37  

Karlsruhe Zwei halbe oder zwei ganze Rheinbrücken?

Braucht die Stadt Karlsruhe eine zweite Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe oder nicht? Reichen vielleicht auch "zwei halbe Brücken" aus? Die SPD hat kürzlich eine alternative Brückenplanung vorgeschlagen. ka-news nahm den Vorschlag unter die Lupe und sprach mit Gegnern und Befürworten.

"Wir brauchen keine zusätzliche zweite Rheinbrücke", da ist sich der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober sicher. Vielmehr müsse es das Ziel sein, die bestehende Rheinbrücke zu sanieren oder durch eine neue zu ersetzen. Dabei sei es wichtig, dass auch während der notwendigen Bauzeit der Autoverkehr zwischen Wörth und Karlsruhe erhalten bleibe.

Halbbrücke zwischen den bestehenden Brücken?

Stober schlägt ein alternatives Sanierungskonzept für die bestehende Rheinbrücke vor: Die alte Brücke soll durch zwei "halbe Brücken" ersetzt werden. Als halbe Brücken meint der Vorschlag die Spuren jeweils einer Fahrtrichtung, die als eigene Brückenkonstruktion gebaut werden sollen. Beide Halbstücke zusammen ergeben das abschließende Bauwerk.

Das Konzept sieht vor, dass zuerst die zukünftige südliche Fahrbahn der neuen Brücke als halbe Brücke zwischen die bestehende Rheinbrücke und die Bahnbrücke gebaut werden soll. Diese soll aus drei Spuren, einem Standstreifen sowie Fuß- und Radweg bestehen. Der gesamte Verkehr könne dann ohne großen baulichen Aufwand auf die neue Halbbrücke verlegt werden - jeweils zwei Spuren nach Osten und Westen.

Zwei dreispurige Halbbrücken

Daraufhin könne die bestehende Brücke ohne eine Beeinträchtigung des Autoverkehrs demontiert werden. Nach deren Abriss würde dann die nördliche Fahrbahn als zweite halbe Brücke mit ebenfalls drei Spuren gebaut - und zwar in der endgültigen Lage.

Nach der Fertigstellung der nördlichen Halbbrücke würde der gesamte Verkehr auf diesen Brückenteil verlegt; ebenfalls mit jeweils zwei Spuren nach Osten und Westen. Die südliche Halbbrücke wäre dann verkehrsfrei und würde nach Norden, an die nördliche Halbbrücke, verschoben. Anschließend könnte die neue Brückenkonstruktion mit den beiden dreispurigen Halbbrücken in Betrieb genommen werden.

Konzept technisch realisierbar

"Die Machbarkeit meines Vorschlages wurde bisher nicht in Zweifel gezogen", so der Abgeordnete Stober. Das Verschieben von Brücken sei eine bewährte Technik und so schon in den 80er-Jahren praktiziert worden.

Ein Bauingeneur, der für ka-news den Vorschlag überprüfte, kam zu dem Ergebnis, dass dieser technische Vorgang prinzipiell möglich sei. Die Örtlichkeiten müssten für Details allerdings genau untersucht werden. Außerdem müsste geprüft werden, ob sich dieser Vorgang finanziell lohne. Technisch sei das verschieben von Brücken aber kein Problem. Die südliche Halbbrücke würde mit hydraulischen Pressen angehoben und der Brückenüberbau auf dem Pfeiler an die andere, nördliche Halbbrücke herangeschoben.

2025: Mehr Verkehr oder nicht?

Stober hat den Vorschlag bereits bei der Landesregierung eingereicht. Das Verkehrsministerium des Landes bemängelt den Vorschlag der SPD jedoch in einem Antwortschreiben, das ka-news vorliegt. Bei der dargelegten Variante zur Sanierung der heutigen Rheinbrücke "handele es sich nicht um eine Sanierung der bestehenden Rheinbrücke, sondern um einen Neubau mit Demontage der bestehenden Brücke an Ort und Stelle". Das zukünftige Verkehrsaufkommen lasse sich aber nur mit einer zusätzlichen Brücke nördlich der bestehenden bewältigen.

Hierbei beruft sich das Ministerium auf ein Gutachten, das im Auftrag der Straßenbauverwaltungen der Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg erstellt wurde. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2025 etwa 100.000 Fahrzeuge täglich den Rhein an dieser Stelle überqueren werden. Das wären täglich etwa 20.000 mehr als 2006.

Zwei Gutachten - zwei Ergebnisse

Laut einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten, auf das sich Stober beruft, sei bis zum Jahr 2025 jedoch von keinem nennenswerten Verkehrszuwachs auf der bestehenden Rheinbrücke auszugehen. Die Verkehrsmenge im Jahr 2025 würde gerade einmal auf 85.900 Fahrzeuge pro Werktag steigen, so das Gutachten. "Der Bedarf einer zusätzlichen zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ist für mich daher nicht ersichtlich", so der SPD-Politiker.

Das Gutachten der Stadt hätte aber "die vorhandene Siedlungstätigkeit und die gewerbliche Entwicklung im Ballungsraum Karlsruhe/Wörth sowie die allgemeine Zunahme im Güterverkehr nicht in gleichem Maße berücksichtigt", argumentiert dagegen das Verkehrsministerium.

Ministerium begrüßt zweite Rheinbrücke

Das Ministerium favorisiert daher den Bau einer zweiten Nordbrücke. Eine mögliche Variante beginnt an der B9, wird entlang des Landeshafens Wörth weitergeführt, quert den Rhein mit der Nordbrücke und schließt an die B10 am Ölkreuz, wobei die Trasse auf baden-württembergischer Seite zum überwiegenden Teil auf bestehenden Straßen verläuft. Die aktuellen Kostenberechnungen würden sich für diese Variante auf rund 106 Millionen Euro belaufen.

Die Wichtigkeit einer solchen Maßnahme wird mit der "Bewältigung der anhaltenden Verkehrszuwächse auf der bestehenden Rheinbrücke" begründet. Diese Variante würde die - laut Ministerium unbedingt notwendige - Entflechtung des Verkehrs bewirken. Dies sei für die Verkehrsentlastung des Streckenabschnitts B9 bis B10 einschließlich des Wörther Kreuzes dringend erforderlich.

CDU: "Wir brauchen eine zweite Rheinbrücke"

Auch der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Karlsruher CDU, Ingo Wellenreuther, sieht das ähnlich: "Der Vorschlag von Johannes Stober ist absoluter Quatsch und abwegig. Eine zweite Rheinbrücke und der Bau der Nordtangente sind zwingend erforderlich. Wenn der Bund diese Lösung als sinnvoll erachtet und dafür finanzielle Mittel bereitstellt, dann wäre es absurd, hier querzuschießen. Wir können doch nicht auf 80 Millionen Euro Bundesmittel verzichten und stattdessen eine kommunale Lösung fordern, für die es kein Geld gibt", sagte Wellenreuther gegenüber ka-news.

Der CDU-Mann sieht den Bau der Nordtangente und einer zweiten Rheinbrücke als optimale Lösung. "Aber ich sage klipp und klar: Hände weg vom Hardtwald. Ich bin strikt gegen eine Abholzung und Durchschneidung des Hardtwalds. Die Lösung einer Untertunnelung des Hardtwaldes halte ich allerdings für attraktiv", sagte der CDU-Politiker.

Auch der Bund würde eine durchgängige Bundesstraße von der B9 zur A5 für eine sinnvolle Lösung halten. Hier müssten Politiker als Bürger denken und nicht als Parteimitglieder. Wer für eine solche Lösung auf Bundesmittel verzichte, der wolle Karlsruhe schädigen. Wellenreuthers eindeutiges Fazit: "Wir brauchen eine zusätzliche zweite Rheinbrücke."

 

 

 


Mehr zum Thema
Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (37)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.07.2010 07:48 Uhr
    Abwanderung von Unternehmen
    Neulich wurde gejammert, dass so viele Unternehmen aus KA ins Umland abwandern.

    Grandiose Idee denen auch noch eine zweite Brücke in die Pfalz zu bauen.

    "Liebe Mitarbeiter, unser Firmensitz wird künftig in Wörth sein. Durch die neue Brücke, ist es für euch alle ganz einfach möglich jeden Morgen über den Rhein ins Büro zu kommen."

    Und ruckzuck hat man auf diese Weise wirklich die 100.000.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   rheintaeler
    (772 Beiträge)

    29.07.2010 08:24 Uhr
    Blödsinn
    das wird eher anders herum der Fall sein. Der nördliche Landkreis hat bessere Entwicklungsmöglichkeiten und bereits gute Anbindung nach Osten. Die Vergrößerung des Einzugsbereichs nach Westen über den Rhein wäre für alle ein wirtschaftlicher Gewinn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   cape21
    (325 Beiträge)

    29.07.2010 09:15 Uhr
    man beachte...
    nördlicher landkreis...
    dann soll die brücke und verbindungsstraße auch dort gebaut werden...z.b. in philippsburg, da besteht dich auch schon eine rheinbrücke...die kann erweitert werden, und eine bundesstraße dorthin besteht auch schon und die strasse wäre im nördlichen landkreis...da passt doch alles...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11752 Beiträge)

    29.07.2010 10:58 Uhr
    !
    Die Germersheimer Brücke muss nicht erweitert werden, die ist schon reichlich überdimensioniert für die derzeit östlich und hinter der B9 westlich anschließenden Straßen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    29.07.2010 08:06 Uhr
    Ich würde mir mehr über die Ursachen
    der Abwanderung Gedanken machen. Man könnte aber auch warten bis das letzte Unternehmen weg ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    29.07.2010 03:55 Uhr
    Bezahlt
    "uns' Ingo" das dann alles aus seiner Tasche?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   elch
    (501 Beiträge)

    29.07.2010 15:53 Uhr
    Also Ich will wieder oben
    nur so geht es dass man fast ganz oben steht und die Diskussion ersichtlich ist.

    Wir brauchen diese zweite unnötige Brücke nicht!

    Die sollen von mir aus bei sich im Garten eine Brücke, einen Tunnel und eine Straße bauen und mit Ihren Autos dort spielen, aber nicht am Rhein und im Hardtwald
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.