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Karlsruhe VBK und AVG ordern 150 neue TramTrains, die ab 2028 fahren sollen: "Wir haben unser eigenes Standardmodell entwickelt, damit sind wir Vorreiter"

Fünf Verkehrsbetriebe ordern 240 Bahnen - so sollen Kosten gesenkt werden und bessere Konditionen ausgehandelt werden können. Die Zweisystem-Fahrzeuge, die TramTrains, die in Karlsruhe unterwegs sind und das "Karlsruher Modell" ausmachen, müssen Stück für Stück ersetzt werden. Aber nicht mit irgendeiner Bahn, sondern mit einem Fahrzeugtyp, der von VBK und AVG gestaltet wurde.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass das Projekt TramTrain von der Idee ein bisschen mehr zur Wirklichkeit wurde. Denn Bahnen für das Karlsruher Modell und andere Zweisystem-Modelle, etwa das der Saarbahn, stieg in der Vergangenheit kräftig an Kosten, weiß Ascan Egerer, Geschäftsführer der VBK und der AVG zu berichten. Es galt, laut Chef der Verkehrsbetriebe Karlsruhe und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, die Kosten zu senken, "nicht nur für uns, auch für andere Gesellschaften!"

Für AVG und VBK, dem Hauptabnehmer der 240 bestellten Fahrzeuge, eine gute Möglichkeit, wirtschaftlicher zu handeln. "Anderen helfen wir mit diesem Konzept, die Hürde überhaupt zu nehmen, daher war die Idee schon 2017 da, die Kooperation mit den anderen Verbünden zu starten", so Egerer im Gespräch mit ka-news am Rande der Vertragsunterzeichnung. 

Nach eigenen Bedürfnissen wird Fahrzeug konfiguriert

Das bahnbrechende an der gemeinsamen Bestellung für neue Fahrzeuge: Diese wurden von den Kooperationspartnern gemeinsam entwickelt. Konkret: Es gibt ein Standard-Fahrzeug, das dann von den Verkehrsbetrieben konfiguriert werden kann. "Das ist ähnlich wie beim Kauf eines Neuwagens", sagt Thorsten Erlenkötter von den VBK und Gesamt-Projektleiter des TramTrains.

TramTrain Vorstellung
Thorsten Erlenkötter, Gesamt-Projektleiter TramTrain. | Bild: Anya Barros

So haben etwa die VBK andere Einstiegshöhen als die AVG oder der Verkehrsverbund Mittelsachsen. Oder wenn die einzelnen Kooperationspartner andere Scheinwerfer oder eine andere Lackierung wünschen - lediglich die Hülle verändert sich, die Technik der Varianten bleibt gleich. 

TramTrain Vorstellung
Bild: Anya Barros

Denn: Ein Modell von der Stange gibt es laut Egerer nicht, daher musste eigens eines entwickelt werden. "Das ist der Knackpunkt, denn die Anforderungen sind so speziell - immerhin müssen wir zwei technische Systeme in einem Fahrzeug kombinieren", so Egerer weiter. Mit dem TramTrain gehe man nun ein "wenig in die Richtung, ein Standard-Modell zu haben", so könne dann auch die produzierte Stückzahl erhöht werden. "Damit sind wir ein Vorreiter!" 

1 Million Ersparnis durch Großbestellung: "Enorme Preisvorteile"

Durch dieses Standard-Modell, auf denen die Bahnen der teilnehmenden Verkehrsbetriebe basieren, sollen zudem die Kosten für die Bahnen gesenkt werden. "Wir können, im Vergleich zu den ET2010, die wir 2009 bestellt haben, etwa eine Million Euro pro Fahrzeug sparen. So zahlen wir nur etwa vier Millionen Euro pro Bahn", so Erlenkötter. Bei 150 bestellten Fahrzeugen investieren der VBK und die AVG etwa 600 Millionen Euro in die neuen TramTrains. "Das sind enorme Preisvorteile, wenn mehr Bahnen vom Band rollen", sagt Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe. "Das sichert die Zukunftsfähigkeit des Karlsruher Modells'!"

TramTrain Vorstellung
Bild: Anya Barros

Weiterer Vorteil der Großbestellung: "Kinderkrankheiten, die man sonst in Kleinserien immer hat, können vorher abgearbeitet werden", so Ascan Egerer gegenüber ka-news. Hintergrund: Es soll eine Pilotphase geben, in der vier der Fahrzeuge ausgiebig getestet werden. "Wenn dann die 'Massenproduktion' beginnt muss alles klar sein und die Bahnen sind sofort einsatzfähig!"

Eigenentwicklung soll schneller Zulassung bekommen

Laut VBK und AVG haben die neuen Modelle noch ein weiteres Plus: Durch die Standardisierung der technischen Teile wie Antrieb, Energieversorgung und Zugsicherung versprechen sich die Verkehrsbetriebe eine schnellere Zulassung. Das bringt daher auch Vorteile für den Passagier mit sich, denn die neuen TramTrains können so schneller ausgeliefert werden. 

TramTrain Vorstellung
Geschäftsführer der VBK, Ascan Egerer. | Bild: Anya Barros

Die ersten Zweisystem-Fahrzeuge aus eigener Entwicklung werden voraussichtlich erst ab 2028 durch die Fächerstadt rollen. "Dann haben die Wagen ihre 30-jährige Betriebsdauer erreicht und sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben", erklärt Egerer. Daher sei es wichtig, sich bereits jetzt um neue Bahnen zu kümmern. Damit werden die TramTrains die Zweisystem-Bahnen, die vom Umland in die Innenstadt fahren, ersetzen. 

Auftrag geht ab 2020 an Unternehmen

Nachdem nun in Karlsruhe der Kooperationsvertrag zwischen den VBK, der AVG, der Erms-Neckar-Bahn (ENAG), der Saarbahn und dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) unterzeichnet wurde, kann es an die weiteren Planungen gehen. "Es können auch noch weitere Unternehmen dazu kommen, da sind wir offen", so der Geschäftsführer der VBK und AVG gegenüber ka-news.

TramTrain Vorstellung
Bild: Anya Barros

"Wir werden das Konzept der TramTrains weiter verfeinern, dass wir die Ausschreibung starten können. Das soll bis zum Spätsommer der Fall sein!" Dann fehlen noch die Unternehmen, die müssen die Beauftragung einer solchen Bestellung genehmigen. Bei den beiden Karlsruher Verkehrsunternehmen ist das bereits passiert. Ein Jahr später soll dann die Vergabe erfolgen, also frühestens ab Sommer 2020.

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  •   udoh
    (1788 Beiträge)

    15.03.2019 14:56 Uhr
    Schon witzig, dass es immer wieder die KVV sind die...
    ... so ganz andere Anforderungen an die Strombüchsen haben als alle anderen - ach so rückständigen mit schnellen und preiswerten Angeboten aufwartenden - in aller Welt.
    Das ist als ob die Lufthansa ein Großraum-Langstreckenflieger entwickeln lässt der auf der Forchheimer Graspiste landen kann. Schließlich will bestimmt irgendwer mal mit dem Fahrrad zum Flugfeld nach Australien.

    Ludwigs Model, auf dem sich seit Jahrzehnten die einen ausruhen während es die anderen für Gedankenblitze missbrauchen, war interessant um stillgelegte Gleise in andere Stadtteile wieder zu nutzen. Eine für Strecke und Bahndämme optimierte Bahn sieht nun mal anders aus als eine die an jeder Ecke Massen ein-/austeigen lassen soll, die gerade mal 2km weiter wollen.

    Jetzt wird eine Lang-Kurzstrecken-Kiste entwickelt die nach Germersheim brettern und durch die Stadt schleichen soll.
    Klingt nach 110% Kompromiss der letztlich viele Nachteile vereinen wird - zum Stolz einiger Krawatten auf Kosten der Bürger
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  •   reinhardo48
    (21 Beiträge)

    15.03.2019 17:49 Uhr
    Kompliment ... ,
    Eine wirklich gute Beschreibung des KARLRUHER BAHN-DILEMMAS in einer zwar sehr eigenwilligen , fast derben ..., aber sehr treffenden Sprache !

