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Karlsruhe Karlsruhe bald ohne Kurzstrecken-Ticket: Aus für "ticket2go", Alternative kommt frühestens in zwei Jahren

Die App "ticket2go" wird zum 14. Dezember den Fahrscheinverkauf einstellen. Darüber informierte die Betreibergesellschaft mbH in einem entsprechenden Kundenschreiben. Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) bestätigt die Meldung. Bis es einen neuen Handytarif in Karlsruhe geben wird, können allerdings bis zu drei Jahre vergehen.

"Um das System wirtschaftlich zu betreiben, konnten in den vergangenen Jahren landesweit nicht genug Kunden generiert werden", so KVV-Pressesprecher Nicolas Lutterbach zum bevorstehenden Aus der App. Man bedauere die Entscheidung, eine Übernahme der App in Eigenregie sei für den Karlsruher Verkehrsverbund aus wirtschaftlichen Gründen allerdings nicht möglich.

Zu teuer: KVV kann App nicht alleine betreiben

Das Modell der Betreibergesellschaft "ticket2go" mbH war realisierbar, weil sich insgesamt 15 von 22 Verkehrsverbünden in Baden-Württemberg daran beteiligt hatten. Neun Verbünde haben es im gesamten Verbundnetz angeboten, fünf nur für den Schienenverkehr. "Für einen einzelnen Verkehrsverbund ist das Betreiben dieser App wirtschaftlich nicht umsetzbar", sagt Lutterbach gegenüber ka-news.de.

 

 

Der e-Tarif - bei seiner Einführung als Luftstreckentarif bezeichnet - war ursprünglich als Modellversuch angesetzt, sagt Lutterbach. Der KVV führte den e-Tarif im Juni 2017 ein: Innerhalb des Karlsruher Stadtgebiets kann über die Handy-App ein Ticket gelöst werden, dessen Preis sich aus der Fahrzeit und zurückgelegter Strecke zusammensetzt - dabei aber nie den Preis einer regulären Einzelfahrkarte überschreitet. Gerade auf einer Kurzstrecke lohnt sich daher das e-Ticket und schont den Geldbeutel.

Die App "ticket2go" wird ab 14. Dezember eingestellt. | Bild: Stephanie Meyer

Beispiel: Ein reguläres Einzelticket für eine Fahrt von der Tullastraße zum Hauptbahnhof kostet 2,60 Euro. Bei der Fahrt mit dem e-Tarif wird bei einer Entfernung von drei Kilometern Luftlinie hingegen nur ein Betrag von 1,75 Euro abgerechnet (Grundpreis 1 Euro + 3×0,25 Cent).

Warum wird die App eingestellt?

Im Karlsruher Verbund kann der KVV auf gute Zahlen in der App-Nutzung verweisen, es sind in der Summe allerdings nicht genug, um eine ähnliche App wirtschaftlich zu betreiben. "Der e-Tarif wurde gut angenommen, aber die Zahlen sind nicht deutlich höher als in anderen Apps", so Lutterbach, "im Bereich der Einzelfahrscheine wurden lediglich zwei bis drei Prozent über die App erworben." Man verstehe, dass die App aus Sicht des Fahrgasts wünschenswert sei - "aber wir müssen das Angebot mit nüchternen Blick auf die Zahlen analysieren." 

eTarif wird auf Straßenbahn in Karlsruhe beworben. | Bild: ps/KVV

Hat man sich mit zahlreichen App-Angeboten in Karlsruhe selbst Konkurrenz gemacht, wollen wir von KVV-Pressesprecher Lutterbach wissen. Das könne man so nicht sagen, lautet die Antwort. "Gerade im Verkehrssektor ist viel Bewegung - vor allem in Bezug auf verknüpfte Mobilität mit Bikesharing, Carsharing und so weiter.

Aus Kundensicht wäre es natürlich schön, wenn eine App alle Angebote abdecken könnte, aber das aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Interessen der Nutzer einfach unrealistisch. Es wird nicht 'die eine App' geben." 

