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Karlsruhe Schutz gegen K.o.-Tropfen boomt: Wie ein Armband aus Waldbronn weltweit Schlagzeilen macht - und warum das auch gefährlich ist

Ein Armband im Kampf gegen K.o.-Tropfen: Mit dieser Idee wurden Kim Eisenmann und Sven Häuser, Gründer des jungen Start-ups "Twinvay", über die Landesgrenze hinaus bekannt. Rund ein Jahr ist das Armband nun auf dem Markt und wurde bereits in einer hohen, sechsstelligen Anzahl verkauft. Doch das Landeskriminalamt sieht das kritisch. Der Grund: Die wenigen erfassten Straftaten gäben keinen Anlass für einen derartigen Hype.

Auf der Party nur einmal kurz nicht aufgepasst - und schon sind sie unbemerkt im Glas gelandet: Berichte über den Missbrauch sogenannter K.o.-Tropfen gibt es zuhauf. Mit einem Armband, das Betäubungsmittel in Getränken erkennen kann, will das Start-up "Twinvay" aus dem kleinen Städtchen Waldbronn, rund zehn Kilometer südlich von Karlsruhe, das Feiern wieder sicherer machen.

"Xantus-Drinkcheck" - von Waldbronn in die Welt

Das Prinzip des sogenannten "Xantus-Drinkcheck" ist simpel: Auf dem Armband befinden sich zwei kleine, runde Testfelder. Will man ein Getränk testen, tupft man ein wenig der Flüssigkeit darauf. Färben sie sich blau, sind K.o.-Tropfen im Spiel.

Etwas von dem Getränk auf das Testfeld träufeln - verfärbt es sich von Grün nach Blau, ist der Wirkstoff GHB enthalten. | Bild: Kim Eisenmann

Eine einfache Idee, die seit Verkaufsstart vor rund einem Jahr große mediale Wellen geschlagen hat. Einmal quer durch die Fernseh- und Zeitungslandschaft Deutschlands ging es seitdem für die Waldbronner Start-up-Gründer Kim Eisenmann und Sven Häuser. Auch ka-news.de hat im vergangenen Jahr über das Armband berichtet.

"Mittlerweile haben wir eine hohe sechsstellige Anzahl verkauft"

Selbst vor Ländergrenzen machte der Hype um das Armband keinen Halt: Sowohl der britische Rundfunksender BBC als auch die Tiroler Tageszeitung stellen es vor. Sogar ein türkisch-sprachiger Artikel ist zu finden. Laut den Gründern wurde das Armband "Xantus" bislang weltweit in über 2.000 Artikeln aufgegriffen. 

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"Mittlerweile haben wir eine hohe sechsstellige Anzahl verkauft", sagt Gründerin Kim Eisenmann im Gespräch mit ka-news.de. Neben Frauen greifen laut der Start-up-Gründerin auch viele Männer zum K.o.-Tropfen-Armband. Im Onlineshop erfolgen demnach rund ein Viertel der Käufe über männliche Namen.

Kim Eisenmann schätzt sie Gefahr durch K.O.-Tropfen als hoch ein. | Bild: Kim Eisenmann

"Die Zahlen sind verschwindend gering"

Doch die Meinungen über das große Medieninteresse gehen indes auseinander. Der Grund: Wie groß die Gefahr wirklich ist, die von K.o.-Tropfen ausgeht, ist schwer einzuschätzen. So sind der Polizei Karlsruhe nach eigenen Aussagen nur wenige Straftaten im Zusammenhang mit dem Wirkstoff GHB bekannt, auf den das Armband "Xantus" reagiert.

"Die Zahlen sind verschwindend gering und bewegen sich im einstelligen Bereich", so das Polizeipräsidium im vergangenen Jahr. Dem gegenüber steht die Schätzung von Kim Eisenmann: Sie schätzt die Dunkelziffer in Deutschland auf mehr als 800.000 Fällen in den letzten fünf bis sieben Jahren. 

Viele Fälle werden nicht erfasst

Das Problem: Viele der Fälle werden anscheinend nicht von der offiziellen Statistik erfasst. "Ich habe mittlerweile mit bestimmt mehreren hundert Menschen gesprochen, die mit K.o.-Tropfen Erfahrung gemacht haben, und kein einziger von ihnen ist zur Polizei", bestätigt Eisenmann. Meist würden Freunde oder Bekannte die betroffene Person nach Hause bringen, anstatt das nächste Revier aufzusuchen.

"Xantus" - das K.O-Tropfen Armband. Mit zwei Testfeldern können die Getränke überprüft werden. | Bild: Kim Eisenmann

Am nächsten Tag ist es für die Feststellung des Wirkstoffes GHB oft bereits zu spät. Er ist nur wenige Stunden im Blut und rund einen halben Tag im Urin nachweisbar. "Niemand denkt doch daran, mitten in der Nacht eine Urinprobe beiseite zu stellen", so Eisenmann weiter. 

Auch dem Landeskriminalamt (LKA) sind nur wenige Fälle bekannt. Im Jahr 2018 seien lediglich neun Straftaten im Zusammenhang mit dem Wirkstoff GHB erfasst worden.

"Kein Anlass für den medialen Hype"

"Zieht man die vorliegenden Fallzahlen der vergangenen Jahre heran, so besteht aus polizeilicher Sicht kein objektiver Anlass für den medialen Hype", so das LKA auf Nachfrage von ka-news.de. Die Menschen würden sich durch die hohe Zahl an Berichten zunehmend verunsichert fühlen. 

Ein weiterer Grund, aus dem die Beamten des LKA das Armband kritisch sehen: Neben dem Wirkstoff GHB werden auch andere Betäubungsmittel für K.o.-Tropfen benutzt - das Armband aber kann nur ersteren in Getränken feststellen. 

Armband bereits erfolgreich im Einsatz

Und: Auch andere Detektionsmittel würden nie alle Substanzen erfassen können. "Solche im Verkauf erhältlichen Produkte können zu einer gefährlichen Scheinsicherheit führen", so das LKA weiter. "Das Landeskriminalamt hat uns gebeten, das ganze Thema nicht so sehr aufzubauschen", meint auch Kim Eisenmann im Gespräch mit ka-news.de.

Kim Eisenmann hat nach einem Vorfall mit K.o.-Tropfen in ihrem Bekanntenkreis ein spezielles Armband entwickelt.
Kim Eisenmann, Gründerin des Startups "Twinvay", das ein Armband gegen K.O.-Tropfen entwickelt hat. | Bild: Xantus /dpa-tmn

Hinter ihrer Erfindung steht die junge Unternehmensgründerin aber weiterhin. Sie sieht das Armband als einen längst überfälligen Schritt, um junge Frauen zu schützen. Erst vor einigen Wochen habe "Xantus" im ersten, bestätigten Fall so ein Mädchen vor Schlimmerem bewahren können.

ka-news.de Hintergrund: Der Wirkstoff GHB

In K.o.-Tropfen können viele verschiedene Substanzen zum Einsatz kommen. Einer der angeblich meist verbreitetsten Betäubungsmittel ist GHB. Unter der chemischen Bezeichnung Gamma-Hydroxybuttersäure  können nur geringe Mengen der geschmack- und geruchslosen Substanz Schwindel und Benommenheit verursachen, so die Landesärztekammer Baden-Württemberg.

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  •   andip
    (11063 Beiträge)

    09.03.2020 15:46 Uhr
    Warum nörgelt die Polizei?
    Auch wenn bisher nicht viel herausgekommen ist und das Armband nicht alle Substanzen findet, besser man testet und findet nichts als umgekehrt
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