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Karlsruhe Drohende Überschuldung: Sandkorn-Theater muss Insolvenz anmelden

Schock für die Karlsruher Kulturszene: Das Sandkorn-Theater hat Insolvenz angemeldet. Als Grund für diesen Schritt nennt die Geschäftsführung Nachforderungen des Finanzamts. Der Theaterbetrieb soll vorerst weitergehen.

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In einer Stellungnahme, die ka-news vorliegt, erklärt Stefanie Lackner, Geschäftsführerin des Privattheaters, dass am gestrigen Mittwoch das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Sandkorn-Theater gGmbH, der Trägergeschaft des Sandkorn-Theaters, beantragt werden musste. Als Grund für diesen Schritt gibt Lackner "drohende Nachforderungen des Finanzamts für vergangene Jahre" an. Diese hätten zur Überschuldung des Sandkorn-Theaters geführt, wodurch dieser Schritt unvermeidbar gewesen sei.

Drohende Überschuldung zwingt Theater zum Handeln

"Den Betrieb eines Privattheaters wirtschaftlich zu führen und dennoch anspruchsvolles Programm anzubieten, ist eine immer schwerer zu lösende Aufgabe. Schon in den vergangenen Jahren war es nur mit Hilfe vieler Freunde des Theaters, und unter Einsatz privater Mittel der Verantwortlichen möglich, den Betrieb des Theaters zu garantieren", heißt es in der Stellungnahme weiter. 

Der Schritt in die Insolvenz solle auch dazu dienen, den Theaterbetrieb soweit als möglich fortzuführen, so Lackner weiter. "Die Geschäftsführung ist deshalb glücklich darüber, dass sich im Umfeld langjähriger Freunde des Sandkorn-Theaters namhafte Persönlichkeiten gefunden haben, die bereit sind, Verantwortung für den Fortbestand des Theaterbetriebs zu übernehmen." Das Ziel der Verantwortlichen ist es nun, die Auswirkung für die Schauspieler so gering wie möglich zu halten.

Unterstützer sagen Hilfe für Sandkorn-Theater zu

In einer eigenen Pressemeldung sichert Ullrich Eidenmüller, Bürgermeister a.D. und Gründungsvorsitzender des Sandkorn-Fördervereins, Unterstützung zu. "Für uns war es als langjährige Begleiter des Sandkorn-Theaters keine Frage, alles dafür zu tun, den Theaterbetrieb aufrecht zu erhalten", teilen die Förderer mit. 

Das Hauptaugenmerk müsse jetzt der Errichtung einer neuen Trägergesellschaft gelten, die mit ausgewiesener kultureller und wirtschaftlicher Kompetenz das Vertrauen der am Insolvenzverfahren Beteiligten genieße. Mit Günther Knappe und Erik Rastetter habe man bereits zwei Persönlichkeiten aus dem Karlsruher Kulturleben für dieses Anliegen gewinnen könnnen.

"Sie stehen bereit, in einer Auffanggesellschaft in dieser schwierigen Lage Verantwortung zu übernehmen", teilt der Förderverein mit. Für den Verein steht fest: "Der Theaterbetrieb muss weiter gehen, das Sandkorn-Theater weiter Teil des Kulturlebens unserer Stadt sein."

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Kommentare (20)
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  •   CustomerCare
    (2 Beiträge)

    01.09.2017 13:33 Uhr
    Die Steuernachforderungen
    resultieren wohl aus einer Betriebsprüfung. Viele bargeldintensive Unternehmen haben ein Probleme mit der Kassenbuchführung. Und das vermute ich auch hier. Das geht oft viele Jahr gut, bis dann das Finanzamt einmal genauer hinsieht und dann gnadenlos rückwirkend Einnahmen hinzuschätzt. Die Steuernachzahlungen führen dann meist in den Ruin. Ein guter Steuerberater hätte von Anfang an für eine ordnungsgemäße Kassenbuchfährung gesorgt.
    Schade. Ich hoffe inständig, dass sich jemand findet, der die Insolvenz verhindert.
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  •   betablocker
    (959 Beiträge)

    01.09.2017 08:53 Uhr
    Natürlich
    kann ein Theater niemals von verkauften Eintrittskarten finanziert werden. Aber wenn man nach Jahren(!) Steuernachzahlungen in existenzbedrohender Höhe bekommt hat man entweder,

    a. eine völlige Niete als Steuerberater
    b. versucht Steuern zu hinterziehen oder
    c. angesichts der Bedrohung die Augen zugemacht, nach dem Motto 'Wenn ich dich nicht sehe siehst du mich auch nicht'.