Mobil-App des KVV
(Symbolbild) | Bild: Ramona Holdenried

Beim KVV möchte man dem Kunden ein möglichst breites Angebot eröffnen, ihm die Wahl lassen - und nicht beschränken. Jeder solle für sich entscheiden können, welche App auf das individuelle Mobiliätsverhalten am besten passe, so Lutterbach. "Wir nehmen den Kunden ein Stück weit an die Hand und versuchen, ihm den Weg zu zeigen, eine passende App zu finden."

Wie wird der neue Tarif aussehen?

Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember wird "ticket2go" den Betrieb um 0 Uhr einstellen. Im Karlsruher Verbund arbeitet man derzeit an einem neuen Tarifmodell - ebenfalls flexibel und digital: Unter dem Begriff "Home Zone" will man im Zusammenhang mit einer Tarifstrukturreform ein neues e-Modell einführen.

Einen nahtlosen Übergang vom e-Tarif aus der "ticket2go"-App in den neuen Home-Zone-Tarif wird es nicht geben. "Es wird noch eine Zeit dauern, bis wir einen Alternative anbieten können", sagt Lutterbach.

"Ticket2Go" stellt zum 14. Dezember den Betrieb ein. | Bild: Stephanie Meyer

Wie wird der neue Tarif aussehen? Auch das lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen - als Vorbild gilt die Home-Zone aus früheren Handytarifen. Diese soll allerdings nicht starr mit einem Radius realisiert, sondern aufgrund von Algorithmen flexibel gestaltet werden.

Zusammenarbeit mit weiteren Verbünden wird geprüft

Die Entwicklung des neuen Tarifs steht im engen Zusammenhang mit der Tarifstrukturreform: "Wir möchten die Wabenstruktur ins Moderne transferieren", so Lutterbach. Das Wabenmodell besteht seit den 1990er Jahren - nachfolgen soll ein Modell, das ebenfalls die kommenden 15 bis 20 Jahre Bestand haben kann.

Man prüfe in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit mit anderen Verbünden. Beim KVV schätzt man den Realisierungszeitraum der Tarifstrukturreform auf zwei bis drei Jahre - so lange wird es auch bis zum neuen e-Tarif in Karlsruhe dauern.

ka-news.de hat die Betreiber von "ticket2go" um weitere Informationen zur Einstellung der App gebeten. Eine Rückmeldung steht noch aus und wird veröffentlicht, sobald sie vorliegt.

ka-news.de-Hintergrund

"ticket2go" kann seit April 2017 für den Erwerb von KVV-Tickets auf dem Handy genutzt werden. Im Juni 2017 führte der KVV zusätzlich den sogenannten "Luftstreckentarif" ein. Dieser macht den Ticketerwerb insbesondere für die Kurzstrecke in Karlsruhe attraktiv. 

App-Kunden konnten Tickets weiterer Nahverkehre in Baden-Württemberg nutzen. Mit dem Prinzip des "CheckIn-/CheckOut-Systems" kann sich der Fahrgast über seine App vor dem Antritt der jeweiligen Fahrt anmelden. Es erfolgt eine Positionsbestimmung des Nutzers. Dieser muss die Haltestelle bestätigen, von der aus er seine Fahrt antreten möchte - die gültige Fahrtberechtigung befindet sich nun auf seinem Smartphone.

Bis zum Ende der jeweiligen Fahrt, die durch unkompliziertes Abmelden an der Endhaltestelle vermerkt wird, sind Umstiege zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wie beispielsweise Regionalbahnen, Stadtbahnen, Straßenbahnen oder Bussen ohne weitere An- und Abmeldungen möglich. Der BahnCard-Rabatt wird berücksichtigt. Das System ist zudem in der Lage, auf der vom Fahrgast gewählten Route den jeweils besten Fahrpreis zu ermitteln. Einzeltickets werden im KVV zu Tagestickets zusammengefasst.

