48  

Karlsruhe Zweite Rheinbrücke - aber bitte mit Radweg

Zweite Rheinbrücke so schnell wie möglich, aber bitte mit Radweg: Das forderten der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) und der Verband Region Rhein-Neckar (VRRN) in einer gemeinsamen Sitzung am Mittwoch in Karlsruhe. Die bestehende Rheinbrücke habe die Belastungsgrenze schon lange erreicht, eine zweite Rheinbrücke sei daher notwendig - so die Mehrheit des Gremiums. SPD und Grüne forderten Alternativen - wurden aber überstimmt.

Mit überwiegender Mehrheit (38 von 42 Stimmen) bekräftigte der Planungsausschuss am Mittwoch erneut die "Dringlichkeit einer baldigen Realisierung der zweiten Rheinbrücke". Zudem forderte das Gremium die Planer des Bundes auf, die neue Rheinbrücke mit einem Radweg zu versehen. Die Prüfung einer alternativen Behelfsbrücke zwischen der bestehenden Eisenbahn- und Rheinbrücke, wie von SPD und Grünen gefordet, wurde abgelehnt.

Rheinbrücke hat Belastungsgrenze erreicht

Leitender Baudirektor vom Regierungspräsidium Karlsruhe, Harald Protz, ist sich sicher, dass "die Belastungsgrenze der bestehenden Rheinbrücke schon lange erreicht ist". Täglich passierten 80.000 Fahrzeuge die Brücke. Dieses hohe Verkehrsaufkommen nage an der Substanz des Konstrukts, so dass die Brücke schon 2015 an ihr Lebensende kommen könnte, so Protz. Auch würden die Verkehrszahlen weiter steigen. Der Planer bezieht sich dabei auf ein Gutachten, aus dem hervorgehe, dass im Jahr 2025  sogar von einem Verkehrsaufkommen von 100.000 Fahrzeugen täglich auszugehen sei. Als die Brücke im Jahr 1966 erstmalig für den Verkehr freigegeben wurde, sei diese hohe Belastung nicht absehbar gewesen, betonte Protz. Damals seien die Planer von 32.000 Fahrzeugen ausgegangen.

Aufgrund der Belastung seien ab 2015 erhebliche Sanierungsmaßnahmen auf der Brücke erforderlich, prognostizierte Protz. Für eine notwendige komplette Erneuerung des Fahrbahnbelags und einer Sanierung der Tragseile sei eine Vollsperrung der Brücke unumgänglich. Die Vollsperrung der einzigen Verbindung zwischen Pfalz und der Region Karlsruhe hätte somit einen Verkehrskollaps zur Folge. "Wir brauchen eine zweite Rheinbrücke als Bypass für den Sanierungsfall", forderte der Baudirektor. Zugleich werde eine zusätzliche Rheinbrücke den Verkehr entflechten. Die neue Brücke, die die auf rechtsrheinischer Seite befindliche B36 mit der B9 auf pfälzischer Seite verbinden wird, soll nach derzeitigem Stand ein Viertel des Verkehrs über den Rhein aufnehmen und somit auch eine Entlastung für den Karlsruher Stadtteil Knielingen mit sich bringen.

Kein Radweg? - "blanker Hohn!"

Kritisiert wurde von allen Teilnehmern des Ausschuss, dass der Bund bei seinen Planungen keine Radwege auf der neuen Rheinbrücke vorgesehen habe. "Da der Bund von einer Kraftfahrstraße ausgeht, dürften auf der Brücke nach Auffassung des Bundes sowieso keine Fahrradfahrer unterwegs sein", erklärte Protz dem erstaunten Ausschuss. Diese Begründung des Bundes war für den Ausschuss nicht nachvollziehbar und wurde von den Sitzungsteilnehmern mit den Worten "absurd" und "blanker Hohn" quittiert. Das Gremium forderte daher in einer Resolution den Bund auf, die geplante Rheinbrücke mit einem Radweg zu versehen.

Kritisiert wurde das Projekt zweite Rheinbrücke von Regina Schmidt-Kühner. Nach Meinung der Karlsruher SPD-Politikerin sollte die Alternative einer Ersatzbrücke geprüft werden. Seltsam findet Schmidt-Kühner, dass verschiedene erstellte Gutachten zu unterschiedlichen Zahlen bei den Verkehrszahlen kommen. Außerdem forderte sie eine ergebnisoffene Fach- und Sachschlichtung.

Auch die Karlsruher Grünen-Stadträtin Bettina Lisbach forderte die Machbarkeit einer "Behelfsbrücke vernünftig zu prüfen". Außerdem sei es ein "Gebot der Fairness, das Planfestetllungverfahren auszusetzen, bis die neu gewählte grün-rote Landesregierung im Amt bestätigt sei." Die Vorschläge von SPD und Grünen sorgten jedoch für Unverständnis in dem mehrheitlich CDU geprägten Gremium. Der Ausschuss lehnte die Prüfung einer Ersatzbrücke ab.

Der Startschuss für eine zweite Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ist bereits am 25. März 2011 gefallen. Die Straßenbauverwaltung des Landes hat den Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den rechtsrheinischen Teilabschnitt zwischen der Landesgrenze mit Rheinland-Pfalz und dem Anschluss B10/Raffineriestraße bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe gestellt. Die Regionalverbände gehen davon aus, dass der endgültige Planfeststellungbeschluss Mitte 2012 vorliegen könnte.

Mehr zum Thema
Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (48)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   mueck
    (11769 Beiträge)

    15.04.2011 13:16 Uhr
    !
    Zitat von Khe ist Verkehrstechnisch (ausser ÖpnV) in den 70ger stehen geblieben

    Wären wir da stehen geblieben, hätten wir keine durchgehende Südtangente, keine Kriegsstr.-Ost, keinen Ostring, keine Nordtangente-Ost, ...
    Den stetigen Ausbau des Straßennetzes scheint keiner mehr richtig wahrzunehmen ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tok
    (7205 Beiträge)

    15.04.2011 14:32 Uhr
    und:
    Die "modernen" Stadtautobahnen in den USA und einigen deutschen Städten kann nur attraktiv finden, wer nie in einer solchen Stadt gelebt hat. Boston hat's kapiert. Es hat aber 10 Mrd Dollar gekostet die Sünde zu beseitigen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nullo
    (122 Beiträge)

    15.04.2011 08:37 Uhr
    Und deswegen
    kann ich nicht verstehen, dass man zwar von einer 2ten Rheinbrücke und Nordtangente für PKW´s spricht, aber nicht über einen ÖPNV an der geplanten Trasse. Davon hätten sicherlich auch die Anwohner Vorteile.

    Aber an den vergessenen Radweg hängt man sich auf.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tok
    (7205 Beiträge)

    15.04.2011 09:07 Uhr
    ich denke
    das liegt daran, dass die Eisenbahnbrücke, die auch von den Trams und S-Bahnen benutzt wird, noch lange nicht an der Kapazität ist. Über einen Bahnstau am Rhein ist mir jedenfalls nichts bekannt.
    Es gibt ja jetzt schon zwei Rheinbrücken bei Karlsruhe wie jeder ganz leicht sehen kann. Zusammen sind die noch längst nicht an der Kapazitätsgrenze. Den Anschein eines Bedarf nach einer - letztlich - DRITTEN Rheinbrücke kann nur eine getrennte Betrachtung der Verkehrsmittel Straße und Schiene erwecken. Zusammen reichen zwei Brücken bei weitem aus.

    Nun kommt sicher gleich wieder einer "aber manche müssen Auto fahren". Richtig, aber nicht alle und die die nicht müssen sind vermutlich noch längst nicht alle vom Auto auf die Bahn umgestieegen, wie die Tatsache zeigt, dass S51/S52 so schnell so gut angenommen werden.

