Karlsruhe EU-Projekt mit KIT-Roboter: ARMAR-6 bringt Automatisierung voran

Der KIT-Roboter ARMAR-6 ist seit kurzem als Servicetechniker im Lagerhaus eines britischen Onlineshops im Einsatz. Hintergrund des "Auslandjobs" ist ein sieben Millionen Euro schweres EU-Projekt, das die Automatisierung in neue Arbeitsbereiche erforschen soll. ka-news sprach mit dem ARMAR-Entwickler Tamim Asfour.

Der KIT-Roboter ARMAR-6 dürfte einer der fortschrittlichsten robotischen Helfer sein, die sich aktuell in Entwicklung befinden. Kein Wunder, dass er seit kurzem einen "Job" als Servicetechniker im automatisierten Lagerhaus des britischen Onlineshops "Ocado" ergattert hat. Denn die sechste Generation der Roboterfamilie ARMAR aus Karlsruhe ist Teil des sieben Millionen Euro Projektes "SecondHands", das von der Europäischen Union (EU) gefördert wird und die Automatisierung in neue Arbeitsbereiche erforschen soll.

Sein Entwickler, Tamim Asfour, Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), entwickelt seit rund 20 Jahren humanoide Roboter. "ARMAR-6 stellt das neueste Mitglied ARMAR-Familie dar und zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Integration von Mechatronik, Informatik und künstlicher Intelligenz aus. Im Kontext des EU-Projektes soll ARMAR-6 lernen, wie Werkzeuge aufgabenspezifisch gegriffen werden sollen um sie zu verwenden beziehungsweise einem Techniker zu übergeben", erklärt Tamim Asfour. Weiterhin soll ARMAR-6 autonom erkennen, dass ein Techniker Hilfe benötigt und diese dann anbietet, wenn er kann.

Die vielfältige ARMAR-Familie

Die erste Armar-Generation (ARMAR I und ARMAR II) entwickelte der Karlsruher Forscher 2000 und 2002 im Rahmen seiner Promotion an der damaligen Universität Karlsruhe (TH). "Beide Roboter stehen heute im Deutschen Museum in München", erklärt Asfour. Die Zwillings-Roboter ARMAR-IIIa und IIIb folgten ab 2006 und werden noch heute am Institut Anthropomatik und Robotik, Lehrstuhl für Hochperformante Humanoide Technologie (H2T) am KIT zur Forschungszwecken und zur Evaluation neuer Ansätze und Methoden der autonomen Robotik und künstlichen Intelligenz eingesetzt. Tamim Asfour erklärt: "Die Roboter lernen aus der Beobachtung des Menschen und aus eigener Erfahrung, wie beispielsweise Haushaltsaufgaben (Tisch decken, Hol- und Bringdienste, das Beladen der Spülmaschine,...) erledigt werden können."

Während ARMAR III sich auf Rollen fortbewegt, war ARMAR-4 als erster zweibeiniger humanoider Roboter im Jahr 2012 mechatronisch fertiggestellt. " ARMAR-4 verfügt über Beine, mit denen er sich wie das menschliche Vorbild fortbewegt. Dabei interessieren uns vor allem Forschungsfragen der Stabilisierung, die Prädiktion und Prävention von Stürzen sowie die autonome Erkennung von Interaktionsmöglichkeiten in unbekannten Umgebungen", informiert der KIT-Professor. Eine neuartige Robotik, die so manchem Superhelden-Fan gefallen könnte, wird bei ARMAR-5 erforscht: "Unsere Vision ist es, Ganzkörper-Roboteranzüge zu realisieren, sogenannte Ganzkörper-Exoskelette, die motorische Fähigkeiten des Menschen augmentieren, beziehungsweise motorische Limitationen kompensieren", so Asfour weiter.

humanodier Roboter
ARMAR-6 © copyright by Karlsruher Institut für Technologie | Bild: (Laila Tkotz)

Staubsauger- oder Rasenmäher-Roboter

Dass in naher Zukunft Roboter wie ARMAR-III den Menschen in ihren privaten Privathaushalten zu Hand gehen können steht außer Frage, davon ist Asfour fest überzeugt. Wann es konkret so weit sein wird, ist allerdings schwer zu sagen: "Solche Prognosen sind im Allgemeinen schwierig zu machen. Wir haben aber in den letzten Jahren eine zunehmende Verbreitung von Robotiklösungen in Privathaushalten und anderen Anwendungsbereichen erlebt. Man denke hier an Roboter zum Staubsaugen oder Rasenmähen."

Neben den "kleinen Helfern", die viele Menschen inzwischen in ihren Haushalten haben, gilt auch das autonome Fahren als roboteristische Entwicklung. "Autonome Fahrzeuge haben das Potenzial, den öffentlichen Verkehr und die Logistik effizienter und sicherer zu machen. Prototypen erzielen hier bereits beeindruckende Ergebnisse", weiß Asfour. Weiteres großes Roboter-Potential sieht Asfour in der Weiterentwicklung der automatisierten industriellen Produktion: "Dieser Ansatz ermöglicht es, klassische Produktionslinien radikal zu verändern, effizienter zu gestalten und weitere Bereiche der Produktion zu automatisieren, bei denen dies mit heutiger Technologie nicht möglich ist", Asfour.

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