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Karlsruhe Ohne Bienen kein Leben: Diese Karlsruherin will die Insekten retten - mit Hilfe einer kleinen Box

Leer gefegte Supermarktregale: Kein Obst, keine Schokolade, kein Kaffee. Auf den ersten Blick scheint das ein schreckliches Horrorszenario zu sein. Doch so könnte in naher Zukunft der wöchentliche Einkauf aussehen - in einer Welt ohne Bienen. Die Karlsruherin Katharina Schmidt will die Insekten retten - mit Hilfe einer kleinen Box.

Bienensterben hat verheerende Auswirkungen - dagegen muss etwas getan werden: Darauf basiert die Idee der Karlsruherin Katharina Schmidt. Seit zwei Jahren ist sie Hobby-Imkerin und hat mittlerweile drei Bienenstöcke. Zusammen mit zwei Freunden hat Schmidt sich das Ziel gesetzt, Bienen zu helfen.

Katharina Schmidt mit ihren Bienen
Katharina Schmidt will mit Hilfe einer kleinen Box Bienen retten. | Bild: Anna Krüger

Sie haben das Start-up "apic.ai" gegründet und untersuchen das Verhalten von Honigbienen. Daraus wollen sie Rückschlüsse auf Wildbienen und andere bestäubende Insekten ziehen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine kleine Box, die an den Bienenstöcken befestigt wird. Darin enthalten sind eine Kamera und ein kleiner Computer.

Bienensystem von apic.ai
Die Box zählt die Bienen beim Betreten und Verlassen des Bienenstocks. | Bild: Anna Krüger

"Die Kamera filmt die Bienen beim Betreten und Verlassen der Box. Wenn der Computer erkannt hat, dass es eine Biene ist, wird sie gezählt", erklärt Schmidt.

"Die Bienen verlassen im Laufe des Tages die Box, um Nektar und Pollen zu sammeln und kommen wieder zurück. Wenn eine große Anzahl nicht zurückkommt, fragen wir uns, woran das liegt."

Bienen leiden an Hunger

Wenn Bienen nicht zurück kommen, kann das verschiedene Gründe haben: Eine große Rolle spielt dabei der Mensch. Mehr Flächenversiegelung, mehr Asphalt, Beton, Straßen, Häuser und Co. sorgen für weniger Blütenpflanzen und weniger Artenvielfalt bei Pflanzen. Weniger Blüten bedeuten weniger Nahrung für Bienen: Sie finden nicht genügend Nektar und Pollen und leiden an Hunger. "Unseren Bienen und anderen Insekten fehlen Lebensräume und Nahrung", so Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) | Bild: Archiv

Ein weiterer Grund ist die exportorientiert, heterogene Landwirtschaft, die immer häufiger Pestizide für mehr Ertrag einsetzt: "35.000 Tonnen reiner Pestizidwirkstoff wurden im Jahr 2015 in Deutschland in der Landwirtschaft, auf kommunalen Flächen und in Hobbygärten ausgebracht", sagt Weinrebe gegenüber ka-news. Diese Pestizide schwächen das Immunsystem der Insekten enorm und beeinflussen ihren Orientierungssinn. Sie werden anfälliger für Krankheiten, sterben schneller.

Ein Landwirt sprüht Pestizide.
Pestizide verursachen Orientierungslosigkeit bei Bienen. | Bild: pixabay.com@wuzefe

All diese Faktoren tragen dazu bei, dass stetig mehr Bienen sterben und die Populationen deutlich schrumpfen. Laut BUND sind von rund 550 Wildbienenarten fast die Hälfte vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Entspannter sieht es bei den Honigbienen aus - im Gegensatz zu ihren wilden Artgenossen, sind sie noch nicht direkt gefährdet: "Die Honigbiene wird die letzte sein, die ausstirbt", so Katharina Schmidt.

Denn als Nutztiere haben sie Menschen, die ihr Überleben sichern: "Die Imker kümmern sich darum." Doch die Honigbienen können nicht die Bestäubungsleistung der Wildbienen und Insekten auffangen: Die Auswirkungen werden dann auch die Menschen zu spüren bekommen.

