Karlsruhe Großinspektion mit Riesen-Kran: Bei MiRO herrscht bald Stillstand

Einer der größten Kräne der Welt steht aktuell auf dem MiRO-Gelände in Karlsruhe-Knielingen: Beim Mineralöl-Riesen steht Mitte Februar eine Großinspektion an. Das Unternehmen nutzt die Stilllegung für einen Austausch der riesigen Kokskammern - die 400 Tonnen schweren Kammern kamen im Oktober per Schwerlasttransport nach Karlsruhe.

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Bei der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) steht eine Großinspektion an: Mitte Februar werden die 25 Prozessanlagen rechts von der Alb - im sogenannten Werksteil 2 - für mindestens vier Wochen außer Betrieb genommen. Die Inspektion findet alle vier bis sechs Jahre statt - danach sind den Anlagen erneut TÜV-zertifiziert. Während der Großinspektion ist auf den Zufahrtsstraßen mit mehr Verkehr zu rechnen.

Stillstand wurde zwei Jahre lang geplant

 "Zwei Jahre lang hat ein erfahrenes Team die Stillstandsaktivitäten geplant, wobei Stillstand nur auf die Anlage zutrifft, denn um diese herum herrscht Hochbetrieb", erklärt Ralf Schairer, Sprecher der MiRO-Geschäftsführung während einer Informationsveranstaltung Anfang Februar.

Damit die Anlagen gereinigt, repariert, technisch noch weiter optimiert und vom TÜV überprüft werden können, montierten 120 Arbeiter seit Anfang 2017 die notwendigen Gerüste, damit die Arbeiter die sechs Großmaschinen, 700 Apparate, 600 Armaturen und Sicherheitsventile von sicherem Stand aus prüfen können.

MIRO Mineraloelraffinerie Oberrhein
MIRO Mineraloelraffinerie Oberrhein - Blick auf Werkteil 2. | Bild: Melanie Hofheinz

Die letzte Großinspektion im Werkteil 2 fand im März 2012 statt. Alle sechs Jahre steht eine derartige TÜV-Prüfung auf dem 458 Hektar großen Raffinerie-Gelände an. "Allein die Inspektion kostet 20 Millionen Euro, weitere 20 Millionen Euro werden für notwendige Instandhaltung und Reparaturen benötigt. Das gesamte Stillstandsvolumen beträgt 160 Millionen Euro", informiert Schairer. 

Was passiert bei der Großinspektion?

Die Arbeiten zur Großinspektion beginnen am 15. Februar mit dem schrittweise Abfahren der Anlagen. Dabei und bei der Wiederinbetriebnahme vor Ostern kann es aus sicherheitstechnischen Gründen vorübergehend zum Ansprechen der Fackel kommen. Schairer bittet die Nachbarn um Verständnis für diese besondere Situation und betont: "Wir wollen, dass alle, die im Stillstand arbeiten, wieder gesund nach Hause gehen und bemühen uns, die Auswirkungen auf unser Umfeld so gering wie möglich zu halten."

"Sicherheit hat oberste Priorität. Das herausfordernde gemeinsame Ziel aller Beteiligten lautet: Null Unfälle. Maßnahmen im Rahmen eines speziellen Sicherheitskonzeptes sollen für eine unfallfreie Großinspektion sorgen", so Schairer.

Erhöhtes Verkehrsaufkommen

Während Kernphase des Anlagenstillstandes werden, neben den MiRO-Mitarbeitern, auch rund 3.300 Partnerfirmenmitarbeiter im Einsatz sein werden. Die Raffinerie rechnet mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen: Um die Situation im Berufsverkehr zu entlasten, wurde ein zusätzliches drittes MiRO-Werktor mit eigener Zufahrt über die B36 eingerichtet.

