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Karlsruhe Arbeitsmarkt in Karlsruhe: So setzt sich die Statistik zusammen

Die Zahl der Arbeitslosen sank in der vergangenen Zeit kontinuierlich. Aber sind in den veröffentlichten Zahlen wirklich alle Menschen berücksichtigt, die Arbeitslos sind? ka-news hat bei der Arbeitsagentur nachgefragt.

Monat für Monat verkündeten die Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg in der Vergangenheit immer neue positive Tiefstwerte bei den Arbeitslosenzahlen. Und das, obwohl die Zahlen saisonbedingt etwas variieren. So wie auch jetzt im Januar, wo die Arbeitslosenzahl zwar etwas angestiegen, im Vergleich zum Vorjahr aber immer noch gering ist.

Doch wie genau setzt sich die Arbeitslosenzahl in der Monatsstatistik zusammen? Wen erfasst die Arbeitsagentur in ihrer Statistik alles als Arbeitnehmer? Und ab wann gilt man als arbeitssuchend oder als Leiharbeiter? ka-news hat mit dem Regionalbezirk der Agentur für Arbeit, Karlsruhe-Rastatt über die Erfassung der Zahlen gesprochen.    

Menschen mit weniger als 15 Wochenstunden gelten als arbeitslos

Als Arbeitslos gelten laut §16 des Sozialgesetzbuch (SGB III) alle Personen die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden oder mehr umfasst. Hinzu kommen Personen, die eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen oder den Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben. Die Arbeitslosenquote stellt die Arbeitslosenzahl als Prozentsatz zur Zahl der Erwerbspersonen dar. Erwerbspersonen sind einmal die Erwerbstätigen (Beschäftigte, Selbständige) und dazu die Arbeitslosen.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte umfassen alle Arbeitnehmer, die kranken-, pflege- sowie rentenbeitragspflichtig nach dem Recht der Arbeitsförderung sind. Beziehungsweise für die Beitragsanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung oder nach dem Recht der Arbeitsförderung zu zahlen sind. Dazu gehören auch Auszubildende, Altersteilzeit-Beschäftigte, Praktikanten, Werkstudenten und Personen, die aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zur Ableistung von gesetzlichen Dienstpflichten (z. B. Wehrübung) einberufen werden. Beamte, Selbstständige sowie mithelfende Familienangehörige, Soldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende zählen nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Agentur für Arbeit
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Menschen in Schulungen werden in Erwerbstätigkeit-Statistik erfasst

In die Zahl der Erwerbstätigen werden auch Personen gezählt, die in arbeitsmarktpolitischen Schulungen oder Ausbildungen stecken, obwohl sie in diesem Zeitraum keine Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Die Agentur für Arbeit verweist auf §16, Absatz 2 des Sozialgesetzbuch (SGB III). Dort heißt es: "An Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik Teilnehmende gelten als nicht arbeitslos." Diese Personen sind also in der Arbeitslosenzahl nicht erfasst und erscheinen auch nicht in der Arbeitslosenquote.

Da sie im volkswirtschaftlichen Sinne aber als Teil des nicht genutzten Arbeitskräftepotenzials und im sozialpolitischen Sinne als nicht ins Arbeitsleben integriert anzusehen sind, werden sie von der Agentur für Arbeit in einer Unterbeschäftigungsstatistik dokumentiert.

Wie die Agentur für Arbeit erklärt, werden dabei die Bereiche "Arbeitslos im weiteren Sinne", "Personen nahe am Arbeitslosenstatus" und "Personen fern vom Arbeitslosenstatus" unterschieden. In ihrem monatlichen Arbeitsmarktbericht führt die Agentur für Arbeit im Registerblatt die einzelnen Tatbestände, die zu den verschiedenen Bereichen zählen, mit den aktuellen Werten für den Agenturbezirk Karlsruhe-Rastatt auf.

Leiharbeit vor allem in "wetterabhängigen" Branchen ein Thema 

Bei Leiharbeitern hänge die Erfassung in der Arbeitslosenstatistik davon ab, ob sie geringfügig beschäftigt oder sozialversicherungspflichtig sind, erklärt die Agentur für Arbeit. Sie werden dann in der jeweiligen Statistik aufgeführt. Als Kurzarbeiter gelten bei der Arbeitsagentur beschäftigte Arbeitnehmer bei denen wegen eines vorübergehenden Arbeitsausfalles mehr als zehn Prozent der betriebsüblichen Arbeitszeit ausfallen und die Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben.

Hiervon seien laut Agentur für Arbeit in der Regel Arbeitnehmer betroffen, die in wetterabhängigen Branchen beschäftigt sind. Dazu zählen Baugeschäfte, Dachdecker, Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus. 147 Kurzarbeiter waren im Juli 2017 im gesamten Agenturbezirk Karlsruhe-Rastatt tätig. Nach Angaben der Agentur für Arbeit der letzte statistisch auswertbare Monat. 

Agentur für Arbeit
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Knapp 15.000 Leiharbeiter im Gebiet Karlsruhe-Rastatt

Rund 1.140 Personen sind zurzeit Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zur Berufswahl oder Berufsausbildung, so die Agentur für Arbeit. Davon erhalten 300 Hilfe bei der Ausbildung in Form der  Ausbildungsbegleitenden Hilfe. Weitere 423 erhalten Unterstützung dabei, einen Schulabschluss zu erlangen um anschließend eine Ausbildung aufnehmen zu können, so die Agentur für Arbeit. 

Im Gebiet der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt sind aktuell etwa 14.900 Personen als Leiharbeitnehmer gemeldet, das entspricht zirka drei Prozent aller sozialversicherungs- und geringfügig Beschäftigten im Bezirk Karlsruhe-Rastatt, erklärt die Agentur für Arbeit. 

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Kommentare (1)
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  •   karlsruher1955
    (1086 Beiträge)

    02.02.2018 12:38 Uhr
    Statistik
    Ein kluger Kopf hat mal gesagt: Jede Statistik ist so gut wie der, der sie fälscht
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