Bienensterben
Von Tag zu Tag summen weniger von ihnen - vor allem Wildbienen sind stark bedroht. | Bild: pixabay.com@rostichep

"Bienen und andere Insekten sind die Grundlage unserer Ernährung", erklärt Hartmut Weinrebe gegenüber ka-news. "Zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf bestäubende Insekten angewiesen." Ohne Bienen werden die Supermärkte also einen Großteil ihres Angebotes einstellen müssen. Vor allem Obst, Gemüse, Kaffee und Schokolade würden wegfallen. Aber auch Kleidung aus Baumwolle oder Gummibärchen, die mit Bienenwachs bestrichen sind, gibt es ohne bestäubende Insekten nicht länger. 

Fastenzeit Gummibärchen
(Symbolbild) | Bild: pixabay.de/Hans

Darüber hinaus sorgen Wildbienen mit ihrer Bestäubung für die Existenz der Wildpflanzen. Von diesen sind wiederum andere Tiere abhängig. "Das Bienensterben hat auch negativen Einfluss auf Arten- und Individuenzahl von anderen Insekten, Vögeln und Säugetieren und somit auf das Funktionieren des gesamten Ökosystems", so Weinrebe.

Wie können die Bienen gerettet werden?

Eine Welt ohne Bienen - das möchten Katharina Schmidt und ihr Team verhindern. Mithilfe der Box und zugehöriger Messtechnik wollen sie die biologische Vielfalt erhalten und bestäubende Insekten schützen.

Katharina Schmidt mit Bienenstock
Katharina Schmidt erklärt, wie sie auch Wildbienen und anderen Insekten helfen will. | Bild: Anna Krüger

Das beobachtete Verhalten soll auf andere Insekten übertragen werden. "Honigbienen ernähren sich von vielen Pflanzen, aber bei Wildbienen gibt es sehr viele 'Spezialisten', das heißt sie ernähren sich nur von bestimmten Pflanzen", erklärt die Hobby-Imkerin. Sobald die Honigbienen nichts mehr zu fressen finden, sind die Wildbienen in noch größerer Not. 

Aus dem Verhalten der Honigbienen kann so geschlossen werden, ob bestäubende Insekten genügend Nahrung finden. Daraufhin kann man sagen, ob die Umgebung divers genug ist oder ob mehr angepflanzt werden muss. 

Lebensraum für Bienen
Bienen einen ansprechenden Lebensraum zu bieten, gehört aktuell zu einem der wichtigsten Themen der Gartenbranche. | Bild: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Die kleine Box ist noch nicht das Ende der Ideen des "apic.ai"-Teams: Sie wollen künftig noch herausfinden, welche Pflanzen gerade blühen und für das Überleben der Bienen besonders relevant sind. Das soll mithilfe einer Analyse der unterschiedlichen Pollenfarbe geschehen.

Weiterhin ist ein Pilotprojekt in 2019 geplant: Sie möchten das gesamte Stadtgebiet mit Bienenvölkern inklusive des apic.ai-Systems ausstatten. Nicht nur Imker, sondern auch Unternehmen können sich mit Bienenvölkern ausstatten lassen. Die einzelnen Messpunkte und Stationen sollen miteinander verknüpft werden.

"Die Bienen dienen als kleine Sensoren und die Vernetzung kann dann die Grünflächen und der Zusammensetzung in der Stadt erfassen", so Katharina Schmidt. "Es ist also eine Art 'Google Maps' für die Flora."

Doch auch als Bürger ohne Bienenstock kann man den Bienen beim Überleben helfen:  Möglichst regionale, ökologische Lebensmittel aus klein-strukturierter Landwirtschaft kaufen und als Gartenbesitzer besonders Bienen- und insektenfreundliche, einheimische Arten zu pflanzen. Außerdem sollte man auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, so Weinrebe.

