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Bruchsal Die Saison ist rum: Erdbeer-Ernte endet früher als üblich

Sie sind klein, rot und süß - und einer der leckersten Boten des Sommers: Erdbeeren. Doch die frühen sommerlichen Temperaturen im Mai haben die Früchte schneller reifen lassen. Das führte zu mehr Ertrag, gesunkenen Preisen und einem verfrühten Saisonende.

Hochsommerliche Temperaturen in Deutschland schon im Mai und keine Kältephase haben die Erdbeeren auf den Feldern schneller reifen lassen. Die Folge: Die Früchte, die normalerweise erst zwei Wochen später reif zur Ernte sind, mussten bereits vorher zusammen mit Erdbeeren aus dem "Gewächshaus" geerntet werden.

"Das führte zu hohen Erntemengen in kurzer Zeit - und das bei Erntehelfermangel", so Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands Südwestdeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) in Bruchsal. "Viele Betriebe konnten die schnelle Abfolge der anfallenden Erntewellen nicht bewältigen und waren gezwungen, Flächen aus der Ernte zu nehmen. Bei dem Überangebot fielen die Preise sehr schnell und können sich nun erst mit sinkenden Erntemengen langsam etwas erholen!"

Erdbeeren Ernte
Erdbeeren auf dem Feld (Symbolbild). | Bild: VSSE @ christoph goeckel

Daher haben in Süd- und Mitteldeutschland schon viele Betriebe die Ernte eingestellt. "Spätsorten wie Malwina oder Terminkulturen sind noch in der Ernte. In Norddeutschland ist noch Hauptsaison, die aber ebenfalls früher, bereits Mitte Juli abklingen wird. Es gilt, nun noch zu Erdbeeren zu greifen, wenn man nicht bis zur nächsten Saison warten will", erklärt Schumacher in einer Pressemitteilung. 

Der unberechenbare Faktor Wetter

Neben der Hitze war für die Anbaubetriebe im Süden mehrfacher Starkregen und im Norden extreme Trockenheit eine Herausforderung. Deutschlandweit wird die Erdbeersaison in diesem Jahr zwei Wochen kürzer ausfallen. Insgesamt werden voraussichtlich bis Mitte Juli laut VSSE ausreichend Erdbeeren aus Deutschland im Handel sein.

Unter dem wechselhaften und extremem Wetter hat die Qualität der Früchte jedoch nicht gelitten. Nur zu große Hitze setzte den kleinen Feldfrüchten zu: "Zum Schluss war die Qualität der Erdbeeren nicht mehr so gut, da die Erdbeerpflanzen unter Hitzestress litten. Insgesamt fällt die Erntemenge 2018 höher aus als im Vorjahr", heißt es in der Bilanzmeldung des VSSE weiter. 

Erdbeeren Ernte
Erdbeeren nach der Ernte (Symbolbild). | Bild: VSSE @ christoph goeckel

Fehlende Saisonkräfte verschärfen Problem

Tendenziell bestand bei vielen Betrieben Personalnot. "Das wird sich auch in Zukunft verschärfen", erklärt Schumacher, "denn in Polen und Rumänien läuft es wirtschaftlich besser, und zusätzlich konkurrieren die Erdbeeranbauer mit Arbeitsangeboten anderer Branchen, die körperlich weniger anstrengend sind und teilweise auch eine berufliche Perspektive bieten. Deswegen ist es wichtig, dass man den Zugang zu Arbeitskräften aus dem Westbalkan verbessert und aus der Ukraine ermöglicht."

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Kommentare (6)
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  •   karlsruher1955
    (976 Beiträge)

    02.07.2018 07:59 Uhr
    Arbeitskräfte fehlen
    Haben wir nicht genug Hartz 4 Empfänger in Deutschland?
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  •   bier2
    (721 Beiträge)

    02.07.2018 15:28 Uhr
    einem Hartzler muss man Mindestlohn zahlen
    das ist zu teuer, früher haben die Rumänen/Polen für 3.- geschafft, die haben es aber auch nicht mehr nötig sich sowas anzutun
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  •   diwd
    (888 Beiträge)

    02.07.2018 18:42 Uhr
    Mindestlohn 8,84€/Std. = ca. 354€ bei einer 40 Std. Woche.
    Warum kann das nicht mit von Hartz4 lebenden, bildungsfernen Sozialhilfeempfängern verrechnet werden? Bildungsfern, nicht auf dem Arbeitsmarkt verwertbar. Jetzt bitte keinen Herzkasper bekommen, denn dieses verwertbar ist angelehnt an Claudias Roth Aussage in irgend so einer Klatschtalkshow: Es sind nicht alle Flüchtlinge verwertbar. Bildungsfern, nichts zum sozialen System beitragend, heißt doch nicht ein Recht zu haben sich auf alle Ewigkeit vom steuerzahlenden, malochenden Arbeitenden versorgen zu lassen.
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  •   andip
    (8848 Beiträge)

    03.07.2018 09:00 Uhr
    Aha
    Und wer entscheidet, wer so ein nicht "verwertbarer" H4er ist, denn man dazu nutzen kann und wer nur auf Grund unglücklicher Umstände H4 bezieht und der aber selber so nicht leben möchte?
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  •   Hüttenkäse
    (287 Beiträge)

    02.07.2018 12:42 Uhr
    Warum sollte ich mich als H4ler 8 Wochen lang für einen Hungerlohn schinden...
    ... nur damit prekäre Nicht-H4ler oder satte Mittelschichtler die "Bückware Erdbeere" billigst hinter geschmissen bekommen? Nach 8 Wochen "in den Erdbeeren" oder "im Spargel" hat man keinen Anspruch auf ALG 1, stattdessen bekommt man die wenige Knete aus +40-Std.-Wochen noch voll angerechnet.
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  •   Makamabesi
    (2980 Beiträge)

    02.07.2018 11:13 Uhr
    Es
    fehlen nicht die Kräfte, sonder die Bezahlung stimmt nicht.
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