(ps/trs)

In den wenigen Jahren seines Bestehens ermittelte es in über 2.000 Fällen und führte insgesamt 235 Prozesse durch.

Neue Einblicke ins Prozessgeschehen

"Mit den nun vorhandenen Akten ergeben sich ganz neue Einblicke in das damalige Prozessgeschehen sowie das damalige Leben in der Besatzungszone der unmittelbaren Nachkriegsjahre", freut sich Kreisarchivar Martin Walter in einer Pressemitteilung des Landratamts. Die wissenschaftliche Auswertung der Unterlagen werde zu einem ganz anderen Gesamteindruck zu den Rastatter Prozessen führen, die es so bisher gar nicht gegeben habe.

Helga Stödter, die damals noch unter ihrem Mädchennamen Helga Kloninger in Rastatt in der Herrenstraße 17 wohnte, wurde im Mai 1945 provisorisch als Strafverteidigerin vor französischen Militärgerichten zugelassen und 1946 durch das damalige Justizministerium Württemberg/Hohenzollern als "Offizialverteidigerin" vor dem Obersten Französischen Militärgericht für die sogenannten "Kriegsverbrecher-Prozesse" in Rastatt einberufen. Sie war die erste und blieb, bis sie 1950 aufhörte, die einzige Frau in dieser Funktion.

Quellenlage bisher nicht sehr ergiebig

"Bisher war die Quellensituation zu den Rastatter Prozessen nicht sehr ergiebig", so Kreisarchivar Walter. Wichtige bekannte Quellen waren lediglich die zeitnah erschienenen Berichte in den Tageszeitungen oder die Hinweise von Zeitzeugen. Auch im Bundesarchiv in Koblenz befindet sich nur ein Splitterbestand mit lediglich 30 Zentimetern Schriftgut zum Rastatter Geschehen. Alle Unterlagen des Tribunals in Rastatt selbst werden in den "Archives de l’occupation francaise en Allemagne et en Autriche" in Paris verwahrt. Diese für Rastatt wichtigen Dokumente unterliegen der besonderen Sperrfrist für französische Militärgerichtsakten von 100 Jahren.