Karlsruhe Tüftler-Treffen in Karlsruhe oder: Würden Sie Insekten essen?

Wenn verschiedene Leute zusammensitzen und "positiv rumspinnen" - hat Karlsruhe am Ende eine neue Digital-Konferenz. "Zunächst war es nur die Idee mit dem Daimler-Truck, dann kamen immer mehr dazu und es wurde größer und größer", sagt Gastgeber Alexander Fauck in seiner Begrüßungsrede auf der Bühne. Und das ist gut so: Auf der "Zukunftstüftler" zeigte sich am Mittwoch auf dem Gelände der Technologiefabrik Karlsruhe die geballte Unternehmens- und Ideenpower der Region. Von Fertigungsrobotern über 3D-Straßenvermessung und agilen Coachingmethoden bis hin zu Insektenmehl als Nahrungsmittel der Zukunft.

820 angemeldete Besucher zählte man auf der Veranstaltung am Vormittag - eine durchaus solide Zahl für die erste Ausgabe einer regionalen Konferenz. Die Idee hinter den "Zukunftstüftlern": Etablierte Unternehmen mit jungen Gründern, Studenten und Startups zusammenbringen. 

Bild: Paul Needham

Das funktionierte erfolgreich: Nicht nur in der Warteschlange für Essen und Kaffee fanden die Akteure zusammen und tauschten sich über ihre Fachbereiche aus. So unterhielten sich Mitarbeiter einer Verpackungsfirma aus Rintheim mit den Entwickler eines digitalen Sprachassistenten über ihre Tätigkeiten - und auch wenn man am Ende auf Arbeitsebene nicht zusammenfand, der Kontakt war geknüpft.

Bild: Paul Needham

Durch die Aufteilung der einzelnen Programmpunkte bewegte sich das Publikum stetig zwischen der Bühne im Freien und den Vortragsräumen in der Technologiefabrik hin und her. Das Ergebnis: Keine überfüllten Räume, Gänge oder Bereiche. Die Atmosphäre: Familiär, entspannt und produktiv. 

Bild: Paul Needham

Die ausgewogene Größe der Veranstaltung zeigte sich vor allem im Bereich der Startup-Präsentation: An den einzelnen Tischen kam der Besucher schnell mit den jungen Firmengründern ins Gespräch - auch aufgrund der daraus resultierenden Lautstärke hätten es nicht mehr Interessenten sein dürfen. 

Bild: Paul Needham

Die Konferenz teilte sich neben der Programmbühnen zwei Präsentationsbereiche: Einer für Unternehmen der Region, die gezielt Fachkräfte ansprechen konnten sowie ein Areal für junge Startups und Firmen, die für ihre Ideen wiederum Kooperationspartner suchten. 

Automatisierung für "Jedermann"

Unter diesen fand man - bedingt durch den Bildungsstandort - viele technische Ideen: Ein Fertigungsroboter, der dank kombinierbarer Mechatronikmodule auch in kleinen Stückzahlen branchenunabhängig produzieren kann. Mit seinem Automatisierungsbaukasten auf Basis verschiedener Module will "robodev" die Automatisierung auch kleinen Betrieben zugänglich machen. 

Bild: Paul Needham

An einem weiteren Tisch wurde die Digitalisierung von Straßenräumen präsentiert: "Wir erstellen digitale Zwillinge von Echtweltstrecken", so Tom Dahlström von "atlatec". Seit fünf Jahren gibt es die Firma, gegründet wurde sie von ehemaligen Studenten das Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das alles mit einem mobilen Gerät - ausgestattet mit zwei Kameras, einem GPS und einem Bewegungssensor.

Bild: ka-news.de

Seit drei Jahren fokussieren sie sich auf den Bereich "Mapping" und können bereits Kunden wie Daimler oder Continental zu ihren Referenzen zählen. Hilfreich sind die Modelle für digitale Kartenanbieter, zu Forschungszwecken im Bereich autonomen Fahren oder der Entwicklung neuer Technik im Automobilbereich wie zum Beispiel bei Spurassistenten.

Nachhaltige Nahrungsressource: Warum nicht Insekten essen?

Die Karlsruher Gründerszene zeigte am Mittwoch, dass sie auch mehr als Technik kann: Insekten als nachhaltige Nahrungsquelle für Menschen war ebenfalls eine Idee, die bei den "Zukunftstüftlern" präsentiert wurde. Konkret werden aus 15 bis 20 Kilo lebender Mehlwürmer zirka fünf Kilogramm Mehl hergestellt. Derzeit machen das die vier Gründer von "Cepri" noch unter Laborbedingungen, doch sie wollen schon bald größer werden. 

Lucas Hartmann von "Cepri". | Bild: Paul Needham

Denn nicht nur Mehl, auch Chitin kann aus dem Panzer der Käfer gewonnen und reine Proteine aus dem Mehl hergestellt werden. Ersteres könnte in Oberflächenbeschichtungen zur Anwendung kommen, letzteres für Powerriegel und Getränke im Bereich der Sportlerernährung. 

Bild: Paul Needham

Es ist keine ganz neue Idee: In den Niederlanden gibt es bereits industrielle Fertigungsanlagen, in Deutschland sind die Nahrungsmittelherstellern noch kritisch - zu teuer, zu viele Richtlinien um hygienische Standards zu garantieren. Nur vereinzelt fanden Insektenburger ihren Weg in das Supermarktregal. Aber: "In fünf bis zehn Jahren könnte es eine echte Alternative sein", sagt Gründer Marcel Lieber im Gespräch mit ka-news.de. Sein Ziel: Keinen Hype, sondern eine dauerhafte Industrie etablieren.

Bild: Paul Needham

 

Wer sich nicht in Gespräche vertiefen wollte, konnte sich in Workshops und Vorträgen auf der "Tüftlerbühne", "Zukunftsbühne" oder dem "Tüftlerlab" weiterbilden. Passive Kontaktsuche bot das "schwarze Brett" - hier konnten in den Kategorien "ich biete" und "ich suche" jeweils eigene Wünsche formuliert und gepinnt werden.

Bild: Paul Needham

Ob "Zukunftstüftler" im nächsten Jahr in eine zweite Runde geht? Das sei nicht auszuschließen, sagt Gastgeber und Technologiefabrik-Geschäftsführer Alexander Fauck gegenüber ka-news.de. Nach der Premiere kommt zunächst das Resümee - bleibt also abzuwarten, ob auch 2020 an der Zukunft getüftelt wird. Wünschenswert wäre es.

ka-news-Hintergrund: Die Akteure

Startup Autobahn ist eine Innovationsplattform mit offenen Türen für Entrepreneure beziehungsweise Startups. Startup Autobahn unterstützt seine Teilnehmer und vermittelt sie an Kunden.

Technologiefabrik Karlsruhe ist ein erfolgreicher Tech-Inkubator bundesweit. Derzeit werden über 80 Startups im Innovations-Hub aktiv mit einem breiten Dienstleistungsspektrum unterstützt. Die Aufgaben der Technologiefabrik als Community-Builder ist es, die ansässigen Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten und miteinander zu vernetzen.

Neohelden ist ein Startup aus Karlsruhe, das vor einem Jahr gegründet wurde. Sie haben die Digitalkonferenz mitentwickelt und sitzen ebenfalls in der Technologiefabrik. Sie arbeiten ansonsten an "Neo", dem digitalen Assistenten für Business. Momentan besteht das Team aus elf Mitgliedern.

ka-news.de ist offizieller Medienpartner der Veranstalter und berichtet in diesem Rahmen über die Veranstaltung.

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