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Kommentare (19)
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    (4089 Beiträge)

    19.09.2018 12:42 Uhr
    Ich bezweifle
    jetzt mal, dass Gummibärchen mit Bienenwachs 'bestrichen' werden. grinsen Das wär ne ganz schöne Arbeit.
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  •   Suedweschter
    (364 Beiträge)

    19.09.2018 12:36 Uhr
    Bienen als Sensoren zu verwenden, was für eine clevere Idee!
    Viele dieser Dinge sind zwar schon bekannt, aber über objektive und lokal vergleichbare Messergebnisse zu verfügen, wird erst die Beweise liefern, die ermöglichen konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten und das industrieübliche Abwiegeln zu entkräften ("Unsere Pestizide sind TOTAL harmlos!").
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    19.09.2018 09:33 Uhr
    Wenn der
    BUND sich nur aus Dingen heraus halten würde von denen er nicht versteht!
    Der Artikel ist schlicht Unfug!
    Der BUND treibt hier nur eine Sau durchs Dorf um Aufmerksamkeit zu erzielen.
    Der Artikel strotzt nur so von grünideologischen Narrativen und hat mit der Realität nix zu tun.
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    19.09.2018 13:14 Uhr
    Die Rechten
    Wenn man schon nicht über Flüchtlinge hetzen kann, dann doch wenigstens über Grüne oder alle, die nicht rechts sind.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    19.09.2018 14:56 Uhr
    Falls
    Sie andeuten wollen, dass das was oben steht rechts ist denken Sie erst mal nach was links ist!
    Die Braunen waren die Anhänger des Müslikults, Das Verhalten der Müslibürger ist sehr ähnlich dem der Braunen.
    Das was heute "Links" sein will ist übernommen von neoliberalen bürgerlichen Faschisten.
    Also bitte setzen Sie sich mal kritisch damit auseinander ob hier noch linke Politik gemacht wird, oder nur noch ein Mantel um einen Kapitalismus der eher raubtierhaft ist.
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    19.09.2018 15:59 Uhr
    Do oben
    Da oben geht es nur um Bienen und du machst ein Grünenbashing daraus. Dir sollte man vor allem nicht alles glauben, schon gar nicht, dass du Bienenzüchter warst oder bist. So wird Varroamilbe geschrieben, du Experte.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    19.09.2018 22:39 Uhr
    Weil
    die Grünen nur noch eine verkommene Ökorelgion sind und die Anhängsel wie BUND, Grünpiss usw. nix andres machen wie Ablassbriefe zu verkaufen. Die verschleiern das zwar sehr clever aber sie nützen nur die Menschen aus.
    Dabei machen sie nur Zuarbeit für Lobbyorganisationen. Beispiel Biosprit, bringt der Umwelt nichts, schädigt sie vielleicht sogar ist aber nur eine Subvention für die Landwirtschaft. Das gilt für viele solche Umweltschutzmaßnahmen.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    19.09.2018 14:49 Uhr
    Wenn man
    keine Ahnung hat heißt es Flossen weg von der Taste.
    Ich habe selbst Bienen gehabt und auch Ahnung davon. Dass Insektizide ein Problem sind, ist schon
    50Jahre bekannt, dazu brauchts keine Panikmacher vom BUND. Das große Problem "Sterben der Völker" ist nach wie vor die Varoa, das sind Milben eingeschleppt von Wissenschaftler.
    Das ganz läuft unter Panikmache u. a. Insektensterben.
    Eine Studie viele Jahre alt von einen Insektenschutzverein in Krefeld und ist von fragwürdiger Qualität.
    Aber hyperventilierenden Ökos sind voll darauf abgefahren.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/statistiker-walter-kraemer-insektensterben-nur-medienhysterie-15306938.html
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  •   andip
    (9495 Beiträge)

    19.09.2018 12:14 Uhr
    Ach was
    Das Bienensterben gibt es also nicht?
    Pflanzen brauchen keine Bienen zum Bestäuben?
    Wenn man seine Hass-auf -alle- Grünen- Ideologie mit Fachwissen verwechselt....
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  •   Anonymous
    (37 Beiträge)

    19.09.2018 08:11 Uhr
    ...
    ich suche auch Bienen damit die Menschheit nicht ausstirbt, aber daran denken diese "tollen" Helfer nicht.
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