29  

Karlsruhe/Stuttgart "Zweite Rheinbrücke wird überhöht" - Gisela Splett im ka-news-Gespräch (Teil 2)

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat für November einen Faktencheck angekündigt, der die Notwendigkeit einer zusätzlichen zweiten Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth prüfen soll. Hierbei sollen zwei Tage lang alle offenen Fragen bezüglich des umstrittenen Projekt diskutiert werden. Der Faktencheck ist öffentlich. Im Anschluss soll eine politische Entscheidung fallen. Gisela Splett, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, sprach mit ka-news über die emotional geführte Debatte.

Das Thema "Zweite Rheinbrücke" sei mittlerweile stark emotional aufgeladen, findet Splett. "Wir müssen zu einer sachlichen Debatte zurückkehren", fordert sie im ka-news-Gespräch. Das Projekt dürfe weder von Gegnern noch von Befürwortern "überhöht" werden. "Alle Fakten müssen auf den Tisch, damit wir vernünftig über das Projekt reden können", betont die Karlsruher Grünen-Politikerin.

Keine Schlichtung - eher Podiumsdiskussion

Daher werden an zwei Tagen im November beim so genannten"Faktencheck" mehrere Referenten verschiedene Gutachten zur Brücke vorstellen und kontroverse Fragestellungen beleuchten. Vertreter von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Kommunen sind ebenfalls eingeladen. Auch Bürger können teilnehmen und mit diskutieren. "Wir wollen Fragen, die das Publikum interessieren, soweit als möglich beantworten", so Splett.

Bei dem Faktencheck handele es sich um keine Schlichtung á la Geißler, sondern mehr um eine Art Podiumsdiskussion. Ein Schlichter sei nicht vorgesehen. Alle wichtigen Daten zum Thema sollen zusammengetragen und analysiert werden, dadurch ein möglich umfassendes Bild der aktuellen Situation auf der Rheinbrücke entstehen. Da der Faktencheck ergebnisoffen geführt werde, könne er auch das Ende der derzeitigen Planungen zur zweiten Rheinbrücke bedeuten, erklärte Splett. Am 25. März wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet - zwei Tage vor der Landtagswahl.

"Die Brücke ist in gutem Zustand und wird lange halten"

Im Landtagswahlkampf sprach sich Splett noch klipp und klar gegen eine zweite Rheinbrücke aus. Doch als Regierungsmitglied könne sie die "klassische Oppositionsrolle" nicht mehr durchziehen, sagt sie. "Ich habe mich immer gegen eine Nordtangente ausgesprochen", so Splett. Dieser Meinung sei sie auch heute noch. Letztlich müsse die Landesregierung aber die beste Lösung für eine dauerhafte leistungsfähige Rheinquerung finden. "Ich möchte nicht, dass wir eine Brücke haben, die nicht funktioniert", so Splett. Mit einem "Brücken-Torso" sei schließlich niemandem geholfen.

Splett bemängelt die unterschiedliche Wahrnehmungen über den aktuellen Zustandder Rheinbrücke in der Öffentlichkeit. So geht ein Bericht des Regierungspräsidiums davon aus, dass aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens die Brücke bereits 2015 an ihr Lebensende kommen könnte. Das sei aber nur der Fall, wenn die Brücke nicht instandgehalten werde, meint Splett. "Die Brücke ist gepflegt und in einem guten Zustand." Sie habe sich kürzlich vor Ort persönlich davon überzeugt. "Unserer Einschätzung nach, kann die Brücke noch lange halten." Das die Brücke in einem katastrophalen Zustand und marode sei, entspreche nicht den Tatsachen. Den genauen Zustand werde ein von der Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten klären.

Ersatzbrücke ist Option

Doch bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen müsste die Brücke vermutlich vollständig gesperrt werden. Dadurch drohe nach Ansicht der Befürworter ein Verkehrskollaps in der Region. Denn die Brücke sichere die Lebensader für den wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Austausch der Menschen.

"Ob und wie lange die Brücke im Sanierungsfall gesperrt werden müsste, ist reine Spekulation", sagt Splett. Sollte der Faktencheck zum Ergebnis kommen, dass eine Sanierung keinen Sinn mache, gebe es immer noch die Option einer Ersatzbrücke. Dieser Vorschlag sieht vor, dass eine Brücke direkt neben die bestehende Rheinbrücke gebaut wird. Der gesamte Verkehr könne dann ohne großen baulichen Aufwand auf diese verlegt werden. Währenddessen könnte die bestehende Brücke ohne eine Beeinträchtigung des Autoverkehrs demontiert werden.

