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Karlsruhe Handyverbot im Freibad? Karlsruher Unternehmen startet Sticker-Aktion

Sommerzeit ist auch Badezeit. Zum Ärger einiger Bäderbetreiber tauchen immer wieder Bilder von Badegästen auf, die mit Smartphones geknipst wurden. In der Hausordnung der Karlsruher Bäder gibt es schon seit Jahren ein Handyverbot. Aber ginge es auch ohne? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede will das testen.

In Zeiten von wasserfesten Smartphones sorgt der Schutz der Badegäste vor unfreiwilligen Aufnahmen immer wieder für Diskussionen bei Bäderbetreibern. Auch in der Fächerstadt ist das Problem mit den unfreiwilligen Schnappschüssen in Bikini und Badehose ein Thema. Seit Jahren ist in der Hausordnung der Karlsruher Bäder etwa ein Handyverbot aufgeführt. Daher haben die Bademeister ein Auge auf Gäste, die mit einem Smartphone am Beckenrand sitzen. 

Trotz des Handyverbots wollen viele beim Freibadbesuch dennoch nicht auf ihren ständigen Begleiter verzichten. Aber wie lässt sich unterscheiden, ob die Person am Beckenrand Fotos der badenden Gäste schießt oder tatsächlich nur E-Mails liest? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede und Werbeagentur will jetzt eine Lösung anbieten- und zwar ganz ohne Handyverbot. 

Ein gelber Aufkleber gegen Spanner und Handyverbot

Ein generelles Verbot muss nicht sein, finden Kristian Schmid und seine Kollegen von "Mosaik". Sie haben die Aktion "Spannen? Nein Danke!" ins Leben gerufen. Die Lösung des Karlsruher Unternehmens: Aufkleber für die Handy-Linse gegen Voyeurismus in Schwimmbädern und Saunen. Die Aufkleber sollen mit ihrer leuchtgelben Farbe von weitem gut erkennbar sein. Auf diese Weise sollen die Smartphone-Besitzer anderen Badegästen zeigen, dass sie nicht heimlich fotografieren. 

Ganz neu ist diese Idee nicht: In einigen Bädern Deutschlands wurde diese Maßnahme bereits getestet, so beispielsweise in Bädern in Frankfurt. Schmid und seine Kollegen wollen diese mit ihrer Aktion nun auch in Karlsruhe verwirklichen.

"Wollen Gästen ihre Privatsphäre zurück geben" 

Die Idee dafür sei einer Mitarbeiterin gekommen, die bei einem Besuch der Therme in Bad-Wildbad eine unangenehme Erfahrung gemacht habe, berichtet Schmid gegenüber ka-news. "Im textilfreien Außenbereich der Sauna, vernahm sie mit Unbehagen einen Gast, der ihr mit hervorgehaltenem Tablet diagonal gegenüber saß", schildert er die Situation. Die Mitarbeiterin habe sich dann verunsichert gefragt, ob der Herr nur im Internet surfe oder sie gerade heimlich gefilmt werde. 

"Als dann dieses Jahr der Artikel auf ka-news über das Smartphone-Verbot in den Karlsruher Bädern erschien, haben wir die Sticker aus der Schublade gezogen und einen Plan gefasst, der folgendes zum Ziel hat: einerseits Gästen ihre Privatsphäre und Entspannung zurückzugeben, andererseits ein generelles Verbot zu verhindern", erklärt Schmid weiter. Damit man auch nach dem Freibad-Besuch noch etwas von den Stickern hat, sollen sie gleichzeitig als Display-Reiniger genutzt werden, so eine weitere Idee des Karlsruher Teams. 

Der Aufkleber der Aktion "Spannen? Nein Danke!"
Der Aufkleber der Aktion "Spannen? Nein Danke!" | Bild: Marc Bendt/Werbeagentur Mosaik Karlsruhe

Erste Gespräche mit Karlsruher Bädern 

Im Rahmen der Aktion "Spannen? Nein Danke!" sollen die Aufkleber am Eingang von teilnehmenden Badeanstalten oder auf der Homepage der Aktion erhältlich sein. Wer sein Handy in das Bad oder in die Sauna mitnehmen möchte, könne sich einen Sticker kaufen und diesen über der Kameralinse platzieren. 

Die Hälfte des Erlöses der Aktion soll dann an "Dunkelziffer e.V.", einer Hilfsorganisation für missbrauchte Kinder, gespendet werden. "Uns schwebt ein Verkaufspreis von 50 Cent in den Bädern vor", so Herr Schmid, "aber final sagen können wir das noch nicht, da das abhängig von den produzierten Stückzahlen ist." 

Gespräche mit Karlsruher Bädern habe man bereits geführt. "Die Bäder, welche durch die Neuigkeiten mit hohen Anfragen von Gästen konfrontiert waren, können damit ein unpopuläres Smartphone-Verbot umgehen. Die Aktion wiederum kommt Kindern, die Opfer sexueller Gewalt wurden, zu Gute. Der Badegast kann sein Smartphone mitnehmen und muss sich nicht bespannt fühlen. Eine klassische Win-Win-Win-Situation", so Schmid. Ob diese Kooperation tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Bäderchef Oliver Sternagel hatte sich im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert. 

Alle Neuigkeiten und welche Bäder in Zukunft an der Aktion teilnehmen werden, finden Sie auf der Homepage der Aktion (Link führt auf externe Seite). 

Aktualisierung, Donnerstag 11.35 Uhr: 

Nun melden sich auch die Karlsruher Bäder zu dem Thema zu Wort: Wie sie gegenüber ka-news mitteilen, wurde die Idee von den Initiatoren in einem ersten Schritt zwar vorgestellt, allerdings bestünden keine konkreten Umsetzungspläne. Die Haus- und Badeordnung der Karlsruher Frei- und Hallenbädern untersage das Mitbringen von Kameras und fotofähigen Mobilgeräten. So sollen Badegäste grundsätzlich geschützt werden, vor allen Dingen in sensiblen Bereichen wie den Umkleiden und der Sauna sowie auch im Beckenbereich.

