Browserpush
51  

Karlsruhe Handyverbot im Freibad? Karlsruher Unternehmen startet Sticker-Aktion

Sommerzeit ist auch Badezeit. Zum Ärger einiger Bäderbetreiber tauchen immer wieder Bilder von Badegästen auf, die mit Smartphones geknipst wurden. In der Hausordnung der Karlsruher Bäder gibt es schon seit Jahren ein Handyverbot. Aber ginge es auch ohne? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede will das testen.

In Zeiten von wasserfesten Smartphones sorgt der Schutz der Badegäste vor unfreiwilligen Aufnahmen immer wieder für Diskussionen bei Bäderbetreibern. Auch in der Fächerstadt ist das Problem mit den unfreiwilligen Schnappschüssen in Bikini und Badehose ein Thema. Seit Jahren ist in der Hausordnung der Karlsruher Bäder etwa ein Handyverbot aufgeführt. Daher haben die Bademeister ein Auge auf Gäste, die mit einem Smartphone am Beckenrand sitzen. 

Trotz des Handyverbots wollen viele beim Freibadbesuch dennoch nicht auf ihren ständigen Begleiter verzichten. Aber wie lässt sich unterscheiden, ob die Person am Beckenrand Fotos der badenden Gäste schießt oder tatsächlich nur E-Mails liest? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede und Werbeagentur will jetzt eine Lösung anbieten- und zwar ganz ohne Handyverbot. 

Ein gelber Aufkleber gegen Spanner und Handyverbot

Ein generelles Verbot muss nicht sein, finden Kristian Schmid und seine Kollegen von "Mosaik". Sie haben die Aktion "Spannen? Nein Danke!" ins Leben gerufen. Die Lösung des Karlsruher Unternehmens: Aufkleber für die Handy-Linse gegen Voyeurismus in Schwimmbädern und Saunen. Die Aufkleber sollen mit ihrer leuchtgelben Farbe von weitem gut erkennbar sein. Auf diese Weise sollen die Smartphone-Besitzer anderen Badegästen zeigen, dass sie nicht heimlich fotografieren. 

Ganz neu ist diese Idee nicht: In einigen Bädern Deutschlands wurde diese Maßnahme bereits getestet, so beispielsweise in Bädern in Frankfurt. Schmid und seine Kollegen wollen diese mit ihrer Aktion nun auch in Karlsruhe verwirklichen.

"Wollen Gästen ihre Privatsphäre zurück geben" 

Die Idee dafür sei einer Mitarbeiterin gekommen, die bei einem Besuch der Therme in Bad-Wildbad eine unangenehme Erfahrung gemacht habe, berichtet Schmid gegenüber ka-news. "Im textilfreien Außenbereich der Sauna, vernahm sie mit Unbehagen einen Gast, der ihr mit hervorgehaltenem Tablet diagonal gegenüber saß", schildert er die Situation. Die Mitarbeiterin habe sich dann verunsichert gefragt, ob der Herr nur im Internet surfe oder sie gerade heimlich gefilmt werde. 

"Als dann dieses Jahr der Artikel auf ka-news über das Smartphone-Verbot in den Karlsruher Bädern erschien, haben wir die Sticker aus der Schublade gezogen und einen Plan gefasst, der folgendes zum Ziel hat: einerseits Gästen ihre Privatsphäre und Entspannung zurückzugeben, andererseits ein generelles Verbot zu verhindern", erklärt Schmid weiter. Damit man auch nach dem Freibad-Besuch noch etwas von den Stickern hat, sollen sie gleichzeitig als Display-Reiniger genutzt werden, so eine weitere Idee des Karlsruher Teams. 

Der Aufkleber der Aktion "Spannen? Nein Danke!"
Der Aufkleber der Aktion "Spannen? Nein Danke!" | Bild: Marc Bendt/Werbeagentur Mosaik Karlsruhe

Erste Gespräche mit Karlsruher Bädern 

Im Rahmen der Aktion "Spannen? Nein Danke!" sollen die Aufkleber am Eingang von teilnehmenden Badeanstalten oder auf der Homepage der Aktion erhältlich sein. Wer sein Handy in das Bad oder in die Sauna mitnehmen möchte, könne sich einen Sticker kaufen und diesen über der Kameralinse platzieren. 

Die Hälfte des Erlöses der Aktion soll dann an "Dunkelziffer e.V.", einer Hilfsorganisation für missbrauchte Kinder, gespendet werden. "Uns schwebt ein Verkaufspreis von 50 Cent in den Bädern vor", so Herr Schmid, "aber final sagen können wir das noch nicht, da das abhängig von den produzierten Stückzahlen ist." 

Gespräche mit Karlsruher Bädern habe man bereits geführt. "Die Bäder, welche durch die Neuigkeiten mit hohen Anfragen von Gästen konfrontiert waren, können damit ein unpopuläres Smartphone-Verbot umgehen. Die Aktion wiederum kommt Kindern, die Opfer sexueller Gewalt wurden, zu Gute. Der Badegast kann sein Smartphone mitnehmen und muss sich nicht bespannt fühlen. Eine klassische Win-Win-Win-Situation", so Schmid. Ob diese Kooperation tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Bäderchef Oliver Sternagel hatte sich im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert. 

Alle Neuigkeiten und welche Bäder in Zukunft an der Aktion teilnehmen werden, finden Sie auf der Homepage der Aktion (Link führt auf externe Seite). 

Aktualisierung, Donnerstag 11.35 Uhr: 

Nun melden sich auch die Karlsruher Bäder zu dem Thema zu Wort: Wie sie gegenüber ka-news mitteilen, wurde die Idee von den Initiatoren in einem ersten Schritt zwar vorgestellt, allerdings bestünden keine konkreten Umsetzungspläne. Die Haus- und Badeordnung der Karlsruher Frei- und Hallenbädern untersage das Mitbringen von Kameras und fotofähigen Mobilgeräten. So sollen Badegäste grundsätzlich geschützt werden, vor allen Dingen in sensiblen Bereichen wie den Umkleiden und der Sauna sowie auch im Beckenbereich.

"Ein Verlass auf eine freiwillige Selbstkontrolle ist nicht ausreichend", bestätigt Bäderchef Oliver Sternagel, der sich bereits im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert hatte. Grundsätzlich begrüße man es, dass sich ein Karlsruher Start-Up mit diesem sensiblen Thema befasse und man sei "gerne bereit Erfahrungswerte auszutauschen", so Sternagel weiter. Eine konkrete Umsetzung ist jedoch erst einmal nicht vorstellbar.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (51)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 18:13 Uhr
    Wenn Du an einem
    heissen Wochenende an die Kasse vom Schwimmbad kommst, stehst Du an. Jetzt stelle Dir nur mal vor da muss jede Badetasche kontrolliert werden...das gibt einen Rückstau. Und selbst die Leute von big kosten Geld. Heutzutage wo alles zusammengestrichen wird, vor allem für Schwimmbäder usw., wird garantiert kein Extrazuschuss für Kontrollpersonal bewilligt werden. Also muss es auf die Allgemeinheit der Besucher umgelegt werden, sehe ich persönlich nicht ein. Die, die meinen ihr Handy mit ins Schwimmbad nehmen zu müssen sollen extra zahlen. Und zwar mit Bepper.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (3426 Beiträge)

    02.08.2017 18:24 Uhr
    Dann stehe ich halt an
    Ist mir lieber als ein Foto von mir in Badehose auf Facebook
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 18:29 Uhr
    Du
    bist aber auch stur, lach
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    02.08.2017 15:15 Uhr
    Wäre
    noch eine Option. Telefon am Eingang abgeben oder mit reinnehmen für den dreifachen Eintrittspreis.
    Bei Zuwiderhandlung 60 Euro Strafe wie für Schwarzfahren. Schwarzfahren ist ja sogar eine Straftat, obwohl davon niemand unmittelbar geschädigt wird. Beim Fotografieren sieht das schon deutlich anders aus. Wenn das Bild gemacht ist ist es gemacht und keiner weiss wo es jemals auftaucht und was damit angestellt wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 15:23 Uhr
    Schon..
    ...aber selbst dadurch besteht weiterhin die Gefahr, dass genkipst und online gestellt wird. Für ein cooles FB-Bild wird bestimmt von manchen der dreifache Preis gezahlt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    02.08.2017 16:28 Uhr
    Oder sie
    legen dann als Gruppe zusammen, stimmt, das funktioniert nicht gescheit. Und so einen abartigen Kinderknipser wird das auch nicht abhalten.

    Grübel....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (3426 Beiträge)

    02.08.2017 14:18 Uhr
    So einen Sticker...
    ... kann ich dann aber im Zweifelsfall auch so platzieren, dass es aussieht ich hätte die Kamera abgeklebt, in Wahrheit ist er aber leicht daneben. Zumal die meisten Handys inzwischen vorne und hinten eine Kamera haben. Ist doch alles Unsinn, im Schwimmbad braucht es kein Handy und das kann man auch durchsetzen. Wer doch eines dabei hat bekommt Hausverbot in allen Karlsruher Bädern und eine Anzeige.

    Und wer sich jetzt fragt wie er seine Freunde dann findet: Fragt man Eure Eltern, die haben das früher auch geschafft.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    02.08.2017 18:16 Uhr
    Haha
    die hatten noch echte Freunde, aber wenn Deine Freunde alle nur in sozialen Netzwerken sitzen? Da bist Du ohne Handy im Schwimmbad aufgeschmissen. 😀😀😀
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   skynet
    (115 Beiträge)

    02.08.2017 18:14 Uhr
    aha
    Ich finde es immer sehr geil, wenn andere Leute meinen zu wissen, was alle anderen Menschen brauchen.
    Ob ich ein Smartphone wo auch immer brauche oder nicht, das überlassen Sie doch mal lieber mir.
    Klar Hausverbot und ne Anzeige gleich auch noch. Vielleicht auch noch Peitschenhiebe und eine Woche kein Abendbrot?
    Augenmaß ist scheinbar nicht so Ihres.

    Die Argumentation "früher ging es doch auch ohne xy" ist doch auch totaler quatsch. Ja, früher ging es auch ohne Autos, ohne Waschmaschine ohne was weiß ich nicht. Völlig sinnlose Argumentation. Die Zeiten ändern sich und wir leben nun mal in einer sehr schnelllebigen und Technologie durchsetzten Welt.

    Ich finde die Aktion gut. Ein Verbot ist völlig praxisfern. Dafür sind Smartphones heut viel zu vielseitig und unverzichtbar. Der eine hört Musik, der nächste liest, wieder einer muss für Arbeit oder Familie erreichbar sein. Da gehen die Kleber in eine gute Richtung. Umgehen kann man eh alles
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   melotronix
    (3564 Beiträge)

    02.08.2017 12:26 Uhr
    Handy..
    in der Sauna....krank!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen