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Karlsruhe Zwei halbe oder zwei ganze Rheinbrücken?

Braucht die Stadt Karlsruhe eine zweite Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe oder nicht? Reichen vielleicht auch "zwei halbe Brücken" aus? Die SPD hat kürzlich eine alternative Brückenplanung vorgeschlagen. ka-news nahm den Vorschlag unter die Lupe und sprach mit Gegnern und Befürworten.

"Wir brauchen keine zusätzliche zweite Rheinbrücke", da ist sich der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober sicher. Vielmehr müsse es das Ziel sein, die bestehende Rheinbrücke zu sanieren oder durch eine neue zu ersetzen. Dabei sei es wichtig, dass auch während der notwendigen Bauzeit der Autoverkehr zwischen Wörth und Karlsruhe erhalten bleibe.

Halbbrücke zwischen den bestehenden Brücken?

Stober schlägt ein alternatives Sanierungskonzept für die bestehende Rheinbrücke vor: Die alte Brücke soll durch zwei "halbe Brücken" ersetzt werden. Als halbe Brücken meint der Vorschlag die Spuren jeweils einer Fahrtrichtung, die als eigene Brückenkonstruktion gebaut werden sollen. Beide Halbstücke zusammen ergeben das abschließende Bauwerk.

Das Konzept sieht vor, dass zuerst die zukünftige südliche Fahrbahn der neuen Brücke als halbe Brücke zwischen die bestehende Rheinbrücke und die Bahnbrücke gebaut werden soll. Diese soll aus drei Spuren, einem Standstreifen sowie Fuß- und Radweg bestehen. Der gesamte Verkehr könne dann ohne großen baulichen Aufwand auf die neue Halbbrücke verlegt werden - jeweils zwei Spuren nach Osten und Westen.

Zwei dreispurige Halbbrücken

Daraufhin könne die bestehende Brücke ohne eine Beeinträchtigung des Autoverkehrs demontiert werden. Nach deren Abriss würde dann die nördliche Fahrbahn als zweite halbe Brücke mit ebenfalls drei Spuren gebaut - und zwar in der endgültigen Lage.

Nach der Fertigstellung der nördlichen Halbbrücke würde der gesamte Verkehr auf diesen Brückenteil verlegt; ebenfalls mit jeweils zwei Spuren nach Osten und Westen. Die südliche Halbbrücke wäre dann verkehrsfrei und würde nach Norden, an die nördliche Halbbrücke, verschoben. Anschließend könnte die neue Brückenkonstruktion mit den beiden dreispurigen Halbbrücken in Betrieb genommen werden.

Konzept technisch realisierbar

"Die Machbarkeit meines Vorschlages wurde bisher nicht in Zweifel gezogen", so der Abgeordnete Stober. Das Verschieben von Brücken sei eine bewährte Technik und so schon in den 80er-Jahren praktiziert worden.

Ein Bauingeneur, der für ka-news den Vorschlag überprüfte, kam zu dem Ergebnis, dass dieser technische Vorgang prinzipiell möglich sei. Die Örtlichkeiten müssten für Details allerdings genau untersucht werden. Außerdem müsste geprüft werden, ob sich dieser Vorgang finanziell lohne. Technisch sei das verschieben von Brücken aber kein Problem. Die südliche Halbbrücke würde mit hydraulischen Pressen angehoben und der Brückenüberbau auf dem Pfeiler an die andere, nördliche Halbbrücke herangeschoben.

2025: Mehr Verkehr oder nicht?

Stober hat den Vorschlag bereits bei der Landesregierung eingereicht. Das Verkehrsministerium des Landes bemängelt den Vorschlag der SPD jedoch in einem Antwortschreiben, das ka-news vorliegt. Bei der dargelegten Variante zur Sanierung der heutigen Rheinbrücke "handele es sich nicht um eine Sanierung der bestehenden Rheinbrücke, sondern um einen Neubau mit Demontage der bestehenden Brücke an Ort und Stelle". Das zukünftige Verkehrsaufkommen lasse sich aber nur mit einer zusätzlichen Brücke nördlich der bestehenden bewältigen.

Hierbei beruft sich das Ministerium auf ein Gutachten, das im Auftrag der Straßenbauverwaltungen der Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg erstellt wurde. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2025 etwa 100.000 Fahrzeuge täglich den Rhein an dieser Stelle überqueren werden. Das wären täglich etwa 20.000 mehr als 2006.

