50  

Kolumne Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

"Rolläden schließen und keinen Mucks" - wenn diese Worte von meiner Oma hektisch ausgerufen wurden, wussten wir Kinder, dass die Zeugen Jehovas wieder in ihrer Straße unterwegs waren. Was diese Menschen genau dort veranstalteten, war mir ein Rätsel... aber das Verhalten meiner Großmutter ließ vermuten, dass sie nichts Gutes im Schilde führten.

Bis heute haben sie es noch immer nicht geschafft, mir ihre Religion näher zu bringen. Ich kann nicht sagen, dass ich ihren Glauben verabscheue - ich weiß nicht was sie glauben, ob es richtig ist oder falsch. Eins ist aber klar: Wer mit seinem Glauben hausieren geht nervt. Letzte Woche klingelte es während ich noch am Telefon war. "Ist bestimmt die Post, ich ruf dich zurück," vertröstete ich meine Schwägerin.

Aber da war kein gelbes Postauto zu sehen. Vor meiner Tür standen zwei freundlich lächelnde Damen, in gedeckten Nicht-Farben gekleidet. "Dürfen wir Ihnen diese Broschüre zum Durchlesen da lassen?" Ich warf einen kurzen Blick auf das Papier in der wedelnden Hand der einen Dame: Zeugen Jehovas. "Nein!" "Nichts für ungut, dann war es gut gemeint," frohlockte die andere Frau.

Gute gemeint? Wie soll ich das verstehen? War dies der letzte Strohhalm, der mich auf die Seite des wahren und einzig richtigen Glaubens retten sollte? Chance verpasst.... Wobei das nicht so ganz stimmt. Nur zwei Tage später drehte ich meine tägliche Runde im Park um die Ecke. Von weitem sah ich zwei Frauen - elegant gekleidet, nicht zu auffällig, in gedeckten Farben. Die eine trug ein Buch mit sich, das sie beim Näherkommen vor der Brust festhielt. Als sie sich bis auf zehn Schritte genähert hatten, begannen sie den Blickkontakt zu meinem Sohn aufzubauen.

"Nichts für ungut - schönen Tag noch"

Da der noch sehr vertrauensseelig ist, strahlte er sie an, sie lächelten zurück, dann hob sich der Blick, der Mund der einen Frau öffnete sich, während sie gleichzeitig eine Broschüre aus ihrem Buch fingerte: "Dürfen wir..." "NEIN!" "Nichts für ungut, wir wünschen Ihnen einen schönen Tag."

Diesen Menschen kann man noch nicht mal böse sein, so unverschämt freundlich wie sie sind. Aber ich möchte nun mal weder zuhause noch bei meinem Spaziergang von wildfremden Leuten zu einem neuen Glauben bekehrt werden. Sie behelligen mich mehrmals wöchentlich zwischen Ententeich und Mammutbaum - immer zu zweit, immer ordentlich aber farblos gekleidet, immer freundlich.

Rolläden schließen funktioniert nicht mehr

Und jedes Mal passe ich in ihr Beuteschema. Eigentlich tun sie mir ja nix. Ich will nur nicht ständig über die Gretchenfrage stolpern, während ich meine Zeit draußen mit Hund und Kind genieße. Die Taktik meiner Oma - einfach die Rolläden schließen - funktioniert schon lange nicht mehr. Ich will mich auch gar nicht verstecken. Vielleicht sollte ich sie einfach so lange mit wirrem Zeug zutexten, bis sich in ihren Kreisen herumgesprochen hat, dass man um die Verrückte im Park mit dem Kind und dem Hund lieber einen großen Bogen machen sollte.

