiedenen Craft-Biere in Flaschen ausschenken. Dazu zählen unter anderem das "Carls Wirtshaus" beim Alten Schlachthof, der Oxford Pub nahe der Uni, das Charles Oxford in der Waldstraße oder das Phono in der Oststadt.

Und wer die geballte Karlsruher Bier-Kultur erleben will, für den hat sich die Karlsruher Tourismus Gesellschaft etwas ausgedacht: Dort gibt es seit kurzer Zeit eine Führung durch die Bierszene in Karlsruhe. Für knapp 25 Euro werden die Interessierten in drei Stunden zu Orten der Karlsruher Biergeschichte geführt - inklusive einer Verkostung. Zudem haben die Tourismus-Experten der Fächerstadt drei Bierkultur-Touren entworfen, die selbst mit dem Rad abgefahren werden können und auf denen die Karlsruher Bierszene erkundet werden kann.

Mehr zum Thema:

Karlsruhe hat eine lange Braugeschichte - doch heute ist nicht mehr viel davon übrig

Zu den Biertouren (externer Link): https://www.karlsruhe-tourismus.de/erleben/kulinarik-nachtleben/bierkultur/biertouren

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  •   ettlinger
    (195 Beiträge)

    01.09.2018 11:26 Uhr
    Das Craft-Bier ist in Karlsruhe angekommen
    Wer hätte das gedacht! Dieser Trend stand bestimmt so lange im Stau auf der Rheinbrücke zwinkern
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  •   Waterman
    (6452 Beiträge)

    31.08.2018 10:19 Uhr
    Der alte Kühle Krug
    stand nicht am selben Platz wie der neue. Er stand etwa da, wo heute das Ärztehaus ist der Südtangente im Weg.
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  •   karlsruher1955
    (1269 Beiträge)

    31.08.2018 13:04 Uhr
    Genau so ist es
    Da war der alte Kühle Krug. Und Bier wurde dort auch nicht gebraut.
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