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Karlsruhe Planung zweite Rheinbrücke: Bündnis entdeckt über 100 Mängel

Ein länderübergreifendes Bündnis aus rund 30 Naturschutzverbänden und Bürgervereinen aus Karlsruhe und der Südpfalz stellt sich gegen den Bau einer zweiten Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth. Die Gegner haben die Pläne der beiden Planfeststellungsverfahren geprüft. Ihr vorläufiges Ergebnis: Die Planung enthält über 100 gravierende Mängel - die Brücke darf so nicht gebaut werden.

Bis zur Frist am 8. Juni will das Bündnis Einspruch beim Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) gegen die Pläne einlegen. Dirk Herrmann, der vom Bündnis beauftragte Rechtsanwalt, glaubt, die bisherige Planung halte weder einer fachlichen noch rechtlichen Prüfung stand. Die Unterlagen seien unvollständig, die beiden Planfeststellunsgverfahren nicht richtig koordiniert und Alternativen zu einer zweiten Rheinbrücke nicht beachtet worden.

Planung macht keinen Sinn

Der Rechtsanwalt spricht von einem "Schnellschuss". Die Unterlagen seien von den Behörden voreilig erstellt worden. Er vermisse die "letzte Genauigkeit", so Herrmann. Der jetzige Plan mache für Befürworter wie Gegner der Brücke keinen Sinn.

Die vorliegende Planung des RP beinhaltet den Bau einer Straßenbrücke etwa 1,4 Kilometer nördlich der bestehenden Rheinbrücke. Die Brücke soll an die linksrheinische B9 und die Raffineriestraße anschließen. Auf badischer Seite ist ein Anschluss an die B10 - Sürdtangente - am sogenannten Ölkreuz geplant.

Datengrundlage "erbärmlich"

Die Planungen seien "haarsträubend", meint Johannes Becker, Vertreter des BUND Südpfalz. Da die zweite Rheinbrücke auf Karlsruher Seite über das Ölkreuz an die Südtangente angebunden werden soll, würde sie ein "Verkehrstorso", so Becker. Denn ohne das Folgeprojekt "Anbindung B36 - Nordtangente Karlsruhe" funktioniere das Bauwerk nicht. Denn die Fahrbahnverengung auf zwei Spuren zwischen der alten Rheinbrücke und der Abfahrt Rheinhafen bleibe erhalten. "Die Stauproblematik bleibt ungelöst", ist sich Becker sicher. Einen Anschluss an die B36 und den Bau einer Nordtangente lehnt das Bündnis aber katgeorisch ab.

Große Mängel sieht das Bündnis vor allem beim Naturschutz: Die heimischen Tier- und Pflanzenarten würden in den Planungen nicht ausreichend beachtet, so Carsten Weber vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV). "Ich hatte noch nie ein so schlechtes Verfahren auf dem Tisch", empört sich Weber. Die Unterlagen enthielten etliche Formulierungen, die "fachlich nicht haltbar" seien. Auch die Datengrundlage sei "erbärmlich" und viele vorgeschlagenen Maßnahmen "höchst fragwürdig". Bereits die Untersuchung vorkommender Tier- und Pflanzenarten sei als unzureichend anzusehen. Die verwendeten Untersuchungen aus den Jahren 2004 und 2005 könnten nicht mehr als aktuell angesehen werden. Der Bestand von Biber, Haselmaus, Kammmolch und vielen Fischarten würde nicht richtig bewertet.

Seltene Tierarten in Gefahr

Die derzeitige Planung würde mehr als einhundert Arten gefährden, möglicherweise sogar ganz aus der Region vertreiben, prognostiziert Becker. Bei Vögeln würden bekannte Brutplätze seltener Arten zerstört. Durch den geplanten Straßenverlauf würden alleine zwei von gerade einmal fünf Brutplätzen der seltenen Zwergdommel in der Region vernichtet. Auch einfache Maßnahmen wie der Bau von Tunneln für Amphibien sei in der Planung nicht vorgesehen. Damit Kröten und Molche die Straßen sicher überqueren könnten, seien diese Ausgleichsmaßnahmen aber notwendig, so Becker.

Bei den beeinträchtigten Lebensraumtypen zeige sich das unrealistische Wunschdenken der Planer in der unzutreffenden Einschätzung, dass Lebensräume wie Kalkniedermoore, Pfeifengraswiesen oder Alteichenbestände kurzfristig herstellbar seien. Doch ohne funktionsfähige Ausgleichsmaßnahmen sei das Bauvorhaben unzulässig, sagt auch Anwalt Herrmann.