"Ohne Brücke bricht der Wirtschaftsstandort Karlsruhe nicht zusammen"

Täglich überqueren etwa 80.000 Fahrzeuge die Brücke, die Planer gingen 1966 von 32.000 aus. Diese Last schaffe die Brücke auf Dauer nicht, befürchten Befürworter einer zweiten Brücke. Splett lässt das nicht gelten. "Die Brücke war damals schon mit Reserven geplant", so die Grünen-Politikerin. Es sei von vornherein klar gewesen, dass mehr Fahrzeuge darüber fahren könnten. Zudem bezeichnet die Verkehrsexpertin die Debatte um Verkehrsprognosen als "müßig". Keiner könne genau vorhersagen, wie sich der Verkehr künftig entwickeln werde.

Splett ist sich sicher: "Ohne die Brücke wird der Wirtschaftsstandort Karlsruhe nicht zusammenbrechen." Auch bedeute der Bau der Brücke nicht unbedingt den Einstieg in die große Ost-West-Autobahn, den die Grünen unter keinen Umständen wollen. Die Wahrheit liege irgendwo dazwischen, zeigt sich Splett kompromissbereit. Diese soll im November der Faktencheck herausfinden.

Das Gespräch mit Gisela Splett führten Felix Neubüser und Moritz Damm. Der Artikel ist Teil der ka-news-Serie "Zum Thema", bei der in loser Folge Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport zu einem aktuellen Thema zu Wort kommen.

In einem ersten Artikel ging es heute Morgen um die Frage, wie die Zusammenarbeit mit der SPD funktioniert und warum die neue Staatssekretärin nun ein Feldbett in Stuttgart braucht.

Mehr zum Thema
Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (29)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (139 Beiträge)

    21.09.2011 21:33 Uhr
    Genug Lärm, Abgase und Belastunen im Westen von KA
    Ob es die Grünen, die CDU oder die IHK wollen oder nicht, KA braucht keine zweite Rheinbrücke im Stadtgebiet von KA sondern eine Entlastung der Bürger in Knielingen, in der Eckener Straße, am Entenfang, am Lameyplatz, in Grünwinkel und in Daxlanden. Dies wird nur durch einen Autobahnlückenschluss zwischen der A 65 und der A5/A8 südlich von KA,mit Abfahrten zur B 36, wie dies im Bundesverkehrswegeplan sinnvollerweise auch lange vorgesehen war, erreicht. Die Daimler Werke in der Region z.B. können dann, ohne die Bevölkerung von KA zu belasten, das Werk in Wörth erreichen, auch das Fleischwerk belastet KA nicht, aber noch wichtiger, der europäische Fernverkehr und Reiseverkehr terrorisiert nicht mehr in unerträglichem Maße die Bevölkerung von KA. Warum nur, wollen dies insbesondere die CDU-Verantwortichen in KA nicht begreifen und dafür kämpfen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    20.09.2011 20:32 Uhr
    Grün gleich Rückschritt und Verarmung
    Und das alles aus nichtigen Gründen.
    Jahrelang das Teater um die Kernenergie und EE mit immer weiter Steigenden Strompreisen die uns im Kommenden Jahr wohl um einiges von der lässtigen Industrie "befreien wird".
    Dann S21 und nun auch die Rheinbrücke.
    ÖKO Scholastig wo es nur geht.
    Die Frage bleibt wo denn eine zweite Reinbrücke wirklich die Umwelt belasten würde.

    Aber bitteschön 2015 werden wir vieleicht, bei fortschreitender ÖKO Scholastig, soweit sein das Täglich nur noch soviele Autos über diese Brücke rollen das sie ewig hällt.
    Wenn Sie dann nicht wegen der "Erderwärmung" unter der Eis und Schneelast eines nicht vorhandenen Winterdienstes zusammenbricht.