MiRO
Das Gelände der MiRO. | Bild: MiRO Karlsruhe

Auf dem MiRO-Gelände selbst wurde alles für die zusätzlichen Arbeiter vorbereitet: 2.200 Parkplätze stehen zur Verfügung und es wurden 600 Container für Büro, Besprechungsräume, Umkleiden und Duschen sowie Verpflegungsmöglichkeiten in einem großen Kantinenzelt eingerichtet, zusätzlich wird ein Buspendelverkehr auf dem Gelände vorhanden sein.

Stillstand wird auch für Projekte genutzt

Zusätzlich investiert MiRO nach eigenen Angaben 94 Millionen Euro in Projekte, die nicht direkt mit der Großinspektion in Verbindung stehen. Darunter befindet sich mit 75 Millionen Euro auch das Großprojekt "Austausch der Kokskammern" in der Koker-Anlage. In dieser werden schwere Rückstände aus der Rohöldestillation im marktgerechte Gas- und Benzinkomponenten, Gasöle (Dieselkraftstoff, Heizöl) und Koks (Brennstoff) umgewandelt.

Neue Kokskammern für MiRO
Neue Kokskammern für MiRO | Bild: MiRO/Hofheinz

Die zwei neuen Kammern (Coke Drums) sind je 400 Tonnen schwer und 35 Meter lang. Die Coke Drums wurden in Spanien gefertigt und wurden bereits im Oktober zur MiRO geliefert. Einer der größten Kräne der Welt wird benötigt, um die Kammern aufzubauen: Ein 2.000 Tonnen-Ringkran, zum Einsatz. Über 200 Schwerlasttransporte waren nötig, um den Kran in seinen Einzelteilen anzuliefern. Der Aufbau des Krans, der zuvor in Malaysia im Einsatz war, dauerte vier Wochen.

MiRO
Der rote 2.000-Tonnen-Kran war zuvor in Malaysia im Einsatz. | Bild: Melanie Hofheinz

Warum der Austausch?

"Nach 35 Jahren sind die aktuellen Kammern einfach erschöpft und müssen getauscht werden", so das Unternehmen. Am 15. Februar werden die alten Kokskammern das letzte Mal geöffnet, danach folgen  Abbau und Verschrottung. "Wir machen unsere Anlage fit für die neue Laufzeit, damit sie auch die nächsten Jahre sicher und effizient laufen", so Schairer.

Während die Großinspektion vom 19. Februar bis 22. März geplant ist, werden die mechanischen Arbeiten des Hauptprojektes "New DC Coke Drums" bis in den April dauern. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt der MiRO nach der Inspektion von Werkteil 2 und Großprojekt "Kokskammer-Tausch" nicht, bereits 2021 wird die nächste Großinspektion in Werkteil 1 stattfinden. Hierfür werden Anfang 2019 die Planungen beginnen.

ka-news- Hintergrund

Das Raffineriegelände ist so groß wie die Karlsruher Innenstadt und erstreckt sich auf 458 Hektar. In riesigen Anlagen werden Benzin (35 Prozent), Diesel (30 Prozent), leichtes Heizöl (17 Prozent) sowie Bitumen, das vor allem für Asphaltherstellung im Straßenbau benötigt wird, Propylen, das als Eingangsstoff für die chemische Industrie dient (Kunststoffherstellung), Koks als Brennstoff vor allem für die Zementindustrie und Kalzinat für die industrielle Elektrodenherstellung, aus Rohöl hergestellt.

Doch woher kommt das Rohöl? Das Rohöl wird nicht direkt von der MiRO selbst beschafft, sondern von ihren vier Gesellschaftern und wird zum größten Teil über die Transalpine Ölleitung von Triest aus angeliefert. 2016 kamen über die Hälfte des Rohöls (52,9 Prozent) aus Osteuropa/Zentralasien, 20,5 Prozent wurden aus Nordafrika bezogen und weitere 9,5 Prozent aus dem Nahen/Mittleren Osten. Kleinere Anteile wurden aus Zentralafrika (8,4 Prozent), Südamerika (4,4 Prozent), Mitteleuropa (2,4 Prozent) und Nordamerika (1,8 Prozent) angeliefert.

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