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Koblenz/Wörth Nach Klage des BUND: Oberverwaltungsgericht verhandelt Streit um Rheinbrücke Maxau

Tausende Berufspendler fluchen über die Staus zwischen Wörth und Karlsruhe. Eine zweite Rheinbrücke soll Abhilfe schaffen. Doch das kann dauern - zunächst beschäftigen sich Richter mit dem Projekt. Eisvögel und Purpurreiher spielen in dem Prozess eine Rolle.

Naturschützer sorgen sich um seltene Tiere, Behörden wollen weniger Staus: Mit dem Streit um den Bau einer zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe befasst sich am Mittwoch, 9. Oktober, das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz. "Das Verfahren ist komplex", sagt Gerichtssprecherin Sabine Wabnitz in Koblenz. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) plant zur Sicherheit mögliche "Verlängerungstermine" an den beiden Folgetagen ein.

Ein Urteil wird erst später erwartet. Gegen den Brückenneubau sind mehrere weitere Klagen, unter anderem des BUND, in Mannheim beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg anhängig. Im Februar hatte VGH-Präsident Volker Ellenberger mitgeteilt, den Fall wegen fehlender Kapazitäten wohl nicht mehr in diesem Jahr zu verhandeln.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor längerer Zeit Klage gegen das Land Rheinland-Pfalz eingereicht. Das OVG in Koblenz ist in diesem Fall erste Instanz. Der BUND hat seinerzeit mitgeteilt, er zeige "Flagge gegen eine jahrelang generalstabsmäßig von Politik und Wirtschaft vorangetriebene Kampagne zugunsten eines überflüssigen Verkehrsprojektes". Bei einem Bau der Brücke als Teil der Bundesstraße 293 würden seltene Tierarten leiden.

Zwei europäische Vogelschutzgebiete und ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet) könnten beeinträchtigt werden. Der Autostau würde mit einer zweiten Brücke nur nach Karlsruhe verlagert.

Vogelarten könnten unter Brückenbau leiden

Die rheinland-pfälzische BUND-Landeschefin Sabine Yacoub sagte nun der Deutschen Presse-Agentur: "Unter anderem könnte die größte Kolonie von Purpurreihern in Rheinland-Pfalz mit der neuen Trasse verschwinden." Sie habe sogar nationale Bedeutung. Auch Eisvögel, Zwergdommeln und Waldkäuze wären beispielsweise betroffen.

Mit Blick auf die überlastete bestehende Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ergänzte Yacoub: "Wir fordern einen deutlich verbesserten Öffentlichen Personennahverkehr." Notfalls könnte sich der BUND auch eine neue Rheinbrücke direkt parallel zur bestehenden Querung vorstellen, um den Eingriff in die Natur zu verringern.

Paralleler Neubau komme nicht infrage

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Koblenz verweist in Vertretung des beklagten Bundeslandes Rheinland-Pfalz auf "die gesetzliche Bedarfsfeststellung als Vorhaben des vordringlichen Bedarfs". Bei einer Beeinträchtigung der Schutzgebiete seien die Voraussetzungen einer Ausnahmezulassung gegeben.

Der Bau sei auch mit Blick auf Artenschutz und Wasserrahmenrichtlinie unbedenklich. Ein Neubau direkt parallel zur bestehenden Brücke komme "wegen unzumutbarer Mehrbelastungen der Bevölkerung durch Verkehrsimmissionen" nicht infrage.

Die existierende, 1966 eröffnete 292 Meter lange Schrägseilbrücke war für nur 18.000 Fahrzeuge pro Tag geplant, wurde aber zuletzt täglich von rund 80.000 Fahrzeugen überquert. Ihre Sanierung läuft. Vor allem der massiv zugenommene Lastwagenverkehr hatte sie beschädigt. Die neue Brücke soll 1,4 Kilometer nördlich der bestehenden Rheinquerung entstehen. Die Kosten von 107 Millionen Euro übernimmt der Bund.

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Kommentare (55)
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  •   dipfele
    (5554 Beiträge)

    07.10.2019 15:17 Uhr
    Wenn ein Alkoholiker.....
    … unter schrumpfender Leber leidet, gibt man ihm dann noch mehr Alkohol?
    So ist es auch mit der 2. Strassenbrücke. Mit weniger verkehr wären wertvolle Biotope und die Anwohner in Maximiliansau geschützt. Aber auf die Idee muss "man" ja erstmal kommen.
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  •   mueck
    (10933 Beiträge)

    07.10.2019 11:38 Uhr
    !
    Fakt ist, dass der Alltagsstau abseits von Baustellen nix mit der Rheinbrücke mit 6 Spuren zu tun hat, sondern mit dem Engpass mit 4 Spuren dahinter. Die anderen Sachen wären allenfalls ein Argument dafür, die jetzige durch einen Neubau zu ersetzen, aber nicht für eine zusätzliche Brücke, die hochwertige Naturschutzgebiete zerstören würde.