    Man muss es wirklich mehrmals lesen und genießen !
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  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    14.03.2019 19:43 Uhr
    Ein Preis wird schon genannt....
    ...obwohl die Ausschreibung noch gar nicht erfolgt ist!
    Wie funktioniert das?
    Oder ist die Ausschreibung nur Formsache, der Lieferant schon längst ausgekungelt?
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  •   andip
    (9877 Beiträge)

    15.03.2019 08:50 Uhr
    Das ist der kalkulierte Preis
    also der, von dem man meint, das der ausreichend ist.
    Ob das zutrifft, ist eine andere Frage.
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  •   malerdoerfler
    (5843 Beiträge)

    15.03.2019 17:44 Uhr
    Das wäre doch eine Premiere
    meist sind da noch ein paar Euro draufzurechnen.
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  •   reinhardo48
    (21 Beiträge)

    14.03.2019 12:04 Uhr
    Sind "wir" wirklich Vorreiter ...?
    Im Nachbarland FRANKREICH gibt es seit Jahren hochinteressante STRASSENBAHNENTWICKLUNGEN !

    Auf der großartigen, reich bebilderten Webseite des ... Wieners Harald A. Jahn ... tramway.at- straßenbahnen ... kann man sich hervorragend darüber informieren !
    Ich zitiere aus dem Kapitel: DER CITADIS VON ALSTOM (Leiste links unter Straßenbahnland Frankreich)

    " Nach den "Tramway Français Standard" ..., und den "Tramway Français Standard 2"..., ist nun im dritten Anlauf tatsächlich so etwas wie ein Einheitswagen entstanden, der in einigen Abwandlungen in fast allen neuen Betrieben zum Einsatz kommt. Der Wagen ist modular aufgebaut und in verschiedenen Längen erhältlich, sogar die Breite ist von 2,30 m bis 2,65 m variabel. Der besondere Clou ist aber, dass die Kopfform den Designwünschen des jeweiligen Bestellers angepasst werden kann - so erhält jede Stadt "ihre eigene", individuelle Tram, mit der sich die Bevölkerung identifiziert."
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  •   ralf
    (3671 Beiträge)

    15.03.2019 02:38 Uhr
    Soweit ich sehe im 15kV-Netz schon
    Der Citadis Dualis ist soweit ich sehe das einzige Zweisystem-Fahrzeug von Alstorm. Es wurde bislang auf eine Netzspannung von 750V/1500V Gleichspannung (Straßenbahnnetz) und 25kV Wechselspannung (Eisenbahnnetz Nordfrankreich) ausgelegt. Für das deutsche Eisenbahnnetz (15kV Wechselspannung, Einhaltung hiesiger Normen) wurde scheinbar noch kein Fahrzeug gebaut. Somit kann man auch Keines "von der Stange" nehmen.

    Natürlich stellt sich die Frage, wie einfach oder schwer dieses Fahrzeug für den Einsatz in Deutschland angepasst werden könnte.
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  •   reinhardo48
    (21 Beiträge)

    15.03.2019 08:32 Uhr
    Danke
    DANKE für Deine/Ihre ergänzenden Zeilen, lieber "ralf" !
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  •   Nachteule
    (679 Beiträge)

    14.03.2019 07:31 Uhr
    Was in der bisherigen Berichterstattung vollkommen fehlt
    Welche Firma baut denn die Dinger eigentlich? Ist es Bombardier? Ist es Alstom? Ist es Stadler? Oder ist es ein neuer Pannenzug von Vossloh, der wieder in Spanien gebaut wird? Warum wurde bisher weder in den BNN noch auf KA-News berichtet, wer der Hersteller ist?
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  •   barrosa
    (60 Beiträge)

    14.03.2019 08:08 Uhr
    Das fehlt aus guten Grund...
    ... weil, wie im Text steht, das Projekt erst noch ausgeschrieben werden muss. Und dann wird man sehen, wer den Zuschlag erhält.
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