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Stuttgart Untersuchung veröffentlicht: Erhöhte PFC-Werte bei Menschen in Rastatt festgestellt

Erstmals ist das Blut von Menschen in einer mit PFC belasteten Region im Südwesten von amtlicher Seite untersucht worden. Die Werte waren teilweise stark erhöht. Die Langzeitfolgen sind noch unklar.

Nach dem Skandal um mit PFC verseuchte Ackerflächen im Badischen sind in Blutproben von Anwohnern höhere Werte der Chemikalie nachgewiesen worden, die über das Trinkwasser in Kontakt mit dem Stoff kamen. Dies teilte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Freitag in Stuttgart mit. Personen, die Gemüse und Obst aus den betroffenen Gebieten verzehrten, wiesen hingegen kaum höhere Werte auf, als Menschen außerhalb der belasteten Gebiete. Insgesamt lägen die Werte aber nicht über denen von vergleichbaren PFC-Schadensfällen in anderen Bundesländern. Die Langzeitfolgen sind noch unklar.

Für die Erhebung wurde das Blut von 348 Personen aus dem Raum Rastatt von einem unabhängigen Labor untersucht. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. Auf Ackerland in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden sowie bei Mannheim war die Chemikalie PFC nachgewiesen worden. Die künstlich hergestellten Substanzen stehen im Verdacht, die Gesundheit zu gefährden. In der Umwelt können sie kaum abgebaut werden.

Entwicklung der Spuren im Blut soll beobachtet werden

Die Teilnehmer der Untersuchung wurden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe nahm einst entsprechend belastetes Trinkwasser zu sich. Die zweite Gruppe hatte Obst- und Gemüse von verseuchten Grundstücken gegessen. Die dritte Gruppe sei nicht durch Trinkwasser oder Obst und Gemüse von betroffenen Flächen belastet gewesen.

Die Bürgerinitiative "Sauberes Wasser für Kuppenheim" hatte in der Vergangenheit selbst Blut untersuchen lassen. Mit den nun veröffentlichten Ergebnissen sei bewiesen, dass der Stoff länger im Blut bleibe, wenn die Belastung zurückgehe, sagte der erste Vorsitzende, Ulrich Schumann. "Wir wissen noch nicht genau was für Folgen das hat." In den Jahren 2020 und 2023 sollen laut Ministerium erneut Blutuntersuchungen gemacht werden, um zu klären, wie sich die Belastung über die Jahre hinweg entwickelt. Die komplette Auswertung der Studie soll im Dezember vorliegen.

Gesundheitsministerium warnte vor Panikmache

BUND-Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe wies darauf hin, dass ein großer Teil der Blutproben oberhalb des Grenzwerts liegt. Der vom Bundesumweltamt festgelegte Wert liegt bei 2 Mikrogramm pro Liter. Das Gesundheitsministerium warnte jedoch vor Panikmache. Eine Überschreitung des Wertes bedeute jedoch nicht zwingend, dass eine konkrete Gesundheitsgefahr zu befürchten sei, teilte das Ministerium weiter mit. Hierzu wäre ein weiterer Wert notwendig, der die Schwelle zur Gesundheitsgefährdung markiere. Dieser existiert aufgrund fehlender Daten bislang noch nicht. Deshalb forderte der Grünen-Politiker Lucha zugleich, dass bundesweite Messungen zum Thema PFC zusammengeführt werden.

Lucha sagte, die Werte seien Anlass, die Maßnahmen insbesondere bei der Trinkwasserversorgung beizubehalten. So wurden Brunnen stillgelegt, bei denen der vom Umweltbundesamt empfohlene Wert nicht eingehalten werden kann. Dadurch lagen die Gehalte im Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung bereits deutlich unterhalb der Grenzwerte.

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Kommentare (9)
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  •   IchKA
    (720 Beiträge)

    06.10.2018 15:01 Uhr
    Die Grundwasserfahne
    treibt langsam Richtung Norden Richtung Karlsruhe und dessen Wasserentnahmestellen
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  •   357.Magnum
    (80 Beiträge)

    06.10.2018 14:09 Uhr
    zwei Milliarden Euro würde eine Bodensanierung kosten
    jahrelang haben CDU/FDP dieses Umweltverrbrechen verharmlost, aber nicht das heutige Umweltministerium ist daran schuld, sondern die Bauern die mit PFC-haltigen Papierschlämmen versetzter Dünger auf die Felder aufgebracht haben.
    Und somit auch die Firmen die diesen "Dünger"an die Bauern weiter gegeben haben.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    06.10.2018 10:56 Uhr
    Und wie bekommt man
    das PFC aus dem Trinkwasser wieder raus? Gar nicht, so liest sich die offizielle Seite des Ministeriums.

    Man kann nur hoffen, dass die Chemikalie keine Gesundheitsgefährdung darstellt.
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  •   IchKA
    (720 Beiträge)

    06.10.2018 08:28 Uhr
    Skandalös
    dass Behörden weiterhin jahrelang untätig waren, nachdem sich sich herausgestellt hatte, dass bei der Bevölkerung deutlich erhöhte Blutwerte auftraten. Der Gipfel dabei: Die Menschen mussten die Untersuchungen selbst bezahlen, um den Behörden zu beweisen, dass Blutwerte signifikant erhöht waren bia diese endlich tätig wurden. Absolutes Behörden- und Politikversagen.
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    06.10.2018 08:08 Uhr
    ein Kern
    ist, dass das grüne Umweltminiserium sich weigert, die Kosten zu übernehmen. Die Kommunen müssen selbst für sauberes Wasser sorgen, den Preis bezahlt der Wasserkunde. Darüber hinaus zeigt sich, dass diese Verschmutzung sehr wohl eine Gefahr darstellen. Das ist Totalversagen des Umwelt- und Gesundheitsministeriums
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  •   357.Magnum
    (80 Beiträge)

    06.10.2018 14:13 Uhr
    völlig absurder Unsinn
    den sie hier wiedermal loslassen, anscheinend haben sie noch nie von einem Verursacherprinzip gehört.
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    06.10.2018 16:28 Uhr
    das ändert
    nichts daran, dass das Umweltministerium die Übernahme von Kosten zur Sanierung ablehnt - während die Verursacher immer noch straffrei sind:
    Zitat von BNN Es bleibt dabei: Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden wird wegen der PFC-Verunreinigungen im Raum Baden-Baden/Rastatt/Bühl keine Anklage gegen den mutmaßlichen Verursacher, den Betreiber eines Kompostbetriebes in Bühl-Vimbuch, erheben. Das gab die Ermittlungsbehörde bekannt, nachdem diese Zeitung bereits vor vier Wochen über diese Absicht berichtet hatte. Maßgeblich für die Entscheidung seien Verjährungsgründe, fehlende Analysen sowie die Tatsache, dass im strafrechtlich relevanten Zeitraum nach dem 21. Mai 2007 nicht nachgewiesen werden konnte, dass tatsächlich noch PFC-belastetes Material auf Äcker aufgebracht worden sei.

    Die Kosten tragen die Verbraucher*innen - die gesundheitlichen Folgen die Anwohner. Es wäre also Aufgabe der beiden grünen Ministerien, zu handeln - schon seit Jahren.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    06.10.2018 15:18 Uhr
    Schuld sind wie immer ...
    ... die bösen Nazis. Auch die Grünen gehören mittlerweile dazu.

    Sie kritisieren also die Kritik gegen rechts?
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  •   Route66
    (1758 Beiträge)

    05.10.2018 19:18 Uhr
    Dank an die Bürgerinitiative
    die hier tätig wurde. Eine Sauerei ohnesgleichen, dass das Trinkwasser und die Werte der Bürger nicht sofort von amtlicher Seite her untersucht wurden.
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