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Kolumne Bitte wenden: Mit dem Navi durch die Pampa

Wer denkt, dass einem ein Navi das Leben immer leichter macht, hat sich schwer geirrt. Die Dinger scheinen ab und zu Lust zu bekommen uns mal ein wenig an der Nase herumzuführen - oder eher: in die Pampa zu schicken.

Ich befinde mich in einem vollbepackten Auto auf dem Weg zurück aus dem Urlaub: Mann, Kind, Hund, Fahrräder, Koffer... Seit ein Navi in unserem Auto sein Zuhause gefunden hat, machen wir uns nicht mehr die Mühe Straßenkarten auszuklappen und mit dem Finger die Strecke abzufahren. Wozu denn auch: Die etwas streng geratene weibliche Stimme des Gerätes weiß immer genau wo's langgeht. Denkste!

Die Straße auf der wir uns befinden gibt es in unserem Gerät nicht. Das hat man davon, wenn man vor der Fahrt nicht das superaktuelle Update herunterlädt. Laut virtueller Karte befinden wir uns mitten in der Pampa. Als das kleine Auto auf dem Bildschirm den Weg zurück auf die Autobahn findet, denkt sich die nette Frauenstimme den nächsten Scherz aus: Bitte wenden!

Das machen wir natürlich nicht! Die Stimme beharrt darauf und befiehlt uns auch die nächsten fünf Minuten immer wieder zu wenden. Dann drehen wir ihr eben einfach den Ton ab und verlassen uns einfach auf unsere Intuition.

Der kürzeste Weg... in den Feierabendverkehr

Irgendwie finden wir den vorgeschlagenen Weg wieder. Da das Gerät so programmiert ist, den zeitlich kürzesten Weg zu finden, jagt es uns mitten durch Lüttich - es konnte ja nicht ahnen, dass die Stadt gerade vom Feierabendverkehr komplett dicht ist. Vielleicht sehe ich das jetzt nur wegen der Umstände so, aber ich glaube, dass ich selten eine dermaßen hässliche Stadt gesehen habe - ich hätte sehr gut auf die kleine Sightseeing-Tour verzichten können.

Das Navi hat sich schon die nächste List ausgedacht: Links abbiegen - rechts abbiegen, dann links abbiegen - Moment mal: Links? Da ist eine Einbahnstraße: Sens unique - natürlich in die umgekehrte Richtung. Französisch scheint das Navi nicht zu können. Das fiese an den Dingern ist, dass sie im Gegensatz zu menschlichen Beifahrern niemals zugeben würden, wenn sie sich irren, geschweige denn sagen: "Tja, das tut mir jetzt Leid, aber ich habe keine Ahnung wo wir sind," und dann mit der strengen Stimme hinzufügen: "Bitte Fenster runterkurbeln und nach dem Weg fragen!"

Nach dieser kleinen Irrfahrt rechnet uns das Navi  prompt eine knappe Stunde auf die errechnete Ankunfstzeit drauf. Nach einem kurzen Schock korrigiert es die Zeit dann wieder: Ankunft nur fünf Minuten später als geplant. Wo bleibt die Stimme mit dem Ausruf: "Ha, jetzt habe ich Sie aber schön veräppelt".

Nach zehn Stunden und einer Endlosschleife Benjamin Blümchen zur Bespaßung unseres Kindes ("Töröööööööö") sind wir endlich wieder zuhause - errechnet waren ursprünglich fünfeinhalb Stunden. Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich mit meinen Eltern nur mir Landkarten bewaffnet über die Autobahnen zog.

Schneller waren wir damals mit Sicherheit nicht, aber mein Vater konnte immerhin seine Copilotin zur Schnecke machen, wenn die falsch navigiert hatte - einen Mini-Computer anschreien macht deutlich weniger Spaß.