"Tina trotzt dem Alltag" ist eine wöchentliche Kolumne auf ka-news. Sie erscheint immer donnerstags. Anregungen, Aufregungen und sonstige Hinweise an rastatt@ka-news.de  

Mehr zum Thema
Kolumne: Tina trotzt dem Alltag:
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (50)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    22.10.2010 14:58 Uhr
    Ich
    fand die GEZ-Talibane viel schlimmer. Aber selbst die sind eher zurückhaltend geworden grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   jeverlite
    (375 Beiträge)

    22.10.2010 09:02 Uhr
    Hatte dreimal mit den ZJ
    zu tun, zweimal nett, einmal etwas abartig.
    Bin in KA von denen noch nie dumm angequatscht worden.

    Ansonsten sind sie mir egal, sie tun mir nichts. Mit dieser Religion muss ich mich nicht beschäftigen. Den Job erledigen ja dafür andere...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10799 Beiträge)

    22.10.2010 12:04 Uhr
    Und
    bei mir haben die sich schon seit vielen Jahren nicht mehr blicken lassen,auf der Strasse habe ich auch schon lange keinen mehr mit ihren Wachtürmen gesehen.
    Und das ich von denen mitten auf der Strasse angequatscht wurde,haben die nie gemacht,das waren andere Sekten.
    Entweder übertreibt Frau di Bartolomeo gewaltig oder in Rastatt ist es völlig anders als in KA.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    22.10.2010 13:35 Uhr
    Stimmt . . .
    . . . tote Hose in Bezug auf die Zeugen . . . hier auch.
    Könnte aber daran liegen, dass ich die Klingel Samstagmorgens aus habe zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10799 Beiträge)

    22.10.2010 16:17 Uhr
    Wenn
    dann kommen die Sonntagmorgen.
    Wer da nicht in der Kirche ist,den könnte man bekehren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   zozimura
    (1981 Beiträge)

    21.10.2010 22:16 Uhr
    Keinen Plan die Leute.
    KInder werden getauft, weil die damit nach katholischer Kirchenlehre in die Gemeinschaft aufgenommen werden und ihr Leben in Gottes Hand gegeben wird. Auch ist es recht praktisch, weil man als Getauftes Kind im Falle des Ablebens dann ins Paradies kommt. Okay, ist Theorie, aber könnte ja sein. Um die Sache dann Rund zu machen kommt die Kommunion. Oder wie mein Opa sagte, Des Kind kann laufe, dann kann es a Schorle dringe. Aber zurück zum Thema: Mit 13 bis 15 oder so kommt was??? Die Firmung. Und diese gilt als Erneuerung des was??? Taufsakramentes. AMEN.
    Weniger Ahnung von Religion als mein Dönerschneider, dies KA-News Leser.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    21.10.2010 22:50 Uhr
    Schön erklärt :-)
    Das nichtgetaufte Kindlein wird also nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Das nenne ich mal sozial grinsen Und wenn das Leben in Gottes Hand ist, wieso kann es dann noch (verfrüht) ableben ? Sehr unlogisch.
    Aber Kirchensteuer, die darf es nach Taufe zahlen . . . Wenn man in die Kirche geht, finde ich es auch o.k. zu zahlen, sonst nicht. Obwohl es eigentlich traurig ist, dass die Kirche Teil des Kapitalismus ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   zozimura
    (1981 Beiträge)

    22.10.2010 07:45 Uhr
    Kirche hat ja
    nichts mit Logik zu tuen, sondern mit Religion! Heilige, beten, Anbetung, Wunder, Kopf ab, ans Kreuz mit ihm, Jungfrauen, Paradies, Hölle, Gedöns. Aber es steht jedem/r frei, sich und seine Teppichratten anderweitig unterzubringen. Buddhismus ist nett schlecht. Wenn Kind Böse, Kind wird zu Räucherstäbchen oder so. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (178 Beiträge)

    21.10.2010 22:15 Uhr
    Wer mit seinem Glauben hausieren geht nervt..
    Kirchensteuer?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    21.10.2010 19:52 Uhr
    ähm sorry
    sind eine sekte und wie alle sekten haben sie opfer unterhalte dich mal mit denen .....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.