37  

Karlsruhe "Hier fehlen definitiv ausreichend Kapazitäten": Messen und Unternehmen beklagen Mangel an Hotelzimmern in Karlsruhe

In Karlsruhe fehlen Hotelzimmer - das spüren auch die beruflich Reisenden, die in Karlsruhe ihre Geschäfte tätigen wollen. Sie stellen im Gegensatz zu der Urlaubern nach Einschätzung der Karlsruher Tourismus Gmbh (KTG) die Mehrheit bei den Zimmerbuchungen.

Der Tourismus in Karlsruhe boomt: Mehr und mehr Leute kommen in die Fächerstadt. Doch es mangelt an Übernachtungsmöglichkeiten, wie ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Hotelgutachten bestätigt. Bis 2030 sollen rund 900 Zimmer fehlen, heißt es darin.

Bereits jetzt ist das Wachstum im Tourismus spürbar: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurde sowohl die Zahl der Übernachtungen als auch die der Gästeankünfte aus dem Vorjahr nochmals deutlich übertroffen. Genaue Zahlen will die KTG im März veröffentlichen. Aber bereits 2017 kamen rund fünf Prozent mehr Gäste in Karlsruhe an als in 2016. In den Jahren 2000 bis 2015 verdoppelten sich die Ankünfte und das Übernachtungsaufkommen stieg um 81 Prozent - aber der Kapazitätszuwachs beim Bettenangebot stieg um lediglich acht Prozent (von 6.148 auf 6.662 Betten).

669.579 Gäste haben so 1.168.584 Übernachtungen in der Fächerstadt gemacht. Im landesweiten Schnitt sind das eher Zahlen aus dem Mittelfeld. Spitzenreiter ist hier Stuttgart mit rund zwei Millionen Gästen und 3,8 Millionen Übernachtungen. Im Verhältnis kommen auf Baden-Baden die meisten Übernachtungen je 1.000 Einwohner - nämlich 17.807.

Pläne für zwei neue Hotels

Die Branche hat auf das Wachstum bereits reagiert: An der Kriegsstraße ist ein "Motel One" geplant  und nahe des Hauptbahnhofs, rund um den ehemaligen Wasserturm, wird derzeit ebenfalls die Vorarbeit für ein Hotel geleistet. Doch auch dann fehlen weiterhin Zimmer für die Reisenden, wenn man dem Hotelgutachten Glauben schenken darf.

Am Wasserturm Siegerentwurf
So sollen die Gebäude am Wasserturm laut Siegerentwurf ab 2021 aussehen. | Bild: PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN

"Wir haben einen großen Bedarf an 2- und 3-Sterne-Häusern", bestätigt auch Yvonne Halmich, Sprecherin der KTG. "Aber auch nach einem hochklassigen Hotel wird gerade bei der Kunstmesse 'art' von den Galeristen häufig gefragt." Schon jetzt können mitunter größere Veranstaltungen aufgrund fehlender Hotelkapazitäten nicht in Karlsruhe durchgeführt werden oder die Gäste müssen in der näheren und weiteren Umgebung untergebracht werden, wie die Karlsruher Messe- und Kongressgesellschaft (KMK) ergänzt.

Meiste Reisenden sind geschäftlich unterwegs

Weiter erklärt sie: "Und natürlich fehlt ein Campingplatz." Hier wurde im vergangenen Jahr zwar nach einer Ausschreibung ein geeigneter Pächter gefunden, geöffnet ist der Campingplatz in Durlach aber weiterhin noch nicht.

Karlsruhes letzter Campingplatz ist jetzt geschlossen. | Bild: Riedel

Doch trotz der bereits bekannten Nachfrage und Verbesserungsmöglichkeiten: Offen ist vor allem, warum genau die Gäste in Karlsruhe übernachten. So werde laut Halmich nicht erhoben, ob die Übernachtungsgäste in Karlsruhe aus beruflichen Gründen in die Fächerstadt gereist sind, oder ob sie den Urlaub in der Fächerstadt verbringen.

"Früher ging man von einem Verhältnis von 80 zu 20 Prozent aus - da haben die Geschäftsreisen einen deutlich größeren Anteil gehabt", erklärt Halmich. "Es sind zwar noch immer mehr Geschäftsreisende in Karlsruhe, aber wir schätzen das Verhältnis nur noch auf 60 zu 40 Prozent.

Hotel an der Messe benötigt?

Heißt das, dass vor allem die Firmen in Karlsruhe unter dem Hotelmangel leiden, weil sie ihre Geschäftskunden nicht unterbringen können? Auf Anfrage von ka-news antworteten größere Unternehmen in Karlsruhe gemischt. Einige gaben an, keine Probleme zu haben. Die Fiducia & GAD beispielsweise sieht ein deutliches Problem: Für Teilnehmer an Großveranstaltungen würden Schlafplätze fehlen, heißt es: "Hier fehlen in Karlsruhe definitiv ausreichend Kapazitäten. Vor allem Budget-Hotels im Großraum Messe würden helfen."

