Stuttgart/Karlsruhe Gremien geben grünes Licht

Im nächsten Jahr einer von zwei Hauptsitzen des fusionierten Spitzenverbandes der Genossen aus Baden und Württemberg: das BGV-Gebäude in Karlsruhe (Foto: pr)
Das Konzept für die seit längerem geplante Verschmelzung des Badischen und des Württembergischen Genossenschaftsverbandes steht (ka-news berichtete). Der Verbandsrat des badischen und der Verwaltungsrat des württembergischen Verbandes haben auf einer gemeinsamen Sitzung grünes Licht gegeben, die Verbandsspitzen haben den Entwurf des Verschmelzungsvertrages unterzeichnet. Am 23. Oktober entscheiden die Mitglieder der beiden Verbände, 851 Genossenschaften aus Baden-Württemberg, über die Verschmelzung zum Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband e.V. (BWGV).

Der Zusammenschluss der beiden Regionalverbände im Rahmen des Bundeslandes Baden-Württemberg sei die Antwort auf Strukturveränderungen bei den Mitgliedern, werde dem genossenschaftlichen Prinzip des dezentralen Unternehmertums gerecht und sichere Arbeitsplätze in Baden-Württemberg, unterstrichen die Spitzen der beiden bisher getrennten Verbände, Erwin Kuhn und Gerhard Roßwog.

Über 3,4 Millionen Mitglieder im Bundesland

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband werde zu den bedeutenden Wirtschaftsorganisationen im deutschen Südwesten gehören, geben sich der Stuttgarter GENO-Präsident Erwin Kuhn und der Vorstandsvorsitzende des Badischen Genossenschaftsverbandes Gerhard Roßwog selbstbewusst. Er werde über 3,4 Millionen Menschen und mittelständische Unternehmen repräsentieren, die Mitglied einer Genossenschaft sind. Das heißt, jeder dritte Einwohner im Bundesland gehört einer der 851 Genossenschaften an.

Etappe einer Elefantenhochzeit. Bei der Unterzeichnung des Verschmelzungsvertragsentwurfes und Verschmelzungsberichts (von links): Herbert Schindler, Gerhard Roßwog, Dr. Rainer Kunadt, Helmut Gottschalk, Erwin Kuhn und Gerhard Schorr (Foto: pr)

Die 251 Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg betreuen Kundengelder (Geldanlagen und Kredite) von 226 Miliarden Euro, 449 landwirtschaftliche Genossenschaften haben im Jahr 2007 zusammen 2,8 Milliarden Euro umgesetzt, und die 105 gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften kamen auf einen Umsatz von zusammen knapp 4 Milliarden Euro. Die Genossenschaften in Baden-Württemberg beschäftigen zusammen über 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Ziele der Verschmelzung

"Durch die Bündelung der Verbandskräfte lassen sich die Interessen der Verbandsmitglieder nach innen in den genossenschaftlichen Verbund und nach außen - gegenüber Politik und Gesellschaft - wirksamer vertreten." So beschreiben Kuhn und Roßwog die Ziele der Verbandsfusion. Eine Verschmelzung festige die beiden Standorte Karlsruhe und Stuttgart und garantiere damit insbesondere die von den Mitgliedern gewünschte Nähe zu ihrem Verband.

Mit der Verschmelzung werde das genossenschaftliche Verbandswesen in Baden-Württemberg zeitgemäß weiterentwickelt. Nur ein gemeinsamer Verband könne das Dienstleistungsangebot für alle Mitgliedsgenossenschaften in gewohnter Weise anbieten und ausbauen. "Die Dienstleistungsangebote des BGV und des WGV ergänzen sich bereits jetzt ideal.Doppelarbeiten können vermieden, Konzepte müssen künftig nur einmalerstellt werden. So lassen sich Synergien heben mit der Folge, dass Leistungen für die Verbandsmitglieder nachhaltig kostengünstiger auf hohemQualitätsniveau erbracht werden", heißt es aus den beiden Verbandszentralen.

Schließlich werde es gelingen, die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft öffentlichkeitswirksamer positionieren zu können. Die Entwicklung der Anzahl der Neugründungen in den letzten Jahren unterstreiche das Interesse an der Rechtsform. Das größere Geschäftsgebiet des BWGV führe zu einer quantitativ undqualitativ höheren Nachfrage nach Dienstleistungen. Dies biete den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BWGV fachliche und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten zum Nutzen der Verbandsmitglieder.

Für die Genossenschaften in Baden-Württemberg stellen Kuhn undRoßwog Synergieeffekte aus der Fusion von 4 Millionen Euro im Jahr in Aussicht.Die Synergien werden im Wesentlichen durch einen sozialverträglichenPersonalrückgang gehoben, indem Stellen nicht mehr besetzt werden,die auf Grund von Ruhestandsregelungen oder durch die natürliche Fluktuation frei werden. Dies soll dazu führen, dass die Zahl der Verbandsmitarbeiter bis 2012 von derzeit rund 600 auf 550 zurückgeht.

Zusammenführung auf "gleicher Augenhöhe"

Das Gesicht des zukünftigen BWGV ist in den Entwürfen von Verschmelzungsvertrag und Satzung, die von den Gremien jetzt genehmigt wurden,gestaltet worden. Der Vorstand wird gebildet von Gerhard Roßwog alsPräsident und Vorstandsvorsitzender sowie seinen Stellvertretern HerbertSchindler und Gerhard Schorr. Der amtierende Stuttgarter GENO-Präsident Erwin Kuhn geht in den Ruhestand, wenn der neue BWGV entsteht und die beiden Altverbände darin aufgehen.

Im Verbandsrat, dem Aufsichtsgremium des Verbandes, werden sowohldie Landesteile Baden und Württemberg als auch die Gruppen derVolksbanken Raiffeisenbanken sowie der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften paritätisch vertreten sein. Der zukünftige Verbandsratsvorsitzende soll aus Württemberg kommen. Die Repräsentanten der Genossenschaften in den Verbandsgremien werden basisdemokratisch von Mitgliederversammlungen oder in Regionalkonferenzen bestimmt.

Die Akademie des Badischen Genossenschaftsverbandes in Karlsruhe-Rüppurr bleibt auch nach der Fusion erhalten (Foto: pr)

Der BWGV hat zwei Hauptstellen in Stuttgart und Karlsruhe. Darin drücke sich der Grundsatz aus, dass die Verbändefusion auf gleicher Augenhöhe stattfindet, unterstrichen Kuhn und Roßwog. Juristischer Sitz desBWGV wird Karlsruhe. Durch das Standortkonzept, das auf eine rasche Integration der Verbände und das Entstehen einer neuen, gemeinsamenUnternehmenskultur setzt, müssen rund 100 Mitarbeiter des Innendienstes ihren Arbeitsplatz verlegen - von Karlsruhe nach Stuttgart oder vonStuttgart nach Karlsruhe.

Der zukünftige Baden-Württembergische Genossenschaftsverband(BWGV) könne voraussichtlich im April oder Mai 2009 seine Arbeit aufnehmen, heißt es aus den Verbänden. Der BWGV entsteht erst, wenn er vom Registergericht eingetragen wird. Dazu müssen noch im März 2009die Jahresabschlüsse der beiden Verbände genehmigt werden. An diesen Verbandstagen werden auch die Gremien durch Wahlen besetzt.

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