21  

Karlsruhe 3D-Druck in der Fächerstadt: Zu Besuch in der Zukunft

Dann und wann sieht man sie: Modelle von Hochzeitspaaren auf der überdimensionierten Torte am "schönsten Tag des Lebens". Ein Hochzeitspaar eben, nicht das Hochzeitspaar selbst. Die Zukunft könnte schon bald anders aussehen: 3D-Druck sei Dank. Menschen, Tiere, Maschinen und Geräte - Es gibt nichts, was man mit dieser neuen Methode nicht digitalisieren kann. ka-news hat die zweite 3D-Druckerei Deutschlands im Herzen der Fächerstadt besucht.

Noch laufen die letzten Vorbereitungen, am Samstag steigt dann die große Eröffnung: Dann öffnet ein neuer Laden seine Pforten in eine weitere Epoche der digitalen Zukunft. Die 3D-Druckerei "Mr. Make" bringt ein neuartige Technologie mitten in die Fächerstadt. "Die meisten haben irgendwann schon mal vom dreidimensionalen Drucken gehört, die wenigsten wissen jedoch wirklich etwas darüber", sagt Mitgründer Daniel Zimmermann.

Aufnahme dauert nur eine Hundertstel Sekunde

Ein kreisrunder Apparat, bestehend aus insgesamt 64 Spiegelreflexkameras, scheint stellvertretend für die digitale Zukunft zu stehen: "In dieser Form ist ein solcher Komplex einzigartig", erklärt Zimmermann. Ohnehin sei von Beginn an klar gewesen, dass der 3D-Druck nur in seiner vollen Komplexität ins Badische gebracht werden soll. Das System wurde von einer Berliner Firma entwickelt, die den Karlsruher Kollegen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Doch: Was macht dieser Drucker eigentlich? Der 27-Jährige Informatiker erklärt: "Die Kameras nehmen in einer Hundertstel-Sekunde von allen Seiten Bilder auf, aus denen dann ein dreidimensionales Objekt entsteht." Die Modelle sehen täuschend echt aus und sind aus einer Art Keramik, die aber weitaus stabiler ist. Die Figuren gibt es in unterschiedlichen Größen, die Pose ist frei wählbar. "Die neue Technologie besticht vor allem durch eine sehr gute Tiefenschärfe", erläutert Zimmermann.

Vor allem in einem Punkt unterscheidet sich die neue Methode von den herkömmlichen Herangehensweisen, wenn es darum geht, dreidimensionale Modelle anzufertigen: "Dadurch, dass die Bilder innerhalb kürzester Zeit aufgenommen werden, kann man ohne Probleme lebende Objekte, wie Menschen oder Haustiere, aufnehmen. Das unterscheidet den 3D-Druck ganz wesentlich von den bisherigen System, bei denen per Handscanner jede einzelne Stelle des Objekts aufgenommen wird", führt er aus.

"Im Prinzip gibt es keine Grenzen"

Damit wird die Technologie auch für die 'breite Masse' interessant. Mitgründerin Kathrin Winter erklärt: "Jeder kann von sich, seinem Haustier oder etwas anderem ein detailgetreues Modell anfertigen lassen. Uns ist wichtig, dass hier jeder etwas finden kann." Deshalb bringt das Start-Up-Unternehmen weitere Neuheiten mit nach Karlsruhe: 3D-Drucker für zu Hause, die mit vergleichsweise wenig technischem Wissen bedient werden können. Diese drucken dann aus Kunststoff alle möglichen Modelle präzise aus. "Das macht diese neue Art der Nachbildung für alle interessant. So können zum Beispiel Ersatzteile, die es schon gar nicht mehr zu kaufen gibt, gedruckt werden", sagt Zimmermann.

Und was meinen die Experten zu Kunststoffwaffen, die schon gedruckt wurden? Die Fachleute relativieren: "Das kann man theoretisch schon machen, aber so etwas ist nicht leicht. Außerdem ist eine Waffe aus Kunststoff doch überhaupt nicht stabil." Viel interessanter sei die Methode für alle Bereiche des Modellbaus und der Architektur. Außerdem könnten Medizintechnik und Industrie von der Technik profitieren. "Es gibt im Prinzip keine Grenzen für den Anwendungsbereich, das kann auch die Produktion entscheidend verändern", sagt Zimmermann.

In der Zukunft, da sind sich die jungen Unternehmer einig, wird diese Technologie die Grenzen des Machbaren verschieben: "Das dreidimensionale Modell kann die Zukunft sein. Dann werden die Enkel eben als täuschend echtes Modell, statt auf dem Foto in Omas Regal stehen", sagen die Gründer. Und wer weiß: Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange, bis das Hochzeitspaar auf der Torte das tatsächliche Hochzeitspaar ist. Für Karlsruhe jedenfalls haben sich die Gründer bewusst entschieden: "Der 3D-Druck passt wunderbar in diese Region", finden sie.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (21)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (851 Beiträge)

    12.06.2014 15:18 Uhr
    So Teuer wirds nicht
    Die Kosten ergeben sich aus Druckstunde +Materialeinsatz.Größere Teile werden aus Bio-Kunststoff hergestellt,kleinere Teile -Formen oder fertige Modelle-aus PLA (Polymilchsäuren).Zur Verfügung stehen drei verschiedene Drucker.Das wars mal in Kurzform.Jetzt brauche ich noch den Erstarrungsschwund von Grauguß ,dann gehts nächste Woche vorbei.Wenn ich die Preise für solche 3 D Drucker betrachte kann ich bei denen viele viele Gußmodelle machen lassen.Drucker mit Scanner ca.€1100 incl. Software +Folgekosten.Da Lohnt sich für meine anwendungen die Anschaffung nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.