    Es Grünt so schön.........
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   seelenheil
    (484 Beiträge)

    20.09.2011 11:41 Uhr
    Staatssekretärin mit dem Auto nach Stuttgart
    nanana... darf die das? Wartet wohl auf den U-Bahnhof S21, damit sie mit der Bahn dahinfährt. Aber statt kostenfrei mit Abgeordnetenmandat lieber mit dem Dienstwagen. Ist das wenigstens ein Hybrid oder E-Auto?
    Wenn sie mit dem auto nach Stuttgart will und die A 8 zu ist, dann gibt es wenigstens diverse Straßen, mit denen man diesen Engpaß umfahren kann, Richtung Pfalz geht das nur mit Riesenumweg.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (9950 Beiträge)

    20.09.2011 16:25 Uhr
    !
    Wenn die A8 zu ist, dauert's auf den anderen dann total verstopften Straßen vermutlich mindestens genauso lange wie bei der Rheinbrücke der Umweg über Germersheim ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   seelenheil
    (484 Beiträge)

    20.09.2011 11:38 Uhr
    Alte Autobahnkarten
    findet man unter www.autobahnatlas-online.de

    Die Rheinbrücke 1 wurde 1966 für ca. 30.000 Fahrzeuge täglich mit je 2 Spuren je Richtungsfahrbahn eröffnet, also 15.000 pro Richtungsfahrbahn.
    Dann kam 1991 die Umwandlung der Standspur in die LKW-Verkehr, Blödsinn wie ich finde, da damit die Lebenserwartung gesenkt wurde und der erkennbare Bedarf an einer zweiten Rheinbrücke geschoben wurde.
    Dennoch, rechnen wir weiter. eine zusätzliche Spur je Richtung = +15.000 Autos = 45.000 Autos.

    Kommt jetzt die zweite Rheinbrücke, wird die Rheinbrücke 1 im zuge der Sanierung wieder zu einer zweispurigen Straße, was sowohl dem Lärmschutz als auch der Zusammenführung der Verkehrsströme gut tut.

    Es gibt dann zwei Brücken mit je 2 Spuren je Richtung, also insgesamt für 60.000 Fahrzeuge. das ist mal zukunftsorientiert!
    Die morgendliche und abendliche Spitzenbelastung wird auch so aufgefangen.

    Würde der Verkehr steigen, bräuchten wir noch südlich die Rheinbrücke 3, für den Fernverkehr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (9950 Beiträge)

    20.09.2011 16:22 Uhr
    !
    Zitat von Dennoch, rechnen wir weiter. eine zusätzliche Spur je Richtung = +15.000 Autos = 45.000 Autos.

    Ja klar doch, auf der A5 bei KA fahren ja auf den 3 Spuren auch kaum Autos ...

    3 Spuren sind für 100.000 gut genug, notfalls auch mehr, und die haben wir noch längst nicht ...

    Wem die Statik der drangeflickten Spur nicht schmeckt: Es wäre ein leichtes und Stand der Technik, die Nutzung dieser Spur auf die eine Stunde Hauptverkehrszeit zu beschränken ...
    Und im übrigen könnte man das Problem der angeblich maroden und unterdimensionierten Brücke auch mit einer Ersatzbrücke bestens lösen, gleich auf 2x3 Spuren ausgelegt und so wartungsfreundlich wie jede andere gute Autobahnbrücke, wo bei Sanierung nur eine Hälfte gesperrt wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   samsonsulzbach
    (442 Beiträge)

    20.09.2011 09:34 Uhr
    Eine Entlastung
    der Brücke kann nur effektiv geschehen, wenn direkte Anbindungen an die B 9/B 36 erfolgen. Es fehlt doch an der Logik, wenn man nur eine zweite Brücke neben der ersten baut, aber die Anbindungen die gleichen bleiben. Dann wird zwar die Brücke entlastet, aber der Verkehr auf den Zufahrten (A 65/B10) bleibt gleich hoch. Und hier liegt doch der Hase im Pfeffer: warum will jeder Anlieger der Südtangente eine Lärmschutzwand für Mio. von €uronen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (2476 Beiträge)

    20.09.2011 09:29 Uhr
    Neubüser und Damm
    sollten sich nochmal das mit dem "daß/dass" und dem "das" von ihrer Grundschullehrerin erklären lassen, bevor sie Artikel schreiben.....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (2030 Beiträge)

    20.09.2011 06:39 Uhr
    Südtangente
    Zwei Fässer Bier und ein Bierglas, wenn man das Glas aus zwei Fässer füllt ist es zwar schneller voll aber die Fässer nicht schneller leer. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1673 Beiträge)

    20.09.2011 07:31 Uhr
    das passt :-)
    denn im artikel spricht man von der derzeitigen planung .... und die ist schlichtweg schei..e

    was nützt die zweite brücke wenn die anbindung an die b10 erfolgt - ist doch vollkommener schwachsinn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben