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Rastatt Tunnelpanne Rastatt: Maschine "Wilhelmine" wird geborgen

Nach der Tunnelpanne bei Rastatt ist es unklar, wie es auf der Baustelle weitergehen soll. Im Sommer zerstörte ein Erdrutsch einen Teil des Tunnels: Die Unglücksstelle musste mit Beton verfüllt und befestigt werden - inklusive der Tunnelvortriebsmaschine "Wilhelmine".

Am Samstag, 12. August 2017, ging auf der Rheintalbahn, der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Basel, plötzlich gar nichts mehr. Mehrere hundert Menschen strandeten an den Bahnhöfen in Rastatt und Karlsruhe. Der Grund: Bei Bauarbeiten am Bahntunnel in Rastatt hatten sich die Gleise über der Baustelle abgesenkt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass der Betrieb rund sieben Wochen eingestellt bleiben sollte. Verletzt wurde niemand - bleibende Schäden gab es nur bei einer der beiden Tunnelvortriebsmaschinen.

"Wilhelmine" wird geborgen

Die Tunnelvortriebsmaschine "Wilhelmine" war in der östlichen der beiden Tunnelröhren unterwegs, als sie ein Erdrutsch zum Stillstand brachte. Um den Abschnitt mit den verbogenen Schienen wieder stabilisieren und für den Bahnverkehr tauglich machen zu können, entschieden sich die Verantwortlichen, das betroffene Tunnelstück mit Beton zu verfüllen. "Wilhelmine" wurde im Zuge der Stabiliserungsmaßnahmen einbetoniert. Zunächst war unklar, ob sie in Teilen weiterverwendet werden kann oder komplett aufgegeben werden muss. Die Tunnelvortriebsmaschine ist rund 90 Meter lang und wiegt etwa 1.750 Tonnen.

MTV Rastatt

Rund drei Monate nach dem Erdrutsch wird in der östlichen Tunnelröhre wieder gearbeitet: Hier sei man damit beschäftigt, den rund 140 Meter lange Betonpfropfen zu beseitigen, so Bahnsprecher Michael Breßmer auf Anfrage von ka-news. Breßmer ist Referent für externe Kommunikation beim Großprojekt Karlsruhe-Basel.

Der Betonpfropfen sollte den intakten Tunnelbereich schützen und war die erste Sofortmaßnahme nach der Havarie. Jetzt wird das abgebaute Material über den Teil der bereits fertiggestellten Tunnelröhre abtransportiert. Der Pfropfen hat ausgedient: Riesige Betonplatten sichern die beschädigte Tunnelröhre inzwischen ab. Auch die einbetonierte "Wilhelmine" soll Stück für Stück abgebaut und geborgen werden - unter Tage weiterarbeiten kann sie nicht. "Die Maschine ist vollständig [vom Beton] betroffen und kann deshalb nicht gerettet werden", so Breßmer.

In der Weströhre wird weitergebaut

Die Schwester-Maschine "Sibylla Augusta" ist derweil wieder in der westlichen Tunnelröhre unterwegs. "Die Maschine befindet sich aktuell in Niederbühl direkt vor der L77 nahe der Murgtalstraße", so Breßmer auf Anfrage von ka-news. Und weiter: "Wir haben die L77 schon seit 4. Oktober gesperrt, diese Sperrung wird aktuell noch bis zum 13. November aufrecht erhalten. Voraussichtlich Ende November wird die Maschine 'Sibylla Augusta' den Bereich der Rheintalbahn erreichen."

Wie es dann mit dem Bau unter der Rheintalbahn weitergehen soll, steht derzeit noch nicht fest. Ein Konzept könne voraussichtlich erst Ende November vorgelegt werden, so der Bahnsprecher. Bislang hat die Tunnelpanne die Fertigstellung der Bauarbeiten um zwei Jahre verzögert. Statt 2022 soll der Tunnel voraussichtlich 2024 in Betrieb gehen. Die genaue Verzögerung lasse sich erst bestimmen, wenn das künftige Bauverfahren feststeht. Aber, das betont der Pressereferent ausdrücklich, die Fertigstellung des Gesamtprojekts "Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel" sei von der Panne bei Rastatt nicht betroffen. Und: "Seit der Freigabe der Gleise gab es keine weiteren Vorkommnisse."

ka-news-Hintergrund

Die beiden eingesetzten Tunnelvortriebsmaschinen der Firma Herrenknecht, die den Großteil der insgesamt 4,2 Kilometer lange Tunnelröhre bohren sollten, wären planmäßig noch bis 2018 mit den Tunnelbohrungen beschäftigt gewesen. Die Tunnelvortriebsmaschinen sind rund 90 Meter lang und wiegen etwa 1.750 Tonnen. Der Durchmesser des Schneiderades beträgt knapp elf Meter, zusammen entstanden für die beiden Tunnelbohrer "Wilhelmine" in der Ost- und "Sibylla-Augusta" in der Weströhre Gesamtkosten von 36 Millionen Euro.

Am Tunnel wurde rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche gearbeitet. Insgesamt hätten die Bohrer zirka 710.000 Kubikmeter Erde bewegen sollen. Die letzte offizielle Pressemeldung zum Baufortschritt hat es am 10. April gegeben: "Wilhelmine" hatte in der Oströhre 2.800 von insgesamt 4.030 "Tunnelmetern" gebaut, "Sybilla Augusta" befand sich in der Weströhre 900 Meter hinter "Wilhelmine"
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    06.11.2017 00:02 Uhr
    Die DB ist natürlich immer im Zeitplan......
    ....... wenn seitens der DB Netz der Fertigstellungstermin für den Ausbau der Rheintalbahn immer weiter nach hinten verschoben wird. Bereits wurde 1996 ein Vertag zwischen der Schweiz und Deutschland abgeschlossen, der zwar leider keine konkreten Termine beinhaltete, aber sinngemäss sollte mit der Fertigstellung des Gotthard- Basistunnels auch die RTB fitt gemacht worden sein. Jetzt soll es u.U. 2042 werden. Man sieht, dass allen Beteuerungen der Politik zum Trotz, kein Interesse an der Bahn liegt.
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