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München Störaktion bei EM-Spiel in München: Greenpeace-Aktivist kommt aus Pforzheim - und ist jetzt im Visier der Polizei

Nach der Landung eines Greenpeace-Aktivisten aus Pforzheim mitten auf dem EM-Spielfeld der Münchner Arena am Dienstagabend hagelt es Kritik und Fragen nach der Sicherheit im Stadion. Der Pilot selbst hat bei der Aktion womöglich großes Glück gehabt.

Ein 38 Jahre alter Mann aus Pforzheim war am Dienstagabend, kurz vor dem Anpfiff des Fußballspiels gegen Frankreich, mit einem Motorschirm auf dem Platz im Münchner EM-Stadion gelandet und hatte im Landeanflug zwei Männer verletzt, die ins Krankenhaus kamen.

Greenpeace-Pilot schweigt zu der Protest-Aktion

Ein 42 Jahre alter Ukrainer, der im Stadion gearbeitet hatte, befand sich auch am Tag danach noch wegen Verletzungen am Kopf und Hals im Krankenhaus. Ein 36 Jahre alter Franzose, der ebenfalls nicht als Zuschauer, sondern zum Arbeiten im Stadion war, war ebenfalls am Kopf verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber am Tag danach schon wieder verlassen.

Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld.
Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld. | Bild: Christian Charisius/dpa

Der Motorschirm-Pilot wurde festgenommen, sein Fluggerät sichergestellt. Gegen ihn wird wegen verschiedener Delikte ermittelt, darunter schwerer Eingriff in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Am Mittwoch war der Mann nach Polizeiangaben schon wieder auf freiem Fuß, weil keine Haftgründe gegen ihn vorlagen. Nach Angaben des Münchner Polizeisprechers Andreas Franken hat er sich bislang nicht zu der Aktion geäußert.

Polizei war über Aktion informiert

Die umstrittene Greenpeace-Aktion hat massive Kritik und eine Diskussion um die Sicherheit während der Fußball-Europameisterschaft ausgelöst. Scharfschützen der Polizei hatten den heranfliegenden Piloten nach Darstellung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vom Mittwoch kurz vor Anpfiff des EM-Auftaktspiels Frankreich gegen Deutschland ins Visier genommen - aber bewusst nicht geschossen. Ein Sprecher der Umweltschutzorganisation sagte, die Polizei sei über die Aktion informiert worden, kurz bevor sich der Motorschirm dem Stadion näherte.

Ein Aktivist von Greenpeace landet im Stadion.
Ein Aktivist von Greenpeace landet im Stadion. | Bild: Matthias Balk/dpa/archivbild

Als Konsequenz kündigte Herrmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in München an: "Die bayerische Polizei wird bei den kommenden drei EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel." Über dem Stadion gilt bei den EM-Spielen laut Innenministerium ein totales Flugverbot. "Es hätte ganz anders ausgehen können, auch für den Piloten", betonte Herrmann. "Wenn die Polizei zur Einschätzung gelangt wäre, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, hätte er das mit dem Leben bezahlen müssen."

Es sei Aufgabe der Bundeswehr und der Polizei, den Luftraum zu überwachen, sagte der Münchner Polizeisprechers Andreas Franken. "Wir konnten den Anflug kurz vorher bereits wahrnehmen und haben in einer Ersteinschätzung schon auch erkannt, dass es sich hier um eine Aktion von einer Umweltorganisation handelt."

Pforzheimer ist "erfahrener Motorschirmpilot"

Die Polizei wurde nach Angaben eines Greenpeace-Sprechers über die Protestaktion des Motorschirm-Piloten informiert. Unmittelbar vor der Aktion sei Beamten innerhalb und außerhalb des Stadions Bescheid gegeben worden, sagte Sprecher Benjamin Stephan am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Ein Münchner Polizeisprecher bestätigte dies nicht und sagte, darüber habe seine Behörde keine Informationen.

Als Grund für die Landung nannte Greenpeace-Sprecher Stephan ein defektes Handgas-Steuergerät an dem Motor, den der Pilot auf dem Rücken getragen hatte. Der 38-Jährige war den Angaben nach auf einer Wiese unweit des Stadions gestartet und bis zur Landung im Stadion etwa vier bis fünf Minuten in der Luft. Der Mann sei ein Aktivist der Umweltorganisation und ein sehr erfahrener Motorschirmpilot.

Protest in München: Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld während der EM-Partie Frankreich gegen Deutschland.
Protest in München: Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld während der EM-Partie Frankreich gegen Deutschland. | Bild: Christian Charisius/dpa

Der Greenpeace-Sprecher kündigte an, sich bei den beiden verletzten Männern entschuldigen zu wollen. Kontaktversuche seien aber bis zum Mittwochnachmittag gescheitert. Die Umweltschutzorganisation habe darüber hinaus jeglichen geplanten Protest auf Eis gelegt - zumindest so lange, bis der Vorfall aufgeklärt sei.

"Das ist kein Kavaliersdelikt"

Bundesweit hagelte es aus der Politik Kritik: "Das war eine unverantwortliche Aktion, die Menschen in große Gefahr gebracht hat", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Aktion sei zwar "Gott sei Dank einigermaßen glimpflich" ausgegangen, was auch "eine große Erleichterung" sei.

Trotzdem sollten die Verantwortlichen "schon selbstkritisch den Sinn solcher Aktionen hinterfragen, bei denen es um maximales Spektakel für maximale PR-Wirkung" gehe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte Konsequenzen an. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kann das deutsche Team im Stadion anfeuern: «Bayern ist froh, dass wir mit München Austragungsort sind.».
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kann das deutsche Team im Stadion anfeuern: «Bayern ist froh, dass wir mit München Austragungsort sind.». | Bild: Tobias Hase/dpa

Der Vorfall, der für die Münchner Polizei der nahezu einzige Wermutstropfen an einem ansonsten sehr friedlichen Fußballabend war, wird womöglich nicht nur für den Piloten, sondern auch für Greenpeace Konsequenzen haben: "Das Kommissariat 43 ermittelt, das für die Bearbeitung von politisch motivierten Organisationsdelikten zuständig ist", sagte Polizeisprecher Franken.

Pilot könnte Verlust seiner Lizenz drohen

"Aktuell haben wir eine Person." Ob sich die Zahl der Beschuldigten noch erweitere, sei Gegenstand der Ermittlungen. Eine Sprecherin des Deutschen Ultraleichtflugverbands kündigte an, im Falle einer Verurteilung des Piloten den Entzug seiner Lizenz zu prüfen.

Eigentlich hätte laut Greenpeace alles ganz anders ablaufen sollen. Ursprünglich wollte der Pilot nach Angaben von Greenpeace aus der Luft einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen - als Protest gegen Volkswagen, einen Sponsor der Fußball-EM. Dabei geriet der Motorschirm in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln, so dass er in einer steilen Kurve ins Stadion herabsank. Greenpeace entschuldigte sich noch am Abend für die Aktion. Am Mittwoch hieß es, der Pilot wollte gar nicht im Stadion landen, sondern lediglich den Ball ins Stadion schweben lassen. 

 

Ein Sprecher räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei - und entschuldigte sich. "Das tut uns wahnsinnig leid", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: "Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten." Greenpeace-Aktionen seien immer friedlich und gewaltfrei.

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  •   Rundbau-Gespenst
    (12535 Beiträge)

    17.06.2021 16:25 Uhr
    arbeiteten dort etwa keine
    Bayern?
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  •   AlterMann
    (314 Beiträge)

    17.06.2021 13:05 Uhr
    Motorschirm
    Was für ein Motor war denn da dran? Ein Elektromotor oder doch eher ein Zweitakter ohne Abgasreinigung?
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  •   Gaensebluemchen
    (598 Beiträge)

    17.06.2021 12:16 Uhr
    Was ein Trottel …
    … wohl noch nie gesehen, dass inzwischen jedes große Stadion ein Netz von Drähten über dem Feld hat, um Kameras hin und her zu fahren.
    Defekte Steuerung? Ausrede oder schlampige Vorbereitung.
    In jedem Fall Lizenz entziehen, der darf nie mehr in die Luft, schon als Abschreckung für andere Bruchpiloten…
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  •   Gaensebluemchen
    (598 Beiträge)

    17.06.2021 12:38 Uhr
    Interessant auch…
    … wie das Bild der dpa zustande kam. Kann fast nur von einer Drohne sein, denn um das Stadion gibt es keine hohen Standpunkte, von denen man diese Perspektive hätte. D.h. man war vorab über die Aktion informiert und konnte zeitgleich die Drohne fliegen lassen…
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  •   fahrbahnteiler
    (396 Beiträge)

    17.06.2021 12:02 Uhr
    Aktivist?
    Straftäter!
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  •   Gevatter
    (590 Beiträge)

    17.06.2021 11:47 Uhr
    Greenpeace radikalisiert leider,
    wie manch andere Umweltbewegungen immer mehr. Nur das man damit die Menschen nicht mitnimmt, sondern eher für die Sache abschreckt. Könnte für Terroristen eine Blaupause sein. Mit Greenpeace Fallschirm werde ich nicht abgeschossen.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12535 Beiträge)

    17.06.2021 16:26 Uhr
    ein Fall für die
    Flak !!!
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  •   haku
    (4191 Beiträge)

    17.06.2021 11:37 Uhr
    "erfahrener Motorschirmpilot"
    Anscheinend nicht, sonst hätte er eine solche Aktion von vornherein gar nicht gemacht und jedem anderen davon abgeraten.
    Kein erfahrener Pilot fliegt in einer Flugverbotszone. Kein erfahrender Pilot fliegt über einer größeren Menschenmenge. Und kein erfahrender Pilot wirft irgend etwas ab (das ist nämlich auch aus gutem Grund verboten).
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  •   kommentar4711
    (3166 Beiträge)

    17.06.2021 07:48 Uhr
    Dämliche Aktion
    Die Aktion war einfach dämlich. Zumal das ziel des Protestes, dass VW aus der Produktion der Verbrenner aussteigt, von VW doch schon längst angekündigt ist. Man gefährdet also Menschenleben von unbeteiligten um für etwas zu protestieren, was eh schon eingeläutet ist. Was ist nur aus Greenpeace geworden??
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