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Karlsruhe 19 Millionen-Projekt: Bei Karlsruhe steht die größte Batterie Deutschlands!

Die größte Batterie in Deutschland steht auf dem Gelände des Fraunhofer Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal-Berghausen. Sie ist gekoppelt an ein Windrad auf dem Hummelberg und soll die Speichertechnologie von erneuerbaren Energien revolutionieren.

Regenerative Energien wie Sonnen- oder Windenergie sollen zukünftig für mehr "grünen Strom" sorgen. Wo die erneuerbare Energie aber bislang noch an ihre Grenzen stößt, ist beim Thema "Speichertechnologie". Denn während vor allem die Sonne ihre meiste Energie tagsüber liefert, so nutzen die Menschen einen Teil des Stroms auch in der Nacht. Damit es nicht zu Versorgungsengpässen kommt, ist eine Speicherung somit notwendig. Dieses Problem soll nun im Landkreis Karlsruhe gelöst werden!

Um künftig große Strommengen regional, kostengünstig und umweltfreundlich speichern zu können, startete jüngst das 19 Millionen Euro teure Forschungsprojekt "Redox Wind" auf dem Gelände des Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal-Berghausen. "Redox Wind" ist ein öffentlich gefördertes Projekt, das zu gleichen Anteilen durch das Land Baden-Württemberg und das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird, so das Fraunhofer Institut.

Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT
Das Windrad hat eine Nabenhöhe von 100 Metern und einen 82 Meter Rotordurchmesser. | Bild: Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT

"Das hat bislang noch niemand versucht"

In den kommenden drei Jahren wird hier praxisnah getestet, ob die Idee einer dezentralen Energieversorgung funktionieren kann. Das Projekt soll zeigen, ob es möglich ist, Dörfer, Kleinstädte oder auch Unternehmen auch ohne Anschluss an große Energienetze sicher mit Strom zu versorgen, in dem sie eigenständig Energie produzieren und in eigenen Großbatterien speichern. Das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie wagt sich mit diesem Projekt auf neues Terrain, denn laut dem Institut "hat das bislang noch niemand versucht."

Die grundlegenden Elemente des Projekts sind die regenerative Stromquelle, die in diesem Fall eine drei Millionen Euro teure Spezialanfertigung eines Windrades darstellt, die an eine Redox-Batterie gekoppelt ist. Anders als bei herkömmlichen Alkaline-Batterien wird die Energie in dieser Art von Batterie nicht an den Elektroden eingelagert, sondern in einer blauen Flüssigkeit gespeichert, die als Vanadium Elektrolyt bezeichnet wird.

"Redox-Flow-Batterien sind insbesondere für stationäre Energiespeicherung interessant. Aufgrund der Speicherung der Energie in einem externen Tank kann die Batterieleistung unabhängig von der Kapazität skaliert werden", informiert das Fraunhofer Institut. 650.000 Liter Elektrolyte stehen dem Projekt aktuell bereit, um bis zu 20 Megawattstunden Windstrom zu speichern. Diese Redox-Batterie ist zudem so groß, dass sie ein eigenes Gebäude auf dem Fraunhofer Institutsgelände in Pfinztal darstellt – und damit die größte Batterie Deutschlands ist.

Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT
Das Modell der größten Batterie Deutschlands. | Bild: Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT

So funktioniert die Energiespeicherung

Zunächst dient das Windrad - wie gewöhnlich - als Energielieferant. Durch die direkte Kopplung mit der Batterie, dem Redox-Flow-Großspeicher, kommt die elektrische Energie dort im sogenannten Stack-Bereich an. Hier wird die elektrische Energie in chemische Energie umgewandelt und in Vanadium Elektrolyt-Flüssigkeit gespeichert, bevor sie zur Lagerung in den Tank-Bereich der Batterie fließt. Diese gespeicherte Energie kann nun durch die Stacks zu jeder beliebigen Zeit wieder in elektrischen Strom umgewandelt werden.

Fünf Jahre Entwicklungszeit stecken bislang in dem Projekt "Redox Wind", das vor wenigen Wochen gestartet ist. Im Jahr 2020, nach drei Jahren Forschungszeit, wollen die Wissenschaftler die Möglichkeiten zur Speicherung von erneuerbarer Energie verbessert haben.

1.000 Haushalte versorgen

Wie das Fraunhofer Institut mitteilt, kann die 20-Megawattstunden-Batterie 1.000 Vier-Personen-Haushalte für zehn Stunden mit Strom versorgen. Aktuell wird das gesamte 210.000 Quadratmeter große Fraunhofer-Institutsgelände in Berghausen mit dem gespeicherten Strom aus der Windrad-Großbatterie versorgt.

"Die durch die Anlage erzeugte Windenergie können wir, wegen der direkten Einkopplung in unser Institutsnetz, mit einem hohen Wirkungsgrad sehr gut selbst einsetzen. Zusätzlich versorgen wir derzeit über 500 Büroarbeitsplätze und etliche Labore. Unsere Grundlast bewegt sich deshalb im Bereich 400 bis 600 Kilowatt, an normalen Wochentagen erreichen wir tagsüber eine Spitzenlast von über einem Megawatt", erklärt Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Peter Elsner.

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  •   Berty87
    (592 Beiträge)

    27.10.2017 10:02 Uhr
    Richtig
    Und wenn Interessiert es wo wir wann weshalb für wie lange welcher Strom Produziert wird
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  •   Nachteule
    (664 Beiträge)

    27.10.2017 09:45 Uhr
    Die größte Batterie Deutschlands - für ein einziges Windrad?
    Spätestens da müsste es jedem normal denkenden Menschen dämmern, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. Und zwar eine ganz teure. Es gibt nichts ineffektiveres, als Strom in einer Batterie zu speichern, also Lagerhaltung zu betreiben. Seit Jahrzehnten hat sich in der Industrie herumgesprochen, dass es viel effektiver ist, das was ich brauche, genau dann zu produzieren, wenn ich es brauche. D.h. die überflüssige Lagerhaltung wurde abgeschafft. Nur beim Strom wollen uns die Ökoideologen weis machen, dass es da umgekehrt wäre. Es darf gelacht werden!
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  •   Monsignore007
    (177 Beiträge)

    27.10.2017 16:46 Uhr
    Strom wird erst wertvoll, wenn er da ist, wo und wann .....
    ...man ihn braucht.
    Strom der zwischen 0:00 und 5:00 Uhr (z.B.) produziert wird, wird schwer einen Abnehmer finden.
    Wenn die Windräder aber zwischen 10:00 und 12:00 Uhr stillstehen, nimmt man den Strom egal woher, egal zu welchem Preis.
    Windräder sind für den Stromhändler nur dann interessant, wenn sie einigermaßen planbar laufen.
    Bei der Qualität der Wettervorhersagen - die ja keinen Einfluß auf das tatsächliche Wetter haben - kann sich jeder vorstellen, wie nützlich Windräder für die Energiebereitstellung sind.
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  •   haku
    (4080 Beiträge)

    27.10.2017 12:46 Uhr
    Ökoideologen
    Das waren also Ökoideologen die den Stromerzeugern schon vor vielen Jahrzehnten Pumpspeicherkraftwerke aufgeschwatzt haben?
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  •   Dionysos
    (38 Beiträge)

    27.10.2017 10:06 Uhr
    Und wie läuft das dann ab wenn mal kein Wind da ist um Strom zu produzieren? Stromproduktion auch durch Kohlekraftwerke oder ähnliches können Sie nicht so sohne weiters Ein- und Ausschalten. Einmal an produziert es ob es abgenommen wird oder nicht
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    27.10.2017 12:34 Uhr
    Na eben umgekehrt
    Man schließe das Windrad an die Batterie an und erzeuge Wind...ähhh...oder so ähnlich.
    Kleiner Spaß zum WE !
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  •   magambo
    (53 Beiträge)

    27.10.2017 07:42 Uhr
    Aktualität der Information?
    Das Redox Wind Projekt ist wirklich sehr spannend und ich freue mich immer für die Forscher des ICT, wenn sich ihr Windrad in Berghausen mal wieder für ein paar Stunden dreht. Dennoch Frage ich mich, was an dieser Meldung neu ist? Planerisch läuft das Projekt seit 2009, seit Jahresbeginn steht das Drei-Millionen-Euro-Windrad gut sichtbar auf dem Hummelberg und ab und zu dreht es sich sogar. Das Batteriegebäude stand sogar schon vor dem Windrad.
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  •   maehdrescher
    (1198 Beiträge)

    27.10.2017 11:07 Uhr
    Ab und zu dreht es sich sogar...
    korrekt. Aber wirklich nur ab und zu.

    Das ist ja ohnehin der größte Witz bei diesen ganzen Windrädchen, mit denen man jetzt unsere Landschaft zukleistert. Die Stunden, an denen sich die Dinger mal drehen, sind eher selten. Aber die Stromkunden kostet dieses gute Ökogewissen Milliarden.
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  •   mcclaney
    (1459 Beiträge)

    27.10.2017 12:30 Uhr
    ...
    Die Stromtrassen, die sich über hunderte Kilometer übers Land ziehen, beklagen Sie nicht? Wo doch das og. Projekt dazu dienen soll, dem entgegenzuwirken, in dem Strom verbrauchernah produziert wird.
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  •   Monsignore007
    (177 Beiträge)

    27.10.2017 11:14 Uhr
    Wenn sich ein Windrad dreht....
    ...heißt das noch lange nicht, dass es mit voller Leistung produziert.
    Ein Hinweis darauf ist höchstens, wenn man sieht, dass sich die Rotorbläter nach hinten biegen.
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