"Ein Verlass auf eine freiwillige Selbstkontrolle ist nicht ausreichend", bestätigt Bäderchef Oliver Sternagel, der sich bereits im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert hatte. Grundsätzlich begrüße man es, dass sich ein Karlsruher Start-Up mit diesem sensiblen Thema befasse und man sei "gerne bereit Erfahrungswerte auszutauschen", so Sternagel weiter. Eine konkrete Umsetzung ist jedoch erst einmal nicht vorstellbar.

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  •   lynx1984
    (3448 Beiträge)

    02.08.2017 13:34 Uhr
    deswegen
    gilt ja eigentlich überall in textilfreien Bereichen ein sehr striktes Verbot für Mobilgeräte. Das erstreckt sich auch auf E-Bookreader. Aber manche Personen wollen von den Verboten noch nie was gehört haben und sind dann sogar uneinsichtig wenn diese unmittelbar vom Personal darauf angesprochen werden...

    Aber was ich noch weniger verstehe: in einen Saunabereich gehe ich doch eigentlich zur Entspannung. Smartphone und Medienkonsum stören ja aber gerade diese Entspannung. Da scheinen doch einige Personen sehr krank zu sein...
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  •   Rambazamba
    (350 Beiträge)

    02.08.2017 18:00 Uhr
    Nicht ganz
    Ich stehe nicht so auf Kindergeschrei. Darum waren wir am Sonntag den ganzen Tag im Rotherma - Ruhe, Liegen,... und ich hatte meinen E-Book-Reader auch dabei. Wenn ich den ganzen Tag nur faul rumliege, brauche ich was zum lesen. Die Dame vom Personal hat ihn sich angeschaut und als ok erachtet. Ist auch nur ein Reader. Die Handydaddler wurden ALLE angesprochen - sehr direkt. Handy wegpacken oder gehen. Fand ich in dem Moment schon sehr beruhigend, denn Nackigbilder will ich wirklich keine von mir online finden müssen.
    Also ich würde den blöden Bebber auch weglasen. Handy abgeben und gut. Wer erwischt wird bekommt Hausverbot und eine Anzeige. Würde da garnicht lange nach Kompromissen suchen, denn das Handy ist im Schwimmbad nicht notwendig.
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  •   Ein_Gravierend
    (111 Beiträge)

    02.08.2017 17:10 Uhr
    Klar
    Man fühlt sich bevormundet und fast schon kriminalisiert, wenn man keinerlei schlechte Absichten hegt, aber trotzdem angefeindet wird. Das ist das Dilemma.
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  •   peddersenn
    (1033 Beiträge)

    02.08.2017 12:04 Uhr
    Händiverbot ist ja nicht nur wegen "Spannern" sinnvoll.
    Sondern trägt zur entspannten Atmosphäre bei. Ich hab im Bad oder Baggersee keine Lust, mich von dem Soundtrack von Youtube-Furzvideos oder Nachbars Gesprächen zwangsberieseln zu lassen.

    Dazu habe ich genaugenommen nirgends Lust - weder im Supermarkt noch im Eiscafe.

    Wer in der Öffentlichkeit telefoniert oder in Gesellschaft am Tisch Mails abruft, verhält sich maximal unhöflich und stillos.
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 14:31 Uhr
    Stillos
    Schau nur was in Baden-Baden abging. Einen Menschen der verzweifelt ist und die Absicht hat, sich umzubringen noch anfeuern, damit man einen coolen shot bekommt und dann als FB-Held des Tages gilt.
    Absolut nur krank und pervers.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    02.08.2017 16:32 Uhr
    Menschlich,
    wie das Gaffen bei einem Unfall. Das lesen wir seit Jahrzehnten, dass in solchen Situationen wenn ein Selbstmörder auf dem Dach steht zum Springen aufgefordert wird. Schlimm ist natürlich gegen früher, dass das heutzutage mitgefilmt wird und dann eventuell tatsächlich irgendwo auftaucht.
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 16:48 Uhr
    Menschlich?
    Mal ehrlich, würdest Du noch anfeuern und filmen oder würdest Du versuchen zu helfen, damit der Mann nicht springt? Oder die Gaffer und Behinderer beim Unfall. Das kann nicht sein dass Gaffen und Fotos wichtiger aind als Hilfe zu leisten. Normalerweise bin ich da nicht so schnell, aber hier gehören Gesetze her. Und zwar drastische. Die Welt ändert sich und unsere Gesetze müssen angepasst werden.
    Ich glaube nicht, dass wir beide unser Handy zücken würden, sonden wir würden helfen wollen. Weil uns das unsere Eltern vorgelebt haben und wir entsprechend erzogen wurden.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    02.08.2017 22:46 Uhr
    Ich wollte
    mit diesem 'menschlich' sagen, dass dieses Gaffertum und das Ergötzen am Leid anderer eine Eigenschaft des Menschen ist. Jeder hat sie, beim einen kommt sie raus, beim anderen nicht. Hängt mit Sicherheit von sehr vielen Faktoren ab.
    Also bitte nicht falsch verstehen, falls das irgendwie mißverständlich gewesen sein sollte.
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    03.08.2017 06:57 Uhr
    Alles gut
    😀
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  •   nagila
    (83 Beiträge)

    02.08.2017 11:39 Uhr
    Besser zwei Aufkleber
    Einer mit dem Aufdruck "Spanner",
    der andere Aufkleber mit dem Aufdruck "Opfer".
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