19  

Karlsruhe Die intelligente Gefahr: Welche Risiken birgt automatisiertes Fahren?

Ein durch Computer- und Sensortechnik gesteuertes Auto des Fahrzeugdienstleisters "Uber" erfasst am späten Abend eine Fußgängerin und verletzt die Frau dabei tödlich. So passiert vor einigen Wochen im US-Bundesstaat Arizona. Weder das automatisch fahrende Testfahrzeug, noch der Sicherheitsfahrer auf dem Beifahrersitz hatten reagiert. Ein tragischer Vorfall, bei dem sich die Frage stellt, wie sicher die autonome Technik tatsächlich ist und ob so etwas auch im Karlsruher Testfeld passieren könnte.

Der tödliche Unfall wirft neue Fragen rund um die Sicherheit und Verantwortbarkeit von selbstfahrenden Fahrzeugen auf. Auch in Karlsruhe sorgte der Vorfall für Schlagzeilen, denn hier wurde bereits vor drei Jahren e in Testfeld für Autonomes Fahren beschlossen.  Am gestrigen Donnerstag gingen  die ersten selbstfahrenden Fahrzeuge in den Testbetrieb            - überwacht von einem Sicherheitsfahrer. Auch die Wissenschaftler in der Fächerstadt setzen sich mit der Thematik seit vielen Jahren auseinander. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) befassen sich die Forscher mit der Entwicklung des automatischen Fahrens. Einer von ihnen ist Christoph Stiller, der das Institut für Mess- und Regelungstechnik am KIT leitet.  

Notbremsassistenten, Abstandswarner, Einparkhilfen: Elektronische Assistenzsysteme unterstützen durch Sensoren, Kameras und schnelle Prozessoren viele Autofahrer schon heute beim Lenken und Bremsen oder warnen beim Abbiegen vor Gefahren. Auf lange Sicht soll die komplette Fahrzeugtechnik autonom gesteuert werden. Vor allem in Oberklasse-Fahrzeugen sind heutzutage bereits automatische Fahrzeugtechniken serienmäßig verbaut. Bei vielen Modellen haben Sensoren den "toten Winkel" im Blick und warnen den Fahrer vor einem Abbiegevorgang.

Testfeld Autonomes Fahren
Noch parken die Autos, bald fahren sie vollautomatisiert durch Karlsruhe. | Bild: Tim Carmele

Fahrzeuge können schon in vielen Situationen selbstständig denken

Die S-Klasse von Mercedes bremst beispielsweise automatisch und weicht vor Fußgängern sogar lenkend aus, falls ein Bremseingriff zu spät und der Ausweichweg frei ist.  "Der Fahrer kann diesen Eingriff nicht verhindern, was ja auch richtig ist", erklärt Stiller. Bis jedoch automatisches Fahren sicher in allen Bereichen des öffentlichen Straßenverkehrs technisch möglich ist, werden noch mindestens 15 Jahre vergehen, prognostiziert der KIT-Experte.

Autonomes Fahren in Karlsruhe
In Karlsruhe wurde ein Testfeld für automatisch fahrende Autos eingerichtet. Seit dieser Woche sind die Fahrzeuge in Betrieb. | Bild: FZI Forschungszentrum Informatik

"Wir beherrschen heute von der Technik her automatisches Fahren in einfachen Situationen. Dazu gehören auch  Autobahnfahrten, weil da die Situationskomplexität gering ist", so Stiller. So werde man in deutschen Oberklasse-Fahrzeugen schon in drei bis vier Jahren, ab etwa 2021, auf Autobahnen eine Zeitschrift lesen dürfen, da der Fahrer das Fahrzeug nicht mehr ständig überwachen muss, prognostiziert der Wissenschaftler. Auch langsames Fahren in Städten könnte laut Stiller durch die übermittelten Algorithmen kontrolliert gesteuert werden, weil bei niedrigen Geschwindigkeiten der Bremsweg sehr kurz wird und das Fahrzeug so vor einer drohenden Kollision zum Stehen kommt.

Mit viel Technik sind die Autos im Testfeld Autonomes Fahren ausgerüstet. | Bild: Tim Carmele

Selbstfahrende Autos auf lange Sicht sicherer

Nach wie vor stellen komplexe Verkehrssituationen die Wissenschaftler vor bislang noch ungelöste Herausforderungen. Geschwindigkeiten über 40 km/h in städtischer Umgebung, womöglich noch unter schlechten Witterungsbedingungen, sind nach heutigem Stand der Technik noch schwer durch voll automatisierte Module sicher zu steuern. "Hier besteht noch deutlicher Forschungsbedarf", erklärt Christoph Stiller, der als Leiter des Institutes für Mess- und Regeltechnik mit etwa 20 Mitarbeitern am Thema Autonome Mobilität forscht. Insgesamt sind am KIT etwa 35 Wissenschaftler intensiv mit der Thematik beschäftigt.   

Auf Dauer, da ist sich der Wissenschaftler aber sicher, wird das Autofahren durch ein voll automatisches System sicherer sein als unter menschlicher Kontrolle. Dafür müsse man der Technikentwicklung aber noch etwas Zeit lassen, erklärt Stiller. "Vollständig automatisches Fahren ist eben nicht kurz vor der Markteinführung. Die Technologie dient daher noch nicht als Goldgrube für kurzfristige Unternehmensgewinne."

 

Künstliche Intelligenz gewinnt immer mehr an Bedeutung

Dabei ist das automatisierte Fahren nur eine Form der Künstlichen Intelligenz. Im Zuge der Digitalisierung in allen Bereichen erarbeitet die Forschung immer mehr technische Fortschritte und versucht, menschliche Wahrnehmung und menschliches Handeln durch Maschinen nachzubilden. Vor über 20 Jahren gelang es bereits dem von IBM entwickelten Schachroboter den amtierenden Weltmeister dieses Sports zu besiegen.

Mittlerweile gehört in vielen Haushalten Amazons "Alexa", ein sprachgesteuerter, internetbasierter persönlicher Assistent, zum festen Inventar. Die Vision der Wissenschaft auf lange Sicht: Roboter unterstützen mit menschlichem Denken und Handeln den Menschen im Alltag. So könnten eines Tages Roboter die Pflege von alten Menschen übernehmen. Denn in der Industrie sind Robotertechniken schon gar nicht mehr wegzudenken.

Karlsruher Testbetrieb klar geregelt  

Doch die Künstliche Intelligenz birgt auch Risiken. So könnten Systeme dem Menschen so sehr überlegen werden, dass sie den Mensch dominieren, nennt Christoph Stiller ein großes Risiko der künstlichen Intelligenz. Im Automobilbereich, und damit auch im Bereich automatisiertes Fahren, sieht Stiller aber einen Vorteil gegenüber einem Fahrer aus Fleisch und Blut: Menschliche Fehlerquellen wie Ablenkung oder Fahrfehler finde man hier nicht. Für die Zukunft wünscht sich der Wissenschaftler des KIT sogar, dass autonomes Fahren das Verkehrsgeschehen auf den Straßen überwiegen wird. "Daran habe ich keinen Zweifel und wünsche mir das auch für die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss."

Oberbürgermeister Mentrup, KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon und Innenminister Thomas Strobl bei der offiziellen Eröffnung des Testfeldes "Autonomes Fahren". | Bild: Tim Carmele

Um tragische Unfälle, wie in den USA, künftig zu verhindern, wird auch in Karlsruhe viel zur Verbesserung der Sicherheit beim automatisierten Fahren getan. "Der Betrieb ist in Karlsruhe klar geregelt, während das Sicherheitskonzept in den USA viele Fragen offen lässt. Ein Vorfall wie der in Arizona ist auf dem Testfeld Karlsruhe undenkbar!", sagt der Forscher. "Das KIT treibt die gesamte Technik des automatischen Fahrens seit Jahrzehnten voran. Daher ist die Sicherheit bei allen Versuchen eine elementare Voraussetzung", versichert Christoph Stiller abschließend. Noch gab es keinen Unfall mit einem autonom fahrenden Fahrzeug in der Fächerstadt... 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (19)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   cc91
    (273 Beiträge)

    04.05.2018 19:25 Uhr
    Nicht mal Spam Filter
    funktionieren zuverlässig. Und Autofahren ist um ein vielfaches komplexer, das kann also niemals zuverlässig funktionieren. Ich halte das ausschließlich für LKW für sinnvoll.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    04.05.2018 14:43 Uhr
    70 km/h
    Bei maximal 250 m Voraussicht derzeitiger Systeme beim autonomen Fahren und einer Reaktionszeit der konzentrierten Fahrer von 3-10 Sekunden nach Aufforderung des Systems die Kontrolle zu übernehmen dürfte die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 73 km/h betragen. Ich fände diese Geschwindigkeitsbegrenzung für alle Straßenahrzeuge ob Maschinell-oder Menschgesteuert gut. Wer schneller fahren will, soll in den Zug umsteigen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9580 Beiträge)

    04.05.2018 12:14 Uhr
    Die Überschrift sollte anders lauten
    "Welche Gefahren gehen von nichtautomatisierten Fahrern aus" zwinkern
    Ob die genannten Unfälle nicht passiert wären, wenn ein normaler Fahrer am Steuer gesessen hätte, steht doch gar nicht fest.
    Genauso auch mit diesen Horrorszenarien, die gerne mal als Beispiele genommen werden wie eben, dass sich der Fahrcomputer entscheiden soll, ob er eine alte Oma oder ein Kind überfahren soll.
    Auch ein rein menschlicher Fahrer könnte das nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   SagMalWas
    (321 Beiträge)

    04.05.2018 11:03 Uhr
    Ueberschrift
    Was ist denn das fuer eine Ueberschrift, bitte? Erweckt den falschen Eindruck, dass 'automatisierte Fahrzeuge' hauptsaechlich eine Gefahr darstellen. Wird dem Artikel nicht gerecht.

    Ausserdem wird hier 'automatisch' synonym mit 'autonom' genutzt, was es meines Erachtens aber nicht ist. Vielleicht sollte man die Begriffe erklaeren, wuerde dem Autor auch helfen sie zu verstehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   SagMalWas
    (321 Beiträge)

    04.05.2018 11:07 Uhr
    ...
    https://medium.com/@stefanhartelt/der-unterschied-zwischen-automatisierung-und-autonomisierung-ddf0bc0a6815
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gelbsocke
    (3959 Beiträge)

    04.05.2018 10:30 Uhr
    Lieber
    ein Autonomes Auto als einen Iphone-süchtigen Fahrer.
    Wenn ich heute noch Leute sehe die meinen auf der Autobahn oder überhaupt das Handy an der Waffel haben zu müssen oder ihr Messages zu checken und gar eine zu schreiben könnt ich zum Berserker werden traurig
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mili
    (1206 Beiträge)

    04.05.2018 09:07 Uhr
    Habt Ihr den Kofferraum gesehen (Bild4)
    Das passt ja nur noch die Hälfte an Bierkisten hinein. Das kann ja nichts werden.
    Ich selbst muss nicht mehr fahren, hab also Zeit für andere Sachen; d.h. ich könnte ja auch mal ein Bierchen zupfen. Kann jedoch nur noch die Hälfte mitnehmen, geht net.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (11068 Beiträge)

    04.05.2018 07:27 Uhr
    und das war nicht der erste tödliche Crash in Amiland
    eine autonome Kutsche von Tesla hat auch schon einen anderen Verkehrsteilnehmer zusammengefaltet.

    Deshalb: keine Humanversuche!!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi79
    (2736 Beiträge)

    04.05.2018 09:17 Uhr
    doch, war es
    Teslas "Autopilot" ist nicht autonom (auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt). Und Uber ist bekannt sich um vieles nicht zu scheren... da werden schonmal Sicherheitssysteme unnötigerweise deaktiviert (wie bei dem Unfall der Fall war)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bier2
    (884 Beiträge)

    04.05.2018 07:55 Uhr
    99% der Unfälle heute passieren durch
    menschliches Versagen. Klar wird es Unfälle gbene, wenn aber alles autonom fährt weniger als heute.
    Kritisch wird die Übergangszeit sein..
    Als erstes würde ich die LKW Fahrer abschaffen, das würde die Sicherheit extrem erhöhen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: