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Karlsruhe Rastatter Tunnel: Wie eine Baupanne die Region in Atem hielt

Sieben Wochen lang stand der Verkehr auf der Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden still, nachdem im Rastatter Tunnel Wasser und Erdreich in die Baustelle eingedrungen war. Seit genau einer Woche ist die Sperrung wieder aufgehoben. ka-news wirft einen Blick auf die Entwicklung der vergangenen Wochen- und verrät, ob der Verkehr auch wie geplant läuft.

Mai 2016: Startschuss für Rastatter Großprojekt 

Es ist der 25. Mai des vergangenen Jahres: Nach Jahren der Planung fällt der Startschuss für den Bau des Rastatter Tunnels. In Ötigheim feiern Bundesminister Alexander Dobrindt, Bahnvorstand Rüdiger Grube und Landesverkehrsminister Winfried Hermann im Rahmen eines Festes den Anstich. Rund 700 Millionen Euro haben die Bauherren für den fast 4.300 Meter langen Tunnel eingeplant, auf dem dann Züge mit bis zu 250 Stundenkilometern unterwegs sein sollen. 

Allein für den Rohbau sind mehrere Jahre vorgesehen. Weil teilweise nur wenige Meter Erdreich über der Tunnelbohrmaschine liegen, soll der Boden in einigen Bereichen auf minus 35 Grad gekühlt und damit stabilisiert werden, so der Plan der Verantwortlichen. 

August 2017: Erdrutsch legt Bauarbeiten und Bahnen lahm

Eigentlich hatten die Verantwortlichen vorgesehen, dass die Bauarbeiten am Rastatter Tunnel vier bis fünf Jahre nach dem Startschuss 2016 abgeschlossen sein sollen. Im Sommer dieses Jahres gab es dann allerdings einen Dämpfer: Am Samstag, 12. August, warnen die Sensoren auf der Rheintalstrecke in Höhe der Baustelle Rastatter Tunnel, dass sich die Gleise direkt über der Baustelle senken würden

Die Bahn hält daraufhin alle Züge auf der Rheintalstrecke an, sowohl von Süden als auch nach Norden. Allein in Baden-Baden und Rastatt strandeten jeweils über 1.000 überraschte Fahrgäste der Deutschen Bahn. Betroffene vor Ort sprechen von chaotischen Zuständen, DRK, Feuerwehr und andere Hilfskräfte betreuen die Reisenden vor Ort. 

 

Sperrung dauert länger als gedacht

Keine guten Nachrichten für Pendler: Nachdem zunächst über eine Sperrung bis Mitte September spekuliert wurde, verschiebt sich der Termin der Wiederinbetriebnahme weiter nach hinten. Noch bis 7. Oktober wird die Rheintalbahn wohl gesperrt bleiben, teilt die Deutsche Bahn mit. 

Derweil häuft sich die Kritik an der Deutschen Bahn (DB) und den Verantwortlichen des Bauprojekts: Experten hatten bereits 2016 vor den Risiken des Tunnelbaus gewarnt. Demnach sei das gewählte Verfahren ein Novum im maschinellen Tunnelbau, Erfahrungen dazu gebe es nicht. Es bestehe das Risiko von Setzungen an der Oberfläche.

Kritik gibt es aber auch vonseiten des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), welcher von einem "Desaster", Mangelwirtschaft und schlechter Planung spricht. Scharfe Kritik übt aber auch der baden-württembergische Verkehrsminister Hermann (Grüne) geübt: "Die Bahn ist einfach in der Kommunikation zu langsam. Da sind sie noch der alte Staatsbetrieb", so sein Vorwurf. 

 

September: Stabilisierung des Tunnels startet

Ab Anfang September fließt im Bereich der Rheintalbahn über der Oströhre des Rastatter Tunnels jede Menge Beton. Für die Herstellung einer 100 Meter langen, zehn Meter breiten und einen Meter dicken Betonplatte werden rund 1.100 Kubikmeter Beton benötigt. Diese soll die beschädigte Tunnelröhre sichern.

 

Parallel zur Herstellung der ersten Platte läuft die Vorbereitung zur Errichtung einer zweiten Platte an der Weströhre. Sie soll nach Bahnangaben den Boden für den Vortrieb über der Weströhre stabilisieren- eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie das Unternehmen mitteilt. Die Arbeiten für die zweite Platte erfolgen im gleichen Zeitraum. 

 

Während die Arbeiten in der Oströhre weiter auf Eis liegen, gehen die Tunnelvortriebsarbeiten in der Weströhre des Rastatter Tunnels Anfang September wieder weiter. Nach dem Erdrutsch Anfang August in der Oströhre ist die Arbeit zunächst in beiden Röhren eingestellt worden.

Weiterer Ärger für die Deutsche Bahn im September

Während die Reparaturarbeiten in Rastatt laufen, zeichnet sich Ende September weiterer Ärger für die Deutsche Bahn ab: Wegen der siebenwöchigen Sperrung der Rheintalbahn bei Rastatt verlangen einige Eisenbahn-Unternehmen von der Bahn Schadenersatz in Millionenhöhe. Die Firmen beklagen teils existenzbedrohende Ausfälle wegen der gesperrten aber wichtigen europäischen Transportroute, auf der sonst täglich bis zu 200 Güterzüge fahren. Zudem wird bekannt, wie lange die Tunnel-Havarie an der Rheintalbahn bei Rastatt das Projekt zurückwirft: Zwei Jahre!

Oktober: Pendler können wieder aufatmen

Nach rund sieben Wochen Sperrung gibt es gute Nachrichten für Pendler: Am 2. Oktober  - und damit fünf Tage früher als zuletzt angekündigt - rollen die Züge im Personennah- und Fernverkehr wieder nach Fahrplan und durchgehend über die Strecke der Rheintalbahn. "Im Bereich der Tunnelbaustelle wurden an den Gleisen der Rheintalbahn wieder Sensoren und Messeinrichtungen installiert. Diese überwachen lückenlos und rund um die Uhr die Lage der Gleise über der Tunnelröhre," erklärt die DB. 

Zwei Tage später: Jetzt rollen auch die AVG-Bahnen

Mit etwas Verzögerung ist es dann Mittwoch vergangene Woche bei der AVG soweit: Zwei Tage nach der Wiedereröffnung der Rheintalbahn sind auch die Stadtbahnen wieder in Betrieb. Aus Sicht der Deutschen Bahn hätte das Karlsruher Verkehrsunternehmen auch früher starten können. In der Fächerstadt hat man aber einen anderen Weg gewählt. 

"Die AVG hat sich bewusst entschieden, den Betrieb am 4. und nicht am 2. Oktober aufzunehmen, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten", so AVG-Sprecher Michael Krauth im Gespräch mit ka-news. Gegenüber der Deutschen Presseagentur hatte die AVG auch die Sorge geäußert, der Betriebsablauf könnte anfangs nicht ohne Probleme laufen.

Die gute Nachricht für alle Pendler: Inzwischen rollen die Bahnen wieder wie gewohnt. Seit der Wiederaufnahme des Stadtbahnverkehrs habe es keine Störungen gegeben, so Krauth gegenüber ka-news. Auch die Deutsche Bahn hatte kurz nach Wiedereröffnung der Strecke eine positive Bilanz gezogen, der Verkehr sei reibungslos angelaufen.

Auch mehrere Tage später zieht die Deutsche Bahn ein positives Fazit. "Nach der Sperrung der Rheintalbahn ist der Verkehr sofort gut angelaufen. Güter- und Personenverkehr rollen wieder wie vor der Sperrung", so die Bilanz auf Anfrage von ka-news. 

Mehr zum Thema
Baustelle Rastatter Tunnel: Die Deutsche Bahn will die Strecke Karlsruhe-Basel ausbauen. Eine wichtige Maßnahme: der Bau eines neues Eisenbahntunnels in Rastatt. Alle Informationen zum Bauvorhaben, dem Fortschritt und den Auswirkungen für den Bahnverkehr finden Sie in unserem Dossier.
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  •   Icy
    (104 Beiträge)

    09.10.2017 21:40 Uhr
    Die wird wieder rausgeholt...
    man hat sie nur mit Magerbeton eingegossen, da reicht fast ein Hochdruckreiniger um sie wieder frei zu bekommen. Ausgegraben wird sie von hinten durch die Röhre.
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  •   LJ_Skinny
    (159 Beiträge)

    09.10.2017 14:08 Uhr
    Und das wars jetzt dann?!
    Was ich schade finde, das so wenig über die Konsequenzen berichtet wird.

    Da liegt jetzt eine Maschine teils einbetoniert bis zum Seinnimmerleintag im Erdreich. Die Hydraulik wird irgendwann auch ins Erdreich auslaufen. Dadurch, dass die Tunnelbohrmaschine bereits unter den Gleisen ist, kann man sie auch nicht mehr so einfach "ausbuddeln". Normalerweise werden solche Maschinen auf eine Art geleased. Die Maschine ist nun aber ein Totalschaden und muss komplett abgeschrieben werden.

    Auch das im Vorfeld bereits schon kritisch gegenüber diesem neuen Bauverfahren diskutiert worden ist. Wer trägt nun jetzt die Verantwortung dafür?

    Es darf eigentlich nicht sein, dass sich die Leute so einfach aus der Affäre stehlen können. Aber scheinbar geht das bei uns ja doch...
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  •   EmilyHobhouse
    (934 Beiträge)

    09.10.2017 08:16 Uhr
    Nullnummer
    Für die Nullnummer aus Peißenberg wird es vermutlich keine Konsequenzen haben. Der führt schon wieder das große Wort. Bezahlen wird der Steuerzahler.
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