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Ikea-Revision: Träumt Rastatt noch, oder lebt die Stadt schon?

Das Thema Ikea bewegt die Gemüter, das zeigte nicht erst die überwaltigend hohe Besucherzahl bei der Gemeinderatssitzung in Rastatt am Donnerstag. Die Zuschauer erwarteten mit Spannung die Entscheidung der Stadträte über die Revision - und die Hälfte verließ den Saal sofort nach der Abstimmung.

Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich für die Revision. Diese Entscheidung schien die Neugier der breiten Masse zu befriedigen - das zeigte zumindest die Massenabwanderung aus dem Ratssaal nach der Abstimmung. Aber bedeutet die Revision im Endeffekt nicht nur, dass die Stadt Rastatt bereit ist, den letzten Hoffnungsschimmer für ihr Projekt aufrecht zu erhalten, nachdem sie bereits drei Instanzen erfolglos abgegrast hat?

Einzelhandel? Welcher Einzelhandel?

Während der Rechtsanwalt der Stadt die Revision wärmstens empfiehlt, werden Stimmen aus dem Gemeinderat laut, die von einem "glasklaren Urteil" des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Baden-Württemberg sprechen. Für den anwaltlichen Vertreter der Stadt klingt die Zulassung der Revision durch den VGH wie eine Einladung das Urteil anzufechten. Niemand kann allerdings dafür garantieren, dass Rastatt mit der Revision Erfolg haben wird. 

Nehmen wir mal an, der Traum wird wahr und Ikea darf sich tatsächlich im Gewerbegebiet "Stockfeld" ansiedeln. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch forderte gestern dazu auf, "weniger in Risiken als in Chancen" zu denken. Er sieht Ikea immer noch als Möglichkeit, die Innenstadt aufzuwerten, Besucher ins Zentrum zu locken und den Einzelhandel zu stärken. Dafür müsste der Einzelhandel aber auch vorhanden sein. Seit fast zehn Jahren kämpft die Stadt, nach eigenen Angaben Pütschs, mit Schließungen und Abwanderungen. Die Aushängeschilder der Stadt - das Kaufhaus Schneider und der Marktkauf - existieren nicht mehr.

Fluch oder Segen?

Durch die rosarote Brille und mit blinder Euphorie lässt sich in der Ikea-Ansiedlung ein großer Vorteil für die Innenstadt erkennen: Die Besucher werden zwar kaum mit vollgepackten Autos zum Bummeln fahren, aber das schöne an Ikea sei, dass beim Aufbau immer etwas fehle, bemerkte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Herbert Köllner. "Wenn der Kunde dann für ein einzelnes Scharnier wieder zurückkommt, verbindet er den kurzen Ausflug vielleicht mit einem Bummel durch die Stadt."

Natürlich verbindet der eine oder andere den Möbelkauf bestimmt auch mit einem Stadtbummel. Aber nüchtern betrachtet hat die Innenstadt derzeit nicht viele Läden zu bieten, die den Ikea-Touristen aus dem Gewerbegebiet locken könnten. Selbst wenn man annimmt, dass Ikea mit seinem Sortiment - das immerhin von Möbeln über Heimtextilien bis hin zu Haushalts- und Dekowaren reicht - nicht alle Wünsche erfüllen kann, findet der Kunde im benachbarten real-Markt alles was das Herz begehrt. Auch die (Imbiss-)Gastronomie Rastatts bekäme mit Köttbullar und Hot Dogs harte Konkurrenz

Nicht alles ist schlecht, was das Projekt Ikea verspricht, aber man sollte dennoch die Risiken nicht komplett aus den Augen verlieren. Natürlich bietet das Unternehmen viele Möglichkeiten für die Stadt, um diese aber nutzen zu können, müssen auch die Voraussetzungen stimmen. Falls das Projekt jemals verwirklicht werden sollte, haben sowohl die Stadt als auch die Einzelhändler und die Bürger noch eine ganze Menge Zeit, Rastatts Zentrum attraktiv zu gestalten, bevor die Massen zum schwedischen Möbelhaus strömen. Also: Packen wir es an, anstatt darauf zu warten, dass Ikea alles richtet! 


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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (78 Beiträge)

    28.02.2010 11:05 Uhr
    IKEA forever
    was brauchen wir andere Möbelhäuser? Lasst uns alle IKEA Fertighäuser kaufen und mit unseren Microsoft-computern googlen, welche neueste Fashion wir bei H&M shoppen können. Bevor wir dann bei Mediasaturn den neuesten Chart Hit kaufen und mit dem VW ins Multiplex fahren. Geil billig all das! Frag mich nur warum Kamprad und Co. so schweinereich sind und welcher Volldepp die Rechnung für uns bezahlt.
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  •   Stahlwalze
    (404 Beiträge)

    28.02.2010 09:29 Uhr
    Ich hoffe IKEA kommt nach RA
    [b][/b]RA, und seine Innenstadt interessiert mich nicht. In RA und PF haust mitlerweile derartig viel Gesochse, dass dort keine zivilisierte Sau hin möchte. Die sollen in Ihren Ghettos machen was se wollen, Hauptsache IKEA kommt, und die Fahrtzeit aus KA is net lange.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    28.02.2010 10:26 Uhr
    Nach ..
    ..Walldorf ist´s über die A5 nicht wirklich viel weiter bzw. eine längere Fahrzeit - das ist IMO kein Argument.
    Die Frage ist eher, ob Schilda in der dann entstehenden "IKEA-Zange" nicht ein Problem mit dem XXL-Monopolisten bekommt, die wohl aktuell ganz gute Beziehungen zu den kommunalen Entscheidungsträgern besitzen
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  •   80er
    (5973 Beiträge)

    27.02.2010 17:27 Uhr
    Häßlichste Stadt
    RA ist die häßlichste Stadt die ich kenne. Ganz bestimmt werde ich keinen Ausflug in die Innenstadt von RA machen, wenn ich mal zu IKEA fahre. Von was träumt eigentlich der Gemeinderat in RA?
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  •   samson
    (199 Beiträge)

    27.02.2010 18:23 Uhr
    vollkommene Übereinstimmung:
    auch ich mache immer einen großen bogen um dieses garnisons-loch!
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