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Karlsruhe Karlsruher Krankenhäuser: Ist die Patienten-Versorgung in Gefahr?

Die Karlsruher Krankenhäuser befürchten eine Verschlechterung der Versorgungslage ihrer Patienten und weiter steigende Kosten. Ein neues bundesweites Strukturgesetz befeuert aus ihrer Sicht die drängendsten Probleme in Krankenhäusern, anstatt sie zu lösen. Aus Protest wollen die Mitarbeiter am Mittwoch auf die Straße gehen.

Am 10. Juni war der Entwurf der Bundesregierung für das sogenannte Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) durch das Bundeskabinett beschlossen worden. Das Gesetz sieht unter anderem vor, finanzielle Zu- und Abschläge für die Qualität der Versorgungsleistung einzuführen und durch zusätzliche Bundesmittel die Pflegesituation in den Klinken zu verbessern.

"Kosten reduzieren, statt Probleme anzugehen"

"Mit dem Krankenhausstrukturgesetz schaffen wir eine solide Arbeitsgrundlage für die rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland und für die Patienten ein Plus an Behandlungssicherheit und Versorgungsqualität. Patienten müssen sich auf eine gute Versorgung im Krankenhaus verlassen können. Deshalb stärken wir die Spitzenmedizin und sorgen dafür, dass sich besonders gute Qualität künftig auch finanziell lohnt", wird Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einer Pressemitteilung des Ministeriums zitiert.

Das sehen die Verantwortlichen der Karlsruher Kliniken anders, wie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag im Städtischen Klinikum (SKK) deutlich wurde. Sie kritisieren die Pläne der Bundesregierung: "Das Gesetz wird, statt zu einer dringend notwendigen Verbesserung der Krankenhausfinanzierung, zu weiteren Kürzungen führen. Und das, obwohl im Jahr 2014 45,4 Prozent der Krankenhäuser in Baden-Württemberg rote Zahlen geschrieben haben", heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier der Krankenhäuser in der Fächerstadt.

Die Verantwortlichen der Karlsruher Krankenhäuser bei der Pressekonferenz im Städtischen Klinikum am Dienstag.

Der Bundesregierung gehe es mit dem Gesetz darum, die Kosten zu reduzieren, statt die Versorgung des Patienten in den Mittelpunkt zu stellen. Strukturelle Probleme zwischen ambulanter und stationärer Versorgung würden nicht angegangen, kritisieren die Verantwortlichen der Kliniken. Ebenso würde die "massive Belastung der Mitarbeiter" mit dem Gesetz nicht verbessert.

Notfallambulanz bleibt Sorgenkind

Die drei wesentlichen Problembereiche der Krankenhäuser seien damit weiterhin ungelöst, erklären die Klinikverantwortlichen: Die Finanzierung der Betriebskosten einschließlich des Personalbedarfs, die Bereitstellung von Investitionsmitteln, beispielsweise für neue Gebäude, sowie die Finanzierung der Notfallambulanzen.

Besonders die Probleme bei der ambulanten Notfallversorgung bleiben aus Sicht der Klinikverantwortlichen auch mit dem neuen KHSG bestehen. Nach einer Berechnung der Deutschen Krankenhausgesellschaft betragen die Kosten für die die Klinken durchschnittlich 120 Euro pro ambulantem Notfallpatient. Der durchschnittliche Erlös liegt dagegen bei 32 Euro.

Aus Sicht der Kliniken ein Minusgeschäft von 88 Euro pro Patient: "Jährlich steigen die Zahlen der ambulanten Notfallpatienten um durchschnittlich fünf bis sieben Prozent. Das Gesetz trägt dieser Entwicklung keineswegs Rechnung", sagt Hans-Jürgen Hennes, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums.

"Eingeschlagene Richtung nochmal überdenken"

Kritik am Gesetz äußert auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Mit einer Protestaktion am Mittwoch, 24. Juni will Verdi auf die angespannte personelle Situation in deutschen Krankenhäusern eingehen: Bundesweit sollen 162.000 Beschäftigte vor den Toren ihrer Klinken stehen. Genau so viele fehlen laut Verdi in den Krankenhäusern der Republik.

Laut einer Presseerklärung der Gewerkschaft sind auch Mitarbeiter der Karlsruher Krankenhäuser Vincentiusklinik, Paracelsusklink und des Städtische Klinikums an der Aktion beteiligt. "Ziel dieser Aktion ist es, der Gesundheitsministerkonferenz, die am 24. und 25. Juni in Bad Dürkheim tagt, vor Augen zu führen, was wirklich notwendig wäre, um eine gute Versorgungsqualität in den Krankenhäusern sicherzustellen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht weit am Ziel vorbei", heißt in der Mitteilung der Gewerkschaft.

"Das Krankenhausstrukturgesetz in der derzeitigen Fassung schränkt den ohnehin bisher schwierigen finanziellen Rahmen noch deutlich weiter ein und baut nicht zielführende formale Strukturen auf", sagt Maik Beltrame, stellvertretender Kaufmännischer Vorstand des Diakonissenkrankenhauses. Es gelte, die eingeschlagene Richtung zum Gesetz noch einmal neu zu überdenken, um die Versorgungsleistung an den Patienten dauerhaft sicherzustellen.

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Kommentare (13)
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  •   Laetschebachschorsch
    (3230 Beiträge)

    24.06.2015 15:42 Uhr
    Kosten u. a.:
    Wieso sind Medikamente In Deutschland so viel teurer als im europäischen Ausland und die Kurse der Pharma-Industrie steigen?
    Wenn elendlange Wartezeiten bei niedergelassenen Ärzten, hier Orthopäde in Karlsruhe bei Verletzung durch Sturz im Wald 8 Wochen, (Wartezeitgelder mal ausgelassen) aufgedrückt werden, der Facharzt auf den Hausarzt verweist, der aber auch lange Wartezeiten hat, dann braucht man sich nicht wundern, dass die Zahl der Notfall-Patienten steigt. Wenn Patienten aus Krankenhäusern entlassen werden und die weitere Behandlung dann durch den billigeren Hausarzt erfolgen muss, der den Patienten dann wieder zum Facharzt oder ins Krankenhaus überweisen muss, weil er die Tätigkeiten nicht abrechnen darf, dann stimmt was nicht mehr.
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  •   claaudi68
    (92 Beiträge)

    24.06.2015 14:36 Uhr
    Ich denke
    Schon,das ein chronisch kranker Menschen der meinige Kliniken und therapieren,so wie Medikamente hinter sich hat,das beurteilen kann,ob eine Qualität. Sicherung notwendig ist oder nicht 😊😊
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  •   kika
    (56 Beiträge)

    24.06.2015 13:48 Uhr
    Behandlung nur als Kostenaspekt
    Krankenhäuser sind und werden nicht ein gewinnbringender Betrieb werden. Von diesem Gedanken sollten sich die Betriebswirte am Schreibtisch verabschieden. Ein kranker Mensch ist keine Maschine bei der man Einzelteile auswechselt und sie in die Produktion wieder einsetzt. Das ist richtig, daß viele die Notaufnahme als Ersatz für den Hausarzt nutzen, aber das ist nicht die Masse. Es ist ein Fehler, nur die Kosten im Auge zu behandeln. Die, die dieses Rumdoktern an dem Gesundheitssystem und diese Miesere zu verantworten haben, müssten für ihre „Leistungen“ adäquat bezahlt werden. Für die getroffene Entscheidungen am grünen Tisch übernimmt keiner die Verantwortung. Nach Jahren heißt es dann „wir müssen es überdenken“, wie die Pflege der Bedürftigen die minutengenau dokumentiert wird. Ein Arzt sollte die Freiheit haben die Menschen so zu behandeln, wie er es gelernt hat und nicht unter dem Kostenaspekt handeln zu müssen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1273 Beiträge)

    24.06.2015 11:55 Uhr
    Was heißt..
    "finanzielle Zu- und Abschläge für die Qualität der Versorgungsleistung" . Heißt das: "Wer besser bezahlt, erhält bessere Leistungen ?"
    zu Claaudi68: Was ist denn das jetzt "varmerzeutiger" ???
    Ich hab da so ne gewisse Ahnung...aber ich lass es mal.
    Sollen sich Andere darüber den Kopf zerbrechen.
    Nobody's perfect ! I a net.
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  •   DreiFragezeichen
    (1402 Beiträge)

    24.06.2015 11:16 Uhr
    Eine Branche, deren Dienstleistung für den Bürger
    unverzichtbar ist, darf mE nicht ertragsorientiert arbeiten müssen!
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  •   claaudi68
    (92 Beiträge)

    24.06.2015 07:00 Uhr
    Kostenerspanis
    Man müsste halt auch von gesetzlichen Seite die,die sich den größten Stück vom Kuchen einheimsen,mehr in die Verantwortung nehmen.das heißt unsere vamerzeutiger die nicht nur Forschungsgelder bekommen,das unbestreitbar wichtig ist danach wird nur noch kassiert wenn man den Preismarkt beobachtet,zeichnet sich eindeutig ab bei wem es nur um den Profit geht.dies Firmen gehören genötigt die erforderlichen Medikamente für unser Kliniken zu einen Selbstkostenpreis abzugeben ,damit wäre generell schon viel geholfen
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  •   taschentuch
    (394 Beiträge)

    24.06.2015 09:07 Uhr
    Huiuiui.
    Vamerzeutiger? Hier hat jemand aber wirklich überhaupt keine Ahnung. Forschungsgelder für Forschungseinrichtungen sind eine völlig andere Geschichte als Forschung, die die Pharmaindustrie selbst bezahlt. Anderer Leute Geld zu fordern ist natürlich immer einfach. Vermutlich sucht sich die Industrie dann einfach eine gemütlichere Ecke, in der sie nicht so geschröpft wird. Eine Gesetzesgrundlage gibt es hierfür auch nicht. Das Problem liegt aus meiner Sicht ganz woanders - Kliniken als Unternehmen, die Gewinn erwirtschaften wollen. Gesundheit muss ein Minusgeschäft sein dürfen - es gehen tagtäglich Millionen und Milliarden für Großprojekte drauf, aber das Gesundheitswesen geht am Stock. Bitte verstaatlichen, subventionieren und weg von den Profiteuren, den Betreibern solcher Kliniken - und nicht etwa die Pharma-Industrie, das ist eine ganz andere Baustelle.
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  •   andip
    (11335 Beiträge)

    24.06.2015 12:06 Uhr
    ??
    "Bitte verstaatlichen, subventionieren und weg von den Profiteuren, den Betreibern solcher Kliniken -"

    Die allermeisten Krankenhäuser werden von der öffentlichen Hand oder der Kirche betrieben und nicht von irgendwelchen profitorientierten Gesellschaften.
    Wie in dem Artikel steht,schreibt ca.die Hälfte rote Zahlen,der Rest kann froh sein,wenn es eine schwarze Null gibt.
    Und wenn doch mal was übrig bleibt,dann wird das reinvestiert.
    Mit einem normalen Krankenhaus verdient sich niemand eine goldenen Nase.
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  •   taschentuch
    (394 Beiträge)

    24.06.2015 09:11 Uhr
    2
    Außerdem sind die reinen Medikamentenkosten nur ein kleiner Teil auf der Rechnung eines Krankenhauses: Angestellte, Betriebskosten, Material und Gerät... das alles will bezahlt werden.

    Krankenhäuser nach Leistung zu fördern bzw. Fördergelder zu entziehen, wird die Situation nur noch verschärfen. Mehr Patientendurchsatz, schnellere Entlasszeiten, mehr gewinnbringende medizinische Maßnahmen zu ungunsten unrentabler aber wichtiger Leistungen, Lohndumping, Zeitarbeit... aber das wäre ja nicht das erste Mal in diesem Land, dass der Gesetzgeber mit einem Erlass Schaden anrichtet, obwohl er eigentlich Nutzen bringen soll.
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  •   taschentuch
    (394 Beiträge)

    24.06.2015 09:16 Uhr
    3
    Und noch ein Problem: steigende Ahnungslosigkeit der Bevölkerung und Vollkasko-Mentalität. Heute rennt doch jeder Kasper in die Notaufnahme, obwohl er überhaupt kein Notfall ist. Drei Wochen tapfer Rückenschmerzen ertragen, und dann geht es am Sonntag natürlich nicht mehr anders. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und andere Lappalien verstopfen die Notaufnahmen... da muss es doch drin sein, sich bei einfacheren Dingen mit Hausmitteln zu behelfen oder zum Hausarzt zu gehen. So könnte man zumindest die Notaufnahmen entlasten.Vielleicht muss es mehr Anreize geben, sich als Mediziner als Hausarzt irgendwo niederzulassen, um die Versorgungssituation zu verbessern. Der steigende Hausarzt-Mangel, lange Wartezeiten, eher Abhandlung als Behandlung machen die Situation nicht besser.
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