Zwei Gutachten - zwei Ergebnisse

Laut einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten, auf das sich Stober beruft, sei bis zum Jahr 2025 jedoch von keinem nennenswerten Verkehrszuwachs auf der bestehenden Rheinbrücke auszugehen. Die Verkehrsmenge im Jahr 2025 würde gerade einmal auf 85.900 Fahrzeuge pro Werktag steigen, so das Gutachten. "Der Bedarf einer zusätzlichen zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ist für mich daher nicht ersichtlich", so der SPD-Politiker.

Das Gutachten der Stadt hätte aber "die vorhandene Siedlungstätigkeit und die gewerbliche Entwicklung im Ballungsraum Karlsruhe/Wörth sowie die allgemeine Zunahme im Güterverkehr nicht in gleichem Maße berücksichtigt", argumentiert dagegen das Verkehrsministerium.

Ministerium begrüßt zweite Rheinbrücke

Das Ministerium favorisiert daher den Bau einer zweiten Nordbrücke. Eine mögliche Variante beginnt an der B9, wird entlang des Landeshafens Wörth weitergeführt, quert den Rhein mit der Nordbrücke und schließt an die B10 am Ölkreuz, wobei die Trasse auf baden-württembergischer Seite zum überwiegenden Teil auf bestehenden Straßen verläuft. Die aktuellen Kostenberechnungen würden sich für diese Variante auf rund 106 Millionen Euro belaufen.

Die Wichtigkeit einer solchen Maßnahme wird mit der "Bewältigung der anhaltenden Verkehrszuwächse auf der bestehenden Rheinbrücke" begründet. Diese Variante würde die - laut Ministerium unbedingt notwendige - Entflechtung des Verkehrs bewirken. Dies sei für die Verkehrsentlastung des Streckenabschnitts B9 bis B10 einschließlich des Wörther Kreuzes dringend erforderlich.

CDU: "Wir brauchen eine zweite Rheinbrücke"

Auch der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Karlsruher CDU, Ingo Wellenreuther, sieht das ähnlich: "Der Vorschlag von Johannes Stober ist absoluter Quatsch und abwegig. Eine zweite Rheinbrücke und der Bau der Nordtangente sind zwingend erforderlich. Wenn der Bund diese Lösung als sinnvoll erachtet und dafür finanzielle Mittel bereitstellt, dann wäre es absurd, hier querzuschießen. Wir können doch nicht auf 80 Millionen Euro Bundesmittel verzichten und stattdessen eine kommunale Lösung fordern, für die es kein Geld gibt", sagte Wellenreuther gegenüber ka-news.

Der CDU-Mann sieht den Bau der Nordtangente und einer zweiten Rheinbrücke als optimale Lösung. "Aber ich sage klipp und klar: Hände weg vom Hardtwald. Ich bin strikt gegen eine Abholzung und Durchschneidung des Hardtwalds. Die Lösung einer Untertunnelung des Hardtwaldes halte ich allerdings für attraktiv", sagte der CDU-Politiker.

Auch der Bund würde eine durchgängige Bundesstraße von der B9 zur A5 für eine sinnvolle Lösung halten. Hier müssten Politiker als Bürger denken und nicht als Parteimitglieder. Wer für eine solche Lösung auf Bundesmittel verzichte, der wolle Karlsruhe schädigen. Wellenreuthers eindeutiges Fazit: "Wir brauchen eine zusätzliche zweite Rheinbrücke."

 

 

 


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  •   mueck
    (11752 Beiträge)

    29.07.2010 11:16 Uhr
    !
    Hinter den 7 Bergen bei den 7 pfälzischen Zwergen bei Hinterweidenthal hat man gerade erst den Spaten gestochen für das letzte fehlende 7- äh, 4-spurige Stückchen B 10 bis zum Abzweig der B 427. Über die ab da ortsdurchfahrtenfreie B 10 mit der B 427 als Überlauf hat man dann schon sowas wie die transeuropäische Achse Rotterdam-Balkan ...

    Unsere Rheinbrücke ist schon 6-spurig, ist also nicht der Flaschenhals. Wir könnten eine 100-spurige Rheinbrücke bauen und ändern nix am Stau vor den 4 Südtangentenspuren.

    Da dar Stau normalerweise nur zur HVZ existiert, könnte man durch einen verstärkten ÖV-Ausbau sicher noch viel Staupotential verlagern.
    Ansonsten könnte man vorrangig überlegen, ob man die Südtangente 6-spurig macht, das wäre mit verbesserten Lärmschutz immer noch besser als eine neue Achse zu zerschneiden und zu verlärmen.
    Selbst eine Prognose von 100.000 ist nix, wofür man zwingend mehr als 6 Spuren braucht. Das wickelte die A5 nördl. KA schon vor 15 Jahren klaglos ab
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  •   peterkurr
    (143 Beiträge)

    29.07.2010 11:51 Uhr
    immer das ÖPNV-Ausbau Geschwätz
    Das ist doch nicht wirklich eine Alternative.
    Will ich von Nähe Durlacher- Tor nach Wörth braucht die S5 mindestens 10 Minuten um durch die Kaiserstraße zu kommen. Da bin ich ja mit dem Auto schon fast im Wörth.

    Noch schlimmer ist es ja wenn ich wo hin muß wo ich am HBF umsteigen muß. Da muß ich allein bis zum HBF schon min 20 Minuten einplanen.

    Ich hab jetzt nix gegen den ÖPNV, benutze ich auch sehr viel im Stadverkehr, aber wenn ich aus Ka raus muß hat man fast nur Nachteile.
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  •   cape21
    (325 Beiträge)

    29.07.2010 17:28 Uhr
    aber...
    im stau auf der südtangente stehst du halt schneller...gell???
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  •   mueck
    (11752 Beiträge)

    29.07.2010 15:48 Uhr
    !
    Zu einem Ausbau zum vernünftigen schnellen ÖV gehört m.E. auch eine stärkere Einbeziehung des DB-Halbrings samt zweiter Rampe und Güterstrecke Neureut, da liegen auch div. Gewerbegebiete dran.
    und in der Pfalz noch einiges.
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  • unbekannt
    (394 Beiträge)

    29.07.2010 14:43 Uhr
    Fahrrad
    Dann fahr doch mit dem Fahrrad durch die Innenstadt und steig dann erst in die S-Bahn ein!
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  •   Greif
    (1516 Beiträge)

    29.07.2010 12:19 Uhr
    Und warum...
    brauchen wir dann eine zweite Rheinbücke? zwinkern
    Zitat von peterkurr Da bin ich ja mit dem Auto schon fast im Wörth.


    Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen...
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  •   peterkurr
    (143 Beiträge)

    29.07.2010 13:58 Uhr
    :-)
    .... wenn frei ist :-P

    gut aufgepasst zwinkern

    ich glaube aber es ist klar was ich gemeint habe.Der OPNV ist nicht überall eine Alternative und ich denke bei uns in der Region ist der auch schon wirklich gut ausgebaut und würde nicht zu weiteren Entlastungen führen
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  •   mueck
    (11752 Beiträge)

    29.07.2010 15:56 Uhr
    !
    Zitat von Der OPNV ist nicht überall eine Alternative und ich denke bei uns in der Region ist der auch schon wirklich gut ausgebaut und würde nicht zu weiteren Entlastungen führen

    Gerade in die Pfalz rüber könnte ein guter Ausbau noch einiges bewirken an Verlagerung. Und es muss dann ja nicht jeder auf den ÖV umsteigen, eine Wirkung würde sich für die HVZ schon dann ergeben, wenn diejenigen umsteigen, für die es dann akzeptable Verbindungen gibt. Wer vom klienen pfäzischen Kaff ins badische Bruderkaff will, darf gerne weiter Auto fahren. Aber das ist nicht die Mehrheit derer, die den Stau bilden.
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  •   IGator
    (203 Beiträge)

    29.07.2010 09:53 Uhr
    Längst erledigt
    Wie ist es zu erklären, dass jetzt die Firma Edeka genau dort ein gigantisches Logistikzentrum baut wo die neue Brücke hin soll. Die wissen offentsichtlich schon, dass die CDU-Regierung das Projekt mit Brechstange und Taschenspielertricks dort hinklotzen wird. So ein Taschenspielertrick ist das Verkehrsaufkommen. Erst den Verkehr erschaffen und dann die Zahlen für den nächsten Schritt verwenden. Man gewinnt den Eindruck, dass CDU-Politiker uns Bürger nur als Geldgeber für ihre persönlichen Projekte betrachten. Zum Glück entwickeln unsere Kinder Resistenzen gegen diese archaischen Strukturen. Jetzt ist es unsere Aufgabe sie stark zu machen.
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  • unbekannt
    (1401 Beiträge)

    29.07.2010 10:02 Uhr
    Wo genau?
    Wo ist denn "dort"?
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