"Tina trotzt dem Alltag" ist eine wöchentliche Kolumne auf ka-news. Sie erscheint immer donnerstags. Anregungen, Aufregungen und sonstige Hinweise an rastatt@ka-news.de. 
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Kommentare (19)
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  •   rollbond
    (107 Beiträge)

    17.09.2010 09:59 Uhr
    Wie?
    "Die Straße auf der wir uns befinden gibt es in unserem Gerät nicht."
    Wie soll das gehen? Hat euch das Navi auf eine Straße geschickt, dass es im Gerät nicht gibt?
    Ich vermute, hätte man von Anfang an auf das Navi "geachtet", hätte man weniger Stress gehabt.
    Aber: Die Einbahnstraßen-Falle ist natürlich sehr hinterlistig.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    17.09.2010 10:21 Uhr
    Tja
    ... leider war auf der vorgeschlagenen Straße eine Baustelle und dementsprechend Vollsperrung. Und vermutlich war die Geisterstraße, auf die uns das Umleitungsschild lotste, erst kürlich gebaut worden. Leider gibt einem auch das Navi nicht das Recht, Sperrungen zu ignorieren und einfach durch die Baustelle zu fahren zwinkern
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  •   Gelbsocke
    (3960 Beiträge)

    17.09.2010 10:06 Uhr
    Die
    Wege des Navi sind unerfindlich...
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    17.09.2010 08:49 Uhr
    Authentizität
    Irre ich mich oder ist es ein Novum, dass Frau di Bartolomeo die Kommentare kommentiert?

    Nicht schlecht, dass verleiht ihrer Kolumne noch mehr Authentizität.
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  •   Gelbsocke
    (3960 Beiträge)

    17.09.2010 09:04 Uhr
    Also
    weil du das jetzt grad schreibst...Ja.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    17.09.2010 09:01 Uhr
    Manche Kommentare...
    ... lasse ich lieber unkommentiert zwinkern Aber ich schalte mich schon immer wieder mal ein, wenn mir ein Kommentar gefällt, oder es darum geht, Details zu erläutern. Wenn es also Fragen gibt: Ich lese die Kommentare und beantworte auch alle Fragen und versuche Unklarheiten zu beseitigen.
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  •   Gelbsocke
    (3960 Beiträge)

    17.09.2010 02:06 Uhr
    Merke:
    Beim einschalten des Navi gesunden Menschenverstand nicht ausschalten!
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  •   sorry55
    (831 Beiträge)

    16.09.2010 22:58 Uhr
    jetzt wissen wir...
    ..warum Frau di Bartolomeo letzte Woche nicht von der Polizei kontrolliert wurde. Nur hat sie uns letzte Woche Mann, Hund, Kind und Koffer verschwiegen. Bei einer Fahrzeit von 5,5 Stunden (normal) und Lüttich kann die liebe Familie doch höchstens an der holländischen Nordseeküste gewesen sein. Von dort sollte man Deutschland ohne Navi finden und von da aus seine Heimat. Oder man hört auf die gute Stimme und wendet. Oder ist da ein wenig Eifersucht zu hören auf die geheime Stimme aus dem Automaten?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    17.09.2010 08:04 Uhr
    Fast richtig recherchiert...
    ... nur dass wir nicht nach Deutschland gefahren sind, sondern nach Luxemburg und das findet man bekanntlich nur, wenn man ganz genau hinschaut zwinkern
    Kontrolliert wurden wir übrigens an der holländischen Grenze nicht, die Anekdote aus dem letzten Beitrag liegt schon eine Weile zurück:

    "Ich saß mal in einem solchen Mini-Bus und wollte mit ein paar Freunden die Schweizer Grenze passieren."
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  •   sorry55
    (831 Beiträge)

    17.09.2010 09:54 Uhr
    ah ha..
    ..von Holland über Luxemburg. Da ja bekannt ist, dass es in Holland kein Drogen gibt muss man dort ja auch nicht kontrollieren. Und mit den Jahren sieht man auch soo ehrlich aus, sitzt in einem bequemen Mittel- oder Oberklassewagen, mit denen das meiste geschmuggelt wird - grinsenmit Kindersitz. So langsam kommen wir dahinter....
    Schönes Wochenende und nicht verlaufen, falls nächste Woche der Marathon dran ist.
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