    Wenn Du in HH schon jedes Brückchen über einen Dorfgraben dazuzählst, müsste man die in KA auch dazuzählen und käme bestimmt auch auf eine stattlichere Zahl ... Mal davon abgesehen, dass es in HH mehr Dorfgräben gibt, feuchte Ecke das ...
    Zählt man mal die Möglichkeiten, in HH über die Elbe zu kommen, wird die Zahl der Querungsmöglichkeiten auch seeeehr übersichtlich ... (Direktes Vergleichen der Brückenzahl wird durch die Teilung in Norder- und Süderelbe schwierig, aber es sind eigentlich weniger Querungsmöglichkeiten als im kleineren Köln)
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  •   Berty87
    (615 Beiträge)

    07.10.2019 11:04 Uhr
    Stell
    Dir mal Köln vor. Wenn die auch nur eine Brücke hätten.
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  •   mueck
    (10933 Beiträge)

    07.10.2019 11:29 Uhr
    !
    Köln: 6 Brücken auf 15 km für einen Großraum mit 2 Mio. Einwohner (Köln 'ne Mio., Leverkusen und Berg. Gladbach mit über 100.000 und noch 'n paar).

    2 Mio / 6 = 333.333, eine passt also für KA und das Dorf gegenüber ...
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  •   Berty87
    (615 Beiträge)

    07.10.2019 11:53 Uhr
    Nochmals
    Stell dir vor Köln hätte nur 1Brücke zur Verfügung aber für denn Zugverkehr.

    Und die würden dort auch geschiss machen.

    Was gebe es hier für eine Panik
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  •   mueck
    (10933 Beiträge)

    07.10.2019 12:10 Uhr
    Hab's mir vorgestellt
    ... und dabei festgestellt, dass ein Vergleich der beiden Städte völlig absurd ist, da der Raum Köln rund 5x mehr Einwohner hat, die Stadt beiderseits des Rheins liegt und völlig anders ins Fernstraßennetz eingebunden ist ...
    Du vergleichst Kirschen mit Wassermelonen ...
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  •   Der_Pendler
    (100 Beiträge)

    07.10.2019 13:25 Uhr
    Äpfel & Äpfel
    Speyer: 2 Brücken
    nächste Brücke südlich: Germersheim 11km Luftlinie entfernt

    Mannheim/Ludwigshafen: 2 Brücken
    nächste Brücke nördlich: Frankenthal 7 km Luftlinie entfernt

    Wörth/Karlsruhe: 1 Brücke
    nächste Brücke nördlich: Germersheim 22 km Luftlinie entfernt
    nächste Brücke südlich: Iffezheim 27 km Luftlinie enfernt

    Finde den Fehler (lieber mueck)...

    In der BNN war vor kurzem ein Leserartikel von einem Bewohner von Eggenstein-Leopoldshafen:
    Zitat: "...Ein Ausfall der Rheinbrücke (Wörth/Karlsruhe) würde die Region lahm legen und täglich rund 3 Millionen (!!!) Umwegkilometer, rund 300.000 (!!!) Liter verfahrenden Sprit und die Stundenzahl einer Lebensarbeitszeit (!!!) an Zeit in Stau und Umweg vergeuden..."
    Die Überschrift dieses Leserartikels lautet übrigens "Realität wahrnehmen" sehr passend, wie ich finde!
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    09.10.2019 00:35 Uhr
    ....Straßburg: 1 Fußgänger- und Fahrradbrücke,
    1 Straßenbahnbrücke, .... da gibt es viel zu tun bei uns!
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  •   schmidmi
    (1939 Beiträge)

    07.10.2019 13:59 Uhr
    Ich lasse mich nicht davon abbringen
    Man sperre die Südtangente für den durchgehenden Schwerverkehr und hat sofort die Vorteile auf der Hand:
    - weniger Stau
    - weniger zerstörerische Belastung der Infrastruktur
    - geringere Abgasbelastung

    Es fallen auch keine zusätzlichen Km für die LKW an

    Die Kosten, dies durchzusetzen:
    - vernachlässigbar
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  •   DangerMouse
    (174 Beiträge)

    08.10.2019 11:41 Uhr
    Re: Ich lasse mich nicht davon abbringen
    Hi schmidmi,

    Wenn man den Schwerverkhr auf die Schiene verlagert, könnte man etwas nördlich von der heutigen Rheinbrücke viellicht eine zusätzliche Eisenbahnbrücke bauen. Ich habe gehört da gibt es eine Stelle wo höchstens mal ein Prupurreiher gelandet sein soll, aber im Prinzip alles frei ist (ZwinkerSmiley!)
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