    Da es sich um ein Theater handelt, wo die Verwaltung zu Gunsten der Kunst eventuell weit hinten anstehen muss und dort auch nicht grade betriebswirtschaftliche Koniferen sitzen tippe ich auf c.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    01.09.2017 10:08 Uhr
    nun ja....
    ...ich hab auch schon mit meinem Steuerberater "Modelle" angeleiert, die dann in Durlach keine Gnade gefunden haben. Das ist nicht so einfach schwarz oder weiß. Da sind Bescheide vorbehaltlich, vorläufig und je nach Gerichtsurteilen werden Defintionen auf einmal anders interpretiert. Leider.

    Ich würde aber auch mal wissen wollen, um welche Summen es da geht. Wenn das Sandkorn-Theater jetzt nach 60 Jahren Spielzeit z.B. ein Loch von z.B. 2 Millionen aufweisen würde - DIE Bilanz würden andere Institutionen als sensationellen Erfolg feiern.

    Die These, daß kein Theater oder Kulturbetrieb von Eintritt leben kann, halte ich allerdings für unrichtig. Es geht da wohl eher um die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben.
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  •   betablocker
    (959 Beiträge)

    01.09.2017 11:09 Uhr
    Ich weiss
    nicht was du machst, aber meine Tätigkeit (und mein Vermögen) lässt keine 'Modelle' zu und mein Steuerberater würde sich niemals auf halbgare Sachen einlassen. Meine Steuererklärung wird seit 20 Jahren vom Finanzamt anstandslos akzeptiert, inklusive kurzfristiger Anpassung der Vorauszahlungen an die Geschäftssituation.

    Don't f*ck the Finanzamt, denn die f*cken zurück. Und dann ist der Spass rum. Ich kenn ein paar aus dem Laden, inklusive ein paar sehr unschöner Geschichten für den (Nicht)zahler.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    01.09.2017 11:18 Uhr
    ...ich schrieb ja nichts von halbgar.....
    ...und meine Steuer zahl ich schön und brav. Und mein Steuerberater ist nicht der von Uli Hoeneß.

    Trotzdem sieht der Steuerbescheid manchmal anders aus, als erwartet. Nicht sehr, aber doch. Deshalb steht auch der Satz drunter "wenn das Finanzamt nicht von dieser Sichtweise abrückt, beträgt die Steuervorauszahlung soundsoviel.-oder so ähnlich.

    Und wenn Du irgendeinen Widerspruch einlegst - hab ich beim Auto mal - dann wird dem stattgegeben. Oder nicht. Wenn das deutsche Steuerrecht eindeutig wäre und sich nicht nach aktueller Gesetzeslage ändern würde, bräuchte es keine Steuerberater. Und wenn vorläufig entschieden wird und das entsprechend anhängige Urteil geht anders aus, ist es eben anders.
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  •   silberahorn
    (9374 Beiträge)

    01.09.2017 13:15 Uhr
    Irrtümer
    kann es durchaus geben und Überschneidungen sind überall möglich, auch beim Finanzamt.
    Bei mir hatte mal ein Arbeitgeber keine Steuern abgezogen, weil dort jemand im Büro dachte, dass Studenten steuerfrei sind. Das sind sie aber nicht, sondern zahlen genauso Steuern, wie alle anderen Menschen auch, wenn sie über dem Freibetrag liegen. Für mich war das damals viel Geld, das ich plötzlich nachzuzahlen hatte. Aber es gab niemals Beträge, die ich beim Fiananzamt nicht angegeben habe.

    Was mich derzeit betrifft habe ich vorsichtshalber in Kopie den betreffenden Gesetzestext in meinen Unterlagen beigelegt, falls ich versterbe. Grund dafür ist, dass dies wieder etwas ist, das sehr selten vorkommt und man nicht erwarten kann, dass bei eventuellen ungerechtfertigten Rückforderungen ein Erbe das erkennnt und weiß. Da kann es theoretisch auch einige Überraschungen geben, falls jemand jahrelang seine Rente nicht richtig versteuert hatte.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    01.09.2017 08:52 Uhr
    Derweil....
    ...man hunderte Millionen in ein völlig überaltertes Staatstheaterkonzept steckt und jede Eintrittskarte mit 100(?) Euro gesponsort wird. Und die Stadt dem KSC das Stadion vorschießt.

    An was das liegt - mir egal. Muss man eben abschaffen oder ändern.
    Daß das nicht richtig ist - mir nicht egal.
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  •   maehdrescher
    (635 Beiträge)

    01.09.2017 09:33 Uhr
    Bevorzugung Staatstheater?
    Da kann sich ja mal die LINKE drum kümmern. Die sind doch sonst auch immer die ersten, die zu allem was wissen. Oder gibt es da Interessenskonflikte...?
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    01.09.2017 16:11 Uhr
    Also DEN Zusammenhang...
    ...kapier ich jetzt gerade nicht....
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  •   lynx1984
    (2745 Beiträge)

    01.09.2017 11:18 Uhr
    exakt
    die Linke kann sich doch da genau mal für einsetzen. Insbesondere der "Spitzenkandidat" aus dem Stadtkreis Karlsruhe!
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