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Karlsruhe Für faire Mieten in Karlsruhe: Der Mietspiegel wird (online) neu aufgelegt - doch erfüllt er auch seinen Zweck?

Die Suche nach Wohnraum ist ein Dauerthema in der Fächerstadt. Allen Karlsruhern ist bekannt, dass es leichtere Aufgaben gibt, als in der Fächerstadt eine geeignete und vor allem bezahlbare Wohnung zu finden. Und genau beim Thema "bezahlbar" soll der Karlsruher Mietspiegel greifen - aber tut er das auch?

Schaut man in beliebige Online-Wohnungsbörsen, so findet man einen durchschnittlichen Mietpreis von 11,27 Euro pro Quadratmeter. Dies sei allerdings keine anerkannte Auskunft, sondern vielmehr der Schnitt der online inserierten Angebote im Bereich der Immobilien. Aber ein Schnitt mit einer gewissen Aussagekraft: In Baden-Württemberg legt das gleiche Portal den Mittelwert auf 10,73 Euro pro Quadratmeter fest. Im deutschlandweiten Schnitt würde der Mietpreis auf 8,61 Euro den Quadratmeter liegen.

Eine inoffizielle Statistik, die das bestätigt, was eigentlich schon viele wissen: Wohnen in Karlsruhe ist teuer. Vermieter können, theoretisch, hohe Preise für ihre Immobilien aufrufen. Damit diese Preisschraube sich nicht zu schnell dreht, gibt es seit 2013 in Karlsruhe den Mietspiegel.

Orientierung mit gesetzlicher Bindung

Dieser soll, per Definition, einen Durchschnitt der ortsüblichen Mieten zeigen. Damit würde er eine Orientierungshilfe für Mieter und Vermieter darstellen. Eine gesetzliche Verpflichtung einen solchen Mietspiegel aufzustellen, gibt es nicht. Doch wenn die ortsüblichen Mieten festgehalten sind, dann gibt es eine entsprechende Bindung.

Mieterhöhung
Der Wohnraummangel gilt in gefragten Gegenden als Hauptgrund für Preissteigerungen. | Bild: Arno Burgi/Archiv

So sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass sich die Mieterhöhungen an den Vergleichsmieten orientieren müssen. Im Gesetzestext heißt es entsprechend: "Bei Erhöhungen nach Absatz 1 darf sich die Miete innerhalb von drei Jahren, [...], nicht um mehr als 20 vom Hundert erhöhen (Kappungsgrenze). Der Prozentsatz nach Satz 1 beträgt 15 vom Hundert, wenn die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen in einer Gemeinde oder einem Teil einer Gemeinde besonders gefährdet ist und diese Gebiete nach Satz 3 bestimmt sind." (BGB §558, Absatz 3).

Mietspiegel als offizielles Vergleichsportal

Heißt ganz verallgemeinert: Wer die Miete erhöht oder erhöht bekommt, darf in Karlsruhe keine zu großen Sprünge machen. Und genau diesen Zweck erfüllt der Mietspiegel, bestätigt Karl Winckelmann, Geschäftsführer des Mietervereins Karlsruhe im Gespräch mit ka-news. Der Mietspiegel ist in Zusammenarbeit mit dem Verein entstanden. "Er trägt zu einer Befriedung bei, weil durch den Mietspiegel hat man eine Art Vergleichsportal zur Hand", erklärt Winckelmann.

Wohnen in Karlsruhe
Rechtsanwalt Karl Winckelmann ist Geschäftsführer des Mietervereins Karlsruhe und stellvertretender Landesvorsitzender. | Bild: Florian Kaute/Mieterbund BW

Anders als beispielsweise nicht offiziell anerkannte Vergleichsportale müssen sich die Vermieter bei den Erhöhungen an die Werte aus dem Mietspiegel halten. "Pro Woche ist das mehrfach der Fall, dass eine Beratung zu einer Mieterhöhung in Anspruch genommen wird", so der Geschäftsführer des Mietervereins. Heißt: Die Mieter kommen mit ihrer geforderten Mieterhöhung zum Verein, der dann mit Mietspiegel die Rechtmäßigkeit prüft. Wer eine zu hohe Miete akzeptiert hat, profitiert nicht mehr vom Mietspiegel: "Zurückschrauben geht nicht", so Winckelmann weiter.

Nach Bewohnerwechsel greift der Mietspiegel nicht

Nicht gültig ist der Mietspiegel im Übrigen bei Neuvermietungen: "Da kann der Vermieter den Preis verlangen, den er will", gibt Winckelmann zu Bedenken. "Und das tun einige leider auch." Sollte die Gültigkeit des Mietspiegels dann nicht ausgeweitet werden? "Es wäre eine feine Sache, so könnte man Wucher vorgreifen." Die Zuständigkeit liege hier aber beim Gesetzgeber, eine kurzfristige Änderung sei also unwahrscheinlich.

Mieterhöhung
Um eine Mieterhöhung auf die ortsübliche Vergleichsmiete zu begründen, darf der Vermieter sich nur auf den örtlichen Mietspiegel oder ein Sachverständigengutachten berufen. | Bild: Jens Kalaene

Nötig ist der Besuch beim Mieterverein im Prinzip nicht, um einen Blick in den aktuell gültigen Mietspiegel der Stadt zu werfen. Der Mietspiegel kann von jedem für sieben Euro bei der Stadtverwaltung gekauft werden. Der Preis soll die Druckkosten decken. Doch auch das soll bald der Vergangenheit angehören: Im Zuge der Haushaltsdebatten wurde eine kostenfreie Online-Version des Dokuments beschlossen.

Winckelmann sieht nicht nur Vorteile beim neuen Online-Angebot

"Die Online-Stellung hat den Mieterverein schon überrascht", gibt Winckelman zu. Er sieht die Notwenigkeit nicht: "Man muss sich schon sehr einarbeiten, um den umfangreichen Mietspiegel zu verstehen. Ich gehe mal davon aus, dass Leute die vielen Seiten dann trotzdem ausdrucken." Da sei die Broschüre selbst viel praktischer.

Hand mit Schlüsseln vor einem Haus
(Symbolbild) | Bild: pixabay / mastersenaipar

Eine neue Auflage des Mietspiegels wird am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Auch das sieht das Gesetz vor: Alle zwei Jahre müssen die Preise angepasst werden. Karlsruhe hat sich dabei für eine "indexbasierte Fortschreibung" entschieden. Heißt, man orientiert sich am vom Statistischen Bundesamt entwickelten Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte in Deutschland. Zwischen April 2016 und April 2018 sei dieser Index um 3,6 Prozent gestiegen. Dieser Wert wurde auch für den neuen Mietspiegel verwendet.

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  •   HerrNilson
    (347 Beiträge)

    07.12.2018 13:56 Uhr
    Und?
    Sie meinen also Sie halten hier Kommentatoren Stöckchen hin? Nochmal: was nehmen Sie sich eigentlich raus?
    Die Realität sieht nämlich eher so aus: SIE HETZEN HIER schon seit Jahren gegen Flüchtlinge und jeder der Ihnen widerspricht kriegt sein Fett ab und wird als Rupp, Emily und jetzt auch noch Nilson bezeichnet. Unterlassen Sie das. Oder besser noch: unterlassen Sie diese Hetze.
    So jetzt können Sie wieder entsprechend ausfallend antworten, sich gleich selbst ein like geben und dann noch einige mehr mit Ihren Doppelnicks. KwT weil es mir zu blöde ist.
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  •   kommentar4711
    (2065 Beiträge)

    06.12.2018 18:21 Uhr
    Schwachfug
    Ist doch Mumpitz. Was bringt der Mietspiegel? Der Mietspiegel ändert doch nichts daran, dass wir zu wenige Wohnungen in der Stadt haben. Es müssen mehr Wohnungen her, alles andere hilft nicht.
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  •   Suedweschter
    (342 Beiträge)

    07.12.2018 01:20 Uhr
    Oder wenige Zuwanderer her
    Unternehmen, Bildungsanstalten, usw. sollten Wohnraum für die Leute, die sie herholen, nachweisen müssen.
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  •   HerrNilson
    (347 Beiträge)

    07.12.2018 07:12 Uhr
    Nennen Sie mir bitte
    die Wohnungen hier in Karlsruhe, diemvon Flüchtlingen angemietet wurden und deutschen Wohnungssuchenden den Wohnraum wegnehmen. Ich bin sehr sehr gespannt.
    Sie werden nämlich nicht fündig werden, wetten? Und wenn sie diese Unterkünfte meinen, in denen in einem Zimmer eine ganze Familie haust, dann würde ich gerne die deutsche Familie kennenlernen, die das freiwillig machen würde.