Messe Karlsruhe in Rheinstetten
(Symbolbild) | Bild: Peter Eich

Ob auch die KMK sich ebenfalls ein Messehotel nahe der Hallen bei Rheinstetten wünscht - das bleibt nach einer Anfrage von ka-news unbeantwortet. Vielmehr bestätigt man den Hotelmangel und den damit verbundene Wunsch nach neuen Unterkünften in der Stadt - für die aber zum Teil überhaupt erst Flächen gefunden werden müssen, die in Karlsruhe ohnehin rar gesät sind.

Mehr zum Thema:

Gemeinderäte der Kult fordern Wohnraum statt neue Hotelbaustellen - dabei sind viele Grundstücke nicht für Wohnbebauung geeignet

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (37)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Prof.Baerlapp
    (675 Beiträge)

    07.03.2019 09:06 Uhr
    Größenwahn in Karlsruhe?
    Einige scheinen das Potential dieser Stadt völlig zu überschätzen. Nun ja, ein Tourismus-Manager muss das wohl kraft Amtes. Aber die Politik sollte verantwortlich handeln und diese Träumereien rechtzeitig in die Schranken weisen. Denn außer bei großen Messen werden doch die vielen neuen Hotels gar nicht ausgelastet sein. Am Ende haben wir dann Pleiten und Leerstand mit allen unerwünschten Folgen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9750 Beiträge)

    07.03.2019 11:56 Uhr
    Na und
    Ob ein Hotel rentabel ist oder nicht, fällt immer noch unter das Unternehmerrisiko des Betreibers.
    Die Politik bzw. die Stadt hat sich nicht da einzumischen und vor allem kann die keinem vorschreiben, ein Hotel gar nicht erst zu eröffnen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ralf
    (3655 Beiträge)

    07.03.2019 16:26 Uhr
    Da fällt mir ein, dass sich die Stadt schon einmal eingemischt hat
    Beim Schwarzwaldhotel durften jedenfalls die Steuerzahler blechen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9750 Beiträge)

    08.03.2019 11:55 Uhr
    Passt nicht ganz
    In dem Fall hat die Stadt vorher eine Bürgschaft übernommen und war deswegen dran.
    Bei den jetzigen Bauten hat die das bestimmt nicht gemacht, deswegen muss die Stadt im Falle einer Pleite auch nichts zahlen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Prof.Baerlapp
    (675 Beiträge)

    07.03.2019 12:28 Uhr
    Es geht aber
    um die Frage, ob man per Bebauungsplan überall große Hotelneubauten zulässt. Das liegt sehr wohl in der Hand der Stadt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9750 Beiträge)

    07.03.2019 15:39 Uhr
    In Bebauungsplänen
    steht nichts davon drin, welche Funktion welches Gebäude zu haben hat und solche Vorschriften kann auch niemand erlassen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (10756 Beiträge)

    07.03.2019 21:39 Uhr
    !
    Guckst Du BaunutzungsVO. Die Gemeinde kann per Flächennutzungsplan und verfeinernd per Bebauungsplan durchaus Gebiete ganz ohne die eine oder andere Nutzung festlegen. Stadtweit nicht, aber partiell.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9750 Beiträge)

    08.03.2019 11:52 Uhr
    In den Gebieten
    in denen Hotelbauten zulässig sind, kann die Stadt dann aber keine neuen Hotels verweigern.
    Und schon gar nicht mit der Begründung: Wir haben zu viele Hotels und du machst deswegen pleite.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   chris
    (666 Beiträge)

    06.03.2019 21:00 Uhr
    Flächen gibt es genug!
    Als ob Flächen fehlen würden. Das Ganze ließe sich simpel lösen. Der Baubürgermeister sagt doch selbst, dass man in die Höhe bauen wolle. Na dann los!!! Motel One könnte man höher bauen, auch das neue geplante Hotel am Hbf. Ein zweites Hotel am Hbf ist auf der Nord-West-Seite geplant. Außerdem wird doch das ekelige Postgebäude abgerissen, rechts neben dem ECE am Ettlinger Tor. Auch der Messplatz wäre ein guter Ort...200 m hoch, hochwertig, ein Wahrzeich für Karlsruhe aus Glas und Stahl. Andere Städte machen es vor. Sorry. Einfach mal handeln. Der Tivoli könnte im übrigen neuer Messplatz, wenn Schenker an die Stadt verkauft. Auch am Rhein wäre ein Bebauung denkbar. Gibt sooo viele Optionen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   oststaedtler
    (263 Beiträge)

    08.03.2019 14:14 Uhr
    Das Postgebäude...
    ...wird frühestens in 5-6 Jahren abgerissen, das ist bis dahin vermietet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.