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Karlsruhe Ingenieur-Kongress in Karlsruhe: Können Autos bald selbst fahren?

Kann mein Auto bald selbst fahren? Spätestens seit der Testfahrt des Google-Autos ist "Autonomes Fahren" der breiten Gesellschaft ein Begriff. Wie sich die Smart-Technologie hinterm Lenkrad derzeit entwickelt, damit beschäftigt sich die Karlsruher Firma IPG Automotive. Einen Ausblick auf die Innovationen der nahen Zukunft gab am Dienstag der Unternehmerkongress "Open House" im Alten Schlachthof.

Ach wie schön wäre das, wenn das Auto bald selbst einparken könnte und man bei kniffligen Parkmanövern nicht mehr mit Nackenverspannungen rechnen müsste. Was derzeit noch nach Zukunftsmusik klingt, ist, so der Plan der Ingenieursbranche, schon bald praktische Realität.

Wie wird das Auto noch selbstständiger?

Schon jetzt helfen uns Piepsgeräusche und Rückfahrkameras, nicht die Kontrolle über den eigenen Wagen zu verlieren. "Tatsächlich sind diese Fahrassistenz-Programme, wie sie schon in vielen Neufahrzeugen installiert sind, die Basis für Autonomes Fahren - also die Pkw-Fahrt, die ohne menschlichen Fahrer funktioniert", so Steffen Schmidt, Geschäftsführer des Karlsruher Unternehmen IPG Automotive. Seit ihrer Gründung 1984 befasst sich die Firma mit Trends, die die Automobilbranche vorantreiben - entwirft Testsysteme für neue Technologien und findet Lösungsansätze rund um das Thema Fahrerassistenz und Autonomes Fahren.

"Die Automobilbranche steht vor großen Herausforderungen", weiß Schmidt. So erfordert das Ziel, Autos in Zukunft selbstständig fahren zu lassen, eine Vielzahl an Testläufen was Sicherheit, Zuverlässigkeit und Reaktion betrifft. Diese ließen sich aus Zeit- und Kostengründen nicht immer reell, also mithilfe von Dummies, umsetzen. "Es gibt unendlich viele Verkehrssituationen, die bevor ein solches Fahrsystem an den Start gehen würde, nachgespielt werden müssen - es wäre ein riesiger, nicht ungefährlicher Aufwand für diese Manöver beispielsweise Fußgänger vor das Auto laufen zu lassen, um dann zu sehen, wie der automatisierte Pkw darauf reagieren würde", erklärt Schmidt weiter.

Testläufe: Smart-Brille simuliert Hindernisse am Straßenrand

An dieser Stelle müssten neue Methoden her, um das Autonome Fahren sowie zunächst Fahrassistenzprogramme voranzutreiben. So hat das Karlsruher Unternehmen jetzt ein Testsystem entworfen, das reelle Versuchsmethodik mit virtueller verbindet, genannt "Vehicle Loop Technologie". "Damit können wir tausende Situationen in kurzer Zeit nachstellen", so Ingenieur für Testsystems & Engineering bei der IPG Automotive GmbH in Karlsruhe.

Alles was man braucht: Eine Brille, die stark an die neue Google-Glasses erinnert, einen Testfahrer sowie ein kleines "Rechenzentrum", bestehend aus Computern und einem Echtzeit-System im Kofferraum. Angewandt wird hier, wie bei dem Modell von Google, die so genannte Augmented Reality: Schaut der Fahrer durch die Brille, werden ihm beispielsweise virtuelle Hindernisse am Fahrzeugrand angezeigt, auf die das Bordsystem reagieren muss. Am Dienstag wird das Beispiel an einem umgemodelten Golf vorgeführt.

Enger Kontakt zu Karlsruher Hochschulen

Dass so das Autofahren der Zukunft aussieht, darüber sind sich die Automobil-Profis und Ingenieure am Dienstag im Rahmen des Unternehmerkongress "Open House" einig. Zwar sei die Technologie mittlerweile, wie man anhand des Google Autos oder der Audi-Testfahrt durch das Silicon Valley vor Kurzem, sehen kann, schon sehr weit, was automatisiertes Fahren angehe - dennoch bleiben noch viele Fragen offen. Zum Beispiel: Wie kann das Auto künftig Tagesbaustellen oder spontane Gefahrensituationen erkennen? Oder: Kann es den Augenkontakt zwischen Verkehrsteilnehmern an Kreuzungen ersetzen? "Hierzu müssen wir noch Lösungsansätze finden, da steht der Branche noch einiges bevor", blickt Schmidt am Dienstag voraus.

Seit langem pflegt IPG Automotive Kontakt zu den Karlsruher Hochschulen, ist sogar ein Spin-Off-Unternehmen des KIT. "Die Kooperationen mit den Fachschaften bringen beide Seiten voran - uns ist es enorm wichtig, den Nachwuchs zu fördern und natürlich auch neue Fachkräfte zu gewinnen", so der Geschäftsführer gegenüber ka-news. Man stehe daher in ständigem Kontakt mit den Studenten, arbeite gemeinsam an verschiedenen Projekten und unterstütze Abschlussarbeiten.

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Kommentare (6)
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  •   MinnieC
    (227 Beiträge)

    16.03.2015 10:06 Uhr
    Ich warte dann auf den ersten Hack,
    wenn das Auto zweckentfremdet wird. Heutzutage muss man ja mit Allem rechnen.
    Ich will ja nicht meckern, aber bessere Öffentliche Verkehrmittel würden es auch schon tun. Kleine führerlose Straßenbahnen z.B. und ein überregionales Bahnsystem, das die Mitnahme von Fahrrädern fördert.
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  •   aga2759
    (409 Beiträge)

    15.03.2015 13:13 Uhr
    LOL
    Für die, die nicht selbst fahren können/wollen gibt es KVV und Deutsche Bahn.
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  •   karlsruher1955
    (1195 Beiträge)

    15.03.2015 07:04 Uhr
    Innovationen der nahen Zukunft
    ich hoffe sehr, daß ich dies nicht mehr erleben muss.
    Es gibt viel wichtigere Dinge, wie zum Beispiel Krankheiten und deren Heilung, zu erforschen.
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  •   barlou
    (2555 Beiträge)

    13.03.2015 10:57 Uhr
    Ich glaube,...
    ...ich habe vor ein paar Tagen schon ein erstes autonomes Fahrzeug in Karlsruhe gesehen. Allerdings musste die Olle auf dem Beifahrersitz noch das Lenkrad halten, während der Fahrer mit seinem Handy herumspielte.
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  •   kamaraba
    (667 Beiträge)

    11.03.2015 07:45 Uhr
    Also mein Auto fährt selbst
    Ich drehe den Zündschlüssel, starte den Motor, lege den Gang ein, gebe Gas und schon fährt mein Auto selbst.
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  •   haku
    (4105 Beiträge)

    11.03.2015 08:35 Uhr
    Deswegen heißt es ja auch "*Auto*mobil"
    Ein selbstfahrendes Auto ist dann ein Autoautomobil...
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