Fokus auf die Schiene

Zudem kritisiert der Anwalt die Aufspaltung der Planung. Jedes Bundesland plant nur einen Teil der Brücke sowie deren Anschluss. Dies sei rechtlich zwar zulässig, allerdings müsse das Konstrukt in seiner Gesamtheit gesehen werden. Die vorliegenden Pläne bezeichnet Herrmann als "höchst problematisch". Beide Verfahren beschäftigten sich nur mit ihrer Seite und prüften nicht, ob ihre Pläne auch auf der anderen Rheinseite zu verwirklichen seien. "Jeder schustert hier seinen eigene Stiefel", so Herrmann.

Herbert Jäger vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass die Verkehrsprognosen mit den amtlich erhobenen Verkehrszahlen weder übereinstimmten noch der Personen- und Güterverkehr auf der Schiene in den Unterlagen berücksichtigt werde. Auf den bereits bestehenden Gleisen und der Eisenbahnbrücke über den Rhein könnten durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs über 8.000 Pkw während des Berufsverkehrs von der Straße auf die Schiene geholt werden. Die Befürworter einer zweiten Rheinbrücke argumentieren, dass wegen einer allgemeinen Verkehrszunahme und der bevorstehenden Generalsanierung der bestehenden Rheinquerung der Bau einer zusätzlichen Brücke notwendig sei.

Insgesamt fordert das Bündnis gegen die Brücke Politik und Behörden auf, sich von der vorliegenden "mangelhaften Planung" zu verabschieden. Das Bündnis fordert ein transparentes Verfahren unter Beteiligung der Bevölkerung. Sanierungsmaßnahmen der bestehenden Brücke oder eine Ersatz- oder Behelfsbrücke seien laut Bündnis der richtige Ansatz.

Karlsruher Gemeinderat gegen die Brücke

Wenn das Bündins jetzt keinen Einspruch gegen die Planungen formulieren und jeden kleinsten Mangel untersuchen würde, könnten diese bei einer späteren Klage gegen einen Planfeststellungsbeschluss nicht mehr aufgegriffen werden, so BUND Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe. "Diese Einwendung ist notwendig um diese Brücke zu verhindern."

DerKarlsruher Gemeinderat hat sich bereits am Dienstag gegen eine zweite Rheinbrücke, wie sie aktuell vom Bund geplant wird, entschieden. Kostenträger des Bauvorhabens ist die Bundesrepublik Deutschland. Zur Erlangung des Baurechts muss ein Planfeststellungsverfahren erfolgeich abgeschlossen werden. Das vollständige Planfeststellungsverfahren zur zweiten Rheinbrücke kann beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingesehen werden. Die Unterlagen finden Siehier.

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Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    31.05.2011 08:32 Uhr
    2. Rheinbrücke
    Diejenigen die sich so vehement gegen die 2. Rheinbrücke wehren sei eins gesagt: überlegt euch mal, dass die Region Karlsurhe stark von den Pendlern profitiert.
    Karlsruher Politiker verweigern sich doch allem: auch eine 3. Spur von der Rheinbrücke in Richtung Knielingen (Platz wäre genug vorhanden) wird abgelehnt.
    Dann sollen diese Leute Alternativen offenlegen, immer nur nein sagen kann ichauch, das löst daas Problem aber nicht.
    Wenn ich aber die Diskussion über die Nordtangente, die nunmher schon ca. 30 Jahre geführt wird betrachte, habe ich wenig Hoffnung dass sich was tut.
    Und das Totschlagargument die Schiene ist die Alternative, da lach ich ja nur.
    Wollte mal sehen was passiert, wenn alle Pendler versuchen auf die Schiene umzusteigen, DAS GEHT NICHT!!
    Also überlegt euch was, denn auch ich pendle über die Brücke und stehe dann irgendwann da und weiss nicht mehr wie ich rüberkomme!!
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    31.05.2011 09:52 Uhr
    Natürlich
    können und sollen nicht ALLE Pendler auf die Schiene umsteigen. Es reicht doch völlig, wenn ein Angebot geschaffen wird, das von so vielen Pendlern angenommen wird, dass es nur noch in Ausnahmefällen zu Stau kommt, und dass für halbseitige Sperrung während der Brückensanierung die Bahnen als Option zur Verfügung stehen.