    Ergo: Mehr Stadtbahnlinien über den Rhein statt einer neuen Auto-Brücke.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tok
    (7205 Beiträge)

    15.04.2011 08:15 Uhr
    Anderswo
    Der Artikel riecht zwar nach kalter Recherche und die Autorin kann "effektiv" und "Effizient" nicht auseinanderhalten (Link) interessant ist aber die Aussage über die Veränderung der symbolischen Aufladung des Autos in der jüngeren Generation. Das wird mehr Auswirkung auf die Verkehrsentwicklung haben als die Benzinpreisentwicklung.

    Wenn die Leute tatsächlich anfangen ihr Verkehrsmittel vernünftig zu wählen und das Auto nicht mehr zur Kompensation diverser eigener Verkürzungen brauchen, dann werden künftig sehr viel weniger Autos über die Straßen und also auch über die Brücke rollen. Zumindest oder vor allem dann, wenn man ihnen eine Alternative per ÖPNV anbietet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (435 Beiträge)

    15.04.2011 05:45 Uhr
    Die 2 Brücke muss her
    Entweder in Höhe von Eggenstein mit einer Nordtangente zum BAB Kreuz Hagsfeld oder Forchheim Anbindung über Silberstreifen nach Ettlingen zur Autobahn.

    Khe ist Verkehrstechnisch (ausser ÖpnV) in den 70ger stehen geblieben und nicht mit der Industrie gewachsen siehe Südtangente , wenn es ein bisschen klemmt, ist Stau.

    Jeder weiß das die Südtangente nur noch "Bundeswegtechnisch" eine Bundesstrasse ist Aber Real ist sie mittlerweile eine BAB !!

    Vielleicht sollten die Brücken u. Nordtangenten Gegner wegziehen, Fortschrittverweiger und engstirnige geistige Schwammköpfe.

    Egal woher der "Arbeiter" kommt ob aus der Pfalz, Elsass.... jede Firma ob z.B. Michelin, Brucker "Siemens".....usw. bringt Wirtschaftskraft ins Bauerndörfle Khe !! Dazu muss aber auch ein Wegnetz vorhanden sein.

    Tangente u. Brücke bringen für Knielingen sehr viel !! Und auch für den Rest von Khe.

    Aber immer erst dagegen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    16.05.2011 17:08 Uhr
    Verkehrstechnisch
    "Khe ist Verkehrstechnisch (ausser ÖpnV) in den 70ger stehen geblieben und nicht mit der Industrie gewachsen siehe Südtangente , wenn es ein bisschen klemmt, ist Stau. "

    Mein Vater meinte nach Erproben von Südtangente und Kriegsstraße, KA habe teilweise bessere Verkehrsinfrastruktur als Hamburg. Der hat sich beruflich (als Diplom-Bauingenieur Fachrichtung Städtebau) intensiv mit Verkehrsplanung beschäftigt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    15.04.2011 10:52 Uhr
    Die Südtangente
    ist eine Gemeindestraße.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kscgrufti
    (3729 Beiträge)

    15.04.2011 09:47 Uhr
    Erst Planung anschauen
    dann dummschwätzen, was die neue Brücke für Knielingen bringt ist alles nur keine Entlastung, die bringt doch nur Mehrverkehr, aber das kapieren solche Eindimensionaldenker wie du net.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    15.04.2011 01:56 Uhr
    Warum
    nicht gleich eine Radbrücke? Die Passerelle de deux rives in Kehl ist auch nur für Fussgänger, Radfahrer und Berlusconi zugelassen. Geht doch!

    Kann man doch daneben immer noch bauen, dann haben wenigstens die Autofahrer ihre Ruhe. Dem radfahrenden und fussläufigen Pfalzpendelverkehr kann man jedenfalls die Gesellschaft von Autos und Lastwagen nicht zumuten, soviel ist sicher.
    Die fünf Freizeitsportler sollen doch sehen wie sie über den big river kommen, wenn sie es unbedingt müssen!

    Mannmannmann...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.