Bei der App "ticket2go" handelt es sich um das Nachfolgemodell von "touch&travel", das die Deutsche Bahn zum 30. November 2016 eingestellt hatte. Die App wurde von neun Verkehrsverbünden sowie der DB Regio gemeinsam angeboten und kann in vier weiteren Verkehrsverbünden im Schienenverkehr genutzt werden. 
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Kommentare (29)
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  •   oststaedtler
    (263 Beiträge)

    16.08.2019 13:11 Uhr
    KVV-App?
    Die KVV bietet doch schon zwei andere eigene Apps zusätzlich zu ticket2go an: kvv.mobil und kvv.ticket. Wieso können die das nicht? Und was ist mit dieser regiomove-App, die 2020 rauskommen soll? Die soll doch intermodale Mobilität bringen, also die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel kombiniert, da nutzt man dann verschiedene Anbieter, bekommt aber nur eine Rechnung. https://www.regiomove.de/
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  •   barheine
    (144 Beiträge)

    15.08.2019 13:26 Uhr
    @KA-News
    Euer RSS-Feed hat auch den Betrieb eingestellt - mal wieder!
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  •   bohnerc
    (121 Beiträge)

    15.08.2019 14:34 Uhr
    RSS Feed
    Hallo,

    welchen RSS-Feed meinen Sie konkret?
    Wir konnten auf den ersten Blick keinen Fehler feststellen.

    VG
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  •   Verkehrsplaner
    (9 Beiträge)

    15.08.2019 12:56 Uhr
    2 Waben Monatskarte z.B. für Senioren und Schüler
    AVG macht doch endlich mal etwas einfach.
    Der Trend muss zu günstigen Monatskarten gehen, z. B. eine Zwei-Waben-Senioren-Karte ohne zeitliche Einschränkung. Meistens gehen die Senioren spät aus dem Haus. Manchmal haben sie am Morgen einen Arzttermin. Deswegen keine zeitliche Einschränkung machen.
    AVG übernehmt doch eine vorhandene Software und fangt nicht bei Adam&Eva an.
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  •   DenkerKA
    (23 Beiträge)

    15.08.2019 10:57 Uhr
    Entscheider fahren kein ÖPNV ...
    ... anders läst sich diese Entscheidung nicht erklären. Kundenorientierung sieht anders aus.
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  •   Ökovisor
    (14 Beiträge)

    15.08.2019 10:11 Uhr
    Viel zu teuer
    Der ÖPNV, sei es der KVV oder die Bahn, sind seit langer Zeit schon viel zu teuer. Anstatt die Preise drastisch zu senken wird jährlich erhöht. Armes, armes Deutschland.
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  •   dipfele
    (5535 Beiträge)

    17.08.2019 03:53 Uhr
    Das ist eben betriebswirtschaftliche.....
    .... Logik. Wird ein Produkt zu wenig nachgefragt, dann muss der Preis steigen, damit die Produktionskosten gedeckt sind. Durch höhere Preise sinkt naturgemäss die Nachfrage und dann müssen die Preise wieder erhöht werden, so lange, bis sich die Herstellung des Produktes nicht mehr lohnt , bzw. die Nachfrage bei Null liegt....
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  •   Dalli_Klick
    (378 Beiträge)

    15.08.2019 12:04 Uhr
    Karlsruhe
    beschränkt sich darauf, durch flächendeckendes Tempo 30 das Autofahren unattraktiv zu machen.

    Aber wenn der KVV so schlecht und teuer bleibt ist Autofahren selbst bei Tempo 20 noch attraktiver.

    Das ist Mentrupscher Klimaschutz.
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  •   VielVorNixDahinter
    (238 Beiträge)

    15.08.2019 10:11 Uhr
    Bei mir war mit Onlinekarten im Allgemeinen fertig
    als der KVV für den Kauf einer lumpigen Innenstadtkarte allen Ernstes eine Schufa-Auskunft wollte.

    So sehr ich das Interesse verstehen kann, dass mit einem Angebot kein Schindluder getrieben wird, aber über die Außenwirkung hat damals wohl keiner nachgedacht.

    Ich weiß nicht, wie es inzwischen ist. Aber ich wusste ebenfalls von diesem Angebot nichts - und wenn ich lese, dass es ohne größere Erklärung eingestampft wird, ahne ich die Gründe. "Nicht ausreichend Kunden generieren" hat seinerseits einen Grund. Da wollte wohl jemand nicht, dass das einschlägt.
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  •   Hajoher
    (1 Beiträge)

    15.08.2019 06:22 Uhr
    Jammerschade
    Das war echt ein Plus für Karlsruhe. Die App ist Klasse, die macht echt den Unterschied. Dann halt wieder Auto traurig
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