    Als erster Schritt wäre eine Erhebung interessant, wie groß das Potential für ÖPNV-Nutzung ist, d.h. wie viele Pendler gerner (!) die Bahn nutzen würden, wenn ihre Ort in der Art S51/S52 oder besser an das KVV-Netz angeschlossen wäre.

    Denn eines gibt es bislang nicht: Bahn-Staus vor der Eisenbahnbrücke, oder?
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  •   Waterman
    (6144 Beiträge)

    31.05.2011 09:51 Uhr
    Die Verlängerung der 3. Spur aus der Pfalz bis Ausfahrt Knielingen
    wäre eine relativ einfache, billige und schnell zu verwirklichende Maßnahme, die ganz sicher eine positive Wirkung hätte.

    Pro 3. Spur!
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  • unbekannt
    (81 Beiträge)

    30.05.2011 05:29 Uhr
    verbreiterte strassen oder mehr spuren...
    und diese Brücke haben für das verkehrsaufkommen nichts gebracht und werden nichts bringen.
    es bringt nur mehr Verkehr, weil endlich freie Fahrt versprochen wird.
    Das einzig positive ist weniger Fahrzeuge.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.05.2011 09:59 Uhr
    Frage
    Hier zunächst nochmal die geplante Trasse.

    Um welches Ziel zu erreichen würde man so fahren, wenn die bestehende Brücke befahrbar ist? Jockgrim, Rheinzabern, Neupotz, Leimersheim (für welches alternativ schon die Fähre bereit stünde), Rülzheim, Bellheim, Hördt.
    Dann kommt schon Germersheim, wohin man besser über die dortige Brücke gelangt.

    In der Summe also eine Brücke, um Karlsruhe mit ca. 27.000 Bürgern in der Pfalz zu verbinden. Und zwar Bürgern in Orten, durch die größtenteils schon die einzige S-Bahn-Linie des KVV führt, die linksrheinisch nennenswert Kilometer macht.

    Die Brücke und ihre Anbindung in der jetzigen Form machen vielleicht als temporäre Poton-Brücke für die Sanierungszeit der bestehenden Brücke SInn.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    29.05.2011 02:39 Uhr
    Normalerweise
    würde man jetzt erstmal eine Brücke bauen und dann später überlegen wo und wie man sie anbindet. Das fndet sich dann schon.

    Aber hier wird einfach zuviel gelabert. grinsen
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  • unbekannt
    (435 Beiträge)

    28.05.2011 16:40 Uhr
    Bin zu 100% für 2 te Brücke
    Aber in dieser Form bzw. mit dieser Trassenführung, absoluter Schwachsinn und Meilenweit am Ziel der Entlastung der Südtangent / Brücke vorbei.

    Brücke Ja aber nicht SO !

    Weiter Oben Höhe Leimersheim / Eggenstein

    Weiter Unten Höhe Forchheim / Silberstreifen / Ettlingen

    Hier Denkt einer nicht weiter als er Pis... kann
    Sorry für die harten Worte.

    Aber so ein geistigen Müll als Entlastung zu "Erfinden" (Trassenführung Anbindung an B10) kann man nur nach einem Vollrausch verbocken ! Ein normaler Menschen der auch hier "lebt" kapiert es sofort, das diese Form nicht geht.
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  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    28.05.2011 16:01 Uhr
    Meine vielgeliebte
    alte Heimatstadt warum hast du nur so viele Probleme? Was ist mit meinem gemuetlichen Beamtenstaedtchen geschehen?
    Lausige Stadtplaner und noergelnde Buerger.

    Ok hier mein Vorschlag um endlich Hirn in die ganze Sache zu bringen.
    Ich wuerde auf jeden Fall die neue Bruecke nicht noerdlich, sondern suedlich der Alten bauen.
    Hier koennt ihr meinen Bauvorschlag einsehen.

    http://www.audrey4.co.za/bulls/bruecke.jpg

    Ich hoffe, damit hat sich der Aerger geregelt.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.05.2011 09:49 Uhr
    Die Lage
    der Aufprallmauer in der Nähe des Friedhofs ist sinnvoll gewählt. Auf eine solch gute Lösung käme nicht jeder Politiker.
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  •   80er
    (5596 Beiträge)

    28.05.2011 16:02 Uhr
    Du machst....
    ....großen Spass....
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