Karlsruhe/ Berlin Gründerpreis für Karlsruher Start-up: Forscher entwickelten chemische Anlagen in Miniaturgröße

Große Ehre für das Karlsruher Start-up-Unternehmen "Ineratec". Am Dienstag wurde das junge Unternehmen im Hauptstadtstudio des ZDF mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. Die Wissenschaftler bauen chemische Reaktoren, die typische Abfallprodukte wie CO2 oder Methan und andere Gase in flüssige Kraftstoffe verwandeln.

Zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen wie Benzin, Kerosin, Diesel oder Erdgas sind zur Aufbereitung in der Regel riesige Anlagen nötig. Die Firma Ineratec ist ein Spin-Off des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und baut chemische Reaktoren, die so kompakt sind, dass die fertig montierte Anlage in einen Schiffscontainer passt. Somit ist die Anlage mobil und kann überall eingesetzt werden. Gleichzeitig ist die Anlage leicht zu lagern und lässt sich gut weiterverkaufen. In der Technik stecke fast 20 Jahre Forschung am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT).

"Synthetische Kraftstoffe sind ein wichtiger Schritt hin zum Wirtschaften in einem geschlossenen CO2-Kreislauf“, wird KIT-Präsident Holger Hanselka in einer Pressemitteilung des KIT zitiert. Mit dem Klimawandel und der Energiewende gehe das KIT zwei der aktuell drängendsten gesellschaftlichen Probleme an, darüber hinaus könnten regenerative Kraftstoffe zukünftig auch ganz neue Geschäftsfelder eröffnen. Ineratec sei dafür ein hervorragendes Beispiel, so Hanselka weiter.

"Gründerpreis ein Zeichen der Innovationskultur am KIT"

"Wissenschaftliche Erkenntnisse in Anwendungen zu überführen, von denen Wirtschaft und Gesellschaft profitieren, gehört zu den Kernaufgaben des KIT", betont Thomas Hirth, der Vizepräsident des KIT für Innovation und Internationales. Er wertet den Gründerpreis und andere gute Platzierungen in Rankings als Ausdruck der Innovationskultur, die am KIT herrscht.

"Für die chemischen Verfahren, mit denen etwa aus dem Klimakiller CO2 und regenerativ erzeugtem Wasserstoff synthetisches Erdgas oder synthetische Kraftstoffe hergestellt werden, sind normalerweise extrem teure, großtechnische Chemieanlagen nötig", sagt Ineratec-Geschäftsführer Tim Böltken. Die Karlsruher Gründer haben nicht nur die Großanlagen auf Miniaturformat geschrumpft, die für den Herstellungsprozess benötigte Energie kann obendrein aus regenerativen Quellen wie Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft kommen."Sie wird so in chemischen Energieträgern gespeichert", ergänzt der KIT-Absolvent. Darüber hinaus sind die fertig montierten, modularen Kompaktanlagen nach dem Baukastensystem konzipiert, sodass sich die Kapazität ganz nach Bedarf erweitern lässt.

Die kompakten chemischen Anlagen passen fertig montiert in einen Schiffscontainer. | Bild: Magali Hauser

Gleich zwei KIT-Absolventen schafften es ins Finale nach Berlin

Mehrere Anlagen sind bereits ausgeliefert und in Betrieb: Eine Power-to-Liquid-Anlage, welche erneuerbare flüssige Kraftstoffe herstellt und mobil eingesetzt werden kann, wurde nach Finnland verkauft. Im katalonischen Sabadell steht eine Power-to-Gas-Anlage, die aus Klärschlamm stammendem Kohlenstoffdioxid synthetisches Methan-Gas produziert, das direkt ins spanische Netz gespeist werden soll. Am KIT selbst baut Ineratec eine Pilotanlage für die Erzeugung von erneuerbarem Kerosin aus Kohlendstoffdioxid und Wasserstoff.

Unter den drei Finalisten des Deutschen Gründerpreises war mit Florian Wehner ein weiterer KIT-Absolvent. Der ehemalige Maschinenbaustudent stellt mit seiner Firma "Vectoflow" 3D-gedruckte Sonden her, die individuell gefertigt werden und die Strömung von Luft, Wasser oder Öl präzise messen. So ist unter der Nase jedes Formel-Eins-Boliden eine Sonde angebracht, die im Rennen Geschwindigkeit und Richtung der Strömung misst. Einige davon wurden von "Vectoflow" entwickelt.

ka-news Hintergrund: Der Deutsche Gründerpreis wird alljährlich im ZDF-Hauptstudio in Berlin verliehen und zeichnet besonders innovative Gründer und ihre Unternehmen aus. Die Kandidaten werden von einem Expertennetzwerk vorgeschlagen und müssen anschließend die Juroren in mehreren Phasen von ihrem Unternehmen überzeugen. Die Sieger des Deutschen Gründerpreises erhalten eine Unternehmensberatung und Patenschaften erfahrener Unternehmer.
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