Karlsruhe 5 Fragen an Wibu-Systems-Chef: "Man muss hundertprozentig überzeugt sein"

Oliver Winzenried hat es geschafft, den technologischen und wirtschaftlichen Wandel der letzten 29 Jahre mitzuprägen und heute, mit Wibu-Systems, zu den weltweit erfolgreichsten Firmen dieser Branche zu gehören. Mit ka-news sprach er über Digitalisierung, das "House of IT Security" und gab wertvolle Tipps an Karlsruher Start-ups.

Mit welchen Erwartungen haben Sie Wibu-Systems gegründet und waren Sie von Beginn an von Ihrer Idee überzeugt?

Marcellus Buchheit und ich haben Wibu-Systems 1989 direkt nach dem Studium in Karlsruhe gegründet. Ziel war, es einen einfach zu handhabenden und sicheren Kopierschutz für PCs anzubieten, die zirka 1985 auf den Markt kamen. Wir hatten die Idee 1987, haben zwei Jahre entwickelt und dann mit dem ersten fertigen Produkt 1989 die Firma gegründet. Als wir das Produkt entwickelten, waren wir beide von dem zunehmenden Bedarf überzeugt. Marcellus Buchheit als Diplom-Informatiker und ich als Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, wussten, dass wir das bessere Produkt haben und es jeder wollen würde. Vertrieb, Marketing und Betriebswirtschaft mussten wir über die Jahre lernen und wie Sie sehen, es hat funktioniert.  

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Inwieweit profitiert Wibu-Systems bislang - und auch in Zukunft von dieser Entwicklung?

Unser erstes Produkt war ein reiner Kopierschutz. Diesen haben wir Schritt für Schritt weiterentwickelt zu einer flexiblen Lösung für Protection, Licensing und Security. Protection ist dabei immer noch der Kopierschutz, also Know-how-Schutz und Schutz vor Produktpiraterie. Licensing ist der wichtigste Teil: Damit bestimmen Hersteller, wie Kunden ihr Produkt nutzen können und wie sie es abrechnen. Security ist Schutz vor Manipulation oder Cyberangriffen. Immer wichtiger in einer Zeit in der immer mehr Geräte vernetzt werden. 

Die zunehmende Digitalisierung ist Motor unseres Geschäfts. Denn wir bieten Herstellern sowohl die notwendige Technologie und optional noch Hardware an, basierend auf einem sicheren Chip wie im Reisepass oder der Gesundheitskarte, die in die Produkte und Geräte eingebaut wird. Aber auch die Services zur Integration in den Geschäftsprozess des Kunden haben wir im Angebot. Also die cloud-basierte Auslieferung von Berechtigungen und Lizenzen und die Anbindung an ein SAP-System oder eine E-Commerce-Plattform. 

Karlsruhe gilt als das "Silicon Valley" Deutschlands - hat sich dieser Aspekt positiv auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?

Ja, denn Wibu-Systems kooperiert unter anderem mit Karlsruher Forschungseinrichtungen. Hier ist Karlsruhe ein perfekter Standort: Mit dem KIT, an dem eines der drei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten IT-Sicherheitszentren "Kastel" angesiedelt ist, mit dem Forschungszentrum Informatik (FZI), dessen Vorstand des Fördervereins ich bin und auch mit dem Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe. Unser Softwareschutzverfahren "Blurry Box", das wir gemeinsam mit dem FZI und dem KIT entwickelt haben, gewann 2014 den ersten Platz beim höchstdotierten IT-Sicherheitspreis der Horst-Görtz-Stiftung an der Ruhr-Universität Bochum. Die Zusammenarbeit in Forschungsprojekten und gemeinsamen Entwicklungen funktioniert hier sehr gut. Dazu kommt die Chance, Absolventen der Forschungseinrichtungen als Mitarbeiter zu gewinnen.  

Wibu-Systems gehört vermutlich zu einem der erfolgreichsten Unternehmen, das in der Fächerstadt gegründet wurde. Was können Sie jungen Start-ups in Karlsruhe raten?

Es braucht eine gute Idee und man muss hundertprozentig überzeugt sein. Ich würde am Anfang sparsam agieren und versuchen, möglichst früh Kunden zu gewinnen. Einerseits um Erträge zu erwirtschaften aber auch um Feedback vom Markt zu bekommen und das Produkt so weiterzuentwickeln, wie es wirklich dem Kunden Nutzen bringt. Eine Anschubfinanzierung mit Venture-Capital (VC) oder die Nutzung eines Start-up-Clusters wie beim Cyberforum bietet sich heute natürlich an, weil zusätzlich zur finanziellen Unterstützung auch Mentoren genutzt werden können.

Stimmt es, dass Wibu-Systems einen Neubau in Karlsruhe plant - können Sie uns hierzu schon Details nennen?

Ja, das stimmt. Der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe hat am 11. Dezember 2017 dem Grundstücksverkauf an uns zugestimmt. Wir werden in zwei Bauabschnitten jeweils zirka 15 Millionen Euro in Karlsruhe in unseren Neubau investieren. Dieses Jahr soll der erste Bauabschnitt auf jeden Fall starten, so dass wir im ersten Halbjahr 2020 umziehen werden.

Das "House of IT Security" wird in der Zimmerstraße mit guter Sichtbarkeit von der Bahnlinie, optimaler Verkehrsanbindung für Radfahrer, Straßenbahn- und Zugfahrer und Autofahrer entstehen und neben der Feuerwehr auch ein physischer Leuchtturm passend zur Strategie "karlsruhe.digital" werden. Darin soll dann neben Wibu-Systems auch Platz für Start-ups im IT-Security-Bereich, für etablierte Unternehmen die im Security-Bereich Entwicklungen machen wollen und für Forschungsprojekte sein. Aber auch ein Begegnungs- und Schulungsort für Initiativen wie dem Cyberforum, der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative (KA-IT-SI), dem Digitalen Innovationszentrum (DIZ) und Kooperationen zwischen Forschung und Industrie sowie einem Platz für die Cyberwehr sein.

Mehr zum Thema
5 Fragen an... | ka-news.de: Politik, Wirtschaft, Soziales und Kultur - in der ka-news-Rubrik "5 Fragen an..." äußern sich bekannte Köpfe zu aktuellen Themen, die Karlsruhe bewegen. Kurz, prägnant und auf den Punkt!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Sie sind der Erste, der einen Kommentar schreibt – vielen Dank!
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben