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Karlsruhe Karlsruher Digitalk: "Du Chef, kann ich auch vom Strand aus arbeiten?"

"Du, Chef, kann ich eigentlich auch vom Strand aus arbeiten?" Barbara Przeklasa hat ihren Chef mit dieser Frage konfrontiert. Die Antwort endete für die Markting-Managerin des Ettlinger Unternehmens essentri mit drei Monaten in Thailand, Kambodscha und Bali. Welche Rolle autonomes und flexibles Arbeiten im digitalen Zeitalter von "Always on" spielen wird, darüber diskutierten Referenten und Teilnehmer am Dienstagabend beim 4. Karlsruher #digiTALK.

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Nach der Frage sei ihr Chef zunächst sprachlos gewesen, berichtet Przeklasa am Dienstagabend beim 4. Karlsruher #digitalk in der Karlshochschule. Doch dann wurde schnell klar: Warum eigentlich nicht? Auf die Idee, ihr Büro an den Strand zu verlagern, kam die Marketing-Managerin über "Planet Backpack".

Digitales Nomadentum - "kein Problem"

"Wenn Sie vorwiegend mit diesen Tools arbeiten, ist digitales Nomadentum kein Problem", sagt Przeklasa und wirft eine Folie mit über 25 Online-Programmen an die Wand. Ihre Arbeit beinhaltet wenig feste Meetings - die Aufgaben und Prozesse sind über 85 Prozent onlinebasiert. Während ihrer Zeit im Ausland arbeitete sie in Coworking-Spaces. Der Zeitunterschied war kein Problem: "Es war abgesprochen, dass ich abends noch einmal meine Emails abrufe, um den Arbeitsfluss nicht zu unterbrechen und meinen Kollegen den entsprechenden Input zu geben."

Das Fazit: Positiv, aber: "Für einen normalen Urlaub bin ich jetzt verdorben." Auch Ute Klingelhöfer zieht ein durchweg positives Fazit. Die Karlsruherin verlagerte ebenfalls ihr Büro für drei Monate ins Ausland. Im Gegensatz zu Przeklasa ist Klingelhöfer selbstständig. Als Content-Strategin berät und unterstützt sie Kunden im Bereich Social Media Marketing, Newsletter oder Erstellung einer klassischen Website.

Arbeitest du noch oder lebst du schon?

Die beiden Frauen sind Beispiele, wie die Grenze zwischen Leben und Arbeit im digitalen Zeitalter verschwimmt. Die Aktualität dieser Begriffe nehmen die Referenten Stefan Rief und Frank Widmayer in ihren Vorträgen auf: Arbeiten wir um zu leben oder leben wir um zu arbeiten? Wie haben sich unsere Lebensstile verändert? Welche Arbeitsformen sind noch zeitgemäß?

Im Gegensatz zu früher sind die Lebensabschnitte kürzer und vielfältiger geworden: Das Erwerbsleben bis zum Ruhestand gliedert sich in unterschiedliche Jobphasen. Die Arbeit sollte sich diesen neuen Anforderungen anpassen. "Flexible Arbeitsweisen werden von allen Altersgruppen bevorzugt, nicht nur von Jüngeren", sagt Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart.

Flexibles Arbeiten ist die Zukunft

Die Gründe für den Wunsch nach flexiblen Arbeitsformen sind vielseitig: Zeitaufwand durch Pendeln vermeiden, mehr Zeit zur Gesundheitsförderung, für die Familienangehörigen oder Haustiere. Flexibles Arbeiten hat dabei aber nicht unbedingt etwas mit digitalen Nomadentum zu tun, stellt Rief in seinem Vortrag klar. Selbstbestimmtes Arbeiten hat einen positiven Einfluss auf die Leistung - die Büroumgebung allerdings auch.

Persönliche Kommunikation ist wichtig - soziale Kontakte und die Vorteile einer entsprechenden Büroausstattung, beispielsweise durch mehrere Bildschirme. Vor allem in Coworking-Spaces - an Orten des gemeinsamen Arbeitens - entstehen vermehrt neue Ideen und Lösungen. So eine Studie aus dem Jahr 2015 des Fraunhofer Instituts.

Weniger Hierarchie in Unternehmen macht effizient

Grundlegende Veränderungen im Arbeitsbereich sieht auch Frank Widmayer als essentiell an. Er begleitet mittelständische Unternehmen und Unternehmer in der Gestaltung von Organisation und Führung in der digitalen Transformation. Dabei beschäftigt sich Widmayer insbesondere mit "New Work" - der Frage, wie Unternehmen im Zeitalter des digitalen Wandels organisiert und geführt werden müssen.

Seine Antwort: Weniger Hierarchie, weniger Automatismen, mehr Flexibilität. Arbeiten im Produktionsbereich sieht er in der Zukunft durch die Automatisierung weitestgehend bei Robotern und Computern. Geistiger Output soll hingegen durch entsprechende Arbeitsformen besser gefördert werden.

Er ist überzeugt: "Hierarchielose Unternehmen sind effizienter, denn hierarchiefrei heißt nicht führungsfrei." Anstelle einer Teampyramide stehen gleichberechtigte Teammitglieder inklusive Moderator. Beispiele für effizientes, hierarchieloses Arbeiten: Das Pflegedienstunternehmen Buurtzorg in den Niederlanden und eine Filiale der Volksbank Heilbronn.

"Automatisierung und Digitalisierung werden weiter dafür sorgen, dass Arbeiten, die stupide, langweilig, unkreativ und schematisch ist, auch genauso gut oder sogar besser von Maschinen gemacht werden kann", sagt Widmayer, "genau das sollten wir aber als Chance verstehen, denn es setzt die wahren Potenziale bei den Menschen, nämlich deren kreative Schaffenskraft wieder frei."

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Kommentare (6)
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  •   Borg
    (85 Beiträge)

    21.04.2016 18:52 Uhr
    Na dann auf nach Panama,
    da gibt es Strand ohne Ende und viele Firmen, habe ich zumindest irgendwo gelesen.
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  •   ka-lex
    (1519 Beiträge)

    21.04.2016 18:25 Uhr
    Folgende Berufsgruppen freuen sich ungemein auf die Arbeit vom Strand aus:
    Fleischereifachverkäuferin
    Pflegefachkraft
    Ärzte aller Sorten
    Polizisten
    Straßenbahnfahrer
    Bauarbeiter
    Gastronomiefachkräfte
    Kassiererinnen
    Produktionsmitarbeiter
    Staplerfahrer
    uvam

    Alle die Coworking-Spaces brauchen halt.
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  •   Eckfaehnchen
    (1941 Beiträge)

    21.04.2016 20:15 Uhr
    Ich warte auf den ersten Lehrer,
    der beim Kultusministerium beantragt, dass er seinen Unterricht via
    Bildschirm vom Strand aus erteilen darf.
    Nie im Leben wollte ich so arbeiten. Die Welt wird immer verrückter.
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  •   lotrebor
    (166 Beiträge)

    21.04.2016 22:16 Uhr
    Lehrer
    machen ein 'Sabbathical'...dass sie sich ein Jahr lang von diesem irrsinnigen Stress erholen können...
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  •   Borg
    (85 Beiträge)

    21.04.2016 18:50 Uhr
    Dank dem Sauf- und Sextourimus
    arbeiten ja auch einige deutsche Polizisten per Amtshilfe an Stränden, ob dass immer so eine Freude ist wage ich aber zu bezweifeln grinsen zwinkern
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  •   Avatar
    (997 Beiträge)

    21.04.2016 18:06 Uhr
    Wer's mag und kann
    der soll so arbeiten. Nicht alle Berufe haben was mit Kreativität zu tun und darum betrifft das wieder nur eine bestimmte Branche. Im Zeitalter von Datenklau usw. muss dann allerdings sichergestellt werden dass a)niemand auf den Bildschirm sehen kann und b) der Laptop immer gesichert aufbewahrt wird. Sonst wird es für so manche Firma ein böses Erwachen geben.
    Für mich wäre das nichts, ich bin gerne jeden Tag mit meinen Kollegen zusammen und habe noch echten menschlichen Kontakt.
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