    Der Wohnraum ist knapp in Karlsruhe weil hier die IT Unternehmen angesiedelt sind und diese brauchen ständig neue Mitarbeiter und es werden im Gegenzug nicht ensprechend viele neue Wohnungen gebaut. Und das sind Tatsachen und keine Vermutungen.
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  •   Suedweschter
    (342 Beiträge)

    08.12.2018 03:33 Uhr
    Zuwanderer heißt aber nicht automatisch Flüchtlinge
    In Bayern nennt man sie Zuaggraste und damit ist nicht mehr oder weniger als jemand des aus einer andere Stadt oder Gegend zuwandert, also herzieht. Klar hat das auch was mit den Unternehmen zu tun und vor allem mit den KIT und anderen Bildungseinrichtungen, all das stopft. Dafür unsere schönen Freiflächen und zupflastern, nee, das geht ned! Und dafür sollten sich unsere Politiker einsetzen und nicht für die Firmen, usw. die könnten auch woanders weiterwachsen, im Saarland, in Sachsen und in Niedersachsen z. B.
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  •   Kojak
    (111 Beiträge)

    07.12.2018 09:15 Uhr
    So ganz stimmt Ihre Aussage nicht,
    Herr ... Nilson.
    Obwohl Sie formal Recht haben, denn von den Flüchtlingen selbst werden tatsächlich wohl bisher keine Wohnungen angemietet. Aber die Städte und Gemeinden müssen diese ja unterbringen. Und es ist nicht so, dass das immer nur in großen Sammelunterkünften erfolgt. Oft mieten die Gemeinden dafür auch Häuser oder Wohnungen von privat an. Die sind dann nicht mehr auf dem Markt.

    Allerdings muss man auch ganz klar sagen: Der Zuzug von Flüchtlingen ist nur einer von mehreren Aspekten. Es gibt natürlich auch den Zuzug von (IT- und sonstigen) Fachkräften aus dem In- und Ausland. Außerdem zieht es vor allem junge Leute eher in die Städte, weshalb eben die Wohnungsnot z.B. in Karlsruhe größer ist als irgendwo mitten im Bayerischen Wald.
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  •   kommentar4711
    (2065 Beiträge)

    07.12.2018 07:52 Uhr
    Antwort auf "Nennen Sie mir bitte"
    Zumal die Preise für Wohnraum hier in KA ja schon viel länger durch die Decke gehen.

    Was mich an der Stelle stört ist aber eben auch, dass die Stadt Genehmigungen für große neue Gewerbeflächen (dm, 1&1, Visteon, ...) erteilt, sich aber keine Gedanken über den dadurch wieder mehr nachgefragten Wohnraum macht. Warum kann man hier nicht entsprechende Kombi-Projekte machen? Gerade das 1&1 Projekt hätte man doch so auslegen können, dass dort auch Wohnraum mit geschaffen wird.

    Die Stadt tut einiges um Gewerbetreibende anzulocken, aber was Wohnraum angeht fordert man nur, fördert aber nicht. Im Gegenteil, jetzt ist auch noch bekannt geworden, dass die Volkswohnung Vorgaben hat wie viel Gewinne man abzuführen hat.
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  •   HerrNilson
    (347 Beiträge)

    07.12.2018 14:04 Uhr
    also
    Und genau das ist es doch. Keiner der Flüchtlinge bezieht eine Wohnung, in der ein deutscher Wohnungssuchender einziehen würde. Und die freien Wohnungen sind mittlerweile so rar gesät und so überteuert, dass sich eine Durchschnittsfamilie das gar nicht mehr leisten kann. Schuld daran sind diese Heuschrecken, die sich auch gerne Investoren nennen. Und wenn man dann noch hingeht und freie Flächen für Unternehmen zubaut, dann bleibt nichts mehr, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das ist doch hinlänglich bekannt und trotzdem vergibt das Amt lieber Baugenehmigungen für die Wirtschaft und kümmert sich nicht um die Normal- und Geringverdiener. Und diejenigen die sagen die Leute sollen aufs Land ziehen: einfach mal bri Immo24 reinschauen: da gibt es nix, bis auf Neubauten zu Preisen, dass man sich fragt wer das bezahlen kann.
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    07.12.2018 17:55 Uhr
    Auf dem Land
    ist es tatsächlich noch üblich dass Wohnraum über Mundpropaganda vergeben wird, und weniger über Portale wie immoscout. Selbst hier in Knielingen ist das so. Was es für Außenstehende natürlich schwer macht, was zu finden.
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    (3670 Beiträge)

    08.12.2018 01:01 Uhr
    Ist doch klar,
    wenn da die entsprechende Nachfrage da ist. Die meisten Zimmer in Studenten-WGs (korrekt WGen) gehen garantiert auch unter der Hand weg. Man lernt doch zig Leute kennen beim Studieren, da kennt man immer welche die suchen.
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